(Foto: Michael Scheler)

So fährt sich der chinesische Geländewagen BAW 212

Auf der Abenteuer & Allrad in Bad Kissingen war der BAW 212 vom chinesischen Hersteller Beijing Automobile Works in diesem Jahr so etwas wie der Star der Messe. Seit letztem Jahr ist der China-Offroader auch in Deutschland zu haben, die Händlerzahl steigt spürbar. Und auch die Zubehörbranche hat bereits reagiert und Teile für ihn entwickelt. Entsprechend stand er auf der Messe an mehreren Ständen – immer modifiziert.

Der BAW 212 war auf der Abenteuer & Allrad in Bad Kissingen gleich auf mehreren Ständen vertreten. Hier auf dem Stand von Taubenreuther aus Kulmbach. (Foto: Michael Scheler)

Wir haben uns den Wagen dort gründlich von allen Seiten angesehen, uns reingesetzt und mit den Anbietern gesprochen. Die Umbauten waren uns dabei allerdings erst einmal egal. Wir hatten ihn bis dato noch nie live gesehen. Die ersten Fahrzeuge waren bei den Händlern sofort weg, Indimo Automotive hatte gewohnt vorsichtig geordert und wohl nicht damit gerechnet, dass der 212 weggeht wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln.

Für unsere Testfahrt hat Swen Mayer von EU-Mayer freundlicherweise sein Vorführfahrzeug zur Verfügung gestellt – Vielen Dank! (Foto: Michael Scheler)

Uns aber war klar: Den müssen wir fahren. Wir haben herumtelefoniert. Der Importeur kommt mit der Nachfrage kaum hinterher, eine feste Testzusage war nicht drin. Swen Mayer von EU-Mayer in Aschaffenburg hat uns freundlicherweise schließlich sein Vorführfahrzeug für eine Testfahrt überlassen. Danke noch einmal an dieser Stelle.

Ein neuer Name mit altem Geländegeist

Der BAW 212 kann in Deutschland seit Sommer 2025 geordert werden, kommt aber erst jetzt so langsam bei den Händlern an. Da der Importeur die Nachfrage unterschätzt hat, kommt es zu Wartezeiten. Swen Mayer von EU-Mayer aus Aschaffenburg hat jedoch noch ein paar Fahrzeuge vorrätig. (Foto: Michael Scheler)

Der BAW 212 wird in seiner aktuellen Form seit 2024 gebaut, zunächst nur für den Heimatmarkt. Seit Sommer 2025 ist er offiziell in Deutschland zu ordern. Wer jedoch einen spartanischen Blechkasten wie den alten Defender oder gar den UAZ Hunter erwartet, wird eines Besseren belehrt. Der 212 ist technisch und von der Ausstattung her auf aktuellem Stand und Höhe der Zeit.

Der Innenraum ist modern gestaltet und auf der Höhe der Zeit. Die Sitze sind bequem, das Lenkrad griffig. (Foto: Michael Scheler)

Ordentlicher Innenraum, bequeme Sitze, großes Display, elektronische Offroad-Programme, Rundum-Kameras. Dazu das klassische Handwerkszeug: Leiterrahmen, 2,0-Liter-Turbodiesel mit 166 PS und 410 Newtonmetern Drehmoment, zuschaltbarer Allradantrieb mit Untersetzung, brauchbare Böschungswinkel und rund 70 Zentimeter Wattiefe.

Über das Display in der Mitte lassen sich nicht nur verschiedene Funktionen steuern, man kann sich auch das Bild der diversen Kameras und eine Draufsicht anzeigen lassen. (Foto: Michael Scheler)

Klassische Technik, moderne Ausstattung

Neben Sperren in beiden Achsen ist eine 9,5-Tonnen-Seilwinde mit Kunststoffseil gleich ab Werk montiert. Das findet man sonst bei keinem Hersteller. (Foto: Michael Scheler)

Damit hält er mit den üblichen Verdächtigen mit – nur deutlich günstiger. BAW hat aber noch ein paar Dinge ab werk dabei, die man bei anderen Herstellern meist vergeblich sucht oder teuer nachrüsten muss. Sperren an beiden Achsen, eine Seilwinde auf der Frontstoßstange, die auf den ersten Blick solide wirkt, und ausfahrbare Trittbretter, die beim Türöffnen automatisch ausfahren.

Die ausfahrbaren Trittbretter sind serienmäßig an Bord. Geht die Tür auf, fahren sie aus, schließt man die Tür, fahren sie wieder ein. Ziemlich praktisch. (Foto: Michael Scheler)

Allein die elektrischen Trittbretter kosten beispielweise bei einem Jeep Wrangler nachgerüstet gut 2000 Euro – ohne Einbau. Für die Nachrüstung an anderen Offroadern muss man meist noch mehr hiinblättern. Hier sind sie ab Werk dran. Genau wie der Suchscheinwerfer auf dem linken Kotflügel und „heißester Scheiß“ an der Kiste, denn er lässt sich elektrisch von innen steuern. Das Beste: Er lässt sich elektrisch vom Innenraum aus verstellen, über den Wipptaster der elektrisch verstellbaren Außenspiegel. Ein kleiner Kippschalter daneben wechselt zwischen Spiegel- und Scheinwerfersteuerung.

Die Verstellung für die Seitenspiegel steuert auch den Suchscheinwerfer. Mit den beiden Tastern rechts daneben wird umgeschaltet. (Foto: Michael Scheler)

Braucht zwar man im Alltag nicht so wirklich, ist aber einfach nur geil. Und sind es nicht genau solche Details, die grade einem solchen Fahrzeug Charakter geben?

„Heißester Scheiß“ am BAW 212: der von innen steuerbare Suchscheinwerfer. Braucht man nicht unbedingt, ist aber geil. (Foto: Michael Scheler)

Weniger Lifestyle, mehr Nutzwert

Nur das Gepäckabteil fällt eher knapp aus. Swen erzählte von Kunden, die sich letztlich gegen den 212 entschieden haben, weil keine große Hundebox hinter die Rücksitze passt. Ohne umgeklappte Sitze bleiben knapp 360 Liter. Zum Vergleich: Der viertürige Wrangler liegt je nach Version zwischen 330 und 440 Litern, der Grenadier bei 463 Litern. Allerdings sind beide auch rund 18 Zentimeter länger.

Der Gepäckraum fällt vergleichsweise klein aus, eine große Hundebox passt nicht hinein. Dafür sorgt der untere Teil für viel Ordnung. (Foto: Michael Scheler)

Einen Schlafausbau bekommt man trotzdem hin, Sleep’n 4×4 zeigt, wie. Aufblasbare Matratzen für den 212 sind ebenfalls schon am Markt. Bleibt abzuwarten, was die Umbauer noch alles entwickeln. In Bad Kissingen waren bereits Fahrwerke, Unterfahrschutz und weitere Seilwinden zu sehen.

Die Branche schraubt die Erwartungen diesmal jedoch nicht allzu hoch. Der BAW kommt schon ziemlich komplett aus der Fabrik. Und mit 39.995 Euro Einstiegspreis spricht er auch Käufer an, die später nicht noch einmal 15.000 oder 20.000 Euro in Modifikationen stecken wollen – oder können. Auf der anderen Seite: Der alte Defender lag als Neuwagen preislich sogar noch unter den hier aufgerufenen 40.000 Euro und für den gab und gibt es jede Menge Zubehör, wobei man bedenken muss, dass Sperren und Winde nicht bereits ab Werk dabei waren. Es bleibt also abzuwarten was da so kommen wird. Wir sind jedenfalls gespannt.

Und wie fährt er sich?

An unserem Testwagen sind Felgen von Giacuzzo montiert, die AT-Reifen stammen von BF-Goodrich. (Foto: Michael Scheler)

An unserem Testwagen sind lediglich die Räder modifiziert. Statt der Serienfelgen sind 18-Zoll-Giacuzzo-Alus mit BFGoodrich-AT-Reifen in 265/65 R18 montiert. Der Gesamtdurchmesser bleibt damit fast identisch zum Serienmaß 265/70 R17. Bestellbar sind AT-Reifen von BF Goodrich, Hankook, Kumho oder Falken in 265/70 R17, 265/65 R18 oder 275/55 R19 – alles ab Werk gegen Aufpreis.

Und wie fährt er sich, besonders im Gelände? Tür auf, Trittbretter ausfahren lassen einsteigen und die Tür schließen. Die Trittbretter fahren automatisch wieder ein – cool. Die ersten Kilometer aus Aschaffenburg heraus liefen auf Asphalt. Dort fühlt sich der 212 erstaunlich zivil an. Das Grobe eines alten Landys oder auch eines Grenadiers fehlt.

Im Innenraum gibt es klassische Schalter und sogenannten Knöpfchen-Allrad. Der Allradantrieb wird nach Betätigung des Schalters per Unterdruck eingelegt. (Foto: Michael Scheler)

Vergleichen lässt sich das schon eher mit dem 250er Toyota. Der lässt sich auf der Straße ebenfalls hervorragend fahren. Also spulen wir erst einmal einige Kilometer kurvige Landstraße ab und sind begeistert. Besonders laut wird es innen auch nicht. Damit auch eine längere Strecke über Autobahnen in den Urlaub zu fahren, können wir uns ziemlich gut vorstellen. Da waren wir schon deutlich schlechter unterwegs.

Der BAW 212 – im Gelände ein echter Geländewagen

Der 212 kletter mühelos in die Verschränkung und das im Standgas. Ein echter Offroader eben. (Foto: Michael Scheler)

Aber wer will mit einem Offroader schon auf Asphalt fahren? Also suchen wir uns eine Möglichkeit ins Gelände abzubiegen. Auf dem Areal einer ehemaligen Sandgrube oder eines Bauunternehmens werden wir fündig. Hier liegen dankenswerterweise auch ein paar Steinhaufen herum und wir können die Verschränkung testen. Also Untersetzung rein und den 212er mit dem linken Vorderrad an die Steine manövriert. Danach geht alles völlig entspannt. Im Standgas kraxelt er bis fast ganz ober locker flockig über die fränkischen Sandsteinbrocken. Und wir, wir sind sprachlos. Das entlockte den Chinesen nicht mal ein müdes Lächeln. Erst ganz kurz bevor das Rad ganz oben auf dem Steinhaufen angekommen ist, brauchte es ein sanftes „Streicheln“ des Gaspedals.

Auch rückwärts hgeht der BAW 212 in die Verschränkung. Dabei muss man allerdigns aufpassen, denn die Spritzlappen hinter den Rädern reißen leicht ab, wenn man mit dem Rad darüberfährt. (Foto: Michael Scheler)

Und die Verschränkung dabei ist ebenfalls beachtlich. Erst ganz spät beginnt der BAW ein Rad zu lupfen. Lediglich als wir rückwärts auf den Steinhaufen fahren passiert uns, was die Fahrer älterer Landys gut kennen – wir reißen am linken Hinterrad den Spritzlappen ab. Peinlich, da es der Vorführwagen einen Autohauses ist. An der Stelle nochmal ein ganz dickes SORRY Swen, das tut uns echt leid! Den Käufern des BAW, die mit dem Chinesen auch ins heftigere Gelände wollen, geben wir daher den Rat mit: Montiert die Dinger einfach ab.Daher lassen wir es ab jetzt etwas vorsichtiger angehen und beschränken uns auf moderate Geländepassagen. Die meistert der BAW dann auch erwartungsgemäß vollkommen klaglos.

Und klar, beim Rückwärtsfahren auf den Steinhaugen haben wir prompt den Spritzlappen abgerissen. Sehr ärgerlich. Am besten demontiert oder kürzt sie, wenn man ins Gelände will. (Foto: Michael Scheler)

Unser Fazit zum BAW 212

Drücken wir unser Fazit vorsichtig aus: Der Wettbewerb muss sich warm anziehen. Wirkte der Chinese auf der Messe und im Stand schon ziemlich gut gemacht, kann er den Eindruck beim Fahren nochmal toppen – auf der Straße und vor allem im Gelände. Und außerdem ist bei ihm ab Werk schon alles drin und alles dran.

Preislich startet der BAW 212 bei 39.970 Euro.

Bilder: vanlifemag.de (Michael Scheler)

FAQ zum BAW 212

1) Für wen eignet sich der BAW 212 besonders?
Der BAW 212 eignet sich besonders für Fahrer, die einen klassischen Geländewagen mit Leiterrahmen, Untersetzung und zuschaltbarem Allrad suchen, dabei aber nicht auf moderne Ausstattung verzichten wollen. Er passt zu Offroad-Einsteigern ebenso wie zu Reisenden und Jägern, die ein robustes, bereits ab Werk gut ausgestattetes Fahrzeug suchen.

2) Was macht dieses Fahrzeug so besonders?
Besonders ist die Kombination aus klassischer Offroad-Technik und ungewöhnlich umfangreicher Serienausstattung. Sperren an beiden Achsen, Seilwinde, elektrische Trittbretter und der verstellbare Suchscheinwerfer sind Merkmale, die man ab Werk bei keinem anderen Hersteller bekommt – und schon gar nicht in dieser Preisklasse.

3) Warum ist der BAW 212 ein Auto mit Tradition?
Der BAW 212 steht in der Tradition des chinesischen „Beijing BJ212“, dessen Modellgeschichte bis in die 1960er-Jahre zurückreicht. Außerdem produzierte das Unternehmen unter dem Namen „Beijing Jeep“ über ein Joint Venture viele Jahre den Jeep Cherokee XJ, den Grand Gherokee WJ und unter dem Namen „Beijing-Jeep Mitsubishi“ auch den Pajero sowie den Outlander. Die aktuelle Generation des 212 ist zwar ein modernes Fahrzeug, knüpft aber mit ihrer kantigen Form, dem robusten Konzept und dem klaren Fokus aufs Gelände an einen der bekanntesten Geländewagen Chinas an.