Fahren mit dem Auto oder dem Camper bei Hochwasser
Foto: Katrin Scheler

Mit Auto durchs Hochwasser? So bleibt man möglichst sicher

Bei Hochwasser zählt vor allem eines: schnell aus dem Gefahrenbereich herauskommen. Egal ob Kleinwagen, SUV, Wohnmobil oder Campervan – überflutete Straßen sind tückisch, oft unberechenbar und können Fahrzeug wie Insassen in Sekunden in echte Not bringen. Wer dennoch eine Wasserdurchfahrt erwägt, sollte wissen, worauf es ankommt, welche Risiken besonders groß sind und wie man Schäden am Fahrzeug möglichst vermeidet.

Flutkatastrophen – in Deutschland immer häufiger

Hochwasser gibt es bei uns leider immer häufiger. Daher sollte man wissen, wie man sich in Sicherheit bringen kann. (Foto: Michael Scheler)

Die Ahrtal-Katastrophe ist vielen noch präsent, auch zum Jahreswechsel 2023/2024 waren zahlreiche Regionen betroffen – und immer wieder trifft es aktuell vor allem Teile von Nordrhein-Westfalen. In vielen Gegenden scheint Hochwasser inzwischen eher wiederkehrende Realität als Ausnahme zu sein: Pegelstände steigen, kurz keimt Hoffnung auf Entspannung auf – und dann kündigen sich die nächsten Starkregenfronten an. Straßen laufen voll, Keller werden überflutet, und besonders Plätze in Flussnähe können innerhalb kurzer Zeit komplett unter Wasser stehen.

Bei drohendem Hochwasser sollte man sich so schnell es geht in Sicherheit bringen. (Foto: Katrin Scheler)

Gebäude lassen sich im Ernstfall zwar mit Sandsäcken und Provisorien ein wenig schützen – sicher ist das jedoch nicht unbedingt. Vor allem für sich selbst. Sich selbst und das Fahrzeug kann man allerdings oft noch rechtzeitig aus der Gefahrenzone bringen. Doch was, wenn die Straße bereits überflutet ist? Einfach einsteigen, durchziehen, Hauptsache raus? Genau das ist der häufigste Fehler. Wasserdurchfahrten sind riskant, und schon kleine Fehlentscheidungen können den Motor zerstören oder das Fahrzeug in der Strömung versetzen oder gar mitreißen. Wer keine Alternative hat, sollte systematisch vorgehen.

Wie ermittelt man wie tief das Fahrzeug ins Wasser fahren kann?

Geländewagen haben bei Wasserdurchfahrten zwar einen Vorteil, tückisch und gefährlich bleibt es trotzdem. (Foto: Michael Scheler)

Zentral ist die sogenannte Wattiefe. Sie beschreibt, wie tief das Wasser maximal sein darf, damit ein Fahrzeug – unter passenden Bedingungen und ohne unmittelbare Schäden hindurchkommt. Bei vielen Geländewagen ist dieser Wert im Handbuch oder online zu finden. Bei klassischen Pkw, Vans oder Wohnmobilen sieht es oft anders aus: Eine Wattiefe ist meist nicht ausgewiesen, weil echte Wasserdurchfahrten für diese Fahrzeuge nicht vorgesehen sind. Und so deutlich muss man an der Stelle sein: Wenn es sich vermeiden lässt, sollte man es vermeiden. Muss es dennoch sein, hilft nur eine realistische Einschätzung der eigenen Grenzen.

Die Elektrik und vor allem das Motorsteuergerät eines Fahrzeugs können beim Kontakt mit Wasser ausfallen. Ein Weiterkommen ist dann nicht mehr möglich. (Foto: Michael Scheler)

Welche Wassertiefe möglich ist, hängt von mehreren Punkten ab – etwa von Entlüftungen an Achsen und Getriebe, von elektrischen Bauteilen und vor allem von der Position der Luftansaugung. Denn sobald Wasser in den Ansaugtrakt gelangt, kann das für den Motor das Ende bedeuten. Luft lässt sich komprimieren, Wasser nicht: Gelangt Wasser in den Brennraum, treffen Kolben mit voller Kraft auf eine „harte“ Wassersäule. Das kann zu massiven Motorschäden führen – bis hin zu zerstörten Bauteilen im Inneren.

Die Luftansaugung ist der kritischte Faktor bei einer Wasserdurchfahrt. Kommt hier Wasser hinein, war es das mit dem Motor. (Foto: autorini.de)

Darum ist zuerst zu klären, auf welcher Höhe die Luftansaugung sitzt. Das lässt sich bei geöffneter Motorhaube mit Zollstock oder Maßband messen. In dem hier gezeigten Beispiel liegt die Ansaugung bei knapp 75 Zentimetern – das ist aber kein „Freifahrtschein“. Diese Höhe sollte keinesfalls ausgereizt werden. Sinnvoll ist eine deutliche Sicherheitsreserve: mindestens rund 20 Zentimeter abziehen. In diesem Beispiel läge die maximal vertretbare Durchfahrtstiefe also bei etwa 55 Zentimetern.

Wichtig: Selbst wenn die ermittelte Tiefe „passt“, kann es kritisch werden. Wer zu schnell in eine Wasserfläche einfährt, baut sofort eine Welle auf – und die schwappt im Zweifel über die Haube. Damit steigt das Risiko, dass Wasser doch in Richtung Luftansaugung gelangt. Ein weiterer unterschätzter Faktor ist der Lüfter: Läuft er weiter, können die Lüfterflügel Wasser im Motorraum verteilen – und so auch in den Luftfilterbereich befördern.

Unbedingt checken – wie tief ist das Wasser, durch das man fahren muss?

Bevor überhaupt ans Durchfahren zu denken ist, muss die Tiefe geprüft werden – und ebenso der Untergrund. Ist er weich oder schlammig, kann das Fahrzeug zusätzlich einsinken. Dazu kommt: Bei Überschwemmungen ist der Straßenverlauf oft nicht mehr zu erkennen. Schon ein leichter Versatz zur Seite kann bedeuten, dass es abrupt deutlich tiefer wird. Überflutete Feldwege sind mit Straßenfahrzeugen daher grundsätzlich tabu – selbst wenn ein 4×4-Camper grundsätzlich „könnte“.

Iglhaut-Sprinter im Gelände
Auch wenn grade ein 4×4-Campervan es kann, auf komplett überschwemmte Feldwege sollte man sich bei Hochwasser nicht einlassen. (Foto: Michael Scheler)

Für die Tiefenprüfung eignet sich ein stabiler Stock. Damit lässt sich „abtasten“, wie tief es wirklich ist – und ob der Untergrund festen Halt bietet. Das gilt auch zu Fuß: Vor jedem Schritt erst prüfen. Denn Hochwasser kann Gullideckel anheben oder fortspülen – offene Schächte sind lebensgefährliche Fallen. Nicht umsonst gehen Feuerwehr und THW im Wasser nur gesichert vor. Diese Vorsicht ist auch für Privatpersonen sinnvoll.

Gummistiefel können helfen – nicht nur, um trocken zu bleiben, sondern auch als grobe „Markierung“ für die Tiefe. Läuft oben Wasser hinein, ist das ein ernstzunehmendes Warnsignal: Je nach Fahrzeug kann es dann bereits zu tief sein. Denn neben der Ansaugung spielen weitere Komponenten eine Rolle, etwa Entlüftungen von Achsen und Getriebe sowie die Elektrik. Eine Lichtmaschine steckt einen kurzen Kontakt möglicherweise noch weg – das Motorsteuergerät hingegen kann bei Wasserkontakt ausfallen. Es sitzt meist höher im Motorraum, ist aber keineswegs unverwundbar.

Hat man Gummistiefel dabei, können sie bei der Bestimmung der Wassertiefe helfen. Läuft das Wasser oben hinhein, kann es zum Durchfahren schon zu hoch sein. (Foto: Katrin Scheler)

Der Blick unter die Haube ist deshalb Pflicht, wenn es die Situation zulässt. Bei Entlüftungen von Achsen und Getriebe sieht es anders aus: Sie sitzen tief und sind entsprechend gefährdet. In einem reinen Notfall kann man dieses Risiko kaum vollständig ausschließen – im Anschluss sollte aber unbedingt eine Werkstatt prüfen, ob Wasser eingedrungen ist. Häufig lassen sich Öle ablassen, Bauteile reinigen und anschließend wieder korrekt befüllen.

Wie stark ist die Strömung des Wassers, durch das man mit dem Auto oder Camper fahren muss?

Neben der Tiefe ist die Querströmung ein entscheidender Risikofaktor. Ist sie zu stark, kann selbst ein schweres Fahrzeug seitlich versetzt oder abgetrieben werden. Wie stark der Druck ist, zeigt sich oft schon nach wenigen Metern zu Fuß im Wasser: Drückt es deutlich gegen die Beine oder wird das Stehen unsicher, ist sofort umzukehren. Das Risiko, selbst mitgerissen zu werden, ist dann viel zu hoch – und in dieser Situation darf auch das Fahrzeug nicht „auf Teufel komm raus“ durchfahren. Dann zählt nur: Alternativen suchen und Abstand gewinnen.

Ist die Lage überschaubar und die Durchfahrt wirklich die beste Option, hilft nur ein kühler Kopf. Hektik führt zu Tempo – und Tempo ist im Wasser fast immer der falsche Ratgeber. Die Regel lautet: langsam ins Wasser rollen, dann gleichmäßig und nicht zu schnell weiterfahren. Ziel ist eine möglichst konstante Bugwelle vor dem Fahrzeug. Sie wirkt wie ein kleiner Schutzschild und reduziert das Risiko, dass Wasser in einer Welle zurück in den Motorraum schwappt. Als zusätzliche Maßnahme lässt sich der Kühlergrill provisorisch mit Folie oder einer großen Mülltüte abkleben, um das Eindringen von Spritzwasser zu erschweren und die Bugwelle stabiler zu halten. Beim Herausfahren darf – vor allem an steiler oder rutschiger Ausfahrt – dosiert etwas mehr Gas gegeben werden, um nicht kurz vor dem Ufer stecken zu bleiben.

Den Kühlergrill vor der Wasserdurchfahrt abzukleben erschwert das Eindringen von Wasser in den Motorraum und hilft, die entstehende Bugwelle vor sich herzuschieben. (Foto: Michael Scheler)

Grundregel – das eigene Leben geht vor!

So wichtig Auto, Camper oder Wohnmobil auch sind: Kein Fahrzeug ist es wert, die eigene Gesundheit zu riskieren. Wenn die Situation unklar, die Strömung stark oder die Tiefe nicht sicher einschätzbar ist, führt der beste Weg in die Sicherheit – notfalls zu Fuß und in die entgegengesetzte Richtung. Ein beschädigtes Fahrzeug ist ersetzbar, ein Menschenleben nicht.

Schritt für Schritt – Wasserdurchfahrt

  • Maximale Wattiefe realistisch abschätzen: Höhe von Luftansaugung, Lichtmaschine und Motorsteuergerät prüfen.
  • Wassertiefe und Untergrund kontrollieren: Mit einem stabilen Stock vor jedem Schritt prüfen; Gummistiefel helfen beim Waten.
  • Querströmung beurteilen: Kann das Fahrzeug seitlich versetzt oder abgetrieben werden?
  • Langsam ins Wasser einfahren – ohne große Wellen oder Spritzfontänen zu erzeugen.
  • Gleichmäßig mit konstanter Geschwindigkeit weiterfahren.
  • Bugwelle möglichst stabil vor dem Fahrzeug halten.
  • Beim Herausfahren dosiert Gas geben, besonders bei steiler oder rutschiger Ausfahrt.
Das Fahren durch Hochwasser kann mit guter Vorbereitung gelingen. Gefählich bleibt es aber trotzdem. Gibt es andere Möglichkeiten sich in Sicherheit zu bringen, sollte man sie nutzen. (Foto: Katrin Scheler)

Was man bei einer Wasserdurchfahrt auf keinen Fall tun sollte

  • In zu tiefes Wasser fahren – die eigene Grenze (Wattiefe) immer mit Sicherheitsreserve ansetzen.
  • Zu schnell ins Wasser einfahren – sonst droht Wasser im Ansaugtrakt und schwerer Motorschaden.
  • Mit wechselndem Tempo fahren – dadurch kann Wasser zurückschwappen und in den Motorraum gelangen.