Manche Autos werden mit den Jahren sanft. Dieser hier nicht. Der Volvo 142 von 1970 trägt seine Rallyegeschichte wie Narben – ehrlich und ohne Scham. In Koppom stand er zur Auktion. 1989 hat jemand ernst gemacht und aus dem braven Zweitürer ein konsequentes Wettbewerbsgerät gebaut. Seitdem lebt er nicht mehr von Sonntagsspazierfahrten, sondern von dem rauen Reiz, den nur echte historische Rallyeautos haben.
Das Entscheidende ist seine Akte: FIA Appendix K homologiert, Klasse CT24 in Periode H1, gestartet bei der Midnight Sun Rally 2009, 2022 und 2023. Keine Dekoration. Das ist gelebter Motorsport. Genau deshalb hat dieser Volvo 142 Rallyebil App-K B20 echten Charakter. Er erzählt nicht von Restauratorenarbeit, sondern von langen Prüfungen, kaputten Etappen und der mechanischen Direktheit, die moderne Autos längst verloren haben.
Vom Serienmodell zur historischen Rallye-Maschine

Der 142 war schon ab Werk ein guter Ausgangspunkt. Als Zweitürer der 140er-Baureihe war er rund 40 Kilogramm leichter als der Viertürer, hatte die kantige, sachliche Karosserie und galt von Anfang an als unverwüstlich. Gebaut von Frühsommer 1967 bis 1974, insgesamt 412.986 Exemplare. Die wenigsten davon haben allerdings eine derart stimmige Motorsportbiografie wie dieses Exemplar.
Ein Leben für die Prüfung
Die Technik passt zur Geschichte. Unter der Haube arbeitet ein B20-Reihenvierzylinder mit zwei Litern Hubraum. In diesem Auto leistet er 140 kW (190 PS) und ist mit einem manuellen Vierganggetriebe gekoppelt. Der Motor lebt obenrum. Genau dort, wo historische Rallyeautos ihre Zeit finden. Es geht nicht primär um brutale Beschleunigung, sondern um das Zusammenspiel aus Drehfreude, Traktion und dem richtigen Gefühl für den Grenzbereich.
Die faszinierendste Stärke sitzt im Motorraum

Das beste Detail ist das Gesamtpaket aus kurzer, steifer Karosserie und dem drehwilligen B20 mit Doppelvergasern. Mechanisch, analog, ohne elektronische Watte. Man fährt noch selbst. Keine Fahrprogramme, kein digitales Netz – nur Verbrennung, Gemisch und Handschaltung. Im historischen Rallyesport ist genau das der eigentliche Reiz.

2023 wurde das Auto gründlich angefasst: bessere Sitze, Motorrevision, Vergaser überholt, Hinterachse frisch gemacht. 2025 gab es dann den jüngsten Service mit frischem Öl, neuen Filtern, frischen Bremsbelägen und geschmiertem Bremssystem. Bei einer kurzen Probefahrt haben Lenkung, Kupplung, Getriebe, Straßenlage und Bremsen einen soliden Eindruck hinterlassen. Genau das zählt bei einem Auto, dessen Sinn im Fahren liegt.
Gebaut für Menschen mit Benzin im Blut






Innen ist alles konsequent. Ausgeräumt, ohne Dämmung, mit Überrollkäfig, Rallyeschalen und Gurten. Das ist kein Wohnzimmer, das ist ein Arbeitsplatz. Genau so gehört es sich. Außen sieht man die Jahre – Kratzer, kleine Dellen, Lackrisse. Alles noch im Rahmen für ein Auto, das wirklich bewegt wurde. Die Kunststoffscheiben seitlich und hinten unterstreichen den Anspruch.
Ein ehrlicher Klassiker mit echter Aufgabe
Der 142 hat sich im historischen Rallyesport aus gutem Grund gehalten. Stabile Karosserie, Scheibenbremsen rundum, übersichtliche Abmessungen mit 260 cm Radstand und knapp 464 cm Länge. Robust, direkt, gut zu kontrollieren. Dieser Wagen verkörpert genau diese Tugenden besonders glaubwürdig.
Praktischer Bonus für aktive Fahrer: Es gehören zwei komplette zusätzliche Radsätze dazu. Vier ATS-Felgen mit Schotterbereifung und vier mit Spikereifen. Das erweitert den sinnvollen Einsatzbereich deutlich. Kein reines Ausstellungsstück. Sondern ein Werkzeug für verschiedene Untergründe und Jahreszeiten.
Auktion mit besonderem Reiz
Die Auktion ist beendet. Der aktuelle Besitzer hatte den Volvo 2025 gekauft, eigentlich mit dem klaren Plan, wieder Rallyes zu fahren. Daraus wird nun nichts. Für den nächsten Fahrer könnte sich damit die seltene Chance ergeben, einen wirklich historisch korrekten, motorsportlich geprägten und technisch ernsthaft vorbereiteten 142 zu übernehmen – nicht als Schaustück, sondern als rollendes Stück skandinavischer Rallyekultur.
Die Auktion endete mit einem Höchstgebot von 62.000 SEK; das Reservationspreis wurde nicht erreicht.
FAQ
1) Was macht diesen Volvo 142 zu einem echten historischen Rallyeauto und nicht nur zu einem umgebauten Klassiker?
Die nachweisbare Motorsportbiografie und die korrekte Einstufung. FIA Appendix K homologiert, Klasse CT24 (Periode H1) und tatsächliche Starts bei der Midnight Sun Rally 2009, 2022 und 2023. Das sind keine Aufkleber. Das sind echte Spuren harter Einsätze. Technik, Verschleiß und Setup sind Ergebnis realer Prüfungen.
2) Welche technischen Punkte sind beim Kauf entscheidend, wenn man den Wagen wirklich fahren will?
Der B20 mit Doppelvergasern lebt von sauberer Abstimmung und Standfestigkeit im oberen Drehzahlband. 2023 wurden Motor, Vergaser, Hinterachse und Sitze überarbeitet, 2025 kamen frisches Öl, Filter und Bremsbeläge. Trotzdem sollte man das Getriebe auf sauberes Schalten prüfen, Lenkung, Bremsanlage und Zustand des Überrollkäfigs genau dokumentieren lassen. Schönheit ist zweitrangig. Funktion kommt zuerst.
3) Für wen passt das Auto – und welche Folgekosten sollte man realistisch einplanen?
Für Leute, die historische Rallyes ernsthaft fahren wollen und mit mechanischer Direktheit klarkommen. Wartung gehört hier zum Hobby. Die zwei zusätzlichen Radsätze (Schotter und Spike auf ATS-Felgen) sind ein echter Vorteil. Mitdenken muss man aber Transport, mögliche Nacharbeit am Vergaser-Setup, Verschleiß nach jedem Einsatz sowie die regelmäßigen technischen Abnahmen, Sicherheitsfristen für Gurte und Sitze sowie die notwendige Dokumentation. Der Auktionspreis ist nur der Einstieg.



