Ein Ford F600 aus dem Jahr 1973 mit Doppelkabine, abgesetzt auf das Fahrgestell eines Ford F350 Tremor aus dem Modelljahr 2025, dazu ein 7,3-Liter-V8 mit Kompressor: Mit dem YETI zeigt Jack’d Up Trucks auf der SEMA Motorshow 2026 in Las Vegas, wie weit ein sogenannter Chassis-Swap heute gehen kann. Spannend ist dabei weniger die Optik als ein Versprechen der Werkstatt: Der Truck behält die Original-Elektronik von Ford und soll sich beim Ford-Händler warten lassen.
Ein Lkw-Aufbau von 1973 auf einem Super Duty von heute

Jack’d Up Trucks ist eine Custom-Werkstatt aus Upton im US-Bundesstaat Wyoming und bezeichnet den YETI selbst als „Chassis Swap Build“. Das Prinzip ist in der amerikanischen Restomod-Szene beliebt: Die alte Karosserie wandert auf einen modernen Leiterrahmen, sodass Fahrwerk, Antrieb und Bremsen aus der Gegenwart stammen, während man außen einen Klassiker sieht.
Die Basis für das Blech ist ein Ford F600 mit Crew Cab, Baujahr 1973. Der F600 gehört zu den mittelschweren Lkw der F-Serie, also eine Klasse über den bekannten Pick-ups F-150 bis F-350. Das Baujahr fällt in die sechste Generation der F-Serie, die in den USA wegen der eingezogenen Seitenlinie oft „Dentside“ genannt wird. Darunter steckt ein F350 Tremor von 2025. Tremor ist Fords Offroad-Paket für die schweren Super-Duty-Pick-ups, ab Werk mit grobstolligen Reifen und mehr Bodenfreiheit. Die Ladefläche mit ausgestellten Kotflügeln hat Jack’d Up Trucks selbst gebaut.
Godzilla mit Whipple-Kompressor

Unter der alten Haube arbeitet der 7,3-Liter-V8 von Ford, der in der Szene „Godzilla“ heißt. Der Benziner mit untenliegender Nockenwelle wurde für die Super-Duty-Baureihe entwickelt und ist wegen seines großen Hubraums und seiner robusten Bauweise unter Tunern beliebt. Beim YETI sitzt ein Kompressor von Whipple darauf. Die Firma aus Kalifornien ist für Doppelschrauben-Lader bekannt, die schon bei niedriger Drehzahl Ladedruck aufbauen – für einen schweren Truck, der vor allem Drehmoment braucht, ist das die passende Bauart.
Die Abgase laufen über Fächerkrümmer von American Racing Headers in eine ATAK-Anlage von Borla, die aggressivste Klangabstimmung im Programm des Auspuffherstellers. Die Motorsoftware hat StangHi Performance angepasst. Ob sich die Kraft mit dem Gewicht eines mittelschweren Lkw-Aufbaus verträgt, könnte erst eine Fahrt zeigen. Geschaltet wird mit dem Zehngang-Automatikgetriebe 10R140, das Ford auch in den Super-Duty-Modellen verbaut. Weil Motor und Getriebe aus dem Ford-Regal stammen, kennt jede Ford-Werkstatt diese Kombination – eine Voraussetzung für das Wartungsversprechen, um das es weiter unten geht.
4,5 Zoll Höherlegung und Mud-Terrain-Reifen

Für das Fahrwerk setzt Jack’d Up Trucks auf ein Höherlegungssystem von S&B mit rund 11 cm (4,5 Zoll). Dazu kommen Mickey Thompson Baja Legend MTZ, ein Mud-Terrain-Reifen mit groben Stollen für Schlamm und Fels. Die Felgen stammen von Detroit Steel Wheel aus der Serie D-Town Smoothie. Der Hersteller baut Stahlräder im Retro-Stil, glatte Schüsseln wie früher, aber in modernen Dimensionen. Genau dieser Gegensatz passt zum Konzept des YETI: Optik von damals, Technik von heute.
Auch bei Details bleibt der Truck dieser Linie treu. Die Scheinwerfer sind RetroBright-Leuchten von Holley, LED-Scheinwerfer im Look klassischer Rundlampen. Weil die Kabine eines Lastwagens hoch über der Straße sitzt, braucht es Trittstufen, die beim YETI von Kincer Chassis kommen.
Ford-Elektronik ab Werk und Wartung beim Händler

Innen sorgt ein Custom-Interior-Kit von Fat Fender Garage für den Übergang zwischen alter Kabine und neuer Technik. Das Lenkrad trägt das Emblem der King-Ranch-Ausstattung, der luxuriösen Western-Linie der Super-Duty-Modelle.
Für Käufer solcher Umbauten ist ein anderer Punkt wohl wichtiger: Jack’d Up Trucks verspricht, dass sämtliche Original-Steuergeräte und Systeme von Ford erhalten bleiben und der Truck dadurch beim Ford-Händler gewartet werden kann. Gerade daran scheitern viele Restomods im Alltag, weil Werkstätten bei umverkabelten Fahrzeugen abwinken. Wie gut das in der Praxis klappt, wenn eine Werkstatt einen F600 von 1973 vor sich hat, muss sich zeigen. Der Ansatz ist aber konsequenter als bei vielen Umbauten, die nur Motor und Getriebe übernehmen.
Unser Urteil: Showtruck mit Alltagsanspruch

Der YETI ist kein Fahrzeug für Puristen, die einen originalen Ford der Siebziger suchen, und auch keines für Sparsame: Ein aufgeladener 7,3-Liter-Benziner unter einem Lkw-Aufbau dürfte beim Verbrauch kaum Rücksicht nehmen. Die Auswahl der Teile ist durchdacht, denn Antrieb und Elektronik kommen aus der Ford-Serie, während die Werkstatt bei Rädern, Licht und Auspuff auf Spezialisten der US-Szene zurückgreift. Am meisten überzeugt, dass Jack’d Up Trucks die Wartbarkeit mitdenkt. So bleibt ein Showtruck mit einem ernst gemeinten Alltagskonzept – für alle, die Siebziger-Blech fahren wollen, ohne auf die Werkstatt beim Ford-Händler zu verzichten.
Die Daten
- Karosserie: Ford F600 Crew Cab, Baujahr 1973
- Chassis: Ford F350 Tremor, Modelljahr 2025
- Motor: Ford 7,3-Liter-V8 „Godzilla“ mit Whipple-Kompressor
- Getriebe: Ford 10R140, Zehngang-Automatik
- Auspuff: American Racing Headers, Borla ATAK
- Fahrwerk: S&B, rund 11 cm (4,5 Zoll) Höherlegung
- Räder: Detroit Steel Wheel D-Town Smoothie, Mickey Thompson Baja Legend MTZ
Quelle: eigene Recherche vor Ort, SEMA Motorshow 2026 Las Vegas, Jack’d Up Trucks



