Seitenansicht eines Ferrari Dino 308 GT4 von 1975 in blauer Lackierung vor landschaftlicher Kulisse.
Der restaurierte Ferrari Dino 308 GT4 von 1975 mit Bertone-Karosserie in Blu Le Mans und Tan-Innenausstattung. (Foto: Hersteller)

Ferrari Dino 308 GT4 (1975): Bertones Mittelmotor-Ikone

Der Ferrari Dino 308 GT4 von 1975 ist eine der faszinierendsten Kuriositäten der Marke: ein kompakter Mittelmotor-V8 im 2+2-Format, gestaltet von Bertone. Die Karosserie hebt sich bewusst ab von den klassischen Pininfarina-Linien, wirkt kantiger, moderner und dennoch elegant — ein Stil, der die siebziger Jahre in einer einzigartigen Form einfängt. Unter der Haube arbeitet ein 2,927-Liter-V8 mit einer Leistung von etwa 190 kW, kombiniert mit einem handgeschalteten Fünfganggetriebe; das ergibt eine lebendige Verbindung zwischen Fahrer und Maschine, die heute selten so unmittelbar erlebt werden kann. Die Kombination aus einem Leergewicht von rund 1.150 kg und dem kompakt aufgebauten Triebwerk sorgt für Agilität, die sich in einer Sprintzeit von circa 6,4 Sekunden von 0–100 km/h widerspiegelt.

 

Blauer Ferrari Dino 308 GT4 von 1975 mit beigefarbenem Interieur auf einem Parkplatz vor einer Hügellandschaft
Restaurierter Ferrari Dino 308 GT4 mit Bertone-Design, präsentiert in Kalifornien (Foto: Hersteller)

Als Modell wurde der Dino 308 GT4 erstmals 1973 auf dem Pariser Autosalon vorgestellt; die Serienfertigung lief von 1974 bis 1980. Insgesamt entstanden nur 2.483 Exemplare — alle bei Bertone gefertigt — was das Modell zu einem seltenen Vertreter seiner Klasse macht. Technisch markiert der 308 GT4 eine Brücke in der Ferrari-Geschichte: Vorgänger war der Fiat/Ferrari Dino 246 GT, Nachfolger die ikonische 308 GTB/GTS-Serie. Bemerkenswert ist der Namenswandel zur Mitte des Produktionsjahres 1975: Ursprünglich unter dem Markennamen „Dino“ vermarktet, trugen die Wagen ab Mitte 1975 offiziell das Ferrari-Emblem. Gerade diese Phase — zwischen Dino-Identität und offiziellem Ferrari-Branding — erhöht den historischen Reiz vieler Modelle aus dieser Zeit.

Ferrari Dino 308 GT4, Baujahr 1975, restauriert in Blu Le Mans, Frontansicht, tanfarbene Lederausstattung sichtbar
Frontansicht eines restaurierten Ferrari Dino 308 GT4 von 1975 mit blauer Lackierung und tanfarbener Innenausstattung (Foto: Hersteller)

Bei einem Blick auf die Proportionen zeigt der 308 GT4 eine wohlbalancierte Silhouette: Radstand 2.550 mm, kompakte Außenmaße und die charakteristische mittige Anordnung des Motors versprechen eine direkte, fahraktive Dynamik. Die theoretische Höchstgeschwindigkeit liegt bei rund 250 km/h — verblüffend für ein 2+2-Coupé, das trotz praktischerer Auslegung nicht auf begeisternde Leistung verzichtet. Die Sitze im Fond sind eher für kürzere Mitfahrten gedacht, doch gerade diese ungewöhnliche Kombination aus Sportlichkeit und Alltagstauglichkeit machte das Modell seinerzeit besonders attraktiv für Käufer, die Leistung und Familiengebrauch verbinden wollten.

Frontansicht eines restaurierten Ferrari Dino 308 GT4 von 1975 in blauer Lackierung, aufgenommen auf einem Parkplatz.
Frisch restaurierter Ferrari Dino 308 GT4 von 1975, fotografiert in Kalifornien, präsentiert sich in seltener Blu Le Mans Lackierung. (Foto: Hersteller)

Die hier beschriebene Ausführung besticht durch eine umfassende Überarbeitung: Laut Inserat wurde sie im Zuge eines rund einjährigen Programms neu aufgebaut — inklusive frischer Lackierung in Blu Le Mans, komplett erneuerter Innenausstattung in Tan, überarbeitetem Motor sowie vollständig restauriertem Fahrwerk; Verschleißteile und Serviceposten wurden dabei mit erledigt. Das Ergebnis wird als hervorragend sortierter Fahrer mit concours-würdiger Optik beschrieben. Ein Kilometerstand ist im Inserat nicht angegeben. Das manuelle Fünfganggetriebe unterstreicht den Charakter dieser Epoche, in der das fahrerische Erlebnis Vorrang vor elektronischer Assistenz hatte. Jedes Schaltmanöver, jedes Ansprechen des V8 ist ein sinnliches Erlebnis und erinnert daran, wie unmittelbar Mobilität damals gestaltet wurde.

Ferrari Dino 308 GT4 von 1975, lackiert in Blu Le Mans, steht auf einem Parkplatz unter einer Photovoltaikanlage
Restaurierter Ferrari Dino 308 GT4, Baujahr 1975, in Blu Le Mans, präsentiert unter freiem Himmel (Foto: Hersteller)

Ein besonders faszinierendes Merkmal des 308 GT4 ist seine Herkunft aus dem Haus Bertone. Während viele Ferraris der Ära von Pininfarina gezeichnet wurden, schenkte Bertone dem 308 GT4 eine eigenständige Identität: klare, fast architektonische Flächen, ein eigenwilliger, aber stimmiger Ausdruck, der bis heute polarisierend und attraktiv zugleich ist. Diese Designentscheidungen wirken sich nicht nur optisch aus, sondern prägen auch die Wahrnehmung des Autos beim Fahren: Die etwas breitere, kantigere Linienführung vermittelt Stabilität und ein Gefühl von Präsenz, das in engen Kurven ebenso zum Tragen kommt wie auf langen Landstraßen.

Lenkrad und Armaturenbrett eines Ferrari Dino 308 GT4 von 1975 mit original Dino-Logo und Schalthebel.
Das Cockpit des Ferrari Dino 308 GT4 von 1975 mit charakteristischem Dino-Lenkrad und klassischer Instrumententafel. (Foto: Hersteller)

Die technischen Eckdaten verbinden die Optik mit einem echten Fahrerlebnis: Der knackige Drehmomentverlauf des V8 und die präzise Lenkung machen ihn zu einem Auto, das sowohl auf kurvigen Strecken als auch bei langen Fahrten Freude bereitet.

Innenraum eines Ferrari Dino 308 GT4 mit restaurierter, tanfarbener Lederausstattung und vorderen sowie hinteren Sitzen.
Restaurierter Innenraum mit neuer Tan-Lederausstattung im Ferrari Dino 308 GT4 von 1975. (Foto: Hersteller)

Die Provenienz dieses Fahrzeugs führt nach Thousand Oaks, Kalifornien (91301), USA — ein Hinweis auf internationale Nutzung und mögliche Pflegegeschichte in einem Klima, das für Sammlerfahrzeuge oft Vorteile bietet. Für Enthusiasten bleibt die Vision lebendig, wie es wäre, dieses Kapitel der Ferrari-Historie persönlich weiterzuschreiben.

 

Der Ferrari Dino 308 GT4 ist kein plakatives Vitrinenstück, sondern ein Ausdruck einer Epoche, in der Design-Experiment und fahrdynamische Substanz Hand in Hand gingen. Seine Seltenheit — nur 2.483 gebaute Einheiten —, die Bertone-Idylle und die technisch stimmige Gesamtkonzeption machen ihn zu einem Objekt der Begierde für Sammler und Fahrer gleichermaßen. Der Reifenabrieb auf warmem Asphalt, das präzise Einsetzen in Kurven und die unaufgeregte Alltagstauglichkeit eines 2+2-Coupés bieten eine Vielschichtigkeit, die heutige Liebhaber historischer Mobilität besonders zu schätzen wissen. Als Blick in die Historie und als Einladung zum Fahren bleibt dieser 1975er Dino 308 GT4 ein zeitloser Protagonist der automobilen Leidenschaft.

Bilder: Anbieter des Fahrzeuges