Perfektion ist langweilig. Dieser Saab 96 Monte Carlo 850 2-Takt von 1966 gewinnt genau deshalb, weil er sein Leben nicht versteckt. Er steht in Lotorp, trägt weitgehend den Originallack mit Ausbesserungen und eine Patina, die echt wirkt statt aufpoliert. Genau das macht ihn interessant. Keine sterile Restaurierung, sondern ein originales Stück Rallye-Geschichte, das bis heute Haltung zeigt.
Monte Carlo ist bei Saab kein reines Ausstattungspaket. Die Version erinnert an die Siege bei der Rallye Monte Carlo 1962 und 1963. Aus dem schon eigenständigen 96 wurde damit ein Auto mit deutlich stärkerem Charakter – weniger braver Alltagsbegleiter, mehr fahraktives Stück mit sportlichem Unterton.
Warum gerade der Monte Carlo so besonders ist

Der Saab 96 kam 1960 heraus und blieb bis 1980 im Programm. Besonders die frühen Zweitakt-Exemplare stehen für die Phase, in der Saab noch konsequent eigene Wege ging. 1967 kam der 1,5-Liter-Ford-V4, dieser hier stammt noch aus der alten, technisch eigenwilligen Zeit. Genau das ist heute sein größter Reiz.
Ein Jubiläum der Rallye-Erfolge
Die Monte-Carlo-Version war deutlich mehr als nur Embleme. Der 850-Kubikzentimeter-Dreizylinder-Zweitakter wurde spürbar geschärft. Statt der serienmäßigen 39 PS lagen je nach Ausführung 42 bis 57 PS an. Bei nur 873 Kilogramm Leergewicht ergibt das eine ganz eigene Wirkung. Leichtbau, kompakte Abmessungen und ein lebhafter Motor passten damals perfekt in eine Zeit, in der Fahreindruck noch mehr von Charakter und Beweglichkeit als von reiner Höchstgeschwindigkeit lebte.
Der Dreizylinder als Seele des Autos

Der 841 cm³ Reihendreizylinder mit Zweitaktverfahren ist das eigentliche Highlight. Solche Motoren sind heute fast verschwunden. In der Monte-Carlo-Abstimmung arbeitet er mit drei Vergasern und Öleinspritzung. Genau diese Konstruktion gibt dem Wagen seine unverwechselbare Identität.

Der Reiz liegt in der direkten, unkomplizierten Art. Leichter Motor, spontane Leistungsentfaltung, eng verknüpft mit dem sportlichen Anspruch der Baureihe. Zusammen mit dem 4-Gang-Getriebe entsteht ein Auto, das nicht nur bewegt, sondern aktiv gefahren werden will. Wer sich mit historischen Rallyewagen auskennt, versteht sofort, warum diese Technik damals so viele Fans hatte.
Technik mit echtem Nutzwert

Auch die übrigen Details zeigen, dass der Monte Carlo keine reine Deko-Edition war. Vierloch-Felgen statt fünf Radbolzen, eigene Schriftzüge, das rot-graue Interieur und das Holzlenkrad machen den Unterschied. Diese Merkmale heben ihn aus der Masse und machen aus einem interessanten alten Saab einen gesuchten Sammlerwagen.
Patina statt Maskerade

Bei diesem Exemplar stimmt die Mischung. Technisch gesund und gepflegt, außen patiniert und mit ehrlichen Gebrauchsspuren. In der Klassikerwelt oft deutlich spannender als ein makellos überrestauriertes Fahrzeug. Der Wagen darf alt aussehen, ohne müde zu wirken. Der Originallack trägt die Jahre als Auszeichnung, nicht als Makel.

Viele Enthusiasten suchen inzwischen genau diese Form der Erhaltung. Nichts ist künstlich geglättet, nichts auf museale Distanz gebracht. Ein Monte Carlo, der seine Geschichte zeigt. Bei einem Auto, das aus dem Rallyesport kommt, passt diese Ehrlichkeit besonders gut.
Ein Klassiker für Menschen mit Gespür
Wer Fahrzeuge mit Ecken, Kanten und starkem Charakter mag, wird an diesem Saab 96 Monte Carlo 850 2-Takt kaum vorbeikommen. Kompakte Form, große Geschichte, ein heute fast exotischer Zweitakter. Die Mischung passt.
Die Auktion ist beendet; das Höchstgebot lag bei 195.000 schwedischen Kronen. Der Mindestpreis wurde erreicht; Abholung bis 6. Mai 2026.
Bilder: Bilweb Auctions
FAQ
1) Was macht den Saab 96 Monte Carlo 850 2-Takt im Vergleich zu einem normalen Saab 96 wirklich selten und sammelwürdig?
Der Monte Carlo ist kein 96 mit Aufklebern. Es ist die offizielle Hommage an die Monte-Carlo-Siege von 1962 und 1963. Der geschärfte Zweitakt-Dreizylinder in spezifischer Abstimmung, Vierloch-Felgen, korrekte Schriftzüge, das eigenständige rot-graue Interieur und das Holzlenkrad sind die Merkmale, die ein echtes Sammlerstück von einem normalen frühen 96 trennen.
2) Warum ist die Patina bei diesem Exemplar kein Nachteil, sondern Teil der Attraktivität?
Patina überzeugt, wenn sie wie echte Geschichte aussieht und nicht wie Vernachlässigung. Originallack, glaubwürdige Gebrauchsspuren, aber technisch gesund und gepflegt – genau diese Kombination suchen viele inzwischen. Ein perfekt restaurierter Wagen kann glänzen, erzählt aber oft weniger vom tatsächlichen Leben des Autos. Dieser Monte Carlo bleibt nahbar und ehrlich. Das passt zu einem Auto aus dem Rallye-Geist.
3) Worauf sollte man achten, wenn man so einen Monte Carlo in einer Auktion ernsthaft in Betracht zieht?
Man darf nicht nur den Auktionsmoment sehen. Authentizität, Dokumentation und stimmige Substanz sind entscheidend. Korrekte Monte-Carlo-Merkmale (Felgen, Interieur, Schriftzüge) müssen stimmen, genau wie der Zustand von Zweitaktmotor, Vergaseranlage und Getriebe. Patina muss man richtig lesen – charmante Historie oder versteckte Arbeit? Dazu die harten Zahlen: Auktion abgeschlossen, Höchstgebot 195.000 SEK, Mindestpreis erreicht, Abholung bis 6. Mai 2026.



