Fittipaldi F6A Formel-1-Rennwagen von 1979 in gelber Copersucar-Lackierung auf der Rennstrecke.
Foto: rmsothebys.com)

Fittipaldi F6A: Formel-1-Rennwagen von 1979

Gelb wie eine brasilianische Sonne und mit dem rauen Timbre des Cosworth-DFV im Rücken: Der Fittipaldi F6A verdichtet eine ganze Formel‑1‑Epoche in einem Auto. 1979 ausschließlich von Doppelweltmeister Emerson Fittipaldi bewegt, steht dieses Chassis für Mut, Erfindungsgeist und die Faszination, wie Technik den Menschen in Bewegung versetzt. Sein Auftritt in der Copersucar-Lackierung erzählt von großen Hoffnungen, harten Lernkurven und jenen Wochenenden, an denen das Unmögliche greifbar schien. Nun kehrt dieses Exemplar mit lückenloser Historie ins Rampenlicht zurück: Es ist für eine Auktion angekündigt – ein Moment, der Träume weckt. Denn der Fittipaldi F6A ist mehr als ein Sammlerstück: Er ist gelebte Grand-Prix-Geschichte.

Vom F6 zum F6A: der Umbruch 1979

Detailansicht des Cosworth DFV-Motors im Fittipaldi F6A mit charakteristischer Copersucar-Lackierung.
Der ikonische Cosworth DFV im Heck des Fittipaldi F6A. (Foto: rmsothebys.com)

Als neues Formel‑1‑Projekt startete der F6 im Jahr 1979 unter der Feder von Ralph Bellamy, vormals bei Lotus. Sein Debüt gab der Wagen beim Großen Preis von Südafrika; Emerson Fittipaldi brachte das Auto auf Rang 13 – das Maximum des frühen Konzepts. Doch die Praxis offenbarte schwere Untersteuerneigung und technische Schwächen, worauf das Team nach den frühen Einsätzen den Reset wagte. Giacomo Caliri und Luigi Marmioli (FLY Studio) überarbeiteten den Wagen tiefgreifend zum F6A: verstärktes Aluminium-Wabenkern-Monocoque, neue Umlenkeraufhängung vorn und hinten sowie längere Seitenkästen im Geist der Ground-Effect-Schule – inspiriert vom Williams FW07. Der F6A debütierte im Hochsommer beim Deutschland‑GP. Trotzdem blieb die Aerodynamik heikel: Die flexiblen Kevlar-Schürzen funktionierten unzuverlässig, und das Auto war mit rund 582 kg vergleichsweise schwer – beides kostete wertvolle Zehntel.

Emerson allein im Cockpit

Innenraum und Lenkrad des Fittipaldi F6A Formel-1-Rennwagens von 1979 in gelber Copersucar-Lackierung
Für den Fahrer nur das Wesentliche im Grand-Prix-Wagen von 1979. (Foto: rmsothebys.com)

Sieben WM‑Läufe 1979 gingen auf das Konto dieses F6A – alle mit Emerson Fittipaldi am Steuer. Nach dem Re‑Debüt in Hockenheim (Ausfall, Elektrik) folgten Zeltweg (Ausfall) und Zandvoort (Ausfall), bevor sich die Mühe auszahlte: Platz 8 in Monza, erneut Platz 8 beim Kanada‑GP und schließlich Rang 7 beim Saisonfinale in Watkins Glen. Punkte gab es damals nur bis Rang 6, doch die Tendenz zeigte nach vorn. Parallel entstand ein zweites F6A‑Chassis, mit dem Alex Ribeiro die späten Nordamerika‑Rennen anpeilte – ohne Startplatz. Die hier besprochene Maschine, Chassis F6/A‑01, blieb das Herz des Projekts. Sie steht für die Zähigkeit eines Privatteams, das gegen Werkspower und Zeitdruck ankämpfte – und dennoch Momente reiner Klasse setzte, wenn Balance, Strecke und Wetter den F6A freundlich behandelten.

Sammlerwege und die Van Lepel Collection

Detailaufnahme vom Cockpit des Fittipaldi F6A mit angeschnalltem Renngurt, Lenkrad und gelbem Monocoque.
Blick ins Cockpit des Fittipaldi F6A – historischer Formel-1-Rennwagen von 1979 in Copersucar-Gelbhier geth es eng zu. (Foto: rmsothebys.com)

Am Ende der Saison 1979 fand Chassis 01 eine würdige Heimat in der Van Lepel Collection in Italien. 1986 wechselte der Wagen zu Bob Campbell und ruhte dort etwa ein Jahrzehnt, ehe ihn der amerikanische Enthusiast Bill Hall übernahm. Von 1997 bis 2010 gehörte der F6A dem früheren Formel‑1‑Fahrer und Sammler Herbert Schnell; 2013 folgte ein neuer Eigentümer, der ab 2018 die Rückkehr auf Strecke und Straße vorbereiten ließ. OC Racing zeichnete für die Komplettüberholung verantwortlich, inklusive eines frisch aufgebauten 3,0‑Liter‑Cosworth‑DFV (von Spezialist Geoff Richardson) und umfangreicher Technikarbeit. Danach strahlte das Auto wieder im historischen Copersucar‑Gelb, gekrönt vom Auftritt beim Goodwood Festival of Speed 2021.

Rückkehr auf die große Bühne

Gelber Fittipaldi F6A Formel-1-Rennwagen von 1979 in Copersucar-Lackierung, vorne rechts in der Boxengasse.
Der legendäre Fittipaldi F6A von 1979 mit Startnummer 19 auf der Rennstrecke. (Foto: rmsothebys.com)

Im Juli 2023 übernahm der aktuelle Anbieter; AB Sport Auto in Frankreich verfeinerte daraufhin die Vorbereitung. 2024 ging es zurück ins Scheinwerferlicht: zunächst zum Rahmenprogramm des Frankreich‑GP in Le Castellet, dann zum Monaco Historic Grand Prix – und dort direkt aufs Podium in der 3,0‑Liter‑F1‑Klasse, pilotiert von Jonathan Cochet. Ein hochemotionales Kapitel schrieb 2024 auch Emerson Fittipaldi selbst: Er traf sein altes Arbeitsgerät wieder, signierte die Karosserie und drehte eine Demonstrationsrunde. Der überholte DFV hat seither weniger als 400 Kilometer Laufleistung gesammelt, das fünfgängige Hewland‑Getriebe weniger als 300 Kilometer – Zahlen, die die Frische und Sorgfalt der Revision unterstreichen. Mit FIA Historic Technical Passport (gültig bis Ende 2033) ist der F6A zudem startberechtigt für zahlreiche Klassiker‑Serien, darunter Masters Racing Legends (1966–1985).

Technik und Faszination des F6A

Nahaufnahme der Heckpartie und des Motors eines gelben Fittipaldi F6A Formel-1-Rennwagens mit Copersucar-Schriftzug
Heckpartie und Cosworth-DFV-Motor des Fittipaldi F6A mit historischer Copersucar-Lackierung. (Foto: rmsothebys.com)

Im Heck arbeitet der Ford Cosworth DFV: ein 90‑Grad‑V8 mit 2.993 cm³, vier Ventilen pro Zylinder und zwei obenliegenden Nockenwellen. Um 500 bhp entsprechen rund 507 PS – genügend, um ein Auto von etwa 582 kg trockenem Gewicht in jenen berüchtigten Grenzbereich zu heben, in dem Fahrzeug und Fahrer zu einer Einheit verschmelzen. Der F6A schultert diese Kraft mit einem 5‑Gang‑Hewland‑Transaxle und einem in São Paulo gefertigten Wabenkern‑Monocoque; darüber liegen glasfaserverstärkte Karosserieteile. Sein faszinierendstes Merkmal: die langen Seitenkästen und Schürzen des Ground‑Effect‑Zeitalters. Sie wollten den Unterboden in einen Sogkanal verwandeln – ein Tanz auf Messers Schneide, denn schon kleinste Toleranzen entschieden zwischen Wunderwaffe und Kompromiss. Genau darin liegt der Zauber dieses Fittipaldi F6A: Er zeigt, wie nah Genie und Grenzerfahrung im Rennwagenbau beieinanderliegen – und dass wahrer Fortschritt oft den Mut braucht, Neuland zu betreten. Schätzwert: 500.000–700.000 Euro.

Bilder: Anbieter des Fahrzeuges

FAQ

1) Warum gilt der F6A als typisches Auto der Ground-Effect-Ära, obwohl er nicht dauerhaft erfolgreich war?
Der F6A steht exemplarisch für die Zeit, in der Aerodynamik plötzlich den Takt vorgab: lange Seitenkästen, Schürzen und der Versuch, den Unterboden als „Sogkanal“ zu nutzen, versprachen enorme Kurvengeschwindigkeiten. Gleichzeitig zeigt gerade dieses Auto, wie fragil das Konzept in der Praxis sein konnte. Flexible Kevlar-Schürzen arbeiteten nicht immer zuverlässig, und schon kleine Änderungen bei Bodenfreiheit, Streckenwellen oder Abstimmung kippten die Balance. So wird der F6A zur Lehrstunde: Ground Effect war gleichermaßen Geniesprung und Risiko – und genau diese Spannung macht seine Faszination aus.

2) Was macht Chassis 01 (F6/A‑01) historisch so besonders im Vergleich zu anderen Rennwagen dieser Zeit?
Chassis 01 ist nicht „nur“ ein altes Formel‑1‑Auto, sondern ein klar zuordenbares Zeitdokument: 1979 wurde der F6A in sieben WM‑Läufen ausschließlich von Emerson Fittipaldi gefahren – einem Doppelweltmeister, der hier nicht im Werksteam saß, sondern in einem Projekt mit begrenzten Mitteln um jedes Zehntel kämpfen musste. Dazu kommt die lückenlose Sammler- und Restaurationsgeschichte: Von der Van Lepel Collection über mehrere Enthusiasten bis zur großen Revision mit neu aufgebautem Cosworth DFV und der Rückkehr bei Goodwood 2021 und in historische Top-Events 2024. Diese Kombination aus Fahrer, Einsatz, Historie und Zustand ist selten.

3) Wenn der F6A damals keine WM-Punkte holte: Warum ist er heute trotzdem so wertvoll und begehrt?
Wert entsteht hier weniger über Statistik als über Bedeutung. Erstens verkörpert der F6A eine Schlüsselphase der Formel‑1, in der Mut zur radikalen Aerodynamik ganze Teams neu definierte. Zweitens ist die Geschichte emotional aufgeladen: Emerson Fittipaldi als alleiniger Pilot, die harten Ausfälle nach dem Re‑Debüt und dann die spürbare Steigerung mit Plätzen 8 und 7 am Saisonende. Drittens zählt der heutige Nutzwert im Historic-Sport: Mit gültigem FIA Historic Technical Passport (bis Ende 2033), frisch revidiertem DFV und überarbeitetem Getriebe ist er nicht nur ausstellbar, sondern fahrbar. Das macht den Schätzwert plausibel.