Morgan Three-Wheeler von 2012, burgundfarben, mit offenem V2-Motor und zwei Vorderrädern, Seitenansicht
Morgan Three-Wheeler von 2012 mit sichtbarem V2-Motor und klassischem Design. (Foto: hemmings.com)

Morgan Three-Wheeler: pures Fahren

Es gibt Fahrzeuge, die sich jeder eindeutigen Schublade entziehen. Der Morgan Three-Wheeler gehört in diese Kategorie. Er ist Automobil, Motorrad, Zeitmaschine und Stilobjekt zugleich – und eine der eigenwilligsten Erscheinungen der modernen Mobilität. Das hier gezeigte Exemplar stammt aus dem Jahr 2012 und verkörpert die kompromisslose Reduktion, mechanische Ehrlichkeit und das offene Fahrgefühl, das in einer digitalisierten Autowelt wie ein Gegenentwurf wirkt.

Wer dem Three-Wheeler begegnet, erkennt sofort: Hier geht es nicht um Komfort, sondern um Charakter. Die Silhouette ist unverwechselbar, das Konzept mutig. Zwei Räder vorn, eines hinten, dazu ein frei sichtbarer V2-Motor an der Front – schon im Stand erzählt dieses Fahrzeug von einer anderen Vorstellung des Reisens. Es will aus jeder Strecke ein Ereignis machen. Das erklärt, warum der Morgan Three-Wheeler viele Enthusiasten in seinen Bann zieht.

Eine Idee mit Wurzeln bis ins Jahr 1909

Morgan Three-Wheeler von 2012 in Burgunderrot, Dreiradfahrzeug mit offenem V2-Motor und Lederinterieur.
Der Morgan Three-Wheeler von 2012 zeichnet sich durch den offenliegenden V2-Motor an der Front aus. (Foto: hemmings.com)

Die Geschichte dieses Konzepts reicht bis 1909 zurück. Damals nahm der erste Morgan Runabout mit drei Rädern die Produktion auf und begründete eine Tradition für leichte, direkte Mobilität. Jahrzehnte später griff Morgan diese Idee auf und stellte 2011 auf dem Genfer Automobilsalon den modernen 3 Wheeler vor. Manche automobile Ideen altern nicht – sie warten auf ihre nächste Bühne.

Das Modelljahr 2012 gehört zur frühen Phase der modernen Wiedergeburt. Es wirkt zeitlos, weil Morgan den Wagen nicht dem Mainstream angepasst hat. Stattdessen blieb der Three-Wheeler radikal bei sich selbst – darin liegt seine Stärke.

Der V2-Motor als Herzstück der Faszination

Morgan Three-Wheeler von 2012 in Weinrot frontal seitlich vor einem Haus geparkt
Von der Seite erinnert der Three-Wheeler ein wenig an den alten Bugatti. (Foto: hemmings.com)

Die faszinierendste Eigenschaft dieses Morgan ist der offene V2-Motor an der Front. Es handelt sich um einen 1.979-Kubikzentimeter großen S&S-V2, der dem Three-Wheeler seine technische und emotionale Signatur verleiht. Er prägt den Auftritt, die Akustik und das Fahrerlebnis.

Mit 61 kW (82 PS) und einem maximalen Drehmoment von 140 Newtonmetern wirkt der Morgan auf dem Papier nicht wie ein Leistungssportler. Entscheidend ist jedoch das Verhältnis von Kraft zu Masse: Nur 525 Kilogramm Trockengewicht sorgen für Unmittelbarkeit. In 6,0 Sekunden geht es auf 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 185 km/h.

Leichtbau, Handschaltung, echte Mechanik

Der Morgan Three-Wheeler, Baujahr 2012, frontal fotografiert mit markant sichtbarem V2-Motor und typischer Dreirad-Anordnung
Die Frontansicht des Morgan mit dem offenem V2-Motor. Viel Luft kommt jedenfalls dran. (Foto: hemmings.com)

Zum Charakter passt das Getriebe: eine manuelle Fünfgang-Schaltung von Mazda. Der Morgan Three-Wheeler zelebriert das Fahren in puristischer Form. Wer hier unterwegs ist, schaltet selbst, hört den Motor unverfälscht und spürt die Straße direkt.

In einer Zeit, in der viele Fahrzeuge perfekter, aber austauschbarer werden, besitzt dieses Konzept Strahlkraft. Der Morgan ist nicht rational im klassischen Sinn – dadurch gewinnt er Plausibilität für alle, die im Auto mehr als ein Fortbewegungsmittel sehen. Er erinnert daran, dass Mobilität ein sinnliches Erlebnis sein kann: mechanisch, laut, leicht und lebendig.

Selbst der CO₂-Wert von 215 Gramm pro Kilometer passt zu diesem ehrlichen Gesamtbild. Der Three-Wheeler ist ein Fahrzeug mit Ecken, Eigenheiten und Haltung.

Ein moderner Klassiker mit klarem Nachhall

Morgan Three-Wheeler von 2012 in Bordeauxrot, offen mit zwei Sitzen und sichtbarem Auspuff, auf Asphalt stehend
Das Heck wirkt eher wie das Heck eines Motorboots aus italieniescher Produktion. (Foto: hemmings.com)

Die Produktion des modernen Morgan 3 Wheeler lief bis Sommer 2021. Zum Abschied entstanden 33 Exemplare der limitierten Sonderedition P101. 2022 trat der Super 3 als Nachfolger an, mit einem 1,5-Liter-Dreizylinder von Ford (87 kW/118 PS) und einem neuen Monocoque-Chassis.

Die Version mit dem S&S-V2 verkörpert die rohe, archaische Idee des Modells. Sie verbindet Vorkriegsgestus mit moderner Zuverlässigkeit, klassische Form mit zeitgenössischer Technik. Das ist kein nostalgische Kopie, sondern ein fahrbarer Kommentar zur Frage, was Autofahren bedeuten kann.

Warum dieser Morgan so begehrenswert bleibt

Innenraum eines Morgan Three-Wheeler mit beigen Ledersitzen, Holzlenkrad und zentraler Handschaltung.
Cockpit mit klassischem Lenkrad, Ledersitzen und Handschaltung des Morgan-Dreirads. (Foto: hemmings.com)

Ein Morgan Three-Wheeler wie dieses Fahrzeug zieht Aufmerksamkeit auf sich, weil er ein Gegenpol zum Gewohnten ist. Er bietet Persönlichkeit statt steriler Perfektion und löst Fernweh nach einer direkteren Form des Unterwegsseins aus.

Detailaufnahme des Cockpits eines Morgan Three-Wheeler mit Ledersitzen, Holzlenkrad und Schaltknauf
Allein das Holzlenkrad ist eine Schönheit für sich. (Foto: hemmings.com)

Dieses Exemplar aus Colorado Springs steht derzeit zum Verkauf. Ein Morgan Three-Wheeler ist kein Auto für jedermann, aber eines der spannendsten Fahrzeuge seiner Zeit. Er richtet sich an Menschen, die das Besondere erkennen. Wer sich darauf einlässt, bekommt ein Stück Automobilkultur – offen, eigensinnig und konsequent.

Der Morgan Three-Wheeler ist ein Plädoyer für Leichtbau, Direktheit und Emotion. In einer Epoche der Vereinheitlichung wirkt er wie ein Glücksfall auf drei Rädern.

Bilder: Anbieter des Fahrzeuges

FAQ

1) Für wen ist der Morgan Three-Wheeler (2012) wirklich geeignet – und für wen nicht?

Der Three-Wheeler passt zu Menschen, die Fahren als Erlebnis verstehen und Komfort gegen Charakter eintauschen. Wer selbst schaltet, Motorgeräusche mag und direkten Kontakt zur Straße sucht, wird belohnt: wenig Gewicht, viel Gefühl, viel Mechanik. Weniger geeignet ist er für alle, die einen Alltagswagen mit Stauraum, Geräuschdämmung oder Assistenzsystemen erwarten. Bei schlechtem Wetter und auf langen Autobahnetappen zeigt er seine kompromisslose Seite. Er ist eher Genussgerät als Vernunftkauf.

2) Was macht den sichtbaren S&S-V2-Motor so besonders, obwohl die Leistungswerte „nur“ moderat wirken?

Der Reiz des V2 entsteht aus Präsenz. Weil der Motor offen vorn sitzt, wird er zum Mittelpunkt: optisch, akustisch und emotional. Zusammen mit dem niedrigen Gewicht wirkt die Leistungsentfaltung unmittelbarer, als es 82 PS vermuten lassen. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Drehmoment, Vibration, Sound und dem Gefühl, dass keine Verkleidung zwischen Fahrer und Technik steht. Der Morgan vermittelt eine archaische Ehrlichkeit: Jede Bewegung am Gas, jede Drehzahländerung wird spürbar.

3) Warum gilt der moderne 3 Wheeler trotz Produktionsende als „moderner Klassiker“ – und wie steht er zum Super 3?

Zum Klassiker wird der Three-Wheeler, weil er ein Konzept konsequent durchzieht, das in der heutigen Autowelt selten ist: Leichtbau, Handschaltung, minimale Filterung und ein Design, das auffällt. Dass die Produktion 2021 endete, verstärkt den Kultstatus. Der Super 3 ist technisch moderner (neues Chassis, anderer Motor, andere Anmutung), aber der frühere Three-Wheeler mit V2 verkörpert stärker das „Roh-und-offen“-Prinzip. Dadurch bleibt er für viele Enthusiasten die emotionalere Ikone.