Clesana X1 im Katastropheneinsatz
Die Clesana X1 wird von @fire bei internationalen Katastrophenschutz-Einsätzen im Feld getestet – für mehr Hygiene und Autarkie im Camp, wo jede funktionierende Infrastruktur zählt.

Wasserlose Toilette im Katastrophenschutz-Camp: Wie @fire die Clesana X1 testet

Wenn irgendwo auf der Welt die Erde bebt oder ein Wald in Flammen steht, gehören Florian Jerge und seine Mitstreiter zu denen, die kurzfristig abrufbereit sind, um zu helfen. Was dabei leicht untergeht: Selbst im Katastrophengebiet braucht es ganz banale, aber entscheidende Infrastruktur – allen voran eine funktionierende Toilette. Genau an diesem Punkt setzt ein ungewöhnliches Praxisprojekt an, über das Jerge berichtet. Im Fokus steht die wasserlose Verschweiß-Toilette Clesana X1 – und die Frage, ob Schweizer Camping-Technik im internationalen Hilfseinsatz wirklich überzeugen kann.

Wer ist Florian Jerge – und was ist @fire?

Florian Jerge engagiert sich bei @fire – Internationaler Katastrophenschutz in Baden-Württemberg. „Ich bin zuständiger Teamleiter für die Leitung von Baden-Württemberg“, sagt er. In seinem Zuständigkeitsbereich sind rund 120 ehrenamtliche Einsatzkräfte organisiert – eingebettet in eine bundesweite Struktur mit mehr als 500 Mitgliedern. @fire ist gemeinnützig, spendenfinanziert und auf zwei Kernaufgaben spezialisiert: internationale Waldbrandbekämpfung sowie die Suche nach Verschütteten nach Erdbeben. Gearbeitet wird nach den Standards der UN-Dachorganisation INSARAG; @fire zählt damit zu den wenigen deutschen Teams mit entsprechender Zertifizierung.

Eine Organisation, die aus einer Katastrophe geboren wurde

@fire und Clesana
Die Clesana X1 wird von @fire ab sofort bei Einsätzen mitgeführt. (Foto: autorini.de)

@fire entstand 2002 – ausgelöst durch ein sehr konkretes Defizit: Bei schweren Waldbränden in Griechenland zeigte sich, dass Deutschland kaum spezialisierte Kräfte ins Ausland entsenden konnte. „Damals waren größere Waldbrände in Griechenland, und Deutschland konnte nichts entsenden – da hat man kurzerhand @fire entwickelt“, erinnert sich Jerge. Aus dem Impuls wuchs über die Jahre ein professionelles Netzwerk. Die Einsatzhistorie liest sich wie ein Querschnitt großer Naturkatastrophen: der Tsunami in Thailand, das Erdbeben in Pakistan, zuletzt das verheerende Beben in der Türkei. Dort konnten nach eigener Schilderung fünf Menschen lebend aus Trümmern gerettet werden – Erfahrungen, die den Wert ehrenamtlicher Hilfe greifbar machen.

Profis im Ehrenamt – vom Förster bis zum Feuerwehrmann

Auffällig: Für die meisten ist @fire kein Beruf, sondern ein zusätzliches Engagement. Jerge arbeitet als Betriebselektriker und betreibt den Katastrophenschutz, wie er es mit einem Augenzwinkern nennt, „aus Jux und Tollerei nebenher“ – seit 15 bis 18 Jahren in leitender Rolle. Die Mitglieder kommen aus Feuerwehren, dem THW, von der Polizei oder aus dem Forst; einige starten zunächst ohne spezifisches Vorwissen. Entscheidend ist das Ausbildungssystem: @fire qualifiziert eigene Kräfte komplett selbst – von Grundlagen der Vegetationsbrandbekämpfung bis zur Rettung nach Erdbeben. Für Spezialkurse gehen einzelne Mitglieder auch ins Ausland.

Wie ein Einsatz überhaupt zustande kommt

Einfach losfahren, sobald irgendwo eine Katastrophe passiert, ist für @fire ausdrücklich keine Option. „Wir ziehen nicht einfach los, wenn irgendwo etwas passiert ist – wir rücken nur auf offizielle Anforderung aus“, betont Jerge. Bei Erdbeben erfolgt die Koordination über die UN-Plattform INSARAG: Teams melden Einsatzbereitschaft, gestartet wird aber erst nach einem formellen Hilfeersuchen des betroffenen Landes. Bei Waldbränden laufen Anforderungen häufig über EU-Mechanismen, staatliche Stellen, Landratsämter oder Feuerwehren. So unterstützte @fire jüngst bei einem größeren Waldbrand in den Niederlanden – gemeinsam mit Kräften aus Bonn; im Jahr davor ging es unter anderem nach Portugal und Griechenland. Ausrüstung und Material bringt das Team weitgehend selbst mit.

Das unsichtbare Rückgrat: das Camp hinter dem Einsatz

X1 im Katastrophenschuttz
Die Clesana X1 im Feld: wird bei Einsätzen von @fire mitgeführt. (Foto: autorini.de)

Jeder Einsatz bedeutet Logistik – und die läuft bei @fire häufig über ein eigenes Camp. „Hinter jedem Einsatz steckt eine Logistik, die ein Camp beinhaltet“, beschreibt Jerge. Dazu zählen Küchen- und Verpflegungszelt, Übernachtungs- und Aufenthaltsbereiche, ein Sanitärteil mit Campingduschen – und eben der WC-Bereich. Der Standort ist kaum planbar: mal eine freie Wiese irgendwo in Portugal, mal eine Turnhalle mit bestehender Infrastruktur. Autarkie ist deshalb Pflicht, weil vor der Abfahrt oft unklar ist, was vor Ort überhaupt verfügbar sein wird. Genau hier wird der Sanitärbereich zum sensiblen Punkt – und die Clesana zum Baustein, der Hygiene und Alltagstauglichkeit im Camp spürbar beeinflussen kann.

Was die Clesana X1 anders macht

Die Clesana X1 kommt von der Schweizer Clesana AG aus Grabs im Kanton St. Gallen. Während die fest installierte C1 vor allem aus Reisemobilen bekannt ist, ist die X1 als mobile, frei aufstellbare Variante konzipiert. Das Prinzip: Nach dem Toilettengang werden die Hinterlassenschaften per Thermo-Druck-Verfahren luft- und flüssigkeitsdicht in einer Hochbarriere-Folie verschweißt. Wasser oder Chemie sind dafür nicht nötig. Die geruchsdichten Beutel wandern anschließend in den Restmüll. Ursprünglich stammt die Verschweiß-Technik aus dem medizinischen Umfeld, wo es um hygienisch sichere Versiegelung von Abfällen geht – ein Ansatz, der im Katastrophenschutz naheliegend wird.

Von der Beuteltoilette zum verschweißten Komfort

Bisher setzte @fire im Camp auf klassische Beuteltoiletten – zweckmäßig, aber in der Praxis oft ungut. „Da ist die Clesana hygienisch und vom Handling einfach eine bessere Lösung, als einen Beutel aus der Toilette zu nehmen, zuzuknoten und irgendwo zu entsorgen“, erklärt Jerge. Für Einsatzkräfte, die über Tage körperlich und mental gefordert sind, ist das kein Luxusdetail. „Ein bisschen Luxus will man“, sagt er offen – schließlich werde auch im Einsatz nicht absichtlich unbequem gesessen. Jerge ist zudem selbst Camper und nutzt privat eine Clesana C1. Seine Einordnung fällt entsprechend klar aus: Das Ergebnis sei „vergleichbar mit jeglicher Toilette zu Hause“. Komfort, Hygiene und unkomplizierte Abläufe stehen für ihn im Vordergrund.

Sponsoring statt Kauf: Wie der Kontakt entstand

Der Impuls kam über einen Geschäftskollegen, der seit Jahren von der C1 überzeugt ist. Jerge nahm Kontakt zum Hersteller auf und lernte auf einer Messe Tino V. Göbel kennen, Head of Marketing für die DACH-Region bei Clesana. Daraus entwickelte sich eine Kooperation: Die erste X1 wurde dem Verein als Sponsoring zur Verfügung gestellt, nicht gekauft. Weitere Geräte sollen rund um die Branchenmesse Interschutz folgen. Laut Jerge gibt es keine starre vertragliche Verpflichtung – wohl aber eine klare Erwartung: @fire liefert jederzeit ehrliches Feedback aus der Praxis. Technik gegen Erkenntnisse aus dem realen Einsatz- und Ausbildungsalltag.

Der Praxistest im Ausbildungsdienst

Einen echten Katastropheneinsatz hat die X1 bislang noch nicht erlebt – das stellt Jerge offen klar. Stattdessen ging die Toilette direkt in den Ausbildungsbetrieb: „Wir haben sie auf Herz und Nieren geprüft und in den normalen Betrieb gebracht.“ Tino Göbel kam an einem Freitagabend im Vorfeld einer Vereinsveranstaltung vorbei, erklärte die Bedienung, anschließend konnten die Mitglieder das Gerät in Ruhe testen. In Baden-Württemberg ist die X1 damit bereits bekannt. Auf der Interschutz – der Weltleitmesse für Feuerwehr, Rettung und Katastrophenschutz, die vom 1. bis 6. Juni 2026 in Hannover stattfand – sollten weitere Einheiten übergeben und zusätzliche Mitglieder eingewiesen werden. Das Projekt wächst damit schrittweise in die Organisation hinein.

Strom, Akku und volle Autarkie

Praktisch entscheidend ist die Energiefrage. Da im Camp ohnehin Strom über Generatoren bereitsteht, setzt @fire tendenziell auf den netzgebundenen Betrieb. Interessant wird es bei abgesetzten Szenarien: Das Camp kann fünf bis dreißig Kilometer von der eigentlichen Einsatzstelle entfernt in einem sicheren Bereich liegen. „Man könnte die Toilette mit dem Akku einfach aus dem Zelt mitnehmen und wäre da auch flexibel“, beschreibt Jerge. Genau diese Mobilität ist der zentrale Vorteil der X1 gegenüber fest eingebauten Systemen. Und auch der ökologische Aspekt zählt für ihn: „Man muss keine Chemie vorhalten, man muss eigentlich nur Liner mitnehmen.”

Ein Wunsch über die Toilette hinaus

So technisch ein Toilettensystem klingt – im Kern geht es um Würde, Gesundheit und Arbeitsfähigkeit von Menschen, die freiwillig in Extremsituationen helfen. Nach einem Wunsch für die Zukunft gefragt, setzt Jerge den Schwerpunkt deshalb nicht bei Ausrüstung, sondern bei den Helfern selbst: „Immer eine sichere und gesunde Heimkehr aller Einsatzkräfte.“ Die Clesana X1 ist in diesem Gesamtbild ein kleiner, aber sinnvoller Baustein: Sie kann die Hygiene im Camp verbessern und ein Stück Improvisationsdruck aus dem Alltag nehmen. Ob sich die Verschweiß-Technik im realen Auslandseinsatz bewährt, wird sich erst zeigen, wenn die nächste Lage es verlangt.

Topic: Cross Publisher: „Wasserlose Toilette im Katastrophenschutz-Camp: Wie @fire die Clesana X1 auf Herz und Nieren prüft“ from vanlife → autorini