Folgore heißt Blitz. Der Name passt. Maserati hat den GranTurismo auf 800 Volt gestellt und dabei keinen Millimeter seiner GT-DNA geopfert. Kein leise rollender Abschied von der alten Welt, sondern ein selbstbewusstes Coupé, das italienische Reisetradition mit elektrischem Antrieb verbindet.
Viersitzig bleibt er Gran Turismo im klassischen Sinn: lange Etappen, kultivierte Geschwindigkeit, Platz für drei Mitfahrer und genug Präsenz, dass man nie in der Masse untergeht.
Ein Gran Turismo mit elektrischem Charakter

Die moderne Geschichte des GranTurismo begann 2007. Schon damals stand das Coupé für Reisegeschwindigkeit, Stil und echte Vier-Personen-Tauglichkeit. Die neue Generation führt genau diesen Gedanken fort – nur mit rein elektrischem Antrieb.
800-Volt-Architektur ist hier keine Marketingzahl. Sie sorgt für besseres Temperaturmanagement, stabile Ladeleistung und kurze Ladestopps. Die Batterie fasst 92,5 kWh, davon 83 kWh netto nutzbar.
Reichweite für echte Reisen
WLTP-Verbrauch zwischen 19 und 21 kWh/100 km. Daraus ergeben sich 494 bis 542 Kilometer Reichweite, wobei der Spitzenwert von 542 km noch unter Vorbehalt der finalen Zulassung steht. Für ein schweres, leistungsstarkes Coupé ist das eine brauchbare Hausnummer. Der Folgore wird damit mehr als ein Wochenendspielzeug.
Das faszinierende Detail: die entkoppelte Vorderachse

Das WED-System trennt die Vorderachse automatisch, sobald keine Allradtraktion gefordert ist. Der Effekt ist spürbar: weniger Verbrauch im Alltag, ohne dass der Fahrer harte Übergänge merkt.
In den Modi MAX RANGE und GT arbeitet es bis 160 km/h. Das System beobachtet Radschlupf, Straßenverhältnisse, Steigungen, Bremstemperaturen und Beschleunigungswünsche. Braucht es die Vorderachse wieder, greift sie in Sekundenbruchteilen zu.
Warum das für Enthusiasten zählt
Genau hier trifft alte GT-Philosophie auf Elektroantrieb. Ein Gran Turismo muss nicht ständig angreifen. Er soll Kilometer fressen, sicher liegen und trotzdem sofort Leistung liefern, wenn die Straße es verlangt. Das WED-System übersetzt diese Idee in die elektrische Welt.
Laden: schnelle Pause statt langer Zwangsstopp

Auch beim Laden zeigt sich der Reisegedanke. An 800-Volt-Ladern mit 270 kW sind in etwa fünf Minuten 100 Kilometer Reichweite nachgeladen. An 400-Volt-Ladern mit 50 kW kommen im selben Zeitraum nur rund 25 Kilometer zusammen.
Zuhause oder am Zielort lädt der Folgore mit bis zu 22 kW Wechselstrom – das ergibt etwa 100 Kilometer pro Stunde.
Navigation mit Reichweitenblick
Das 12,3-Zoll-Infotainmentsystem zeigt nach Zieleingabe den erwarteten Ladezustand bei Ankunft und schlägt sinnvolle Ladestopps entlang der Route vor. Auf langen Strecken entscheidet genau dieser Punkt oft zwischen entspanntem Fahren und permanenter Reichweitenangst.
Design: leise Hinweise statt lauter Effekte

Optisch geht der Folgore eigene Wege. Der vordere Stoßfänger ist eigenständig gestaltet, mit neu gezeichneten Lufteinlässen und aerodynamischer Feinarbeit. Am Heck sitzt ein eigener Diffusor. Dazu kommen serienmäßige Aero-Räder im Spritzgussverfahren, die die Strömung um die Radhäuser optimieren.
Kupferfarbene Embleme an Front, Heck und Flanken setzen den dezenten Elektro-Akzent. Innen setzen beleuchtete Edelstahl-Einstiegsleisten, Folgore-spezifische Luftausströmer und das serienmäßige 3D-Carbon-Element mit Kupferfaden die Linie fort.
Vier Plätze, ein eigenes Tempo

Der Innenraum bleibt auf vier vollwertige Plätze ausgelegt. Genau das macht den Folgore innerhalb der Elektro-Coupés interessant. Er verzichtet bewusst auf den üblichen Zweisitzer-Kompromiss und bleibt kultivierter Reisewagen. Das handwerklich gute Cockpit unterstreicht den Anspruch, ohne den sportlichen Kern zu verleugnen.
Zwischen Tradition und elektrischem Neubeginn
Der GranTurismo steht in einer langen Maserati-Linie, die beim A6 1500 begann. Der neue GranTurismo setzt diese Geschichte fort. Der Folgore markiert dabei einen echten Einschnitt: Er ist das erste rein elektrische Serienfahrzeug der Marke.
Drei Permanentmagnetmotoren mit je 300 kW, 560 kW maximale Leistung an den Rädern und 1.350 Nm Drehmoment. 0 auf 100 km/h in 2,7 Sekunden, 325 km/h Spitze. Trotz Elektroantrieb bleibt es ein Maserati für Leute, die Fahrkultur nicht mit Zurückhaltung verwechseln.
CO₂-Emissionen liegen bei 0 g/km, Effizienzklasse A. Die Verbrenner-Brüder verbrauchen 10,0 bis 10,3 l/100 km und liegen in Klasse G. Der Folgore ist kein simpler Ersatzmotor, sondern ein anderer, sehr überzeugender Zugang zum schnellen Reisen.
Bilder: Hersteller
FAQ
Ist der Maserati GranTurismo Folgore wirklich ein echter Gran Turismo, obwohl er elektrisch fährt?
Ja. Genau darin liegt seine Stärke. Der Folgore versucht nicht, ein schnelles Elektroauto mit GT-Label zu sein. Er ist ein echter Gran Turismo, der zufällig elektrisch angetrieben wird. Vier vollwertige Plätze, hohe Reisegeschwindigkeit, luxuriöse Ausstattung und die Fähigkeit, lange Strecken ohne Drama zu bewältigen, bleiben erhalten. Statt Sound und Drehzahlband gibt es sofortige Leistungsentfaltung, Ruhe und Effizienz. Die alte Idee funktioniert auch ohne Verbrenner.
Welche Rolle spielen Reichweite und Ladetechnik im Alltag des GranTurismo Folgore?
Reichweite und Ladeleistung sind keine Randnotizen, sondern zentraler Bestandteil des Konzepts. Bis 542 km WLTP und die 800-Volt-Architektur ermöglichen kurze Ladepausen statt stundenlanger Zwangsstopps. Die Navigation mit Ladezustandsprognose nimmt einem die ständige Rechnerei ab. Wer einen Folgore kauft, will ihn nicht nur vor dem Casino abstellen, sondern auch von Hamburg nach Monaco fahren können – vorausgesetzt, die Ladeinfrastruktur spielt mit.
Warum ist das WED-System mit entkoppelter Vorderachse mehr als nur ein technisches Extra?
Weil es den Charakter des Autos direkt verändert. Das System lässt den Folgore im Alltag mit Hinterradantrieb fahren, spart Strom und erhält die Souveränität eines echten GT. Sobald Traktion oder Leistungsentfaltung es verlangen, ist der Allradantrieb in Sekundenbruchteilen wieder da. Diese Balance aus Gelassenheit auf der Autobahn und sofortiger Kraft aus langsamen Ecken passt perfekt zur klassischen Gran-Turismo-Idee. Der Fahrer muss nicht wählen – das Auto erledigt die Abstimmung.



