Breiter Lenker, pulsender V2 und 50 Grad Schräglage. Die Buell Super Cruiser muss nicht lange erklären, was sie kann. Für 2026 gibt es keinen gemütlichen Boulevard-Cruiser, sondern ein amerikanisches Powerbike mit klassischer Silhouette und ernst gemeinter Fahrdynamik. Großer V2, sportliche Komponenten und gedrungene Form – das Bike steht bewusst zwischen den Welten. Roh, aber nie simpel. Muskulös, aber nicht altmodisch. Genau das macht den Reiz aus.
Ein Cruiser, der nicht nur cruisen will

Die Super Cruiser kommt mit einem 1.190 Kubik großen, flüssigkeitsgekühlten 72-Grad-V2. 175 PS und 127,45 Nm bei 8.500 U/min. Diese Werte schieben das Motorrad deutlich näher an die Superbike-Fraktion als an den klassischen Cruiser.
Genau diese Mischung definiert den Charakter. Der Motor hat sportliche Buell-Wurzeln, wurde für die Super Cruiser aber auf lineare Drehmomentabgabe abgestimmt. Wer den Cruiser nicht nur anschauen, sondern wirklich bewegen will, merkt den Unterschied sofort. Leistung beeindruckt am Stammtisch. Kontrollierbares Drehmoment entscheidet auf der Straße.
Der V2 als Zentrum der Geschichte

Bohrung und Hub liegen bei 106 x 67,5 Millimetern, die Verdichtung bei 13,4:1. Zwei Port-Injektoren kümmern sich um die Gemischaufbereitung. Die Kraft geht über einen Primärtrieb mit 36/65-Übersetzung und eine 520er Z-Ring-Kette mit 16/44-Übersetzung ans Hinterrad.
Sporttechnik unter klassischer Silhouette

220 Kilogramm nass ohne Kraftstoff. Für einen Cruiser schon kein schwerfälliger Brocken. Stahlrohrrahmen als Rückgrat, eine auf Steifigkeit optimierte Aluminiumschwinge hinten, vorne eine umgedrehte FOX-Gabel und ein einzelnes FOX-Federbein ohne Umlenkung. Die Abstimmung wirkt präzise statt komfortverwöhnt.

Die Bremsanlage passt ins Konzept: zwei 320-Millimeter-Scheiben mit Vierkolben-Monoblock-Sätteln vorne, eine 220-Millimeter-Scheibe mit Zweikolbensattel hinten. Dazu Dunlop Sportmax Q5A-Reifen, ein Buell/Saddlemen-Sitz und die Café-Stil-Verkleidung von Memphis Shades. Das ist keine Dekoration. Das ist Ausrüstung für Leute, die ihr Motorrad mit Nachdruck fahren.

50 Grad Schräglage: die große Ansage

50 Grad Schräglage. Bei einem Cruiser eine echte Ansage. Die meisten in dieser Klasse leben von Präsenz, Sound und stabilem Geradeauslauf. Die Super Cruiser will zusätzlich Kurven.
813 Millimeter Sitzhöhe, 120,65 Millimeter Bodenfreiheit und eine eher sportliche Geometrie geben ihr den nötigen Spielraum. Lang und tief genug, um als Cruiser durchzugehen. Gleichzeitig bereit, wenn es eng wird – einlenken, legen, hart herausbeschleunigen.
Sechs Gänge für Druck und Tempo
Die Getriebeabstufung ist breit genug für echten Druck: 2,46 im ersten Gang, 1,75 im zweiten, 1,38 im dritten, 1,17 im vierten, 1,04 im fünften und 0,96 im sechsten. Die hydraulisch betätigte Kupplung mit vakuumunterstützter Slipper-Funktion sorgt dafür, dass die 127,45 Nm sauber dosierbar bleiben und beim Runterschalten keine Unruhe ins Fahrzeug kommt.
Vom Konzept zur Serienmaschine
Die Geschichte begann als Projekt mit Roland Sands Design. Buells 1190er-Technik in einer Silhouette, die von amerikanischen Performance-Cruisern inspiriert war. Aus dem Konzept wurde ein Prototyp, aus dem Prototyp die Serienversion für 2026. Der Kern blieb erhalten, einige Details wurden angepasst.
Die Serienmaschine wiegt 220 Kilogramm – leichter als die ersten Ankündigungen vermuten ließen. Die Sitzhöhe liegt bei 813 Millimetern. Weniger Sofa, mehr Angriff. Der Tank fasst 15 Liter, die Abmessungen liegen bei 2.305 mm Länge, 870 mm Breite und 1.321 mm Höhe. Imposant, aber nicht überladen.
Amerikanische Härte mit feinem Gespür
Die Buell Super Cruiser ist kein Motorrad für jedermann. Genau das ist ihre Stärke. Sie spricht Fahrer an, die Cruiser-Linien wollen, aber keine Trägheit ertragen. Klassische Optik ja, aber Fahrwerk, Bremsen und Motor ohne Kompromisse. Der Reiz entsteht aus der Spannung zwischen dickem V2 und klarer, sportlicher Auslegung.
Buell greift auf ein breites amerikanisches Zuliefernetzwerk zurück. Frontverkleidung, Sitz, Reifen, Fahrwerk, Rahmen und Tank ergeben ein Motorrad mit Ecken und Kanten. Genau das braucht ein Cruiser, der keine Nostalgie verkaufen will.
Zum Preis: In den USA startet die Buell Super Cruiser bei 25.900 Dollar. Für 175 PS, 127,45 Nm, 50 Grad Schräglagenfreiheit und diese eigenwillige Mischung aus Cruiser-Stil und Superbike-Genen eine klare Ansage an eine sehr spezielle Klientel.
Bilder: Hersteller
FAQ
Was macht die Buell Super Cruiser anders als einen klassischen Cruiser?
Der sportliche Anspruch. Viele Cruiser setzen auf entspanntes Rollen, satten Sound und dicke Optik. Die Super Cruiser packt dazu 175 PS, hochwertiges Fahrwerk, kräftige Bremsen und 50 Grad Schräglage. Das ergibt ein Motorrad, das nicht nur gut aussieht, sondern auch präzise einlenkt, stark durchzieht und in Kurven Spaß macht. Für Fahrer, die den V2-Charakter und die aufrechte Haltung wollen, aber gleichzeitig aktives Fahren und echte Fahrdynamik erwarten.
Für wen ist die Buell Super Cruiser besonders interessant?
Für alle, die sich nicht zwischen Cruiser und Sportmotorrad entscheiden wollen. Wer die Sitzposition, den V2-Puls und den klassischen Auftritt schätzt, aber keine Lust auf träges Handling oder reine Showtechnik hat, findet hier ein passendes Konzept. Aktives Fahren, Kurven suchen, starken Charakter – das passt. Eher etwas für erfahrene Fahrer, die schon mehrere Klassen kennen und ein Bike mit eigenem Kopf und amerikanischer Haltung suchen. Kein Einsteigerbike.
Welche Rolle spielt der starke V2-Motor im Gesamtkonzept des Motorrads?
Er ist das emotionale und technische Zentrum. Der Motor liefert nicht nur 175 PS und 127,45 Nm, sondern bestimmt mit seinem Ansprechverhalten und der linearen Leistungsentfaltung den gesamten Charakter. Vom ersten Meter an ist er präsent. Buell hat ihn bewusst als tragendes Element eines sportlich abgestimmten Cruisers gesehen – stark auf der Geraden, brauchbar in Schräglage. Ohne diesen 1.190er V2 wäre die Super Cruiser nur ein weiterer auffälliger Cruiser. Mit ihm wird sie zum Crossover, das auf beiden Gebieten liefert.



