Silber und Schwarz, Motornummer 1026, Rahmennummer M1S1797. Die Brough Superior MX100 von 1937 ist eines von geschätzt sechs Exemplaren mit Bentley-&-Draper-Rahmen, die als MX100 ausgeliefert wurden. Kein protziger Auftritt. Einfach die ruhige Präsenz einer Maschine aus einer Zeit, in der 160 km/h noch richtig nach Aufwand rochen.
Ein Motorrad mit Aura und Herkunft

Brough Superior wurde 1919 in Nottingham von George Brough gegründet. Keine Massenproduktion. Jedes Motorrad entstand einzeln, von Hand aufgebaut. Brough selbst fuhr jede Maschine vor der Auslieferung auf Höchstgeschwindigkeit. Das sagt mehr über den Anspruch als jedes Prospekt.
Die letzte große Linie der SS100
Die MX100 ist die späte und letzte Entwicklungsstufe der SS100. Die Matchless-Version tauchte Ende 1935 erstmals auf. Das Konzept selbst lief seit 1924. Von 1936 bis 1940 entstanden genau 102 Exemplare dieser Matchless-getriebenen Variante. Damit war die MX100 der Schlusspunkt einer 16-jährigen Baureihe.
990 Kubikzentimeter britische Mechanik

Luftgekühlter OHV-V-Twin mit 990 cm³. Zwei Zylinder, klare Mechanik, direkte Kraftentfaltung ohne Umwege. Manuelles Vierganggetriebe – jede Schaltung eine bewusste Handlung. Keine Elektronik, die den Charakter glättet. Hier spürt der Fahrer noch alles: Hand, Fuß, Gehör und das Spiel der Mechanik.
Manche Historiker nennen den speziellen Matchless-BS/X2 mit 986 cm³. Bei diesem Exemplar steht 990 cm³ in den Papieren. Solche kleinen Abweichungen sind bei alten Maschinen normal. Sie machen den Reiz aus. Jede Schraube, jede Bauzeit und jede spätere Überholung erzählt ihre eigene Geschichte.
Die faszinierende Idee: 161 km/h als Versprechen

George Brough garantierte für jede MX100 eine Runde auf der Brooklands mit 161 km/h. 1937 war das kein Werbegag. Straßen waren schlecht, Reifen dünn, Bremsen schwach. Die frühere SS100 mit JAP-Motor war das erste Serienmotorrad mit dieser offiziellen Garantie. Die Matchless-Version setzte den Gedanken in der späten Vorkriegszeit fort.
Tempo mit Haltung
Die 1936er SS100 Matchless soll bis 177 km/h geschafft haben. Schnell genug. Der eigentliche Punkt ist aber, wie selbstverständlich Leistung und handwerkliche Präzision hier zusammenpassen. 50-Grad-V-Twin, sorgfältige Fertigung, geprüfte Performance. Die MX100 war nie bloß Transport. Sie war eine Haltung auf zwei Rädern.
Rahmen, Gabel, Bremsen: Technik mit Charakter

Castle-Leading-Link-Gabel vorn, Trommelbremsen an beiden Achsen mit Einzelnocken. Herrlich analog. Brough hat Motoren, Getriebe und Naben bewusst bei Spezialisten eingekauft. Daraus entstand kein Kompromiss, sondern ein bewusst zusammengestelltes Ganzes.
Die dokumentierte Überholung ist ordentlich. Zylinderköpfe mit übergroßen Black-Diamond-Ventilen und gusseisernen Führungen. Kipphebelgehäuse mit neuen Filzen, Federn und Ausgleichsscheiben. Dazu JE-Kolben und eigens gefertigte geflanschte Hülsen. Die Maschine hat nicht nur im Trockenen gestanden – sie wurde technisch ernst genommen.
Seltenheit mit einer beinahe filmischen Geschichte

Angeblich war sie eines von zwei SS100-Motorrädern, mit denen George Brough und Blackie Blacknell eine Kontinentalreise unternahmen. Zwei schwere Briten auf den Straßen der Dreißiger. Ohne Autobahn, ohne Navi, nur mit Werkzeug, Leder und Vertrauen in die eigene Technik.
Wenn Dokumente leise sprechen
Serviceunterlagen und Korrespondenz liegen bei. Bei alten Motorrädern oft wertvoller als vieles andere. Sie geben der Maschine eine zweite Spur. Dazu der Bericht in einer klassischen Motorradpublikation von Januar 1990. Diese MX100 war schon damals kein Unbekannter.
Ein Traum für die Sammlung, nicht für den Alltag

Das Motorrad soll als Lot F182 bei Mecum Las Vegas 2026 unter den Hammer kommen. Wer mitbietet, kauft kein Alltagsgerät. Mit Bill of Sale. Für Käufer oder Händler aus Nevada ausdrücklich nur zu Ausstellungszwecken. Nicht für öffentliche Straßen oder Autobahnen zugelassen.
Das schmälert den Reiz nicht. Im Gegenteil. Die Brough Superior MX100 von 1937 ist ein Stück britischer Ingenieursgeschichte. Ein silbern-schwarzes Relikt, das zeigt, wie Mechanik früher Charakter hatte. Wer sie nimmt, übernimmt Verantwortung für ein rollendes Kulturgut.
Bilder: Anbieter des Fahrzeuges
FAQ

Warum gilt die Brough Superior MX100 von 1937 als so außergewöhnlich?
Nur sechs Exemplare mit diesem Bentley-&-Draper-Rahmen als MX100. 102 Stück der gesamten Matchless-Variante. Letzter Schritt einer 16 Jahre langen SS100-Entwicklung. Dazu die Brough-Art: jedes Motorrad einzeln gebaut, jedes einzeln auf Tempo geprüft. Handarbeit, nachweisbare Historie und die dokumentierte Überholung machen dieses Exemplar zum klaren Sammlerstück mit hohem Wert.
Was macht die Technik der MX100 auch heute noch faszinierend?
Luftgekühlter V-Twin, manuelles Vierganggetriebe, Trommelbremsen, Castle-Leading-Link-Gabel. Alles direkt, alles mechanisch. Keine Elektronik, die eingreift oder abschwächt. Der Fahrer muss noch alles selbst können. Die dokumentierten Arbeiten an Ventilen, Kipphebeln und Kolben zeigen zudem, dass diese Maschine nicht nur poliert, sondern technisch gepflegt wurde. Genau das macht sie bis heute ehrlich und greifbar.
Ist die Brough Superior MX100 heute eher Sammlerstück oder fahrbares Motorrad?
Sammlerstück. Klar. Sie wurde zwar als leistungsstarkes Motorrad gebaut, doch ihr Rang, die extreme Seltenheit und die vorhandenen Unterlagen sprechen fürs Bewahren statt für den täglichen Einsatz. Außerdem ist sie ausdrücklich nicht für öffentliche Straßen oder Autobahnen freigegeben. Wer sie kauft, trägt Verantwortung für Erhalt und Dokumentation. Die fahrerische Seele bleibt trotzdem spürbar – genau das macht ihren besonderen Reiz aus.



