Manche Autos wirken, als hätten sie nie wirklich geparkt. Der 1970er Plymouth Hemi Superbird SCTA Land Speed Racer ist genau so einer. Langer Bug, Alpine-White-Lack und dieser monströse Heckflügel – das alles stammt aus einer Zeit, in der Aerodynamik noch eine Sache von Mut war. Das hier ist nicht irgendein Superbird. Es ist der bekannte Lindsley-Family-Hemi-Superbird, ein echter Rekordwagen mit Salz, Staub und gefahrenen Meilen in den Akten.
Am Freitag, dem 15. Januar 2027, kommt er bei Kissimmee 2027 unter den Hammer. Hoffentlich landet er bei jemandem, der die echten Spuren zu schätzen weiß und sie nicht wegschleift.
Der 1970 Plymouth Hemi Superbird SCTA Land Speed Racer

Der Name sagt eigentlich schon alles: Baujahr, Motor, Herkunft und Bestimmung. Unter der Haube sitzt der originale 426-Cubic-Inch-Hemi-V8 mit 6,98 Liter Hubraum und 425 hp – das sind 316,9 kW oder 430,9 PS. Dahinter eine echte 727-Automatik in der 1970er Hemi-Spezifikation.
Schwarzer Innenraum, Racer-Karosserie auf Basis eines Plymouth Hemi Superbird. Von den nur 135 gebauten Hemi-Modellen trägt dieser die Fahrgestellnummer RM23R0A180651. Reine Technikdaten greifen trotzdem zu kurz. Der Wagen hat etwas, das bis heute hängen bleibt.
Geboren aus NASCAR, gereift auf Salz

Der Plymouth Superbird entstand 1970 als aerodynamisch zugespitzte Version des Road Runner. Sein einziger Zweck war die NASCAR-Homologation. Die Basis lieferte der 1968 eingeführte intermediate-bodied Road Runner.
Angeboten wurde er mit drei Motoren: dem 7,21-Liter-440 mit Vierfachvergaser, dem 440 mit Six-Barrel und dem 6,98-Liter-426-Hemi. Der Hemi war die kompromisslose Spitze – laut, teuer und ohne Schnickschnack. Genau diese Variante macht den vorliegenden Wagen besonders.
Der Flügel als Versprechen

Der Heckflügel bleibt das auffälligste Merkmal. Er ragt 61,0 Zentimeter über den Heckdeckel. Zusammen mit dem langen Nasenkegel verwandelte er das Road-Runner-Konzept in eine echte aerodynamische Ansage.
Die Lindsleys und der Rausch der Rekorde

Von 1970 bis 1988 lief dieser Hemi Superbird als SCTA Land Speed Racer in El Mirage und Bonneville. Jim und Larry Lindsley wurden damit zum ersten Vater-Sohn-Team im Bonneville 200 MPH Club. Das allein erklärt schon seine Rolle in der amerikanischen Speed-Szene.
1971 erreichte er in Bonneville 206 mph als schnellste Einzelfahrt. 1972 waren es 211,76 mph. 1973 fuhr Larry Lindsley in Class A Production 209,91 mph und in Class B Production 210,52 mph.
Bonneville als Bühne

Die 210,52-mph-Runde lag über dem bisherigen Klassenrekord und brachte den ersten Platz in der Klasse. 1975 wurde der Superbird zum schnellsten Serienfahrzeug der Welt, als er in Bonneville 220 mph erreichte. Der Wert hielt mehrere Jahre.
Originaler Hemi, echte Spuren

Das eigentlich Faszinierende ist der erhaltene originale 6,98-Liter-Hemi mit den korrekten Vergasern. Zwei Jahre lang fuhr der Wagen damit wettbewerbsfähig, dann wurde der Motor ausgebaut und eingelagert. Später lief er mit verschiedenen rennvorbereiteten Aggregaten. Bei der Restaurierung 2000 kam der originale Hemi zurück.
Genau diese Geschichte macht den Wagen glaubwürdig statt steril. Er trägt seine Narben offen. Im Heckleuchtenblech finden sich die Zugangslöcher für das Fallschirmkabel. Am rechten vorderen Kotflügel erinnern Bohrungen an eine frühere Fuel-Cell-Installation zur Testung der Gewichtsverteilung.
Technik zwischen Straße und Rekordjagd

Der Superbird hatte eine selbsttragende Karosserie mit Rahmenstruktur. Die Maße: 561,3 Zentimeter lang, 194,1 Zentimeter breit, 156,0 Zentimeter hoch. Radstand 294,1 Zentimeter, Bodenfreiheit 18,3 Zentimeter. Versandgewicht 1.716,8 Kilogramm bei 54 zu 46 Prozent Gewichtsverteilung.
Tankvolumen 71,9 Liter. Die Werksangaben für den zivilen Superbird lagen bei 5,5 Sekunden von 0 auf 96,6 km/h und einer Viertelmeile bei 166,9 km/h. Topspeed je nach Getriebe zwischen 209,2 und 257,5 km/h. Was die Lindsleys daraus herausgeholt haben, steht auf einem anderen Blatt.
Kleine Details, großer Charakter

Zur Ausstattung gehören Servobremsen, Servolenkung, eine Sitzbank, rückwärts gerichtete Kotflügel-Hutzen, ein Solid-State-Radio, lackierte Stahlräder und Goodyear-Eagle-GT-Reifen. Dazu originale Rallye-Räder im Format 38,1 mal 17,8 Zentimeter.
Restauriert, aber nicht entzaubert

2021 wurde der Plymouth in der originalen Rennlackierung von 1970/1971 aufgefrischt. Keine Fantasie-Optik, sondern genau der Zustand aus seiner aktiven Rekordphase. Der Wagen war in zahlreichen Publikationen, in der Werbung, mehrfach ausgezeichnet und wurde von Tim Wellborn beim letzten Winged-Car-Event als Personal Best of Show gewählt.
2022 stand er bei der MCACN-Show im Wings Over America Invitational. 2023 diente er als offizielles Pace Car bei NASCAR auf dem Houston Motorsports Park. Dazu kommen historische Rennbilder, ein originales Broadcast Sheet, der originale Pink Slip auf Jim Lindsley und ein reproduzierter Window Sticker.
Bilder: Anbieter des Fahrzeuges
Warum dieser Superbird bleibt
Der 1970 Plymouth Hemi Superbird SCTA Land Speed Racer erzählt Mobilität nicht als Komfort, sondern als geraden Strich am Horizont. Der Flügel war kein Styling-Element, sondern Funktion in einer Zeit, in der Serienauto, Rennsport und Ingenieursverstand noch direkt zusammenhängen.
Dass er jetzt bei Kissimmee 2027 angeboten wird, macht die Sache konkret. Kein reines Garagenobjekt, sondern ein rollendes Stück amerikanischer Geschwindigkeitsgeschichte. Wer ihn anschaut, sieht kein poliertes Museumsstück. Man sieht Bonneville, El Mirage, Jim und Larry Lindsley, die 220 mph von 1975 – und einen weißen Superbird, der aussieht, als würde er nur auf den nächsten langen Lauf warten.
FAQ
Warum ist gerade dieser Plymouth Superbird so viel bedeutender als ein gewöhnlicher klassischer Muscle Car?
Weil er nicht nur einer von 135 Hemi Superbirds ist, sondern wirklich hart gefahren wurde. Bonneville und El Mirage haben ihm echte Geschichte gegeben statt nur Sammlerstaub. Die Lindsleys haben als Vater-Sohn-Team den Bonneville 200 MPH Club geknackt und Rekorde in den Klassen gesetzt. NASCAR-Homologation, Mopar-Power und echte Land-Speed-Einsätze treffen hier zusammen. Das ist mehr als ein Muscle Car – das ist ein Zeitzeuge.
Was macht den Erhalt der Gebrauchsspuren und Rennmerkmale an diesem Auto so wichtig?
Bei einem Rekordwagen sind die Löcher keine Fehler, sondern Beleg. Die Zugänge für das Fallschirmkabel, die alten Bohrungen der Fuel Cell und die Rückkehr zur echten 1970/71-Rennoptik zeigen, dass der Wagen gearbeitet hat. Besser als jede Hochglanzrestaurierung, die alle Spuren wegschleift. Sammler und Historiker wissen genau, was das wert ist: Man sieht nicht nur, wie er aussah, sondern was mit ihm passiert ist.
Warum fasziniert der Superbird auch Menschen, die sich sonst nicht intensiv für US-Klassiker interessieren?
Die Form wirkt sofort. Langer Schnabel, dieser absurde Flügel, die weiße Keilform – das Auto schreit schon im Stand Geschwindigkeit. Gleichzeitig war es nie reines Showcar. Die Aero hatte einen Job, die Rekorde sind messbar. Deshalb kommt er auch bei Leuten an, die keine Mopar-Experten sind. Auf den ersten Blick emotional, beim zweiten Blick tief in der amerikanischen Motorsportgeschichte verankert.



