Die Fantic Caballero 700 zielt auf Fahrer, die den klassischen Scrambler-Gedanken nicht als bloße Stilübung verstehen. Sie verbindet eine Formensprache, die klar auf historische Vorbilder verweist, mit einer technischen Basis, die im Alltag ebenso überzeugen will wie auf einem Abstecher über lose Untergründe. Genau darin liegt ihr Reiz: Dieses Motorrad möchte nicht nur gut aussehen, sondern auch gefahren werden.
Optisch orientiert sich die Maschine an der Caballero 125 RC aus den Jahren 1974 bis 1976. Gerade, einfache Linien, ein roter Tank, ein runder Scheinwerfer und gelbe seitliche Nummerntafeln sorgen für einen Auftritt, der den Geist früher Scrambler aufnimmt, ohne ins Nostalgische abzurutschen. Dazu kommen moderne Akzente wie CNC-gefräste Motordeckel und Gabelbrücken sowie ein Hitzeschild aus Carbon an der Auspuffanlage. Neben dem klassischen Rot steht auch ein mattes Metallic-Blau zur Wahl.
Der Zweizylinder prägt den Charakter

Im Zentrum der Caballero 700 arbeitet ein flüssigkeitsgekühlter Parallel-Twin mit 689 Kubikzentimeter Hubraum. Das bekannte CP2-Konzept liefert 74 PS bei 9000 Umdrehungen pro Minute. Beim Drehmoment nennt das Datenblatt 70 Newtonmeter bei 6500 Umdrehungen pro Minute. Für die Praxis bedeutet das einen Antrieb, der über einen breiten, nutzbaren Arbeitsbereich verfügt.
Gerade in der Scrambler-Klasse ist das entscheidend. Hier zählt nicht allein der Sprint auf der Geraden, sondern die Art, wie ein Motor aus Kehren heraus anschiebt, auf Landstraßen dosierbar bleibt und auf Schotter nicht hektisch wirkt. Die elektronische Einspritzung mit zwei 38-Millimeter-Drosselklappen, das Sechsganggetriebe, die Mehrscheiben-Ölbadkupplung und der Elektrostarter passen zu diesem Anspruch. Hinzu kommt eine Doppelauspuffanlage aus Edelstahl, die den mechanischen Charakter des Motorrads optisch unterstreicht.
Spannend: Elektronik mit echtem Nutzwert

Besonders interessant ist die Verbindung aus klassischer Scrambler-Optik und moderner Regeltechnik. Die Caballero 700 verfügt serienmäßig über ein schräglagenabhängiges ABS und eine Traktionskontrolle auf IMU-Basis. Das ist in dieser Fahrzeugkategorie mehr als nur ein Datenblattargument. Die Messeinheit erlaubt präzise Eingriffe der Elektronik selbst dann, wenn das Motorrad bereits in Schräglage unterwegs ist. Auf wechselnden Untergründen oder bei überraschend schlechten Bedingungen erhöht das die Kontrolle spürbar.
Gleichzeitig bleibt die Maschine ihrer Gattung treu. Sowohl ABS als auch Traktionskontrolle lassen sich für Offroad-Passagen vollständig deaktivieren. Dazu kommen die Fahrmodi STREET, OFFROAD und CUSTOM. Im CUSTOM-Modus können ABS und Traktionskontrolle konfiguriert oder abgeschaltet werden. Genau dieses Spannungsfeld macht die Caballero 700 faszinierend: Sie ist kein puristischer Rückschritt, sondern eine moderne Interpretation des Scrambler-Themas, die Sicherheit und Freiheit nicht gegeneinander ausspielt.
Fahrwerk für Straße und lockeren Untergrund

Auch das Fahrwerk zeigt, dass die Caballero 700 nicht nur als Designobjekt gedacht ist. Sie nutzt einen neuen Rahmen aus hochfestem Stahl, kombiniert mit einer Schwinge aus Aluminiumguss. Vorn arbeitet eine 45-Millimeter-Upside-down-Gabel von Marzocchi, hinten ein in der Federvorspannung einstellbares Marzocchi-Federbein. Der Federweg beträgt vorn wie hinten 150 Millimeter. Das passt zum Anspruch eines Motorrads, das sowohl sauber über Asphalt geführt werden will als auch Reserven für unbefestigte Wege mitbringen soll.
Die Drahtspeichenräder mit Aluminiumfelgen unterstreichen diesen vielseitigen Ansatz. Vorn rollt die Caballero auf einem 19-Zoll-Rad im Format 110/80 R19, hinten auf 150/70 R17. Das verspricht eine ausgewogene Mischung aus Stabilität, Handlichkeit und leichtem Offroad-Talent. Bei den Bremsen setzt Fantic auf hochwertige Komponenten: vorn arbeitet eine 330-Millimeter-Schwimmscheibe mit einem Vierkolben-Brembo-Sattel P4.32, hinten eine 245-Millimeter-Scheibe mit Brembo-Bremssattel.
Retro-Auftritt, alltagstaugliche Details

Im Alltag dürfte die Caballero 700 von ihrer klaren Ergonomie profitieren. Die Sitzhöhe liegt bei 830 Millimeter, der Radstand bei 1460 Millimeter. Das Trockengewicht mit Kühlmittel, aber ohne Kraftstoff, beträgt 175 Kilogramm. Dazu kommt ein Tankvolumen von 13 Liter. Diese Eckdaten deuten auf ein Motorrad hin, das kompakt genug für spontane Richtungswechsel bleibt, aber gleichzeitig Substanz für längere Etappen mitbringt.
Bemerkenswert ist auch die Instrumentierung. Fantic spricht von der ersten Scrambler mit rundem 3,5-Zoll-TFT-Display und integrierter Bluetooth-Anbindung für Telefon und Medien. Zusammen mit der Full-LED-Beleuchtung an Front und Heck entsteht ein stimmiger Kontrast aus klassischer Anmutung und zeitgemäßer Ausstattung. Wer die Caballero 700 noch stärker auf Reisen oder Alltag trimmen möchte, findet passendes Zubehör vom Tankrucksack über Seitentaschen in 13 oder 17 Liter bis zu Gepäckträgern und Trägerlösungen. Der Listenpreis der Fantic Caballero 700 liegt bei 9.290,00 Euro ohne Mehrwertsteuer und Transport.
Bilder: Hersteller
FAQ

1) Für wen ist die Fantic Caballero 700 besonders geeignet – eher Alltag, Tour oder Offroad?
Die Caballero 700 richtet sich an Fahrer, die ein Motorrad mit starkem Design suchen, aber nicht auf praktische Einsatzbreite verzichten wollen. Mit 150 mm Federweg vorn und hinten, 19-Zoll-Vorderrad und abschaltbarem ABS sowie Traktionskontrolle ist sie für Asphalt, Landstraße und leichte Schotterpassagen ausgelegt. Gleichzeitig sprechen 830 mm Sitzhöhe, 13-Liter-Tank und moderne Ausstattung wie LED-Licht und Bluetooth-TFT dafür, dass sie auch im Alltag komfortabel bleibt. Für extremes Gelände ist sie weniger gedacht, für „mixed roads“ aber sehr passend.
2) Wie wirkt sich die IMU-Elektronik (schräglagenabhängiges ABS und Traktionskontrolle) in der Praxis aus?
Der entscheidende Vorteil der IMU-basierten Systeme liegt in der feineren Regelung, besonders dann, wenn die Straße ungleichmäßig ist oder der Grip plötzlich abreißt – etwa bei nassem Asphalt, Split oder wechselndem Belag. Weil das System Schräglage und Bewegung des Motorrads mit einbezieht, kann es Eingriffe besser dosieren als einfache, nicht schräglagenabhängige Lösungen. Wichtig ist aber: Die Caballero bleibt trotzdem ein Scrambler, denn die Assistenzsysteme lassen sich für Offroad-Passagen abschalten. So kann man je nach Situation zwischen mehr Sicherheitsreserve und mehr „Fahrfreiheit“ wählen.
3) Was macht den 689-ccm-Parallel-Twin im Scrambler-Konzept so sinnvoll, obwohl er „nur“ 74 PS hat?
In dieser Klasse zählt weniger die reine Spitzenleistung als ein Motor, der kontrolliert und kräftig aus dem mittleren Drehzahlbereich anschiebt. Der Zweizylinder liefert einen breiten nutzbaren Bereich und verbindet Leistung (74 PS bei 9000/min) mit alltagstauglichem Charakter. Für die Praxis heißt das: aus Kurven sauber herausbeschleunigen, auf Landstraßen entspannt fahren und auf losem Untergrund weniger nervös reagieren als ein sehr drehzahlhungriges Konzept.



