Die Fantic Caballero Travel 700 ist ein Motorrad für Menschen, die auf Asphalt nicht auf Haltung verzichten wollen und auf losem Untergrund nicht sofort umkehren. In einer Zeit, in der viele Maschinen ihrer Klasse entweder stark in Richtung Straße oder deutlich ins Gelände kippen, setzt dieses Modell auf eine selten gewordene Mitte. Genau darin liegt sein Reiz. Die Caballero Travel 700 versteht sich als Scrambler mit Abenteuerlust, aber ohne die üblichen Übertreibungen, die viele Reisebikes inzwischen mit sich tragen.
Schon der erste Eindruck zeigt, wohin die Reise geht. Die neue Lackierung in Tundra Green verleiht dem Motorrad eine robuste Ausstrahlung. Dazu kommen farblich abgestimmte Seitentaschen mit stabilen Trägern, eine kleine Scheibe für den Windschutz, ein Gepäckträger am Heck und ein integriertes Staufach auf dem Tank. Das wirkt nicht wie aufgesetztes Zubehör, sondern wie ein stimmiges Gesamtbild für Fahrerinnen und Fahrer, die gern spontan losziehen.
Ein Scrambler, der seinen Zweck ernst nimmt

Interessant ist vor allem, wie konsequent Fantic die Travel 700 in ihrer Nische positioniert. Sie tritt mit Drahtspeichenrädern im Format 19 Zoll vorn und 17 Zoll hinten an, kombiniert mit einem fahrfertig schlank gedachten Konzept von 175 Kilogramm ohne Kraftstoff. Diese Maße erklären, warum das Motorrad sowohl auf Landstraßen als auch auf Schotterpassagen überzeugend wirkt. Das größere Vorderrad unterstützt Ruhe und Souveränität, während das 17-Zoll-Hinterrad die Handlichkeit bewahrt.
Die Sitzhöhe von 830 Millimetern rückt die Caballero Travel 700 in einen Bereich, der Alltag und Reise gut zusammenbringt. Auffällig ist auch die Sitzbank selbst: Sie bietet nicht nur dem Fahrer ausreichend Bewegungsfreiheit, sondern schafft auch für eine zweite Person angenehm Platz. Gerade bei kompakten Adventure-Scramblern ist das keine Selbstverständlichkeit.
Der CP2-Motor als Herzstück der Geschichte

Die faszinierendste Eigenschaft dieses Motorrads ist der Motor. Der bekannte Zweizylinder mit 689 Kubikzentimeter Hubraum wurde hier in ein italienisches Chassis integriert. Er erhält durch speziellen Ansaug- und Abgastrakt sowie eine eigene Abstimmung einen klaren Charakter. Das Ergebnis sind 74 PS bei 9.000 Umdrehungen pro Minute, ein kräftiger Verlauf über das gesamte Drehzahlband und ein maximales Drehmoment von 70 Newtonmetern bei 6.500 Umdrehungen pro Minute. Bis 8.000 Touren stehen konstant 60 Newtonmeter bereit.
Für die Praxis ist das entscheidend. Ein Motorrad dieser Art lebt nicht von Spitzenwerten allein, sondern von Ansprechverhalten und Druck aus der Mitte. Genau dort spielt die Caballero Travel 700 ihre Stärken aus. Auf kleinen kurvigen Straßen, beim Herausbeschleunigen aus engen Kehren oder auf unbefestigten Wegen mit wechselndem Grip wirkt ein solcher Motor überzeugender als ein nervöses Hochdrehzahlkonzept. Die elektronische Einspritzung mit zwei 38-Millimeter-Drosselklappen, das Sechsganggetriebe und die Mehrscheiben-Ölbadkupplung fügen sich in dieses Bild eines nutzbaren Antriebs.
Fahrwerk und Bremsen für echte Vielseitigkeit


Auch das Fahrwerk zeigt, dass diese Maschine nicht nur gut aussehen will. Der Rahmen aus hochfestem CrMo-Stahl in Einrohrbauweise und die Aluminium-Schwinge bilden die Basis für ein ausgewogenes Chassis. Vorn arbeitet eine 45-Millimeter-Upside-down-Gabel von Marzocchi, hinten ein in der Federvorspannung einstellbares Federbein, ebenfalls von Marzocchi. Der Federweg von jeweils 150 Millimetern an beiden Achsen bringt genau das Maß an Reserve mit, das man für schlechte Straßen, Feldwege und längere Etappen gebrauchen kann.
Gebremst wird mit hochwertigen Komponenten: vorn über eine 330-Millimeter-Scheibe mit radial montiertem Brembo-Vierkolbensattel, hinten über eine 245-Millimeter-Scheibe mit Brembo-Bremssattel. Für ein Motorrad, das sowohl Reisezwecke als auch leichten Geländeeinsatz bedienen will, ist diese Konfiguration schlüssig. Sie vermittelt Sicherheitsreserven, ohne das Konzept unnötig zu überladen.
Elektronik, die nicht bevormundet



Besonders spannend ist der elektronische Unterbau. Die Caballero Travel 700 ist das erste Modell der Marke mit schräglagenabhängigem ABS und abschaltbarer Traktionskontrolle serienmäßig. Möglich macht das eine Inertialmesseinheit, die auch in Schräglage präzise Eingriffe erlaubt. Für die Zielgruppe ist das mehr als eine technische Randnotiz. Es bedeutet zusätzliche Sicherheit auf nassem Asphalt oder in unübersichtlichen Kurven, ohne den Charakter des Motorrads weichzuspülen.
Gleichzeitig bleibt die Maschine ihren Wurzeln treu. Sowohl ABS als auch Traktionskontrolle lassen sich vollständig deaktivieren, wenn der Untergrund anspruchsvoller wird. Dazu passen die drei Fahrmodi STREET, OFFROAD und CUSTOM. Gerade der frei konfigurierbare CUSTOM-Modus macht deutlich, dass dieses Motorrad dem Fahrer nicht vorschreiben möchte, wie Abenteuer auszusehen haben. Das runde 3,5-Zoll-TFT-Display mit Bluetooth-Integration und die komplette LED-Lichtanlage runden den modernen Auftritt ab, ohne den klassischen Scrambler-Gedanken zu überdecken.
Reisegefühl statt bloßer Kategorie


Die Fantic Caballero Travel 700 ist kein reines Reisemotorrad, kein kompromissloses Offroad-Gerät und auch kein nostalgisches Stilobjekt. Gerade deshalb wirkt sie so zeitgemäß. Sie erzählt die Geschichte eines Motorrads, das nicht in Extremen denkt, sondern in Möglichkeiten. Wer am Morgen durch die Stadt fährt, mittags kurvige Landstraßen sucht und am Abend noch einen Abzweig auf Schotter nimmt, findet hier ein Fahrzeug mit glaubwürdiger Haltung und technischer Substanz.
Als Modelljahr 2025 setzt die Caballero Travel 700 damit ein Zeichen in einem Segment, das oft von Konventionen geprägt ist. Sie verbindet robuste Technik, durchdachte Ausstattung und einen eigenständigen Auftritt auf eine Weise, die im Alltag ebenso überzeugt wie auf kleinen Fluchten ins Unbekannte. Der Preis liegt bei 9.790 Euro.
FAQ
1) Für wen ist die Fantic Caballero Travel 700 gedacht – und wo liegen ihre Grenzen?
Die Travel 700 richtet sich an Fahrerinnen und Fahrer, die ein echtes „Alltags-und-Ausbruch“-Motorrad suchen: unter der Woche Stadt und Landstraße, am Wochenende Schotter und schlechte Nebenstrecken. Ihre Stärke ist die Balance aus handlichem Konzept, tourentauglicher Ausstattung und einem Motor, der aus der Mitte heraus drückt, statt nur Spitzenleistung zu jagen. Grenzen zeigt das Konzept dort, wo „richtiges“ Offroad beginnt: sehr grobe Passagen, tiefer Sand oder Enduro-Tempo verlangen mehr Bodenfreiheit, aggressivere Bereifung und oft auch weniger Gewicht.
2) Warum spielt der CP2-Motor in diesem Motorradkonzept eine so zentrale Rolle?
In einem Reise-Scrambler zählt nicht nur, wie viel Leistung auf dem Papier steht, sondern wie nutzbar sie im echten Leben anliegt. Der CP2-Zweizylinder passt genau dazu: Er liefert ein breites, kräftiges Drehzahlband und damit Schub beim Überholen, aus Kehren heraus oder auf rutschigem Untergrund, ohne dass man permanent hoch drehen muss. Das nimmt Stress aus langen Etappen und sorgt gleichzeitig für Fahrspaß auf kurvigen Strecken. In Kombination mit Sechsganggetriebe und sauberer Abstimmung wirkt der Antrieb wie ein „Werkzeug“, nicht wie eine Show-Nummer.
3) Welche Elektronikfunktionen sind im Alltag wirklich sinnvoll, und wann sollte man sie abschalten?
Schräglagenabhängiges ABS und Traktionskontrolle sind vor allem dann Gold wert, wenn Bedingungen wechseln: nasse Fahrbahn, kalte Reifen, Bitumenstreifen, Splitt in Kurven oder überraschende Schotterstücke. Diese Systeme erhöhen die Sicherheitsreserve, ohne dass man den Charakter des Motorrads verliert. Sinnvoll ist aber auch, dass sich ABS und Traktionskontrolle deaktivieren lassen: Im Gelände kann zu viel Regelung das Fahren sogar erschweren, etwa wenn man auf losem Untergrund bewusst Schlupf am Hinterrad braucht oder in bestimmten Situationen das Vorderrad gezielter „setzen“ möchte. Entscheidend ist, den Modus passend zum Untergrund zu wählen.



