Die Bullet 350 wirkt nie neu. Auch nicht, wenn sie frisch aus dem Laden kommt. Seit 1932 trägt sie diese Geschichte mit sich – Trials in Europa, Scottish Six Days, Einsatz bei Soldaten und Zivilisten. 2023 kam sie mit überarbeitetem Motor zurück nach Europa. Ihren Charakter hat sie nicht verloren.
Wer Motorräder nach Haltung, Klang und mechanischer Ehrlichkeit beurteilt, sieht in der Bullet 350 ein echtes Stück Zweiradkultur. Sie will nicht überfordern. Sie begleitet. Durch enge Stadtgassen, über Landstraßen und auf langen Touren.
Ein klassischer Auftritt mit neuer Substanz

Der Motor passt zum Wesen der Bullet
Im Zentrum steht ein luft-öl-gekühlter Einzylinder mit 349 cm³ Hubraum. 20,2 PS bei 6.100 U/min, 27 Nm bei 4.000 U/min. Auf dem Papier klingt das bewusst bodenständig. In der Praxis passt es perfekt zum Konzept: Kraft aus dem unteren Drehzahlband statt hektischer Spitzenleistung.
Dazu gibt es elektronische Einspritzung, ein 5-Gang-Getriebe und einen Verbrauch von 2,63 Litern auf 100 km. Der Tank fasst 13 Liter. Wer ruhiges, rhythmisches Fahren sucht, findet hier genau die richtigen Werte. Keine Rekordjagd, dafür echte Ausdauer.
Das faszinierende Detail: der neue Rahmen

Mehr Vertrauen statt mehr Theater
Das neue Chassis ist der eigentliche Fortschritt. Twin-Downtube-Spine-Rahmen – doppelschleifenartiger Rohrrahmen, wie Royal Enfield es nennt. Hier haben sie behutsam gearbeitet. Mehr Stabilität und Vertrauen beim Fahren, ohne die klassische Linie zu zerstören.
Die Fahrwerksdaten bleiben gewohnt klassisch: vorn eine 41-mm-Teleskopgabel mit 130 mm Federweg, hinten zwei Stoßdämpfer mit sechsfach einstellbarer Vorspannung. 1.390 mm Radstand, 805 mm Sitzhöhe und 195 kg Leergewicht. Die Bullet steht satt da – weder filigran noch wuchtig.
Komfort, Bremsen und Alltag im Blick

Kleine Änderungen mit spürbarem Nutzen
Die überarbeitete Sitzbank gibt mehr Platz und deutlich besseren Oberschenkelhalt. Auf langen Etappen merkt man das sofort. Neue Lenkerarmaturen machen Bedienung und Starten einfacher, behalten aber ihr mechanisches, taktiles Gefühl. Das digital-analoge Instrument folgt demselben Prinzip: moderne Daten in zeitloser Optik.
Bei den Bremsen gibt es Zweikanal-ABS, vorn mit 300-mm-Scheibe und Doppelkolben-Schwimmsattel, hinten mit 270-mm-Scheibe und Einkolben-Schwimmsattel. Die Speichenräder tragen Schlauchreifen in 100/90-19 vorn und 120/80-18 hinten. Ein USB-Anschluss zum Laden von Geräten ist ebenfalls dabei.
Farben und Preis der Royal Enfield Bullet 350
In Deutschland stehen Schwarz-Gold, Standard Schwarz und Standard Maroon in den Fahrzeugdaten. Der Preis beginnt bei 5.270 Euro.
Bilder: Hersteller



