Der Name Gordini hat bei Renault immer noch Gewicht. Der 8 Gordini Concept holt den alten Heckantrieb-Spirit ins Elektrozeitalter – als zweisitziges Coupé mit flacher Karosserie und radikaler Reduktion. Kein Zierrat, keine überflüssigen Linien. Am 24. September steht er auf dem Renault Carwalk an den Champs-Élysées. Vom 12. bis 18. Oktober 2026 ist er auf dem Pariser Autosalon am Renault-Stand zu sehen. Für alle, die Autos nicht nur bewegen, sondern auch lesen und spüren wollen, ist es ein direkter Dialog zwischen 1964 und der elektrischen Zukunft.
Eine Ikone wird nicht kopiert, sondern neu gedacht

1964 kam der originale Renault 8 Gordini. 95 PS aus dem Heck, Hinterradantrieb. Bezahlbare Sportlichkeit, die echtes fahrerisches Können verlangte. Viele Piloten haben damit trainiert. Jean Ragnotti gehört zu den Namen, die damit verbunden sind.
Das Concept übernimmt genau diesen Geist, kopiert aber die Form nicht. Aus dem Viertürer wird ein Zweitürer-Coupé. Die Proportionen wirken deutlich dynamischer, die Karosserie flach und breit. Renault spricht von moderner Rallye-Anmutung. Genau das funktioniert. Es geht um Leidenschaft, nicht um Nostalgie.
270 PS, Heckantrieb und ein klarer Fahrerfokus

270 PS aus dem Elektromotor. Der Motor sitzt im Heck und treibt die Hinterräder an. Damit bleibt das zentrale Merkmal des historischen 8 Gordini erhalten. Die deutlich größeren Hinterräder setzen diesen Gedanken auch optisch fort.
Kompakte Maße mit breitem Stand
4,12 Meter lang, 1,88 Meter breit, nur 1,27 Meter hoch. Vorne 19-Zoll-Räder, hinten 20 Zoll. Breite Spur und ausgeprägte Radhäuser. Das steht nicht wie eine museale Hommage da. Das wirkt wie ein modernes Rallye-Gerät.
Der spannendste Kniff: die Doppelstreifen

Die zwei weißen Gordini-Streifen waren beim Original Dekoration. Beim Concept werden sie zum strukturellen Leitmotiv. Das Gitter am unteren Rand der Windschutzscheibe richtet sich danach aus, genau wie das beleuchtete grafische Muster im Inneren der Rückleuchten. Im Innenraum ziehen sie sich über das obere Armaturenbrett – von Weiß zu Blau.
Das ist kein nettes Zitat. Renault hat das Erbe sauber in eine neue Form übersetzt. Die Streifen kleben nicht auf dem Auto, sie organisieren es. Für Liebhaber klassischer Sportwagen ist genau das der starke Punkt.
Café-Racer-Idee statt Retro-Kulisse

Renault nennt es Café-Racer-Ästhetik. Reduktion auf das Wesentliche, wie bei umgebauten alten Motorrädern. Alles Überflüssige ist weg, auch dekorative Retro-Zitate. Die frühere Chromleiste ist jetzt direkt in die Karosserie integriert. Viele Trennlinien entfallen. Die Motorhaube vorn lässt sich wie bei manchen Rennwagen in einem Stück abnehmen.
Sechs Augen für die Straße
Vorne aggressiv mit V-förmiger Gestaltung und sechs runden 3D-Scheinwerfern. Klassischen Kühlergrill gibt es keinen. Am Heck sitzen die Leuchten bündig in der Karosserie und sind ausgeschaltet kaum zu erkennen. Die breite, muskulöse Heckpartie unterstreicht den heckseitigen Antrieb und die sportliche Haltung.
Innenraum: wenig Ablenkung, viel Charakter

Drinnen bleibt es bei der Reduktion. Das Armaturenbrett läuft über die gesamte Breite. Runde digitale Anzeigen sitzen auf einem horizontalen Band aus gebürstetem Aluminium. Das Material ersetzt viele Kunststoffflächen und taucht auch an Bedienelementen und großen Oberflächen wieder auf. Alcantara schafft einen bewussten technischen Kontrast.

Der Fahrer soll möglichst wenig abgelenkt werden. Der rote Punkt auf dem Stoppuhrknopf in der Mitte bleibt hängen. Die Schalensitze greifen die alten Formen auf. Sitzfläche und Rückenlehne in blauem Cord – eine Erinnerung an die flachen Sitze ohne Kopfstützen von früher. Carbon aus der Karosserie taucht innen nicht auf.
Ein Platz in der Renault-Geschichte
Das Renault 8 Gordini Concept entstand komplett innerhalb von Renault Design. Am Anfang stand ein interner Wettbewerb mit mehr als 300 Skizzen. Zwei Entwürfe wurden als 2:5-Modelle weiterentwickelt, daraus entstand das finale Design. Damit unterscheidet es sich klar vom R17 electric restomod x Ora Ïto, der aus einer externen Zusammenarbeit kam.
Renault ordnet es in die Reihe der Neuinterpretationen historischer Modelle ein, zu der auch der Renault 5 Diamant gehört. Später soll es in die Renault Collections nach Flins kommen – zusammen mit historischen Fahrzeugen, Archivmaterial und Kunstwerken. Das Museum wird in etwa fünfzehn Monaten öffentlich zugänglich sein.
Preis und Einordnung
Laut Renault ist es in erster Linie eine Design- und Stilübung. Einen Preis hat das Unternehmen nicht genannt.
Bilder: Hersteller
FAQ
1. Warum ist der Renault 8 Gordini Concept mehr als nur ein Retro-Auto?
Auf den ersten Blick sieht es aus wie eine Hommage. Renault kopiert aber nicht. Es nimmt die alten Werte – Leichtigkeit, Fahrfokus, Motorsport-Charakter – und setzt sie in ein elektrisches Coupé um. Flache Form, Heckantrieb, konsequente Reduktion. Die Doppelstreifen sind kein Deko-Element mehr, sondern gestalterisches Grundprinzip. Genau damit wird es interessant. Es lebt von einer selbstbewussten Neuinterpretation statt reiner Rückschau.
2. Was verrät das Konzept über Renaults künftige Designrichtung?
Renault will historische Namen nicht nur archivieren, sondern aktiv in die Gegenwart holen. Nicht als exakte Kopie, sondern über emotionale Wiedererkennbarkeit. Das Concept verbindet klassische Identität mit modernen Proportionen, elektrischem Antrieb und sehr cleanem Design ohne überladene Retro-Zitate. Diese Haltung könnte für kommende Studien und möglicherweise Serienmodelle relevant werden. Besonders, wie bekannte Merkmale wie Streifen, Lichtsignaturen und Materialien neu interpretiert werden. Zukunft im Design muss nicht kühl sein. Sie darf durchaus Charakter und Erinnerung transportieren.
3. Für wen ist der Renault 8 Gordini Concept eigentlich gedacht?
Weniger für klassische Käufer als für Beobachter, Fans und alle, die verstehen wollen, wohin Renault gestalterisch und emotional will. Als reine Designstudie soll es Aufmerksamkeit schaffen, Diskussionen auslösen und zeigen, wie stark Tradition mit Elektromobilität zusammengehen kann. Es spricht Menschen an, die Fahrkultur, Motorsportgeschichte und charakterstarkes Design schätzen. Gleichzeitig erreicht es auch Jüngere, die die alten Namen vielleicht gar nicht aus eigener Erfahrung kennen, aber auf klare Formen und starke Ideen reagieren. Am Ende ist es mehr Botschaft als Produkt.



