Der Custom 1927 Studebaker House Car war nie ein normales Auto. Er begann als Studebaker Model EQ Special Six und wurde im Laufe der Zeit in Kalifornien zum House Car umgebaut – Aluminium-Karosserie auf Holzrahmen. Kein klassischer Camper. Sondern ein Fahrzeug, das man nicht nur fährt, sondern tatsächlich bewohnt. Halb Nutzfahrzeug, halb Salon auf Rädern.
Ein Vorkriegs-Studebaker mit zweitem Leben

Der Wagen stammt aus einer Zeit, in der Studebaker mit den Special-Six-Modellen im mittleren Segment stand. Die Seriennummer 3173477 gehört zu einem echten 1927er Model EQ Special Six. Die letzten Jahre dieser Baureihe waren von Übergängen und Modellwechseln geprägt.
Genau deswegen fasziniert der Umbau. Aus einem normalen Fahrgestell wurde ein rollendes Zuhause. Nicht nur Transport von A nach B, sondern ein eigener Raum unterwegs.
Aluminium, Holz und ein Hauch Pioniergeist
Die Karosserie ist reine Handarbeit. Bei der Restaurierung wurde alles zerlegt, der Holzrahmen ersetzt, die Aluminiumbleche abgenommen, repariert und neu lackiert. Heute trägt der Aufbau leuchtendes Gelb mit blauen Zierlinien, neuem Glas, aufgearbeitetem Chrom und einem silbernen gummierten Dachpaneel. Kein Museumsstück. Ein lebendiges Fahrzeug, das den Charme der 1920er mit echter Alltagstauglichkeit verbindet.
Der große Auftritt in Gelb

6,71 Meter lang, 2,44 Meter hoch, rund 2.767 Kilogramm schwer. Das ist kein kleines Automobil. Es hat beinahe architektonische Wirkung. Die gelbe Karosserie wirkt freundlich, der hintere Stauraum mit Leder-Haltegurten und Klappheck erinnert an alte Expeditionskisten.
Die nach hinten kippende Motorhaube von Rootlieb Incorporated ist ein Highlight. Sie inszeniert den Motorraum. Dazu kommen Zusatzscheinwerfer, eine Rückfahrkamera und zusätzlicher Stauraum hinten. Schwarze Ford-Räder im 16-Zoll-Format mit Chrom-Baby-Moon-Kappen und Zierringen. Vorne 235/85 Firestone Transforce HT, hinten LT265/75 Firestone Transforce HT.
Innenraum zwischen Kabine und Wohnzimmer

Vorne sitzen Captain’s Chairs in grauem Vinyl. Elektrische Fensterheber, Tempomat und Kenwood-Bluetooth-Stereo zeigen, dass die siebenjährige Aufarbeitung nicht in reiner Nostalgie steckengeblieben ist. Die Klimaanlage in der Fahrerkabine wurde unter dem aktuellen Besitzer nicht befüllt. Vor dem Stahlarmaturenbrett liegt ein Dreispeichenlenkrad mit Studebaker-Emblem auf verstellbarer Lenksäule.
Das Armaturenbrett zeigt ein Stewart-Warner-Tachometer bis 120,7 km/h, eine Elgin-Uhr sowie Anzeigen für Öldruck, Wassertemperatur, Batterieladung und Kraftstoff. Der Fünftausender steht bei rund 6.437 Kilometern, davon etwa 4.828 unter aktueller Eigentümerschaft. Die echte Gesamtlaufleistung des Fahrgestells ist unbekannt. Die angezeigten Kilometer passen zu einem Fahrzeug, das deutlich mehr bestaunt als verbraucht wurde.
Die schönste Idee: Wohnen im Oldtimer


Der beste Teil liegt hinter der Fahrerkabine. Dort wird der Studebaker zum kleinen Haus auf Rädern. Die hintere Kabine ist isoliert, hat sichtbare Holzdecke, graue Stoffseitenverkleidungen, ein Schlafsofa und maßgefertigte Holzschränke mit Glasgriffen. Keine anonyme Campingausstattung. Sondern ein Raum, der mit Aufmerksamkeit gebaut wurde.
Zwei Wassertanks fassen zusammen rund 75,71 Liter, dazu Warmwassereinheit, Waschbecken, 110-Volt-Steckdosen, Wandbeleuchtung, herunterziehbare Fensterblenden, Vinyl-Spritzschutz, Unique-Appliances-Kühlschrank und ein Flachbildfernseher über der Windschutzscheibe. Eine Fenster-Klimaanlage mit 1,47 kW ist eingebaut, eine weitere 110-Volt-Anlage wird deinstalliert mitgeliefert.
Moderne Kraft unter alter Haut

Die Silhouette ist historisch. Der Antrieb nicht. Im Rahmen der 2015 abgeschlossenen Aufarbeitung wurde ein Ford-V8 mit 7,54 Litern Hubraum eingebaut. Der Motor stammt aus einem 1984er F-350 und wurde um 0,254 Millimeter aufgebohrt. Edelbrock-Performer-Vierfachvergaser, Comp-Cams-Nockenwelle, Allstar-Performance-Verteiler, MSD-Blaster-2-Zündspule und ein Aluminiumkühler mit Messinghals und Deckel ergänzen den Aufbau.
Die Kraft wird über eine Ford-C6-Dreigangautomatik an die Hinterräder geleitet. Vorne arbeitet eine modifizierte Ford-F-350-Achse, hinten eine Dana-60 mit 3,58:1-Übersetzung. Das Fahrwerk ist ein ehrlicher Mix aus den Jahrzehnten: Zahnstangenlenkung mit Servounterstützung aus einem 1984er Thunderbird, Stoßdämpfer aus dem Jeep Cherokee, verstärkte Blattfedern, vordere Scheibenbremsen mit Bremskraftunterstützung und hintere Trommelbremsen aus Ford-Regalen.
Ein Traumwagen, der nicht laut werben muss

Der Studebaker wurde privat in den USA angeboten. Die Auktion endete ohne erreichte Reserve. Wichtiger ist, was passiert, wenn man einsteigt, den großen V8 startet und im Spiegel diese gelbe Flanke sieht – mit einem kompletten kleinen Wohnzimmer dahinter. Genau das ist die Magie.
Der Custom 1927 Studebaker House Car ist kein perfekter Neuwagen und will auch keiner sein. Er handelt vom Unterwegssein selbst, von Umbauten, Erfindungsgeist und der Lust, aus Technik ein Zuhause zu bauen. Wer alte Mobilität und individuelle Lösungen schätzt, findet hier keine bloße Maschine. Sondern eine Erzählung auf vier Rädern.
Bilder: Anbieter des Fahrzeuges
FAQ

Warum fasziniert der Custom 1927 Studebaker House Car so viele Menschen bis heute?
Weil er mehr ist als ein restaurierter Oldtimer. Er packt mehrere Sehnsüchte auf einmal ein: historische Technik, Romantik des Reisens und die Möglichkeit, unterwegs ein eigenes kleines Zuhause zu haben. Diese Mischung funktioniert. Kein gewöhnliches Sammlerauto, sondern ein Objekt mit Charakter. Die Form stammt aus den 1920ern, die Technik darunter ist deutlich jünger und brauchbar. Wer ihn sieht, erkennt sofort die rollende Vision von Mobilität als Abenteuer.
Wie alltagstauglich ist ein so außergewöhnliches House Car heute eigentlich noch?
Im normalen Alltag eher wenig. 6,71 Meter Länge und rund 2,8 Tonnen Gewicht verlangen Planung, Pflege und Verständnis für alte Fahrzeuge. Gleichzeitig machen V8, Automatik, Servolenkung und die modernen Komfortdetails ihn fahrbar. Man bewegt ihn bewusst und entschleunigt. Nicht für den schnellen Weg zum Supermarkt. Sondern für Touren, bei denen die Fahrt selbst zählt und jeder Halt Teil der Geschichte wird.
Was erzählt dieses Fahrzeug über die Kultur des Reisens und des Umbaus?
Dass mobiles Wohnen viel älter ist als heutige Wohnmobile. Schon in den 1920ern wollten Leute nicht nur unterwegs sein, sondern auch wohnen und Privatsphäre behalten. Individuelle Umbauten statt Serienproduktion. Der Studebaker steht für diesen Pragmatismus und Erfindergeist – Technik so lange anpassen, bis sie zum eigenen Leben passt. Er bewahrt nicht nur alte Autos, sondern auch eine Haltung: Reisen als Ausdruck von Freiheit und Persönlichkeit.



