Es gibt Automobile, die schon im Stand nach großer Reise klingen. Der Ferrari Superamerica gehört zweifellos in diese seltene Kategorie. Dieses Modell aus dem Jahr 2005 verbindet klassische Zwölfzylinder-Faszination mit einer Idee, die bis heute beinahe futuristisch wirkt: einem drehbaren Hardtop, das aus einem Gran Turismo im Handumdrehen einen offenen Traumwagen macht. Genau darin liegt seine Magie. Der Superamerica ist nicht einfach ein schneller Ferrari, sondern ein sehr besonderer Ausdruck italienischer Ingenieurskunst, entstanden in einer Zeit, in der Leistung, Eleganz und technische Kühnheit noch mit großer Geste erzählt wurden.
Basis des Modells war der Ferrari 575M Maranello, jener Grand Tourer, der die Linie des 550 Maranello konsequent weiterführte. Doch der Superamerica ging einen entscheidenden Schritt weiter. Er war als exklusive offene Interpretation gedacht, als luxuriöser und zugleich sehr sportlicher Reisewagen für Menschen, die nicht nur ankommen, sondern jeden Kilometer zelebrieren wollten. Gebaut wurde er nur in kleiner Zahl: lediglich 559 Exemplare entstanden in den Modelljahren 2005 und 2006. Schon diese Zahl macht klar, weshalb der Name Superamerica heute unter Kennern einen ganz besonderen Klang hat.
Die große Bühne für eine geniale Dachidee

Die faszinierendste Besonderheit dieses Ferrari trägt den Namen Revocromico. Dahinter verbirgt sich ein rotierendes Hardtop mit Karbonrahmen und elektrochromem Glas – laut den vorliegenden Angaben das erste System dieser Art in einem Serienfahrzeug. Allein diese technische Lösung macht den Superamerica zu einem Meilenstein. Per Knopfdruck dreht sich das Dach um 180 Grad und legt sich bündig über das Heck; das Öffnen und Schließen dauert rund zehn Sekunden. Das klingt nicht nur spektakulär, es ist es auch.

Noch verblüffender ist die Wandelbarkeit des Glases. Seine Tönung lässt sich per Regler im Innenraum variieren – von fast vollständig dunkel mit etwa einem Prozent Lichtdurchlass bis hin zu völlig klar. Damit verändert sich nicht nur der Lichteinfall, sondern auch die Atmosphäre an Bord. Mal wirkt das Auto wie ein intimer Gran Turismo, mal wie ein offener Beobachtungsposten für Landschaft, Himmel und Straße. In einer automobilen Welt, die oft von bloßen Leistungsdaten dominiert wird, erinnert dieses Detail daran, dass wahre Faszination häufig dort entsteht, wo Technik und sinnliches Erleben zusammenfinden.

V12-Kraft, die bis heute Ehrfurcht auslöst

Unter der langen Front arbeitet ein 5,7-Liter-V12 mit 5.748 Kubikzentimetern Hubraum. Er leistet 397 kW, also 540 PS, und entwickelt 589 Nm Drehmoment bei rund 5.250 Umdrehungen pro Minute. Das sind Zahlen, die auch heute noch Eindruck hinterlassen. Der Sprint von 0 auf 100 km/h gelingt in etwa 4,2 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei rund 320 km/h. Angetrieben werden die Hinterräder, in diesem Fall gekoppelt an ein 6-Gang-F1-Getriebe mit elektrohydraulischer Schalttechnik und Schaltwippen.

Gerade diese Konfiguration passt hervorragend zum Charakter des Wagens. Der Superamerica war nie als nacktes Rennstreckenwerkzeug gedacht, sondern als temperamentvoller Hochgeschwindigkeits-GT mit großer Präsenz. Sein Leergewicht liegt, je nach Ausführung, bei etwa 1.742 bis 1.790 Kilogramm. Das ist keine kleine Zahl, doch bei einem offenen Zwölfzylinder-Ferrari dieser Klasse zählt vor allem die Souveränität, mit der er Leistung in Reisequalität verwandelt. Genau darin liegt ein entscheidender Reiz dieses Autos: Es ist ein Fahrzeug für große Distanzen, für weite Boulevards, für kühle Morgenstunden und späte Sonnenuntergänge an der Küste.
Rosso Corsa, Beige und die Poesie der Details

Das hier beschriebene Exemplar trägt die klassische Außenfarbe Rosso Corsa und kombiniert sie mit einem Interieur in beigem Leder. Daytona-Sitze unterstreichen den sportlichen Anspruch, ohne die elegante Grundhaltung des Modells zu stören. Hinzu kommen das Fiorano Handling Package, die Scuderia-Ferrari-Schilde auf den Kotflügeln, ein Becker-Silverstone-CD-Wechsler für sechs CDs und leichte Felgen im Barchetta-Stil. Es ist eine Konfiguration, die nicht laut auf Effekte setzt, sondern auf stimmige Wirkung.

Gerade deshalb entfaltet dieser Ferrari seine Anziehungskraft so mühelos. Rosso Corsa gehört zu jenen Farben, die auf einem Zwölfzylinder aus Maranello nie beliebig wirken. In Verbindung mit dem hellen Innenraum entsteht eine fast klassische Ferrari-Dramaturgie: außen Leidenschaft, innen Grandezza. Auch der Kilometerstand von rund 22.000 Kilometern erzählt keine Geschichte des Stillstands, sondern vielmehr die eines Wagens, der bewahrt und zugleich erlebt wurde. Solche Automobile leben von Bewegung, nicht von bloßer Betrachtung. Der Superamerica verkörpert das in besonders schöner Form.

Eine Geschichte aus Illinois bis Kalifornien

Auch seine Biografie trägt zum Reiz dieses Fahrzeugs bei. Importiert wurde der Wagen von Ferrari North America, ausgeliefert wurde er neu über Continental AutoSports in Hinsdale im US-Bundesstaat Illinois – und zwar an Halloween 2005. Schon dieses Datum verleiht dem Auto eine kleine erzählerische Note. Im Jahr 2023 wurden die Ledersitze aufgearbeitet. Im Januar 2024 erhielt der Ferrari bei FMS SoCal einen großen Service. Dabei wurden Flüssigkeiten, Filter und Riemen ersetzt, ein Kühlmittelleck behoben, der Wählmechanismus für den Rückwärtsgang instand gesetzt und der vordere Stoßfänger repariert. Vor dem Verkauf wurde zudem der jährliche Service bei Ferrari of Newport Beach erledigt.
Der Ferrari stammt aus der Longhorn Collection. Es ist immer wieder erstaunlich, wenn Sammlungen wie diese solche Automobile bewahren und sie als Teil einer größeren automobilen Erzählung verstehen. Sie zeigen, wie viel Leidenschaft im bewussten Erhalten automobiler Kultur stecken kann.
Ein seltener Ferrari für große Träume

Dass dieses Exemplar heute zum Verkauf steht, weckt unweigerlich Fernweh in eigener Sache. Ein Ferrari Superamerica ist kein gewöhnlicher Klassiker und auch kein austauschbarer Sammlerwagen. Er ist ein Charakterstück, eine technische Ausnahmeerscheinung und zugleich ein wunderbarer Reiseferrari mit großer Vergangenheit. Wer sich für die Geschichte besonderer Automobile interessiert, erkennt hier ein Modell, das Offenfahren, Zwölfzylinder-Kultur und ausgefallene Ingenieurskunst auf unverwechselbare Weise vereint.
Vielleicht ist genau das sein größter Vorzug: Der Superamerica lässt die Idee automobiler Freiheit sichtbar werden. Sein Dach dreht sich in den Himmel, der V12 füllt den Raum mit Kraft, und jede Linie erinnert daran, dass Mobilität auch eine Form von Schönheit sein kann. Solche Fahrzeuge entstehen nicht oft. Und wenn sie auftauchen, dann nicht bloß als Gebrauchtwagen, sondern als bewegte Kapitel der Automobilgeschichte. Der genannte Verkaufspreis liegt bei umgerechnet rund 287.000 Euro.
Bilder: Anbieter des Fahrzeuges
FAQ

1) Warum gilt der Superamerica als so besonders, obwohl er technisch auf dem 575M Maranello basiert?
Weil er nicht nur eine offene Variante „mit anderem Dach“ ist, sondern ein eigenständiges Konzept: ein luxuriöser Hochgeschwindigkeits-Gran-Turismo, der Technik als Erlebnis inszeniert. Die geringe Stückzahl von 559 Exemplaren macht ihn zusätzlich exklusiv und sorgt dafür, dass jedes Fahrzeug automatisch Sammlercharakter besitzt. Dazu kommt die Kombination aus klassischer Ferrari-V12-Kultur, eleganter Linienführung und einer Lösung, die im Alltag wirklich spürbar ist: In Sekunden verändert sich die gesamte Anmutung vom geschlossenen Reisecoupé zum offenen Roadster – ohne Stoffverdeck-Kompromisse.
2) Wie funktioniert das Revocromico-Dach und welchen praktischen Nutzen hat das elektrochrome Glas?
Das Revocromico ist ein rotierendes Hardtop: Per Knopfdruck dreht sich das Dach um 180 Grad und legt sich bündig über das Heck; das dauert etwa zehn Sekunden. Der Clou ist jedoch das elektrochrome Glas: Per Regler lässt sich die Tönung stufenweise verändern, von sehr dunkel (kaum Lichtdurchlass) bis klar. Das ist nicht nur „Show“, sondern beeinflusst Temperaturgefühl, Helligkeit und Stimmung im Innenraum. So kann der Wagen je nach Wetter und Tageszeit eher zurückhaltend oder maximal offen wirken.
3) Worauf sollte man bei einem zum Verkauf stehenden Superamerica achten – besonders bei Historie und Zustand?
Wichtig ist eine nachvollziehbare, gut dokumentierte Biografie: Auslieferung, Besitzerhistorie, Laufleistung und vor allem Wartungsnachweise. In diesem Artikel werden mehrere konkrete Arbeiten genannt (Sitzaufbereitung 2023, großer Service im Januar 2024 mit Flüssigkeiten/Filtern/Riemen, Reparaturen am Kühlsystem, Rückwärtsgang-Wählmechanismus, Frontstoßfänger sowie ein aktueller Jahresservice). Solche Einträge sind wertvoll, weil sie zeigen, dass das Auto nicht nur „weggestellt“, sondern technisch betreut wurde. Zusätzlich lohnt ein Blick auf die Ausstattung (z. B. Fiorano Handling Package) und auf die Funktion des Dachsystems.



