Grün lackiert, rotes Pibroach-Leder, rechtsgelenkter TJ-Tourer. Der Alvis 12/50 von 1932 steht da und braucht keine großen Worte. Er hat Haltung, echte Geschichte und Mechanik, die man versteht. Wer schon mal mit Vorkriegswagen unterwegs war, kennt diesen Geruch nach Öl, Leder und altem Metall. Dass er heute noch fahrbereit ist – sorgfältig restauriert –, freut jeden, der britische Klassiker vor 1940 schätzt. Einfach ein Stück lebendige Geschichte.
Ein Alvis, der eine Marke prägte

Der 12/50 hat der Marke ihren Charakter gegeben. Ende 1923 erstmals angeboten, technisch vom 10/30 abgeleitet. Captain G. T. Smith-Clarke als Chefingenieur und W. M. Dunn als Chefkonstrukteur haben ihn geformt. Das Ergebnis: sportlich, solide, eigenständig und alltagstauglich. Gleich beim ersten Auftritt in Brooklands 1923 gewann er das 200-Meilen-Rennen. Genau solche Erfolge sorgen bis heute dafür, dass der Name bei Kennern zieht.
Sportlichkeit ohne große Geste
Seine Stärke liegt nicht in roher Kraft, sondern in cleverer Technik. Die frühen Sportvarianten hatten den kurzhubigen Big-Port-Motor mit 1,496 Litern, Bohrung x Hub 68 x 103 mm. Die Tourer meist den langhubigen Small-Port mit 1,645 Litern und 69 x 110 mm. Bis auf Hubraum, Bohrung und ein paar Zylinderkopfdifferenzen waren die Motoren eng verwandt – viele Teile passen bei beiden. Genau diese Robustheit bei gleichzeitig einfacher Technik macht den 12/50 noch heute so sympathisch.
Die Technik: ehrlich, direkt, langlebig
Hängende Ventile – für die Zeit schon modern. Kurbelgehäuse und Ölwanne aus Aluminiumguss, Block und Kopf aus Gusseisen. Nockenwelle, Dynamo und Magnet von der Motorstirnseite über Zahnräder angetrieben. Spätere Exemplare bekamen elektrische Kraftstoffpumpe und Spulenzündung. Und dann das: keine Wasserpumpe. Thermosyphon-Kühlung, puristisch und zum Wagen passend. Der 12/50 wirkt nie kompliziert. Er wirkt durchdacht und vertrauenswürdig.
Das faszinierende Detail: der Tourer-Körper
Besonders gelungen ist die schmale TJ-Tourer-Karosserie an diesem Exemplar. Ursprünglich mit der Nummer DG 5193 am 21. September 1932 an Imperial Motor Mart in Cheltenham ausgeliefert – damals noch als Limousine. In den frühen 90ern als Scheunenfund wieder aufgetaucht, zu dem Zeitpunkt mit einer Karosserie, die offenbar von einem P-Type Lea-Francis stammte. Bei der anschließenden Restaurierung hat man eine originale schmale TJ-Tourer-Karosserie draufgesetzt. Dadurch vereint der Wagen seine echte Identität mit der offenen Form, die man bei britischen Vintage-Sportwagen sucht.
Vom Scheunenfund zum gepflegten Klassiker
Das war keine oberflächliche Auffrischung. Die Restaurierung hat Tony Leech bei Caleng Engineering in Rugby, Warwickshire, betreut – ein echter Vintage-Alvis-Spezialist. Chassis, Karosserie, Motor und Getriebe komplett neu aufgebaut. Die Innenausstattung kam von Pro Tectus aus Yorkshire. Neues Full-Hood-Verdeck aus Double Duck, Gestell, kompletter Satz Seitenscheiben plus vordere und hintere Persenning. Alles mit viel Aufwand und Sorgfalt gemacht. Der Wagen sieht nicht nur gut aus, er ist in den wichtigen Baugruppen wirklich solide.
Grün außen, rotes Leder innen
Mittleres Grün passt perfekt. Nimmt jede Härte raus und gibt ihm diesen englischen, landschaftlichen Touch. Dazu das rote Pibroach-Leder – warmer, selbstbewusster Kontrast. Das sieht nicht nach Ausstellungsstück aus, sondern nach früher Morgenfahrt auf der Landstraße. Ticken der Mechanik, Geruch von Leder und Öl. Bei einem Tourer zählt genau das. Die Fahrgestellnummer 9632 erzählt nur einen Teil. Farbe, Material und Haptik den Rest.
Ein Auto mit Film- und Familiengeschichte
DG 5193 ist im Alvis 12/50 Register eingetragen und war bei VSCC-Treffen dabei. Außerdem hat er bei den Dreharbeiten zur BBC-Serie „Life in Squares“ mitgespielt – über die Bloomsbury Group. Passt zum Wagen. Technik und kulturelle Ausstrahlung in einem. Der Vorbesitzer hat ihn 2014 gekauft und für ganz normale Familienausfahrten genutzt. Ein Vorkriegs-Alvis, der nicht nur rumsteht, sondern tatsächlich bewegt wurde.
Gebaut für Strecke und Vertrauen
Leichte Karosserien erreichten damals 121 bis 129 km/h – für die 20er-Jahre eine Hausnummer. Ab 1924 gab es Vorderradbremsen, ab 1926 einen deutlich steiferen Plattformrahmen. Durchgehend Viergang-Crash-Getriebe. Bei diesem Wagen hat Hardy Engineering in Leatherhead das Getriebe 2014 überholt. Solche Details zeigen, worum es geht: nicht nur Romantik, sondern mechanische Solidität und Verantwortung gegenüber der Technik.
Warum der Alvis 12/50 bis heute berührt
Nach kurzer Pause 1929/30 kam er als TJ 12/50 zurück, mit verbesserten Chassisdetails, aber gleicher Mechanik. 1931 folgte der 12/60 mit zwei SU-Vergasern. Produktion bis 1932. Dass relativ viele Exemplare überlebt haben, liegt an der robusten Konstruktion und den engagierten Besitzern. Dieses Auto hier vereint vieles: frühe Auslieferung, bewegte Geschichte, Scheunenfund, fachmännische Restaurierung durch bekannte Spezialisten, Familiennutzung, Club-Events, Filmeinsatz und eine Ausstattung, mit der man wirklich fahren will.
Der Wagen wird aktuell für 49.500 Dollar angeboten. Für einen Alvis mit dieser Historie kein Preis, sondern eine Einladung. Offene Straßen, britische Ingenieurskunst der 30er und ein grüner Tourer mit rotem Innenleben.
Bilder: Anbieter des Fahrzeuges
FAQ
Was macht den Alvis 12/50 von 1932 heute noch so besonders?
Technische Ehrlichkeit trifft auf echte Geschichte und eine Ausstrahlung, die man spürt. Kein reines Schaustück, sondern ein Wagen, der die Werte der 30er-Jahre noch heute verkörpert: klare Konstruktion, solide Bauweise, Eleganz ohne Schnickschnack. Bei diesem Exemplar kommt die besondere Story dazu – von der Limousinen-Erstauslieferung über den Scheunenfund bis zur fachgerechten Umsetzung als TJ-Tourer durch Tony Leech. Dokumentierte Historie, fahrbereiter Zustand und der richtige Look. Genau das zieht Liebhaber britischer Vorkriegsklassiker an.
Warum ist die Restaurierung dieses Fahrzeugs so wichtig für seinen Wert?
Bei Vorkriegswagen entscheidet die Restaurierungsqualität über alles: Optik, Zuverlässigkeit im Betrieb und langfristigen Wert. Hier wurde nichts geschönt, sondern Chassis, Motor, Getriebe, Karosserie und Interieur gründlich und richtig gemacht. Beteiligt waren ausgewiesene Spezialisten. Das schafft Vertrauen. Man kauft kein Risiko, sondern ein Auto, das man wirklich nutzen kann. Geringeres Risiko, gute Nachvollziehbarkeit – selten genug bei solchen Jahrgängen.
Für wen ist ein Alvis 12/50 heute die richtige Wahl?
Für Leute, die in alten Autos mehr suchen als PS und Status. Vorkriegs-Fans, die Mechanik verstehen und echte Historie schätzen. Wer moderne Annehmlichkeiten braucht, ist hier falsch. Wer aber das direkte Fahrgefühl, den Leder-Öl-Geruch, sichtbare Technik und die Ruhe eines guten Tourers sucht, liegt richtig. Ideal für Ausfahrten und VSCC-Treffen. Authentizität vor Perfektion – genau dafür steht dieser Alvis.



