Ein Chase Truck fährt bei Wüstenrennen wie der Baja 1000 hinter dem Rennwagen her, mit Ersatzteilen, Werkzeug und Funk. Diese Aufgabe übernehmen meist hochgerüstete Pick-ups mit Verbrennermotor. Auf der SEMA Motorshow 2026 in Las Vegas zeigt sich ein zum Chase Truck umgebautes Elektro-SUV: Der „Off Grid Chase Truck“ basiert auf dem Rivian R2 Performance Edition aus dem Modelljahr 2027 und ist für Erkundungsfahrten und die Unterstützung bei Rennen gebaut.
Rivians kleineres Modell mit 656 hp

Rivian aus Kalifornien hat sich mit dem Pick-up R1T und dem SUV R1S einen Namen als Hersteller elektrischer Geländefahrzeuge gemacht. Der R2 ist das kleinere, kompaktere Modell unterhalb dieser beiden. In der Performance Edition treiben zwei Elektromotoren alle vier Räder an. Sie leisten zusammen 656 hp, das sind rund 489 kW oder knapp 665 PS, und bringen 609 lb-ft auf die Räder, umgerechnet rund 826 Nm. Diese Werte liegen über denen vieler großer V8-Pick-ups. Für einen Chase Truck zählt aber vor allem, dass Elektromotoren ihr Drehmoment schon aus dem Stand liefern. Wer im weichen Sand anfahren oder eine Stufe hochklettern muss, kann die Kraft fein dosieren, ohne vorher auf Drehzahl zu kommen.
Vorne sind die Räder an Federbeinen aufgehängt, hinten an einer Mehrlenkerachse. Dazu kommen semiaktive Dämpfer, die ihre Dämpfung laufend an die Fahrsituation anpassen. Bei einem Fahrzeug, das zwischen Asphalt-Transfer und Wüstenpiste pendelt, ist das ein sinnvoller Kompromiss.
Zwei Zoll Höherlegung und Reifen im 34-Zoll-Format

Für die Höherlegung sorgt ein Prototyp von Bullray Mfg. Er hebt die Karosserie um rund 5 cm (2 Zoll) an und wird mit Spurverbreiterungen kombiniert. Auf 17-Zoll-Felgen Method Racing Bead Grip 707 mit 8,5 Zoll Breite sind Yokohama Geolandar M/T G003 in der Größe LT255/85-17 aufgezogen. Daraus ergibt sich ein Reifendurchmesser von rund 865 mm, das entspricht etwa 34 Zoll. Für ein kompaktes SUV ist das sehr groß. Die hohe Flanke von gut 21 cm schluckt Steine und lässt sich bei Bedarf mit weniger Luftdruck fahren, und das LT-Format ist für Leichttransporter mit hoher Traglast ausgelegt. Hinten sitzt das Ersatzrad auf einem schwenkbaren Träger, dem RiG’D Supply UltraSwing Multifit. Daran sind auch ein Klapptisch (UltraTable), eine seitliche Halterung und die Kennzeichenbeleuchtung montiert.
Grobstollige Reifen, mehr Bodenfreiheit und Lasten auf dem Dach kosten Effizienz. Bei einem Verbrenner bedeutet das häufiger tanken. Bei einem Elektroauto in der Wüste, wo kaum Ladesäulen stehen, ist es die entscheidende Frage. Wie viel Reichweite dem R2 in dieser Ausführung abseits der Infrastruktur bleibt, müsste ein Einsatz im Gelände zeigen.
Licht, Funk und Navigation wie im Rennbetrieb

Bei der Ausstattung orientiert sich der Umbau am Wüstenrennsport. Vorne leuchtet eine rund 1 m (40 Zoll) breite Lichtleiste Baja Designs S8, dazu kommen Zusatzscheinwerfer Squadron Pro an den A-Säulen. Flächenbündig eingebaute S1-Arbeitsleuchten erhellen das Umfeld, wenn nachts repariert werden muss. Ein RTL-M-Rücklicht macht das Fahrzeug im Staub für Nachfolgende sichtbar. Geschaltet wird alles über einen Touchscreen sPOD Bantam X, der die Zusatzverbraucher zentral steuert.
Für die Orientierung ist ein Garmin Tread XL Baja Race GPS an Bord. Die Verbindung zum Team hält ein UHF-Funkgerät von PCI mit 110 Watt. Ohne Mobilfunknetz ist das bei Rennen die übliche Art, mit Fahrer und Boxencrew in Kontakt zu bleiben.
Bergematerial und Stauraum für den Ernstfall

Wer einem Rennwagen hinterherfährt, muss sich im Zweifel auch selbst helfen können. Dafür sind ein Tactical Response Kit von Carbon Offroad, ein leichter Renn-Wagenheber von Pro Eagle und Sandbleche vom Typ Maxtrax Extreme an Bord. Auf dem Dach sitzen Transportboxen Pelican V800 Vault, im Laderaum Crate-Boxen in den Größen 90 und 45 sowie MOLLE-Organizer und Ablagen. So hat jedes Werkzeug einen festen Platz und fliegt auf der Piste nicht durch den Innenraum.
Unser Urteil

Der Off Grid Chase Truck ist ein Showfahrzeug, kein Serienangebot. Er zeigt aber, dass der Rivian R2 mit 656 hp, Allradantrieb und semiaktivem Fahrwerk als Basis für ernsthafte Geländeumbauten taugt. Viele Teile stammen von etablierten Marken aus der Wüstenrenn-Szene, und der Umbau ist schlüssig auf seine Aufgabe zugeschnitten: Licht, Funk und Bergematerial sind genau das, was ein Begleitfahrzeug bei einem Rennen braucht. Offen bleibt der Punkt, der jedes elektrische Expeditionsfahrzeug betrifft: Mit großen Reifen, Höherlegung und Dachlast ist der Verbrauch abseits der Ladeinfrastruktur der Faktor, an dem sich entscheidet, ob das Konzept auch in der echten Baja funktioniert. Interessant ist der R2 damit vor allem für alle, die ein Elektro-SUV nicht nur auf Asphalt bewegen und sehen wollen, was sich aus Rivians kleinerem Modell machen lässt.
Die Daten

- Basis: 2027 Rivian R2 Performance Edition
- Antrieb: zwei Elektromotoren, Allrad, 656 hp (ca. 489 kW), 609 lb-ft (ca. 826 Nm)
- Fahrwerk: Federbeine vorne, Mehrlenkerachse hinten, semiaktive Dämpfer
- Höherlegung: ca. 5 cm (2 Zoll), Bullray Mfg Prototyp mit Spurverbreiterungen
- Räder: Method Racing Bead Grip 707, 17 x 8,5 Zoll
- Reifen: Yokohama Geolandar M/T G003, LT255/85-17
Quelle: eigene Recherche vor Ort, SEMA Motorshow 2026 Las Vegas, Rivian




