Wer ein Auto besitzt, von dem es nur noch eine Handvoll gibt, lässt es normalerweise originalgetreu restaurieren. Beim Buick Roadmaster Convertible von 1946, den wir auf der SEMA Motorshow 2026 in Las Vegas gesehen haben, ist es anders gelaufen. Besitzer Harold Peck führt den Wagen als eines von nur vier bekannten Exemplaren weltweit – und hat ihn trotzdem zum Restomod umbauen lassen, bei dem amerikanische Nachkriegsopulenz auf europäische Sportwagentechnik trifft.
Der Reihenachter bleibt, atmet aber durch Weber-Vergaser

Unter der langen Haube arbeitet ein Reihenachtzylinder mit 320 Kubikzoll, also rund 5,2 Litern Hubraum. Diese Motorbauart passt zum Auto: Buick hat den Roadmaster über Jahrzehnte mit großvolumigen Reihenachtzylindern gebaut, die für ihre Laufruhe bekannt waren. Ungewöhnlich ist, wie der Motor hier seinen Kraftstoff bekommt. Statt eines amerikanischen Fallstromvergasers sitzen zwei Weber 45 DCOE an der Seite. Das sind Doppel-Flachstromvergaser, die man von europäischen Sportwagen und aus dem Rennsport kennt. Zwei davon ergeben vier Ansaugtrichter für acht Zylinder. Den Ansaugtrakt und die Fächerkrümmer hat O’Connell Specialties eigens für den Wagen gefertigt.
Diese Lösung ist eine Stilentscheidung mit technischem Hintergrund. Flachstromvergaser bringen die Ansaugluft auf kurzem Weg zum Brennraum und gelten deshalb als drehfreudig. Wie sehr das einem langhubigen Reihenachter tatsächlich hilft, müsste eine Probefahrt zeigen. Unter der Haube ist das aber ein Bild, das man bei einem Buick nicht erwartet.
Overdrive-Automatik und eine Hinterachse von Jaguar

Hinter dem Motor sitzt ein 700R4. Diese Viergang-Automatik von General Motors mit Overdrive ist in der US-Restomod-Szene beliebt, weil der lange vierte Gang die Drehzahl auf dem Highway senkt. Für einen schweren Achtzylinder, der ursprünglich mit deutlich weniger Gängen auskommen musste, ist das ein spürbarer Gewinn an Alltagstauglichkeit und Verbrauch.
Die Hinterachse stammt von Jaguar. Jaguar-Hinterachsen sind in der amerikanischen Hot-Rod-Szene seit Jahren beliebte Spenderteile, weil sie modernere Fahreigenschaften in alte Fahrgestelle bringen. Die nötigen Anpassungen am Fahrwerk hat ebenfalls O’Connell Specialties übernommen.
Mintgrün, Maßanfertigung und große Namen der Szene

Optisch setzt der Roadmaster auf eine Glasurit-Lackierung in Mint Green. Der Farbton passt zu den Pastelltönen der Nachkriegszeit, ohne nach Museum auszusehen. Gebaut und lackiert hat den Wagen Terry Wilbert vom Argyle Rod Shop. Die Stoßstangen sind Einzelstücke von H&H Customs. Verdeck und Innenausstattung stammen von Ron Mangus Interiors, einem der bekanntesten Sattler der kalifornischen Custom-Szene. Das zeigt, dass hier nicht am Budget gespart wurde.
Die Räder von Curtis Speed messen 17 Zoll, die Diamondback-Reifen haben das Format 235/65 R17. Die 65er-Flanke ist mit gut 15 Zentimetern für heutige Verhältnisse hoch. Das ist ein kluger Kompromiss, denn so bleibt die Proportion eines Vorkriegs-Designs erhalten, obwohl die Felgen deutlich größer sind als die des Originals.
Unser Urteil

Dieser Roadmaster ist kein Auto für Puristen. Wer ein Cabrio besitzt, das es angeblich nur viermal gibt, und daraus einen Restomod macht, nimmt bewusst in Kauf, dass ein Stück Originalgeschichte verloren geht. Konsequent ist der Umbau trotzdem: Der Reihenachter als Herz des Autos bleibt erhalten, Getriebe und Hinterachse sind sinnvolle Upgrades für das Fahren, und mit Lack, Sattlerarbeit und Stoßstangen von renommierten Betrieben erreicht er Show-Niveau. Am meisten überzeugt uns die Weber-Bestückung, weil sie den Buick technisch eigenständig macht, statt nur einen modernen V8 einzupflanzen. Wer Originalität über alles stellt, wird hier Bauchschmerzen bekommen. Wer Vintage-Optik mit fahrbarer Technik verbinden möchte, findet in diesem Roadmaster ein gelungenes Beispiel.
Die Daten

- Fahrzeug: Buick Roadmaster Convertible, Baujahr 1946
- Motor: Reihenachtzylinder, 320 Kubikzoll (rund 5,2 Liter)
- Gemischaufbereitung: zwei Weber 45 DCOE Flachstromvergaser
- Getriebe: 700R4 Viergang-Automatik
- Hinterachse: Jaguar
- Räder/Reifen: 17 Zoll Curtis Speed, Diamondback 235/65 R17
- Lack: Glasurit Mint Green
- Aufbau: Terry Wilbert, Argyle Rod Shop
Quelle: eigene Recherche vor Ort, SEMA Motorshow 2026 Las Vegas, Argyle Rod Shop


