Roter Lack mit echten Gebrauchsspuren, schmale Räder, unverkennbarer früher Saab-Charakter. Dieser 93B von 1958 ist kein poliertes Ausstellungsstück. Er fährt – und bleibt dabei erfreulich original.
Von langer Stilllegung keine Spur: Der Wagen wurde zuletzt 2017 in Schweden geprüft. Jetzt zeigt der Tacho abgelesene 154.000 km, und der aktuelle Besitzer hat ihn seit 2016. Ein fast 70 Jahre altes Auto, das keine Garage als Lebensinhalt hat, sondern die Straße.
Früher Saab-Geist auf schmalen Rädern

Der Saab 93 kam ab dem 1. Dezember 1955 als zweites Serienmodell nach dem 92. Gebaut wurde er bis 1960. Dieser 93B gehört zur Baureihe 1957–1959, die schon einige sinnvolle Verbesserungen bekam: einteilige Frontscheibe statt geteilter, Blinkleuchten statt Winker und deutlich bessere Sitze. Späte 1958er Exemplare hatten zusätzlich größere Bremsen, Innenleuchten mit Türkontakten und ein abschließbares Handschuhfach.

Insgesamt entstanden 29.830 Stück vom 93B. Wenig genug, um heute noch einen eigenständigen Charakter zu haben.
Der Reiz des Zweitakts
Unter der Haube arbeitet ein 750-cm³-Dreizylinder-Zweitakter mit 38 PS. Dazu ein simples 3-Gang-Getriebe. Niemand kauft diesen Wagen wegen brutaler Leistungsentfaltung. Man kauft ihn wegen des Motors, der leicht anspringt und überraschend laufruhig läuft. Wer alte Technik wirklich nutzen will, weiß, was das wert ist.
Ein Auto mit ehrlicher Patina

Der Zustand ist original und ehrlich. Viele Verschleißteile sind erneuert, dazu gab es gezielte Eingriffe für mehr Alltagstauglichkeit. In jüngerer Zeit wurden u. a. Antriebswellen-Gelenke, Stoßdämpfer und Bremsen erneuert, eine kontaktlose Zündung montiert, neue Bodenmatten und Reifen aufgezogen, der Vergaser überholt sowie eine SU-Benzinpumpe verbaut.
Der rote Lack hat Glanz, ist etwas ausgeblichen und gilt weitgehend als Originallackierung. Es gibt kleinere Kratzer, Steinschläge und Gebrauchsspuren. Der rechte Außenspiegel fehlt. Chrom und Zierleisten präsentieren sich in gutem Gebrauchszustand. Wer das sieht und trotzdem lächeln muss, hat den richtigen Blick für solche Autos. Die Substanz ist solide.
Innenraum mit Geschichte

Die Innenausstattung ist sehr schön erhalten; die Sitzflächen sind aller Wahrscheinlichkeit nach komplett original, sauber und heil. Türverkleidungen, Armaturenbrett und Dachhimmel sind in gutem Zustand, die Bodenmatte wurde kürzlich ersetzt. Sicherheitsgurte sind vorhanden. Wer Perfektion sucht, findet Arbeit. Wer Charakter sucht, findet Persönlichkeit.

Warum gerade dieser 93B so besonders ist

Der 93B war der Schritt vom noch sehr experimentellen Nachkriegs-Saab zum reiferen Serienfahrzeug. Besonders die einteilige Frontscheibe veränderte die Optik spürbar – moderner, offener, erwachsener.
Dazu kommt die motorsportliche Vergangenheit. Erik Carlsson gewann damit 1957 die Finnland-Rallye und 1959 die Schwedische Rallye. Der 93 war nie ein Prestige-Auto. Er war zäh, intelligent und auf schlechten Straßen verdammt schnell, wenn man ein Gefühl für ihn hatte.
Dass dieses Exemplar im originalen, fahrbereiten Zustand erhalten ist, passt perfekt ins Bild.
Ein Klassiker, der weiterfahren will
Zum Wagen gehören ältere Dokumentation, ein Schlüsselsatz, Wagenheber und Reserverad. Neun Vorbesitzer, steuer- und prüfbefreit (historischer Status in Schweden) und kein Fahrverbot.
Die Auktion ist beendet; das Höchstgebot lag bei 110.000 SEK.
Bilder: Anbieter des Fahrzeuges
FAQ
1) Was macht diesen Saab 93B im Vergleich zu vielen anderen Klassikern so besonders?
Er ist kein aufpoliertes Sammlerstück, sondern ein Auto mit echter Biografie, das in weitgehend originalem Zustand erhalten und fahrbereit ist. Die typischen 93B-Merkmale sind vorhanden – einteilige Frontscheibe, Blinker statt Winker, bessere Innenraumausstattung. Patina, Technik und Authentizität in einem Paket. Das ist selten.
2) Welche technischen und praktischen Punkte sollte man vor dem Kauf oder bei regelmäßiger Nutzung im Blick haben?
750-cm³-Dreizylinder-Zweitakter mit 38 PS und 3-Gang-Getriebe. In jüngerer Zeit erneuert: Antriebswellen-Gelenke, Stoßdämpfer, Bremsen, kontaktlose Zündung, Bodenmatten, Reifen; außerdem überholter Vergaser und neue SU-Benzinpumpe. Der rote Originallack zeigt altersbedingte Spuren; der rechte Außenspiegel fehlt. Wer Patina nicht mag und keine Lust auf Wartung hat, sollte woanders schauen.
3) Ist der Wagen eher ein Sammlerstück für die Garage oder ein Klassiker, den man wirklich fahren kann?
Das ist ein echter Fahrerklassiker. Technisch in gutem, fahrbereitem Zustand und mit vielen sinnvollen Erneuerungen – gleichzeitig sehr authentisch mit viel Originalsubstanz und schöner Innenausstattung. Wer fahren will und keine Angst vor Charakter hat, liegt bei diesem Exemplar richtig.


