Unrestaurierter Alfa Romeo 1900C Cabriolet von 1952 mit sichtbarer Patina und Abnutzung im Freien geparkt.
Ein originaler Alfa Romeo 1900C Cabriolet von 1952 mit Pinin-Farina-Karosserie im unrestaurierten Zustand mit Patina. (Foto: gullwingmotorcars.com)

Scheunenfund: Seltenes Alfa Romeo 1900C Cabriolet

88 Exemplare. Diese Zahl reicht eigentlich schon. Der Alfa Romeo 1900C Cabriolet von 1952 mit Pinin-Farina-Karosserie ist kein poliertes Ausstellungsstück. Er hat gelebt, ist gefahren worden, hat danach lange geschwiegen. Jetzt steht er da mit Patina und Papieren – und fordert einen ernsthaften Käufer.

Nur 88 offene 1900C auf dieser Plattform. Das macht den Unterschied. Kein Massenmodell mit schöner Linie, sondern ein Stück echter Karosseriebau-Kultur mit stimmigen Proportionen und der Haltung, die Pinin Farina damals noch selbstverständlich hinbekam.

Pinin Farina auf verkürztem Alfa-Chassis

Unrestaurierter Alfa Romeo 1900C Cabriolet von 1952 mit sichtbarer Patina, abgestellt in einer alten Garage.
Originaler Alfa Romeo 1900C Cabriolet von 1952 mit Patina und US-Kennzeichen, gefunden in einer Garage. (Foto: gullwingmotorcars.com)

Der 1900C Cabriolet verbindet die technische Basis der frühen Fünfziger mit der leichten Eleganz italienischer Coachbuilder. Ivory außen, Burgundy-Rot im Innenraum. Die helle Farbe lässt die lange Linie ruhiger wirken, das rote Leder gibt Wärme. Zusammen ergibt das eine ausgewogene Erscheinung.

Die Karosserie zeigt genau das, was Pinin Farina in jenen Jahren auszeichnete: saubere Linien, ausgewogene Proportionen, durchdachte Details und handwerkliche Qualität. Ähnliche Formen baute man damals auch für Lancia, Fiat und Ferrari. Auf dem Alfa-Chassis bekommt die Silhouette jedoch eine eigene Spannung.

Die verkürzte 1900C-Plattform

Unrestaurierter Innenraum eines Alfa Romeo 1900C Cabriolet von 1952 mit weißen und burgunderroten Elementen sowie deutlichen Gebrauchsspuren.
Originaler, unrestaurierter Zustand des Alfa Romeo 1900C Cabriolet – authentischer Einblick ins Interieur mit Patina und Gebrauchsspuren. (Foto: gullwingmotorcars.com)

Warum der Buchstabe C entscheidend ist

Der normale 1900 war für Alfa Romeo der Sprung in die Nachkriegsmoderne. 1950 vorgestellt, erste selbsttragende Karosserie und erstes Fließbandmodell der Marke. Orazio Satta Puliga zeichnete ihn verantwortlich, im Portello begann eine neue industrielle Phase.

Die 1900C-Version bekam einen verkürzten Radstand. Genau diese Kürze gibt den Spezialkarosserien ihre kompakte, straffe Haltung. Beim Cabriolet wirkt es besonders gelungen: Die Karosserie spannt sich über das Chassis, statt schwer darauf zu lasten.

Der originale Tipo-1308-Motor

Motorraum des Alfa Romeo 1900C Cabriolet mit sichtbarem Tipo-1308-Reihenmotor aus den 1950er Jahren im unrestaurierten Zustand
Selten gezeigter Motorraum des Alfa Romeo 1900C Cabriolet von 1952 mit originalem Tipo-1308-Motor (Foto: gullwingmotorcars.com)

Motornummer AR1308*00132*, Fahrgestellnummer AR1900C*01063. Solche Angaben sind bei diesen Autos mehr als Papierkram. Sie belegen Kontinuität.

Technisch passt der Wagen perfekt in die Aufbruchsjahre. Wichtig ist hier vor allem: Der originale und begehrte Tipo-1308-Motor ist noch vorhanden. Viergang-Getriebe. Typische Nachkriegs-Rezeptur, die ordentlich lief.

Von Darmstadt nach New Hampshire

Ein Leben über zwei Kontinente

Erster bekannter Halter: Leroy Bell Jr., Sergeant der US Army im 7th Evacuation Hospital in Darmstadt. Im September 1964 ging der Wagen an Barbara Urbielonis, Lehrerin an der American Elementary School auf der Basis. Damals war er blau lackiert und hatte bereits knapp 90.000 Kilometer auf dem Tacho.

Zwei Jahre lang wurde er bei Auto-Friedrich in Frankfurt betreut, dem damaligen lokalen Alfa-Romeo-Agenten. 1966 nahm Barbara Urbielonis den Wagen mit zurück nach New Hampshire. Dort fuhr sie ihn noch gelegentlich, bis er 1983 in der Garage abgestellt wurde.

Ein unrestaurierter Originalfund

Heute zeigt der Tacho 98.615 Kilometer. Nur gut 10.000 Kilometer mehr als Mitte der Sechziger. Das ist keine kleine Zahl – sie macht den Wagen glaubwürdiger. Kein frisch aufgebautes Sammlerstück, sondern eines mit echter Geschichte, Pausen und Spuren.

Der Alfa gilt als unrestauriert und braucht eine grundlegende Restaurierung. Karosserie weitgehend intakt, viele Zierteile und wichtige Komponenten vorhanden. Erhalten blieben das originale US-Forces-Kennzeichen aus Deutschland, spätere New-Hampshire-Vanity-Plates, der passende Schlüsselanhänger sowie Unterlagen zu Versicherung, Zulassung und Werkstattarbeiten aus der Frankfurter Zeit.

Für Straße, Rasen oder beides

Die Kraft liegt in der Unberührtheit

Das Besondere an diesem Exemplar ist nicht nur die Seltenheit. Es ist der Umstand, dass man hier noch echte Substanz vorfindet. Ein vollständig restauriertes Auto kann beeindrucken. Ein weitgehend originales Exemplar berührt auf andere Weise. Es verlangt Wissen, Geduld und Respekt vor dem Ursprung.

Genau deshalb passt er zu guten Fahrveranstaltungen und Concours d’Elegance. Nicht als lauter Blickfang, sondern als ruhiger, authentischer Auftritt. Der lebendige Vierzylinder zeigt, dass diese Wagen zum Fahren gebaut wurden.

Ein Wagen, der wieder bewegt werden sollte

Dass dieses konkrete Cabriolet jetzt zum Verkauf steht, macht die Geschichte greifbar. Kein lautes Angebot, sondern eine seltene Gelegenheit, ein originales Kapitel italienischen Karosseriebaus weiterzuschreiben. Solche Autos wollen nicht nur besessen, sondern verstanden und irgendwann wieder über gute Straßen gefahren werden.

Am Ende steht ein Auto mit technischer Substanz, guter Form, dokumentierter Historie und einer echten Lebensgeschichte. Der aufgerufene Preis liegt bei 167.500 US-Dollar.

Bilder: Anbieter des Fahrzeuges

FAQ

Warum ist der Alfa Romeo 1900C Cabriolet heute so begehrt?

Seltenheit, Gestaltung und nachvollziehbare Geschichte treffen hier zusammen. Nur wenige offene 1900C mit Pinin-Farina-Karosserie wurden gebaut. Jedes erhaltene Exemplar ist deshalb sammlerisch relevant. Der Wagen markiert zudem den Übergang bei Alfa Romeo: moderne Technik unter handwerklich gefertigter Karosserie. Dieses Exemplar gewinnt zusätzlich durch dokumentierte Historie, originalen Motor und den klar unrestaurierten Zustand. Man kauft hier keine schöne Oberfläche, sondern echte Substanz mit nachprüfbarer Herkunft.

Was macht den unrestaurierten Zustand dieses Fahrzeugs so interessant?

Patina und erhaltene Originalteile erzählen direkter als jede perfekte Restaurierung. Bei diesem Alfa sind Gebrauchsspuren, originale Komponenten, historische Papiere und persönliche Gegenstände früherer Besitzer noch vorhanden. Das macht ihn zum Zeitzeugen. Sammler schätzen genau das: Man kann die Substanz selbst prüfen, die Vergangenheit nachvollziehen und die Restaurierung mit Respekt vor dem Original planen – statt nur ein bereits fertiges Ergebnis zu übernehmen.

Für wen ist ein Alfa Romeo 1900C Cabriolet wie dieses die richtige Wahl?

Nicht für jemanden, der sofort sorglos losfahren will. Der Wagen passt zu Leuten, die italienische Nachkriegsklassiker verstehen, restaurieren können und Verantwortung für originale Substanz übernehmen wollen. Wer Freude daran hat, Historie zu bewahren und eine gut dokumentierte Wiederaufbereitung zu begleiten, findet hier eine echte Chance. Auch für Concours und hochwertige Klassik-Veranstaltungen geeignet, weil Seltenheit, Stil und echte Erzählkraft vorhanden sind. Der passende Besitzer sieht darin keine Trophäe, sondern eine Aufgabe, die Wissen und Geduld verlangt.