Kein Auspuff, kein Leerlauf, kein mechanisches Rattern. Die Zero DS steht einfach da. Kantig genug für Schotter, sauber genug für den täglichen Weg durch die Stadt. Dahinter steckt ein Konzept, das deutlich ernster ist, als die lautlose Art vermuten lässt.
Sie ist für Fahrer gemacht, die nicht ständig zwischen Pendeln, Landstraße und leichtem Gelände wechseln wollen. 139 km/h Spitze, bis 249 km Reichweite in der Stadt und A1/B196 – zugänglich, aber nicht harmlos.
Eine Dual-Sport-Maschine für den Alltag

Die Zero DS versucht nicht, eine schwere Reiseenduro nachzubauen. Sie geht ihren eigenen Weg. Der elektrische Antrieb liefert Drehmoment ohne Verzögerung, ohne Schalten, ohne Kupplung. Das passt überraschend gut, wenn das Motorrad im Berufsverkehr, auf Landstraßen und auf unbefestigten Passagen gleichermaßen funktionieren soll.
Der Z-Force 75-7 Motor bringt maximal 60 PS (45 kW) bei 3.650 U/min. Entscheidend sind jedoch die 132 Nm. Im Alltag merkst du sofort, was das wert ist: Herausbeschleunigen aus engen Kurven, zügiges Einfädeln oder kontrolliertes Rollen über losen Untergrund – ohne ständiges Herunterschalten und Drehzahlspiel.
Das faszinierende Detail sitzt im Zentrum

Motor und Schwinge als Einheit gedacht
Zero setzt das Motorgehäuse konzentrisch zum Drehpunkt der hinteren Schwinge. Das ist kein reiner Trick. Die Konstruktion hält die Riemenspannung konstant und sorgt für direkte Kraftübertragung ans Hinterrad.
Im Fahrbetrieb spürst du deutlich weniger Unruhe im Antrieb und ein klareres Gefühl beim Beschleunigen. Besonders im Wechsel zwischen Asphalt und schlechterem Untergrund zahlt sich das aus. Zero verbaut einen Gates Carbon Drive Moto X9 Riemen auf einem Mudport-Riemenrad. Der Riemen ist breiter und robuster, das große Rad reduziert die Biegewinkel, die Perforation soll Dreckablagerungen minimieren. Optional gibt es ein Kettenkit.
Batterie, Reichweite und Laden mit Augenmaß

Die Energie liefert ein Z-Force Lithium-Ionen-Akku mit 15,6+ kWh. In der Stadt sind bis 249 km drin. Bei konstant 89 km/h werden 185 km genannt, bei 113 km/h noch 161 km.
Serienmäßig arbeitet ein 3,3-kW-Lader. Für eine noch schnellere Aufladung kann bei einem Händler ein als Zubehör erhältliches Schnelllademodul installiert werden. Bei einem Elektromotorrad entscheidet genau diese Ladeperformance, ob du nur eine Feierabendrunde drehst oder eine längere Tour planen kannst.
Fahrwerk und Bremsen für mehr als Stadtverkehr

Showa-Komponenten und 24,6 Zentimeter Bodenfreiheit
Die Zero DS trägt ihre Dual-Sport-Ansprüche nicht nur im Namen. Der überarbeitete Stahl-Gitterrohrrahmen ist auf hohe Steifigkeit bei geringem Gewicht ausgelegt. Die Anordnung von Motor und Akku sorgt für ausgewogene Gewichtsverteilung und gute Massenzentralisierung. 24,6 cm Bodenfreiheit sind auf schlechten Wegen mehr wert als jede schicke Designlinie.
Vorne arbeitet eine voll einstellbare 47-mm-Showa-Gabel, hinten ein Showa-Gasdruckfederbein mit externem Reservoir und per Handrad einstellbarer Vorspannung. Beide Achsen bieten 190 mm Federweg. Die Räder sind 19 Zoll vorn und 17 Zoll hinten, serienmäßig mit Pirelli Scorpion Trail II in 120/70-19 und 170/60-17. Wer mehr Geländegrip braucht, greift zu den Scorpion Rally STR.
Elektronik, die nicht bevormunden soll

Cypher III+ steuert das Motorrad. Es gibt die Modi Rain, Eco, Standard, Sport und Canyon. Über die NextGen-App und das Cockpit lassen sich eigene Modi anlegen. Bei einem E-Motorrad ist das besonders wirkungsvoll, weil sich Leistungsentfaltung, Rekuperation und Ansprechverhalten stark auf den Charakter auswirken.
Dazu kommt Bosch Motorcycle Stability Control mit Offroad-MSC und Linked Braking. Erkennt das System Schlupf, verteilt es die Bremskraft sinnvoll zwischen Vorder- und Hinterrad. Vorne packen radial montierte Vierkolben-Sättel von J.Juan auf zwei 320 x 5 mm Scheiben zu, hinten arbeitet eine 265 x 4,5 mm Scheibe. Auf losem Untergrund, nasser Straße oder steilen Passagen ein echtes Sicherheitsplus.
Vernetzt, aber nicht verspielt
Stauraum dort, wo sonst der Tank wäre
Im Cockpit sitzt ein 12,7 cm großes TFT-Farbdisplay, das sich individualisieren lässt. Ein Lichtsensor passt die Helligkeit automatisch an. Über die App kommen Ladezustand, Standort, Fahrdaten und Updates aufs Handy. Das wirkt nicht wie Spielerei, sondern wie pragmatische Nutzung moderner Technik.
Praktisch ist auch der andere Ansatz beim Stauraum: Wo beim Verbrenner der Tank sitzt, gibt es ein großes Fach. Insgesamt über 28 Liter, verteilt auf mehrere sinnvolle Stellen. Für diese Klasse ein richtig guter Alltagsvorteil.
Bilder: Hersteller
Was am Ende bleibt
Die Zero DS ist ein Motorrad, das elektrische Mobilität nicht als reine Stadtgeschichte sieht. 11 kW Dauerleistung für A1/B196, 45 kW Spitzenleistung, 132 Nm Drehmoment, ein solides Fahrwerk und Reichweiten, die im Alltag keine ständigen Ausreden brauchen. Der Basispreis liegt bei 19.010 Euro UVP. Power Tank kostet weitere 4.009 Euro, der 6-kW-Rapid-Charger 3.499 Euro.
FAQ
1. Für wen eignet sich die Zero DS im Alltag am meisten?
Für Pendler, die am Wochenende auch über Landstraßen und leichten Schotter wollen, ohne gleich eine schwere Reiseenduro zu fahren. Der E-Antrieb macht den Alltag einfach: sofortiges Drehmoment, kein Schalten, ruhiger Charakter. Dazu der praktische Stauraum und die reale Reichweite. Wer kein Extremgerät braucht, sondern ein vielseitiges, modernes Motorrad mit Alltagstauglichkeit, liegt mit der DS richtig.
2. Wo liegen die größten Stärken der Zero DS gegenüber einem klassischen Verbrenner-Motorrad?
Das volle Drehmoment steht ohne Verzögerung zur Verfügung. Das macht das Motorrad in der Stadt souverän, auf kurvigen Straßen lebendig und auf losem Grund gut dosierbar. Dazu kommen kaum Geräusche, keine Schaltvorgänge und der große Stauraum statt Tank. Sie zeigt, dass Elektromobilität auch über die kurze Runde hinaus taugt – mit vernünftiger Reichweite, guten Assistenzsystemen und klarer Alltagstauglichkeit.
3. Welche Kompromisse muss man bei der Zero DS trotz ihrer Vielseitigkeit einplanen?
Die Ladeplanung bleibt das große Thema. Lange Etappen erfordern deutlich mehr Vorausdenken bei Reichweite, Tempo und Lademöglichkeiten als bei einem Verbrenner. Der Preis ist gehoben, besonders mit Power Tank oder Rapid-Charger. Und sie ist kein Hard-Enduro-Ersatz. Ihre Stärke liegt in der intelligenten Mischung aus Pendeln, Landstraße und leichtem Abenteuer – nicht im harten Gelände.



