1967 hat Lorentz den B11 als 16-Jähriger in Wien gekauft. Rostfrei, aber zerlegt. Motor auf dem Rücksitz, Getriebegehäuse beschädigt. Zusammen mit seinem Onkel hat er ihn wieder zum Fahren gebracht. Ein Spenderauto lieferte das passende Getriebe. Seitdem wurde der Wagen tatsächlich bewegt.
1969, frisch mit Führerschein, sind Lorentz und Annette auf eigener Achse von Österreich nach Schweden gefahren. Privatimport im August 1969. Seit dem Kauf 1967 blieb er 59 Jahre in denselben Händen. Das ist der Unterschied zu vielen Oldtimern, die nur von Halle zu Halle rollen.
Eine Lebensgeschichte auf vier Rädern

In einer Szene, in der die meisten Klassiker häufig den Besitzer wechseln, wirkt ein einziger Halter seit 1969 fast fremd. Lorentz nannte den Wagen „Älvan“. Beide haben den Wagen begleitet, gepflegt und bei Bedarf instand gesetzt. Keine Sammlervitrine. Ein Auto mit echter Biografie.
Warum der Traction Avant bis heute fesselt

Frontantrieb, selbsttragende Karosserie und unabhängige Radaufhängung – für die 1930er war das mutig. Der Wagen liegt niedrig, wirkt gedrungen und vermittelt bis heute ein Fahrgefühl, das näher an modernen Autos ist als bei vielen damaligen Konkurrenten. Genau das macht ihn für Liebhaber französischer Klassiker interessant.

Der Motor wurde mehrfach überholt, zuletzt 2009, inklusive schwererer Gegengewichte an der Kurbelwelle. Dazu kam eine elektronische 123-Zündung. Das Startverhalten ist seither deutlich besser. Das Getriebe sitzt seit 1967 im Wagen und wurde 1990 überarbeitet. Der dritte Gang wurde länger übersetzt. Bei 90–95 km/h läuft der Wagen dann ruhig und entspannt.
Technik mit Sinn für Strecke

Ein Klassiker bleibt ein Klassiker. Der Sprung vom zweiten in den dritten Gang fühlt sich noch immer weit an. Trotzdem wirkt das Gesamtpaket für ein Auto von 1956 überraschend ruhig und komfortabel. Man merkt: Hier wurde nicht fürs Museum gebaut, sondern für die Straße.
Innenraum, Lack und die Würde des Alters

1988 bekam der Innenraum neue Polsterstoffe nach originaler Spezifikation, gefertigt für den schwedischen B11-Club. Armaturenbrett, Teppiche, Türverkleidungen, Himmel und Sitze sind gepflegt, aber dezent genutzt. Keine Überrestaurierung. Es wirkt stimmig und ehrlich. Neue Gummimatten ergänzen das Bild.

Seit 1978 trägt er einen dunklen Blauton in Zelluloselack – etwas heller als das originale Bleu Nuit, aber zeitrichtig und mit ehrlicher Patina. Die belgischen Lambert-Nivell-Räder sind seit 1970 am Wagen, aus optischen Gründen. Dazu passen Michelin-X-Reifen 165 x 400 mit Schläuchen, deren Profil noch gut ist. Chrom- und Edelstahldetails sind ordentlich, die Frontscheibe samt Dichtung wurde 2020 erneuert.

Ein Klassiker, der nie verschwand

Der B11 war nie lange von der Straße. Er wurde gefahren, erhalten und nur bei Bedarf angefasst. Genau das gibt ihm die Glaubwürdigkeit, die kein frischer Lack ersetzen kann. Letzte eingetragene Prüfung: 11. Mai 2018. Das Fahrzeug ist steuer- und prüfungsbefreit und ohne Fahrverbot zugelassen.

Kein lauter Star, sondern ein stiller Veteran mit dokumentierter Geschichte, sinnvoller Pflege und echtem Charakter. In der Auktion lag das höchste Gebot bei 110.000 schwedischen Kronen; der Mindestpreis wurde erreicht.
Bilder: Bilweb Auctions



