Es gibt Themen, über die man beim Reisen im Auto lieber nicht spricht – obwohl sie unterwegs jeden betreffen. Was tun, wenn der nächste Sanitärblock hunderte Kilometer entfernt ist und der vermeintlich weiche Waldboden sich als moosbedeckter Fels entpuppt? Für autorini.de wurde mit jemandem gesprochen, der dafür seit Jahren eine sehr pragmatische Lösung an Bord hat: Jörg, online als JT Adventure (@jt.adventure) bekannt, gelernter Grafiker und Mediengestalter, 51 Jahre „jung“, wie er selbst sagt. Entstanden ist ein offenes Gespräch über Touren in den Norden, das Freiheitsgefühl auf vier Rädern – und ein Ausrüstungsdetail, das wenig romantisch, aber umso alltagstauglicher ist.
Vom Lost Place zum hohen Norden

Begonnen hat Jörgs Online-Profil weit weg von Lappland. „Mein Account ist ursprünglich aus Lost-Place-Entdeckungen, aus Urbex-Geschichten entstanden“, erzählt er. Vor rund sechs Jahren legte er sein Profil an, fotografierte verlassene Orte und hielt fest, was sonst verschwindet. Mit der Zeit verschob sich der Fokus jedoch deutlich: Skandinavien wurde zum Hauptthema. „Das sind die Reisen, die ich seit drei, vier Jahren mehrfach im Jahr mache – immer mit Dachzelt oder Camper.“ Heute teilt er sich beruflich auf: etwa zur Hälfte klassisch als Mediengestalter, zur anderen Hälfte über Social Media – vor allem Instagram, ergänzt durch Blog und etwas YouTube. Das Fahrzeug-Setup bleibt bewusst bodenständig: ein Dacia Duster der zweiten Generation, kombiniert mit einem Dachzelt eines deutschen Herstellers, an dessen Weiterentwicklung er in der Praxis mitarbeitet.
Allein, aber nicht ohne Hund
Meistens ist Jörg allein unterwegs – und doch selten komplett auf sich gestellt. „Größtenteils bin ich immer alleine“, sagt er, „aber im Sommer treffe ich unterwegs auch einige Follower, die ebenfalls reisen.“ Auf einer der jüngsten Touren übernahm er ausnahmsweise die Rolle des „Guides“ für einen Bekannten, der Schwedens Ostküste und den Polarkreis noch nicht mit Dachzelt erlebt hatte. Danach ging es zurück in den gewohnten Rhythmus: ein paar Tage ganz für sich. Konstante Begleitung ist jedoch immer dabei – seine Hündin. Eine ältere Begleiterin verlor er im vergangenen Jahr; eine Solo-Tour über dreieinhalb Wochen machte ihm endgültig klar: „Ohne Hund geht’s nicht.“ Seither sitzt wieder eine vierbeinige Co-Pilotin mit im Auto – auf jeder Reise Richtung Norden.
Reisen ohne Plan – der Inbegriff von Freiheit

Wer Jörg nach der Route fragt, bekommt keinen fixen Reiseplan, sondern eine klare Haltung. „Ich mache immer einen Roadtrip, ich habe nie ein festes Ziel“, sagt er. „Wenn ich morgens mein Set abbaue, weiß ich nicht, wo ich abends wieder aufbaue.“ Genau darin liege für ihn das, was viele am Reisen im Auto schätzen: Freiheit ohne Taktung. Spots werden zwar auf einer digitalen Karte gesammelt – entschieden wird am Ende morgens, oft nach Wetterlage. Die letzten beiden Touren führten bis kurz oberhalb von Jokkmokk, der kleinen Stadt in Schwedisch-Lappland, praktisch am Polarkreis und bekannt als kulturelles Zentrum der Samen. Anfangs war die Clesana X1 nur für kurze Testnächte als „Probeaufbau“ dabei – inzwischen gehört sie auf jeder Skandinavien-Tour zur Standardausrüstung.
Warum überhaupt eine Verschweißtoilette?

Auf die Clesana-Lösung stieß Jörg über YouTube und Instagram – lange, bevor er selbst zugriff. Aus einer früheren Van-Phase kannte er bereits die fest verbaute Clesana C1: „Daher wusste ich eigentlich auch schon, was eine Folienschweißtoilette ist.“ Als die portable X1 vorgestellt wurde, war für ihn schnell klar: „Das ist eigentlich das perfekte Setup für meine Touren.“ Zuvor probierte er mehrere Varianten durch. Zuerst den klassischen Spatengang, den er trocken einordnet: „Das ist immer noch besser als das, was viele machen – nämlich ohne Spaten ihr Geschäft an den Stellplätzen.“ Danach folgte eine faltbare Bivvy Loo mit Tüte – mit einem Problem, das sich im Alltag schnell zeigt: Wer einen verschlossenen Beutel stundenlang im Fahrzeug transportiert, merkt die Ausdünstungen. Eine Trenntoilette kam für ihn grundsätzlich nicht in Frage.
Platz im Fußraum, einsatzbereit in Sekunden

Wer häufig unterwegs ist, feilt zwangsläufig am Setup. Jörg arbeitet mit Packlisten – und sortiert konsequent aus, was auf einer Tour ungenutzt bleibt. „Weniger ist mehr.“ Umso bemerkenswerter, dass ausgerechnet ein vergleichsweise großes Gerät dauerhaft an Bord bleibt. Der Grund ist schlicht: „Sie passt wunderbar bei mir im Fußraum, sie nimmt da gar keinen Platz weg“, sagt er über den Beifahrerfußraum, der zuvor ohnehin eher Ablage als Nutzfläche war. Den „Wohnbereich“ im Auto hat er bewusst auf die Beifahrerseite gelegt – mit Kühlbox und Heckauszug. Die Clesana bleibt vorn, schnell erreichbar. „Das sind zwei Handgriffe, dann ist sie einsatzbereit“ – Teleskopmechanik ausziehen, fertig. Genau diese Geschwindigkeit macht im Alltag den Unterschied.
Strom: eine kleine Powerstation reicht
Bei der Energieversorgung bleibt Jörg pragmatisch. Seine Toilette stammt aus der ersten X1-Baureihe, die noch keine Durchladefunktion bietet – anders als die neuere Clesana X1 ProCharge, bei der der Akku direkt über den Stromanschluss der Toilette geladen werden kann. Normalerweise setzt er auf Einhell-Wechselakkus. Als auf der jüngsten Tour das Ladegerät fehlte – „stand nicht auf der Packliste“ – löste er es unkompliziert: Für den Verschweißvorgang hing er die Toilette über den 12-Volt-Anschluss an eine kompakte 500-Watt-Powerstation, die ohnehin hinter dem Beifahrersitz steht. „Es ist ja nur für die Zeit, in der man wartet, bis der Folienliner verschweißt ist“, erklärt er. Viel Energie wird nicht benötigt – autark bleibt er selten länger als zwei Nächte am Stück an einem Platz.
Der ehrliche Praxis-Check
Nach Nachteilen gefragt, bleibt Jörg auffällig sachlich – und gerade deshalb glaubwürdig. „Bis jetzt hatte ich auf den Touren nichts Negatives“, sagt er. Eine kleine Eigenheit nennt er dennoch: „Wenn das Klopapier ein bisschen ein Fähnchen nach oben hat, ist das beim Einschweißen nicht ganz so praktisch.“ Die Lösung ist simpel: den kurzen Schweißvorgang erneut starten, rund hundert Sekunden warten, erledigt. Den Wechsel des Liners beschreibt er als „super easy“. Für eine zweieinhalbwöchige Tour nimmt er einen frischen Liner plus einen als Reserve mit; zuletzt reichte ihm davon etwa ein halber. Zur ehrlichen Einordnung gehört auch: Die Clesana nutzt er ausschließlich fürs große Geschäft.
Entsorgung in Skandinavien – kein Problem
Viele Interessierte beschäftigt vor allem die Frage der Entsorgung: Wohin mit den verschweißten Beuteln? Für Jörg ist das in Skandinavien unkritisch. „In jeder größeren Ortschaft gibt es diese Recyclingstellen“, sagt er – oft mit sieben oder acht Containern nebeneinander. Weil Schweden stärker auf Müllverbrennung setzt als Deutschland, wandert der Beutel in den Container für brennbare Materialien: Fäkalien sollen verbrannt werden. Wenn es sein muss, funktioniert auch der Restmüll an einer Raststätte. Den größten Komfortgewinn beschreibt er aber anders: „Ich habe nicht mehr diesen Druck, das so schnell wie möglich aus dem Auto rauszukriegen, weil es sonst unangenehm riechen könnte.“ Selbst nach zwei Tagen am selben Ort bleibt es dank dicht verschweißtem Liner geruchsneutral – „einfach eine saubere Sache.“
Das eigentliche Plus: die Sorge fällt weg

Nach der großen Anekdote gefragt, winkt Jörg ab – und trifft damit den Kern. Es gehe nicht um den einen spektakulären Moment, sondern um die dauerhafte Entlastung. „Früher warst du häufig auf der Suche: Wo machst du jetzt deinen Spatengang?“ In Schweden sehe vieles oberflächlich weich und grün aus, sei darunter aber steinig. „Allein diese Sorge nicht mehr zu haben“, das sei der Gewinn. Statt über Stock und Stein in nassen Boden zu stapfen und sich im Zweifel noch Zecken einzufangen, wird die Toilette ein paar Meter beiseite gestellt – manchmal sogar mit Seeblick. „Auch das ist ein gewisser Luxus.“ Es geht nicht um maximalen Komfort. Sondern um die Sicherheit, dass es im Zweifel einfach funktioniert.
Eine ehrliche Einordnung zum Schluss
Am Ende bleibt vor allem Gelassenheit. Über Instagram bekommt Jörg immer wieder dieselben Fragen: „Wie funktioniert das? Was muss man beachten? Was kostet so etwas?“ Seine Antwort vermeidet große Versprechen: „Ich kann immer nur sagen, ob das für mich funktioniert. Ob es für jemand anderen funktioniert, weiß ich nicht.“ Genau diese Zurückhaltung macht die Einschätzung wertvoll. Für sein Reiseprofil – solo, mit Hund, im Dachzelt und oft weit abseits im skandinavischen Nirgendwo – ist die Clesana X1 längst zur stillen Selbstverständlichkeit geworden.
Bilder: JT Adventure



