Schon wenn er steht, erzählt dieser Saab 96 Jubileum V4 von 1980 seine Geschichte. Aquamarin Metallic auf der kompakten Karosserie, die Form, die Herkunft – alles ergibt sofort ein stimmiges Bild. Es ist das letzte Modelljahr, eine echte Abschiedsversion. Genau das macht den Wagen so besonders: kein nachträglich aufgehübschtes Sondermodell, sondern das tatsächliche Schlusskapitel der Baureihe.
Vier Halter, vom aktuellen Besitzer stets in beheizter Garage, gepflegter und repräsentativer Zustand. Dazu steuerbefreit, frei fahrbar; die letzte HU erfolgte am 24. März 2026 und gilt bis 31. März 2028. Das ist kein Zufall, das ist jahrzehntelanger Respekt vor dem Auto. Solche Exemplare werden selten.
Der Reiz eines späten Klassikers

Der Saab 96 wurde von 1960 bis 1980 gebaut und gehört zu den prägenden Nachkriegsautos Europas. Die aerodynamisch gezeichnete zweitürige Karosserie gab ihm früh ein Gesicht, das niemand verwechseln konnte. Rund 547.000 Exemplare entstanden insgesamt. In dieser späten Jubiläumsversion wirkt er heute wie ein Fund aus einer anderen Zeit.

Die Jubileum-Ausführung gab es ausschließlich 1980. Die Produktion stoppte bereits im Januar, offiziell sollen rund 300 Stück gebaut worden sein. Dieser hier wurde am 20. Februar 1980 in Schweden erstmals zugelassen. Genau diese späte Position macht ihn für Kenner interessant.
Ein Auto mit Signatur
Aquamarine Blue Metallic, blaue Plüschausstattung und originale Ronal-Leichtmetallräder – das sind die Merkmale des Jubileums. Die Metallic-Lackierung ist gut erhalten, die Saab-Ronal-Felgen sind noch da. Keine Effekthascherei, einfach authentisch. Das passt zum Wagen.
Warum gerade der V4 so fasziniert

Unter der Haube sitzt der 1,5-Liter-Ford-V4, der ab 1967 den 96 antrieb. Hier leistet er 50 kW (68 PS). Auf dem Papier wenig, im realen Leben genau richtig. Der Motor passt zum Charakter des Autos: leicht, direkt, ohne Allüren.

Er markiert den Übergang vom Zweitakter zum ausgereiften Reisewagen. Handgeschaltetes Getriebe, Frontantrieb und die typische Freilaufnabe ergeben ein Fahrerlebnis, das heute exotisch wirkt. Der Wagen springt willig an, läuft rund, Getriebe, Freilauf, Bremsen und Fahrwerk funktionieren einwandfrei. Mehr braucht ein guter klassischer Fahrerwagen eigentlich nicht.
Späte Baujahre mit eigener Identität
Die letzten 96 der Baujahre 1979 und 1980 wurden bei Valmet in Uusikaupunki, Finnland, montiert. Typisch sind die schwarze Blende zwischen den Rückleuchten und die schwarzen Fensterrahmen. Kleine Änderungen, die dem Auto aber einen eigenen, späten Charakter geben. Dieser Jubileum trägt ihn besonders klar.
Ein Innenraum wie aus einer anderen Zeit

Drinnen dominiert die typisch skandinavische Mischung aus Sachlichkeit und Behaglichkeit. Die Polster sind neu bezogen und wirken neuwertig, Türverkleidungen, Dachhimmel und Teppiche sind sauber und intakt. Lediglich die Hutablage ist von der Sonne etwas ausgeblichen. Die originalen Türlautsprecher wurden entfernt, die Löcher aber sauber verschlossen. Das wirkt ehrlich.

Die späten Sitze mit integrierten Kopfstützen zeigen, wie sehr der 96 sich vom kompakten Anfangsauto zum erwachsenen Reisewagen entwickelt hat. 129.700 Kilometer schrecken hier nicht ab – im Gegenteil. Ein Auto, das tatsächlich gefahren wurde und trotzdem so geschlossen dasteht, hat oft mehr Seele als ein eingemottetes Museumsstück.
Vom Rallye-Ruhm zum würdigen Finale

Die Siege von Erik Carlsson bei der Rallye Monte Carlo 1962 und 1963 haben den 96 zur Legende gemacht. Robust, eigenwillig, mutig – dieser Ruf schwingt bis heute mit. Auch dieser späte Jubileum lebt davon, obwohl er nie als reines Sportgerät gedacht war.

Genau deshalb ist es so reizvoll, dass man ihn nicht nur anschauen, sondern tatsächlich bewegen kann. Das Fahrzeug steht in Vollsjö. Es wurde bei Bilweb Auctions angeboten; die Auktion ist beendet, der Reservepreis wurde erreicht. Das Höchstgebot lag bei 110.000 SEK. Ein Saab 96 Jubileum V4 ist kein x-beliebiger Oldtimer. Er ist das echte Ende einer langen Modellgeschichte und ein Beweis, dass Charakter weder von Leistung noch von Größe abhängt.
Das Höchstgebot lag bei 110.000 SEK.
Bilder: Anbieter des Fahrzeuges
FAQ
1) Warum ist der Saab 96 „Jubileum“ für Sammler so interessant?
Weil er das echte Schlusskapitel ist. Letztes Modelljahr 1980, Produktionsende im Januar, nur rund 300 Exemplare. Dazu die klaren Erkennungsmerkmale: Aquamarine Blue Metallic, blaue Plüschpolster, originale Ronal-Felgen. Keine nachträgliche Sonderauflage, sondern historisch sauber. Das trifft Sammler mitten ins Herz.
2) Was sagt der beschriebene Zustand über Alltagstauglichkeit und Risiken aus?
Der Wagen hatte vier Halter, stand beim aktuellen Besitzer in der beheizten Garage und läuft rund. Motor springt leicht an, Getriebe, Freilauf, Bremsen und Fahrwerk sind in Ordnung. Das ist für einen 45 Jahre alten Saab ein sehr gutes Zeichen. 129.700 km sind gelebte Geschichte – Wartung bleibt trotzdem Pflicht. Die ausgeblichene Hutablage und die ausgebauten (beiliegenden) Lautsprecher sind eher sympathisch als kritisch.
3) Wie passt die geringe Leistung (68 PS) zur Faszination dieses Autos?
Perfekt. Es geht nicht um Beschleunigung, sondern um das Gesamtpaket: kompakte Abmessungen, direkte Lenkung, Frontantrieb, Handschaltung und Freilauf. Der V4 ist der Motor, der den 96 vom Zweitakter zum Langstrecken-Klassiker gemacht hat. Wer analoges Fahren mit Charakter sucht, bekommt hier genau das – ohne Schnickschnack und ohne schlechtes Gewissen.



