Grüner 1966er F-100 mit satinierter Klarlackschicht, weißen Stoßfängern und passender Heckklappenschrift. Dahinter ein maßgefertigter Anhänger, der aussieht wie ein kleines Soda-Diner auf Rädern. Kein gewöhnlicher Restomod. Das Gespann mischt klassisches Pickup-Erbe, Hot-Rod-Attitüde und echte Reiselust. Derzeit steht es zum Verkauf. Spannender als der Preis ist die konsequente Idee dahinter.
Ein F-100 aus einer prägenden Ford-Ära

Der Ford F-100 von 1966 stammt aus der vierten Generation der F-Serie, die 1961 startete. Diese Baureihe brachte anfangs das integrierte Kabinen- und Ladeflächenkonzept bei Styleside-Modellen, später kehrte Ford zur getrennten Bauweise zurück. 1966 war das letzte Modelljahr dieser Generation, bevor 1967 das Bumpside-Design kam.
Genau deshalb hat der 66er seinen eigenen Platz. Am Ende einer Entwicklungslinie – ausgereift, vertraut, noch nicht vom nächsten Styling überformt. Dieser hier trägt die Styleside-Karosserie und wirkt in seiner individuellen Aufmachung sehr stimmig.
Grüne Patina, weiße Akzente und viel Charakter

Die Optik lebt von harten Kontrasten. Grüner Lack mit satinierter Klarlackschicht, weiße Stoßfänger und weiße Schriftzüge auf der Heckklappe. Begrenzungsleuchten, zwei Außenspiegel, Anhängerkupplung und Ladeanschlüsse am hinteren Stoßfänger sind vorhanden. Kleine Gebrauchsspuren gehören dazu: rissiger Lack an den Regenrinnen und weitere dokumentierte Makel.
Ein Ladebett mit Show-Qualitäten

Die Ladefläche ist Teil der Show. Hintere Radhäuser verbreitert, Ladeboden angehoben und mit Holzleisten belegt, die polierte Schienen halten. Unter einem herausnehmbaren Paneel liegen die Luftfederungskomponenten und die Batterie. Aus dem Arbeitsbereich wird eine Bühne, ohne die Technik zu verstecken.
Chevrolet-V8 im Ford: Puristen dürfen kurz schlucken

Unter der Haube arbeitet kein Ford-Motor, sondern ein 6,65-Liter-Chevrolet-V8 als Crate Engine mit elektronischer Einspritzung. Für Puristen ein klarer Stilbruch. In der amerikanischen Custom-Szene ist das Alltag – Leistung, Verfügbarkeit und Charakter wiegen schwerer als Markengrenzen. Lange Fächerkrümmer münden in eine doppelte Abgasanlage, gekühlt wird über einen Aluminiumkühler.
Die Kraft geht über eine Dreigang-Automatik mit Shift-Kit auf einen 9-Zoll-Hinterbau. Das ist klassische Hot-Rod-Rezeptur: großer V8, Automatik, Hinterradantrieb. Schon im Stand sieht der Pickup aus, als wollte er losrollen.
Luftfahrwerk für Pickup und Anhänger

Das Besondere: Sowohl der F-100 als auch der Anhänger fahren auf verstellbarer Luftfederung. Am Truck wurde der Rahmen mit einer Mustang-II-ähnlichen Vorderachskonstruktion versehen – Rohrquerlenker, Scheibenbremsen und Zahnstangenlenkung. Hinten arbeitet eine triangulierte Vierlenkerachse mit verstellbaren Luftfedern. Gesteuert wird alles über einen AccuAir e-Level-Controller.
Die Technik dient der Inszenierung
Solch ein Fahrwerk verändert Haltung und Wirkung. Der Pickup kann tief und breitbeinig dastehen, fast wie ein Schaustück – bleibt aber voll fahrbereit. Rote 15-Zoll-Stahlräder mit Kontio WhitePaw Classic-Weißwandreifen nehmen das Retro-Thema auf. Die Reifen tragen Produktionscodes aus 2025 und wurden frisch montiert. Der digitale Kilometerzähler zeigt seit dem Aufbau gerade einmal 300 Meilen.
Innenraum zwischen Komfort und Custom-Kultur

Creme und Braun bestimmen die Kabine. Die Zweiton-Polsterung zieht sich bis zum Dachhimmel, an die Lenksäule und die Türverkleidungen. Nachgerüstete Klimaanlage, doppelt gebogener Lokar-Schalthebel, Billet-Details und ein Retro-Radio mit digitalem Medienempfänger sind verbaut. Das zweifarbige Lenkrad sitzt auf verstellbarer Lenksäule.

Die Instrumente kommen von Dolphin – 140-mph-Tachometer, Drehzahlmesser und Zusatzanzeigen. Weit weg vom musealen Original, aber nah an dem, was viele Enthusiasten wollen: klassische Form, moderne Bedienbarkeit und genug Eigenwillen.
Der Anhänger als rollender Soda Shop

Der eigentliche Reiz hängt am Haken. Der maßgefertigte Reiseanhänger ist einem Alpine Sprite Camper von 1969 nachempfunden. Zweifarbige Lackierung, handgezogene Pinstripes und kupferfarbene Zierleisten. Der speziell gefertigte Rahmen ist beige pulverbeschichtet, dazu kommen Dexter-Achse, Vierlenkeraufhängung und verstellbare Luftfedern.
Ein kleines Diner für die Straße
Innen imitiert er einen klassischen Soda Shop: Beadboard-Verkleidungen, Holzarbeitsflächen, Holzboden, grüne Schränke und Kupferfliesen. Zwei Hocker, Waschbecken und verschiedene Geräte machen ihn nutzbar. Eine jukeboxartige Front beherbergt ein Soundsystem, die Sitzbank dient gleichzeitig als Schlaffläche. Klimaanlage, Luftpumpe und Batterie sind in einem Coca-Cola-inspirierten Gehäuse versteckt. Rechts außen Laternenleuchte und Halterungen für die abnehmbare Markise, vorn ein elektrischer Anhängerheber.
Ein Gespann für Tagträume

Kein zurückhaltendes Konzept. Der F-100 kombiniert klassischen amerikanischen Pickup mit modernem Luftfahrwerk, großvolumigem V8, durchdachtem Innenraum und einem Anhänger, der deutlich mehr als Zubehör ist. Erinnerung, Bühne und Reiseziel zugleich. Er muss nicht erklären, warum Mobilität emotional sein kann. Man sieht es sofort.
Der Truck wird mit einem Titel aus Florida angeboten, der Anhänger mit Registrierung. Am Ende bleibt der Gedanke, wie schön es wäre, mit diesem grünen F-100 und seinem kleinen Diner im Schlepptau irgendwo anzuhalten, wo die Straße breit, der Himmel offen und die Zeit ein wenig langsamer ist. Das aktuelle Gebot liegt bei 11.000 US-Dollar.
Bilder: Anbieter des Fahrzeuges
FAQ
Warum wirkt dieser Ford F-100 so besonders und nicht wie ein gewöhnlich restaurierter Klassiker?
Weil alles einer einzigen Linie folgt. Lack, Fahrwerk, Räder, Innenraum und vor allem der passende Anhänger sind konsequent auf dasselbe Thema abgestimmt: amerikanische Nostalgie, Showcar-Präsenz und moderne Technik. Das ist keine übliche Restauration, sondern eine durchdachte Inszenierung. Die Mischung aus Nutzfahrzeug, Hot-Rod und rollendem Diner bleibt hängen. Man kauft kein Einzelstück, man kauft eine Geschichte.
Ist der Chevrolet-V8 in einem Ford eher Stilbruch oder sinnvoller Teil des Projekts?
Auf den ersten Blick klarer Stilbruch. Puristen werden die Stirn runzeln. Im Kontext dieses Umbaus ist die Entscheidung logisch. Der Truck soll kein originales Sammlerstück sein, sondern ein charakterstarker, fahrbarer Custom mit ordentlich Leistungsentfaltung und Sound. In der amerikanischen Szene zählt das Ergebnis mehr als Werkszugehörigkeit. Der Chevy-V8 passt genau wegen seines provokanten Charakters – er unterstreicht die Individualität des gesamten Projekts.
Was macht den Anhänger zu mehr als nur einer dekorativen Ergänzung hinter dem Pickup?
Er rundet die Idee erst ab. Ohne ihn wäre der F-100 ein starker Custom-Pickup. Mit ihm wird daraus ein komplettes Erlebnis. Der Soda-Shop-Innenraum erlaubt es, anzuhalten, auszupacken und echte Atmosphäre zu schaffen. Mehr als Transport oder Schlafplatz – ein mobiles Bühnenbild für spontane Pausen und lange Straßenfahrten. Genau das gibt dem Gespann den echten Fernweh-Faktor und macht es zum stimmigen Gesamtpaket.



