Es gibt Automobile, die nicht einfach nur alt werden, sondern mit den Jahren an Ausstrahlung gewinnen. Der Porsche 356 B Super 90 Roadster by Drauz aus dem Jahr 1960 gehört genau in diese seltene Kategorie. Er steht für eine Epoche, in der Leichtigkeit, Klarheit und Fahrfreude wichtiger waren als reine Leistungstabellen. Und doch war dieser offene Zweisitzer alles andere als bescheiden: Als echter Super 90 Roadster verband er die reduzierte Sportlichkeit des frühen Porsche-Gedankens mit einer Form von Reisekomfort, die ihn bis heute besonders begehrenswert macht.
Entstanden ist dieses Exemplar am 27. September 1960. Ausgeliefert wurde der Wagen nach San Francisco in Kalifornien, erster Besitzer war Harold Cole aus Woodleaf. Schon diese frühe Geschichte verleiht dem Auto eine besondere Atmosphäre: ein deutscher Sportwagen, bestimmt für die Weite der amerikanischen Westküste, für kurvige Straßen, Küstennebel und sonnige Ausfahrten. Ursprünglich trat der Roadster in Silver Metallic auf, kombiniert mit einem roten Kunstleder-Interieur und optionalen Liegesitzen – eine Farbkombination, die den eleganten und zugleich unangestrengten Charakter dieses Porsche wunderbar unterstrich.
Zwischen Speedster-Idee und Reisetauglichkeit

Der Porsche 356 wurde von 1948 bis 1965 gebaut und gehört längst zu den tragenden Ikonen der Sportwagengeschichte. Die Baureihe 356 B, intern als Type 5 bekannt, kam gegen Ende des Jahres 1959 für das Modelljahr 1960 auf den Markt und blieb bis 1963 im Programm. innerhalb dieser Familie nimmt der Roadster eine besonders reizvolle Stellung ein. Er trat 1960 die Nachfolge des Convertible D an, jenes Modells, dessen Buchstabe „D“ auf den Karosseriebauer Drauz aus Heilbronn verweist.
Gerade in dieser Herkunft liegt ein Teil des Zaubers. Drauz formte keinen radikalen Puristen für die Rennstrecke, sondern einen offenen Porsche, der das aufregende Gefühl des Speedster bewahrte und es mit größerer Alltagstauglichkeit verband. Der höhere Windschutzscheibenrahmen, die kurbelbaren Seitenscheiben und ein vollwertiges Verdeck machten den Roadster zu einem Auto für echte Ausfahrten – nicht nur für den sonnigen Sonntagnachmittag, sondern auch für längere Reisen. Genau diese Balance ist es, die den 356 B Roadster heute so faszinierend macht.
Die Form des T-5 und ihr feiner Charakter

Auch gestalterisch trägt dieser Wagen die Merkmale der frühen 356-B-Generation. Die T-5-Karosserie erhielt neu gezeichnete vordere Kotflügel, höher positionierte Stoßfänger und entsprechend versetzte Scheinwerfer. Solche Änderungen klingen auf dem Papier beinahe sachlich, doch am Auto selbst entfalten sie eine bemerkenswerte Wirkung. Der Roadster wirkt reifer als die frühen Versionen, ohne seine Leichtigkeit zu verlieren. Seine Linien bleiben weich, kompakt und unverwechselbar, zugleich vermittelt er mehr Substanz und Präsenz.

Im Innenraum blieb Porsche seiner Philosophie der Reduktion treu. Das minimalistische Cockpit mit dem schlichten Dreier-Instrumententräger konzentriert sich auf das Wesentliche. Kein Überfluss, keine dekorative Ablenkung – stattdessen jene konzentrierte Klarheit, die klassische Sportwagen so anziehend macht. Diese Form der Einfachheit ist kein Verzicht, sondern eine Haltung. Sie erinnert daran, dass Mobilität einst stärker mit Gefühl, Mechanik und unmittelbarer Rückmeldung verbunden war als mit digitaler Überinszenierung.
Der Super 90 als Herzstück der Geschichte

Das eigentliche Glanzstück dieses Roadsters ist jedoch sein Motor. Der 1,6-Liter-Boxermotor in der Super-90-Ausführung leistete rund 90 PS, also etwa 66 kW – für einen kompakten offenen Porsche jener Zeit ein ausgesprochen lebendiges Paket. Eine schärfere Nockenwelle, ein geändertes Verdichtungsverhältnis und doppelte Solex-Vergaser sorgten für ein temperamentvolles Ansprechverhalten und jenen drehfreudigen Charakter, den Enthusiasten bis heute schätzen.


Gerade dieser Motor verdient einen genaueren Blick, weil er das Wesen des Wagens so treffend bündelt. Der Super 90 ist kein Kraftprotz im modernen Sinn, sondern ein Aggregat, das über Leichtfüßigkeit, Klang und mechanische Direktheit begeistert. In einem Auto wie dem 356 B Roadster bedeutet das: offen fahren, die Straße spüren, Lastwechsel erleben und Geschwindigkeit nicht als abstrakte Zahl begreifen, sondern als sinnliche Erfahrung. So wird aus Mobilität ein Dialog zwischen Mensch, Maschine und Landschaft. Dass dieses Exemplar heute von einem nicht mehr originalen, aber typkorrekten Super-90-Motor des Typs 616/7 angetrieben wird, passt in diese Geschichte eines gelebten Klassikers.
Behutsam erneuert, mit Respekt vor dem Original

Im Oktober 2023 erhielt der Wagen eine Auffrischung im Wert von 35.000 US-Dollar bei Tom Black’s Garage in Portland, Oregon. Zu den Arbeiten gehörten eine Neulackierung nach vollständigem Freilegen der Karosserie bis aufs Blech, kleinere Blechreparaturen, neu verchromte Anbauteile, eine neue Windschutzscheibe und neue Karosseriedichtungen. Heute präsentiert sich der Roadster deshalb in Schwarz – eine Farbe, die seine Linien straffer und seine Erscheinung noch souveräner wirken lässt.
Solche Maßnahmen sind bei einem Klassiker wie diesem weit mehr als Kosmetik. Sie zeigen, dass das Auto nicht einfach verwahrt, sondern ernst genommen wurde. Begleitet wird der Porsche von einer Kopie seiner ursprünglichen Kardex-Unterlagen, was seiner Geschichte zusätzliche Tiefe verleiht. Hinzu kommt die Zugehörigkeit zur The Longhorn Collection, die sinnbildlich für die Leidenschaft steht, ohne die viele große Klassiker längst verschwunden wären. Sie macht deutlich, wie kostbar es ist, automobile Kultur nicht nur zu besitzen, sondern zu erhalten.
Warum dieser Roadster mehr ist als ein schöner Klassiker

Vom 356 B entstanden zwischen 1959 und 1963 rund 30.963 Exemplare. Doch Zahlen allein erklären nicht, warum ein Super 90 Roadster by Drauz eine derart starke Anziehungskraft entwickelt. Es ist die seltene Verbindung aus offener Sportlichkeit, technischer Ehrlichkeit und stilistischer Reinheit. Dieser Porsche erzählt von einer Zeit, in der Reisen noch Entdeckung war und in der ein Auto Persönlichkeit nicht simulierte, sondern ausstrahlte.
Dass dieser Wagen verkauft wurde, weckt unweigerlich Tagträume. Denn ein solcher Porsche ist kein bloßes Sammlerstück, sondern ein Versprechen auf besondere Momente: frühes Licht auf einer Landstraße, der trockene Klang des Boxermotors, das Gefühl von Wind und Präzision. Genau darin liegt seine Größe. Dieser 356 B Super 90 Roadster by Drauz ist ein gebrauchter Klassiker, ja – aber einer, der das Wunder des Automobils in besonders konzentrierter Form zeigt. Der erzielte Preis lag bei 148.400 US-Dollar.
Bilder: Anbieter des Fahrzeuges
FAQ
1) Was macht den Porsche 356 B Super 90 Roadster by Drauz im Alltag und auf Reisen so besonders?
Der Reiz liegt in seiner ungewöhnlichen Balance: Er fühlt sich wie ein puristischer offener Sportwagen an, bietet aber mehr praktische Reisetauglichkeit als ein radikaler Speedster. Der höhere Scheibenrahmen, kurbelbare Seitenscheiben und ein vollwertiges Verdeck machen längere Strecken realistisch – auch wenn Wetter oder Temperatur umschlagen. Gleichzeitig bleibt das Fahrerlebnis direkt und leichtfüßig: wenig Gewicht, klare Rückmeldung und ein Cockpit ohne Ablenkung. Genau diese Mischung aus Einfachheit und Nutzbarkeit lässt den Roadster nicht nur schön wirken, sondern wirklich erlebbar.
2) Warum gilt der Super-90-Motor als „Herz“ des Autos – obwohl er nach heutigem Maßstab nicht extrem leistungsstark ist?
Weil er die Art von Leistung liefert, die man spürt, nicht nur misst. Rund 90 PS aus 1,6 Litern klingen heute bescheiden, doch im Kontext des leichten Roadsters entsteht ein lebendiger, drehfreudiger Charakter. Schärfere Nockenwelle, geänderte Verdichtung und doppelte Solex-Vergaser sorgen für spontanes Ansprechen und einen Klang, der das Offenfahren zur sinnlichen Erfahrung macht. Entscheidend ist: Geschwindigkeit wird nicht zur abstrakten Zahl, sondern zum Dialog aus Gasfuß, Lastwechsel und Straße. Selbst ein typkorrekter Ersatzmotor passt daher zur Idee eines „gelebten“ Klassikers.
3) Wie beeinflussen Restaurierung, Dokumentation und Sammlungshistorie den Wert und die Glaubwürdigkeit dieses Roadsters?
Bei Klassikern zählt nicht nur Glanz, sondern Nachvollziehbarkeit. Die Auffrischung im Oktober 2023 (inklusive Neulack nach Freilegen bis aufs Blech, kleinen Blechreparaturen, Chromarbeiten, neuer Scheibe und Dichtungen) zeigt, dass Substanz und Präsentation ernst genommen wurden – nicht bloß oberflächlich „aufgehübscht“. Die Kopie der Kardex-Unterlagen stärkt zudem die Identität und den historischen Rahmen des Fahrzeugs. Auch die Zugehörigkeit zur The Longhorn Collection wirkt wie ein Vertrauenssignal: Sie deutet darauf hin, dass das Auto in einem Umfeld gepflegt wurde, in dem Erhalt und Qualität Priorität haben. Das kann Preis und Begehrlichkeit deutlich stützen.



