Stutz Model BB Custom Black Hawk Two-Passenger Speedster von 1928 in Rot und Schwarz auf einer Straße, Cabriolet-Verdeck und klassische Speichenräder.
(Foto: rmsothebys.com)

Stutz Black Hawk: Amerikas kühner Traum

Manche Automobile sind mehr als nur Maschinen ihrer Zeit. Sie tragen eine Haltung in sich, eine Geste, einen Aufbruch. Der Stutz Model BB Custom Black Hawk Two-Passenger Speedster von 1928 gehört genau in diese seltene Kategorie. Schon sein Name weckt Bilder einer Epoche, in der Leistung, Eleganz und Abenteuerlust noch ganz selbstverständlich zusammengehörten. Dieser offene Zweisitzer verkörpert das amerikanische Ideal des schnellen Reisens mit einer Intensität, die auch heute nichts von ihrer Wirkung verloren hat. Wer sich für die großen Klassiker der Mobilitätsgeschichte begeistert, findet hier einen Wagen, der nicht bloß schön ist, sondern einen ganzen Abschnitt automobiler Kultur auf die Straße bringt.

Seitenansicht eines restaurierten Stutz Model BB Black Hawk Two-Passenger Speedster von 1928, rot mit schwarzen Kotflügeln, aufgenommen im Freien
Der legendäre Stutz Black Hawk Speedster im satten Scharlachrot mit schwarzen Kotflügeln und Boattail-Karosserie. (Foto: rmsothebys.com)

Der Black Hawk erschien 1927 als Nachfolger des legendären Stutz Bearcat aus der Brass Era. Damit übernahm er keine leichte Aufgabe, denn der Bearcat war längst eine Ikone. Doch Stutz antwortete nicht mit einer vorsichtigen Evolution, sondern mit einem Auto von unverwechselbarem Profil. Besonders prägend war die Boattail-Karosserie, jener elegant nach hinten auslaufende Aufbau, der dem Wagen eine beinahe nautische Spannung verleiht.

Die Faszination der ersten großen Boattail-Form

Detailaufnahme der Kühlerfigur und des Stutz-Emblems auf der Motorhaube eines Stutz Black Hawk Speedster von 1928.
Die ikonische Kühlerfigur mit Stutz-Emblem – ein Symbol automobiler Ingenieurskunst der 1920er-Jahre. (Foto: rmsothebys.com)

Gerade diese Linienführung macht den Reiz dieses Exemplars aus. Der Black Hawk gilt als der erste echte Serien-Boattail-Speedster eines großen amerikanischen Herstellers. Das ist mehr als eine stilistische Randnotiz. Es zeigt, wie eng Design und Fahrkultur damals miteinander verwoben waren. Die Karosserie dieses Wagens wurde im Stil von Millspaugh & Irish gefertigt, jener Karossiers aus Indianapolis, die den späten Black-Hawk-Modellen einen besonders markanten Auftritt gaben. Der Zweisitzer wirkt dadurch schlank, energisch und fast dramatisch.

Frontansicht des Stutz Model BB Custom Black Hawk Two-Passenger Speedster von 1928 mit auffälligen Chromdetails und roten sowie schwarzen Karosserieteilen.
Für Licht nach vorne ist am Stutz Black Hawk Speedster von 1928 offenbar ausreichend gesorgt . (Foto: rmsothebys.com)

In dieser Ausführung trägt der Wagen ein sattes Scharlachrot, das von schwarzen Kotflügeln kontrastiert wird. Hinzu kommen ein verchromtes Band an der Spritzwand sowie dekorative Chrom-Akzente am auslaufenden Heck. Das ist nicht bloßer Zierrat, sondern Ausdruck eines Selbstverständnisses: Ein schneller Wagen durfte Eindruck hinterlassen. Genau darin liegt eine der schönsten Qualitäten dieses Stutz. Er feiert das Automobil als kulturelles Objekt, nicht nur als Fortbewegungsmittel.

Reihenachtzylinder mit großer Geste

Motorraum eines restaurierten Stutz Model BB Custom Black Hawk Two-Passenger Speedster von 1928 mit dem charakteristischen Reihenachtzylinder und verchromten Motorteilen
Der „Challenger“ Reiheneightzylinder des Stutz Black Hawk. (Foto: rmsothebys.com)

Unter der langen Haube arbeitet ein „Challenger“ Vertical Eight, also ein Reiheneightzylinder mit obenliegender Nockenwelle. Der Hubraum beträgt 4,9 Liter, die Leistung lag je nach Verdichtung bei bis zu 145 PS. Für die späten 1920er-Jahre war das ein eindrucksvoller Wert und ein klares Statement in Richtung Hochleistung. Die Kraftentfaltung eines solchen Motors gehört zu den ganz besonderen Erlebnissen der Vorkriegsära: kultiviert, kräftig und mit jener linearen Souveränität, die nur ein großer Reihenachtzylinder vermitteln kann.

Hinzu kamen zwei Zenith-Vergaser, die dem Motor zu seinem lebendigen Charakter verhalfen. Technisch zeigte sich Stutz ohnehin ausgesprochen ambitioniert. Das Fahrgestell mit 3,33 Metern Radstand basierte auf dem sogenannten Safety Stutz Double-Drop Frame. Die Konstruktion mit underslung worm-drive springs und verbesserter Lenkung war auf Stabilität und schnelle Straßenfahrten ausgelegt. Vier hydraulische Delco-Remy-Stoßdämpfer sowie eine hydraulische Lockheed-Bremsanlage an allen vier Rädern unterstrichen, wie ernst Stutz das Thema Fahrdynamik nahm.

Warum gerade dieser Black Hawk so besonders ist

Armaturenbrett mit klassischen Rundinstrumenten und Holzverkleidung im Stutz Model BB Black Hawk Speedster von 1928
Detail der Instrumententafel eines Stutz Black Hawk Speedster mit klassischen Instrumenten und Holzverkleidung. (Foto: rmsothebys.com)
Nahaufnahme vom Tachometer des Stutz Model BB Black Hawk Two-Passenger Speedster mit filigranen Gravuren.
Die Anzeigen des Stutz Black Hawk sind mit einer fein gravierten Metallblende versehen.Ein Beispiel für das kunstvolle Interieur historischer Luxusautomobile. (Foto: rmsothebys.com)

Eine der faszinierendsten Eigenschaften dieses Fahrzeugs ist seine Rechtslenkung. Sie verweist darauf, dass dieses Chassis für den Export gebaut wurde. Solche Details verleihen einem historischen Automobil Tiefe, weil sie seine Biografie sichtbar machen. Der Wagen erzählt nicht nur von amerikanischer Ingenieurskunst, sondern auch von den internationalen Ambitionen einer Marke, die sich auf der großen Bühne sah. Gerade bei einem Sportwagen dieser Klasse macht das die Geschichte noch reizvoller.

Historischer Innenraum eines Stutz Model BB Custom Black Hawk Two-Passenger Speedster von 1928 mit schwarzem Lenkrad und Armaturenbrett.
Das Cockpit des Stutz Black Hawk Speedster mit originalem Lenkrad, Armaturenbrett und schwarzer Lederausstattung. (Foto: rmsothebys.com)

Auch sportlich besaß der Black Hawk einen glänzenden Ruf. Ein Stutz Black Hawk gewann die Stevens Trophy in Indianapolis und holte zudem die AAA Stock Car Championship. Damit war der Typ als schnellster Serienwagen Amerikas seiner Zeit etabliert. Diese Aura haftet auch diesem Exemplar an. Es geht bei diesem Auto also nicht allein um hübsche Formen oder noble Details, sondern um eine Leistungskultur, die Stutz mit Nachdruck verkörperte.

Lenkrad mit Chrom-Details im Cockpit eines Stutz Black Hawk Speedster von 1928
Detailaufnahme des Original-Lenkrads im Cockpit des Speedsters . (Foto: rmsothebys.com)

Besonders charmant wird die Geschichte dieses Wagens durch seine spätere Herkunft. Das Auto gehörte einst zur Sammlung des Enkels von Fred Moskovics, dem legendären Präsidenten von Stutz. Schon dieser Umstand verleiht dem Speedster eine zusätzliche emotionale Schicht. Es ist bemerkenswert, wenn ein solches Fahrzeug in einer Sammlung bewahrt wird, die so eng mit der Markengeschichte verbunden ist. Die Sammlung des Enkels von Fred Moskovics wirkt wie ein stilles Echo jener Ära, in der Stutz seine größten Momente erlebte. Sie zeigt, wie viel Leidenschaft nötig ist, um solche Automobile lebendig zu halten, und erinnert daran, dass automobile Kultur immer auch von Menschen getragen wird, die Verantwortung für diese Schätze übernehmen.

Eleganz, Geschichte und ein Hauch großer Namen

Schwarze Ledersitzbank im Innenraum eines restaurierten Stutz Model BB Custom Black Hawk Speedster von 1928.
Die Sitze des Stutz Black wurden mit schwarzem Leder neu bezogen (Foto: rmsothebys.com)

Der Wagen selbst präsentiert sich mit einer älteren, attraktiven Restaurierung und gilt als tourentauglich. Ein großer Teil der neueren Arbeiten soll von Old Iron Works in Montgomery, Texas, ausgeführt worden sein, einem ausgewiesenen Stutz-Spezialisten. Das erklärt, warum dieser Black Hawk nicht nur auf dem Papier fasziniert, sondern auch als wohlproportioniertes, sorgfältig ausgeführtes Automobil überzeugt.

Ein Stutz für Träumer und Kenner

Für Freunde sogenannter Full Classics ist dieser Stutz ein überaus reizvolles Automobil. Er verbindet die legendäre Frühzeit amerikanischer Performance-Wagen mit einer Formensprache, die bis heute nichts von ihrer Magie verloren hat. Gerade weil er nicht wie ein nüchterner Technikträger wirkt, sondern wie eine fahrende Skulptur, berührt er weit über den Kreis eingefleischter Sammler hinaus. Dieser Speedster zeigt, wie sehr Mobilität einst mit Stil, Mut und mechanischer Raffinesse verbunden war.

Und ja, dieser Wagen ist zu haben. Das allein genügt, um ins Schwärmen zu geraten. Ein Black Hawk wie dieser ist kein gewöhnlicher Klassiker, sondern eine Einladung, sich dem Automobil mit offenen Augen und offenem Herzen zu nähern. Er wäre eine wunderbare Bereicherung für jede hochkarätige Sammlung und zugleich ein Auto, das bei Ausfahrten genau jene große Geste entfaltet, für die Stutz einst berühmt war. Bei der Arizona-Auktion 2026 wurde dieses Exemplar für 53.200 US-Dollar verkauft. Umgerechnet sind das rund 48.900 Euro.

Bilder: Anbieter des Fahrzeuges

FAQ

1) Warum gilt der Stutz Black Hawk als so bedeutend für das Automobildesign der späten 1920er-Jahre?
Der Black Hawk steht für einen Moment, in dem Sportlichkeit nicht nur über Motorleistung, sondern auch über Form erzählt wurde. Seine Boattail-Karosserie – das nach hinten spitz auslaufende Heck – wirkt wie eine bewusste Inszenierung von Geschwindigkeit, selbst im Stand. Dass Stutz diese Linie als seriennahen Speedster eines großen US-Herstellers etablierte, zeigt den Mut der Marke, Design als Teil der Fahrkultur zu begreifen. In Kombination mit kräftigen Farben, Chromdetails und der schlanken Zweisitzer-Silhouette wurde der Wagen zur „fahrenden Visitenkarte“ einer ganzen Epoche.

2) Was machte den „Challenger“ Vertical Eight technisch und fahrerisch so besonders?
Der Reiheneightzylinder mit obenliegender Nockenwelle war für seine Zeit ein ausgesprochen ambitioniertes Konzept: kultivierter Lauf, souveräne Kraftentfaltung und ein Leistungsniveau, das in den späten 1920ern klar in Richtung Hochleistung wies. Mit 4,9 Litern Hubraum und – je nach Verdichtung – bis zu 145 PS verband der Motor Eleganz mit Nachdruck. Wichtig ist aber auch das Gesamtpaket: Vergasertechnik, Chassis-Auslegung, Stoßdämpfer und die Lockheed-Bremsanlage an allen vier Rädern zeigen, dass Stutz Fahrdynamik nicht als Nebensache verstand, sondern als Kernversprechen.

3) Warum sind Details wie Rechtslenkung, Rennerfolge und Provenienz für Sammler so entscheidend?
Bei historischen Automobilen zählt nicht nur, wie ein Wagen aussieht, sondern welche Geschichte er „mitbringt“. Rechtslenkung deutet hier auf ein Export-Chassis hin und macht das Auto automatisch seltener und biografisch interessanter. Dazu kommt die sportliche Aura: Siege und Titel – wie die Stevens Trophy und die AAA Stock Car Championship – prägen das Image eines Typs langfristig und erhöhen seine kulturelle Strahlkraft. Besonders wertvoll wird es, wenn auch die spätere Herkunft überzeugt: Die Verbindung zur Sammlung des Enkels von Stutz-Präsident Fred Moskovics verankert das Auto emotional und historisch nah an der Marke.