Es gibt Automobile, die nicht einfach nur schnell sind. Und es gibt Automobile, die eine ganze Epoche des Motorsports in sich tragen. Der Lola T70 Mk3B gehört ohne jeden Zweifel in diese zweite Kategorie. Dieses Fahrzeug ist eine sorgfältige Rekreation des legendären 1969er Lola T70 Mk3B, 2016 aufgebaut und eng an jenes berühmte Konzept angelehnt, das Eric Broadley einst zu einer Ikone des Langstreckensports machte. Schon der erste Blick auf die flache, geschlossene Karosserie verrät, dass hier nicht bloß ein historischer Rennwagen steht, sondern ein technisches Statement aus einer Zeit, in der Mut, Mechanik und Geschwindigkeit noch ganz unmittelbar zusammengehörten.
Der Lola wirkt kompromisslos, klar und radikal. Er entstand als geschlossene Weiterentwicklung des T70 und wurde für die Homologation in Gruppe 4 vorgestellt. Die coupéhafte Form brachte nicht nur einen eigenständigen Auftritt, sondern vor allem mehr Stabilität und bessere Aerodynamik. Genau dieser Gedanke macht den Mk3B bis heute so spannend: Seine Form war nie bloß Stil, sondern immer eine Antwort auf die physikalischen Anforderungen der Rennstrecke.
Die Kunst der geschlossenen Karosserie

Wer sich intensiver mit diesem Lola T70 Mk3B beschäftigt, entdeckt schnell das vielleicht faszinierendste Merkmal des Autos: die Verbindung aus geringer Stirnfläche, geschlossener Cockpitlösung und leichter Bauweise. In einer Ära, in der auf Langstreckenrennen jede Nuance über Sieg oder Niederlage entscheiden konnte, war diese Konstruktion ein echter Vorteil. Das Fahrzeug bringt trocken nur rund 800 Kilogramm auf die Waage. Zugleich steckt unter der Karosserie ein genieteter und verklebter Monocoque-Aufbau aus Aluminium, kombiniert mit einer leichten Karosserie aus Fiberglas. Mehr Rennsport-DNA lässt sich in einem historischen Sportwagen kaum verdichten.

Diese Bauweise erklärt, warum der T70 Mk3B bis heute einen fast mythischen Klang in der Szene besitzt. Nur 16 Mk3B Coupés wurden 1969 gebaut. Schon diese Zahl verleiht dem Modell einen besonderen Rang. Doch Seltenheit allein genügt nicht, um Legendenstatus zu erreichen. Es ist die Mischung aus technischer Konsequenz, Rennhistorie und unverwechselbarer Silhouette, die den Lola so begehrenswert macht. Dass das hier vorgestellte Exemplar als Chassis T76-142 001 geführt wird, unterstreicht diesen Anspruch zusätzlich.
Ein V8, der die Zeit überdauert

Im Zentrum des Fahrerlebnisses arbeitet ein frei saugender Chevrolet-V8 mit 5,0 Litern Hubraum. Der 90-Grad-Achtzylinder besitzt einen Graugussblock, Aluminium-Zylinderköpfe und wird über vier Weber-Vergaser versorgt. Die Leistung von rund 450 PS bei 7.000 Umdrehungen pro Minute ist selbst aus heutiger Sicht eindrucksvoll, erst recht aber in Verbindung mit dem niedrigen Gewicht. Hinzu kommen rund 536 Newtonmeter Drehmoment. Das Ergebnis ist ein Rennwagen, der seine Kraft unmittelbar, roh und ehrlich abgibt.

Geschaltet wird über ein manuelles Hewland-LG600-Fünfganggetriebe, die Kraft geht an die Hinterräder. Doppelquerlenker vorn wie hinten, Schraubenfedern über einstellbaren Dämpfern und Stabilisatoren an beiden Achsen schaffen die Grundlage dafür, dass die enorme Leistung kontrollierbar bleibt. Verzögert wird mit innen wie außen standfesten Girling-Scheibenbremsen an allen vier Rädern.
Auf der Rennstrecke zu Hause

Der Reiz dieses Fahrzeugs endet nicht bei den technischen Daten. Dieser Lola T70 Mk3B hat sich auch auf der Strecke bewiesen. Zu seinen Erfolgen zählen Siege über 1.000 Kilometer in Donington in den Jahren 2015, 2016 und 2017. Dazu kommt ein weiterer großer Erfolg beim CER „Dix Mille Tours“ in Paul Ricard im Jahr 2019. Solche Resultate sind mehr als bloße Einträge in einer Statistik. Sie zeigen, dass dieses Auto nicht nur ein Erinnerungsstück an den historischen Motorsport ist, sondern ein ernstzunehmender Rennwagen mit tatsächlicher Wettbewerbserfahrung in renommierten historischen Serien in Großbritannien und Europa.
Gerade deshalb besitzt das Fahrzeug eine bemerkenswerte Glaubwürdigkeit. Es ist qualifiziert für die FIA Masters Historic Sports Car Championship sowie für Veranstaltungen von Peter Auto in der Kategorie CER 1. Auch die Teilnahme am Le Mans Classic ist grundsätzlich auf Einladung möglich. Sein Historic Technical Passport auf FIA-Basis war bis Ende 2025 gültig. Diese Einordnung zeigt, wie nah der Wagen an jener Welt geblieben ist, für die er gebaut wurde: nicht als museales Objekt, sondern als lebendiger Teil historischer Rennkultur.
Ein Rennwagen mit Tiefe und Charakter

Auch im Detail erzählt dieser Lola eine Geschichte von Sorgfalt und Ernsthaftigkeit. Das Chassis 001 wurde vollständig überarbeitet und rissgeprüft. Außerdem wurde das Fahrzeug vollständig rennbereit aufgebaut. Zum Gesamtbild gehört auch ein umfangreiches Paket an Ersatzteilen, darunter eine zusätzliche Frontpartie, rund 45 Übersetzungen sowie zwei Sätze Räder und Reifen. Solche Fakten mögen nüchtern wirken, doch für Kenner sind sie Ausdruck jener Hingabe, die historische Rennwagen erst wirklich wertvoll macht. Sie zeigen, dass hier nicht bloß an die Vergangenheit erinnert wird, sondern dass ihre Technik verstanden und gepflegt wurde.
Selbst die nüchterne Angabe von 0 Kilometern wirkt in diesem Zusammenhang beinahe poetisch. Nicht, weil dieser Lola ein unbewegtes Schaustück wäre, sondern weil sie symbolisch für einen Zustand steht, der an Perfektion und Bereitschaft erinnert. Der Radstand von 2.413 Millimetern, die Höchstgeschwindigkeit von rund 310 km/h und die Beschleunigung auf 160 km/h in etwa 6,3 Sekunden zeichnen das Bild eines Fahrzeugs, das in seiner Zeit ein echtes Ausrufezeichen war und heute noch Ehrfurcht erzeugt.
Warum der Lola T70 Mk3B weiter begeistert
Der Lola T70 Mk3B ist einer jener seltenen Rennwagen, die selbst Menschen berühren, die historische Technik sonst nur aus Distanz betrachten. Seine Faszination liegt in der Konsequenz. Nichts an diesem Auto wirkt überflüssig, nichts beliebig. Die geschlossene Form folgt der Aerodynamik, der V8 dem Gedanken maximaler Kraftentfaltung, das geringe Gewicht dem kompromisslosen Rennen. Genau daraus entsteht jene Eleganz, die große Wettbewerbsfahrzeuge auszeichnet. Sie ist nicht dekorativ, sondern funktional.
Ein Lola T70 Mk3B ist kein gewöhnliches Fahrzeug. Er ist ein Stück bewegter Rennsportgeschichte, gebaut für Menschen, die in Autos mehr sehen als Fortbewegung. In einer Zeit, in der Mobilität oft als bloße Funktion diskutiert wird, erinnert dieser Lola daran, dass sie auch Leidenschaft, Haltung und große Emotion sein kann.
Bilder: Anbieter des Fahrzeuges
FAQ
1) Was macht den Lola T70 Mk3B im Vergleich zu anderen historischen Rennwagen so besonders?
Der Lola T70 Mk3B fasziniert, weil er nicht nur „alt und selten“ ist, sondern eine klare, kompromisslose Idee verkörpert: maximale Rennleistung mit möglichst wenig Ballast. Die geschlossene Coupé-Karosserie ist dabei kein Styling, sondern eine konsequente Antwort auf Aerodynamik und Stabilität bei hohen Geschwindigkeiten. Dazu kommt die Kombination aus sehr niedrigem Gewicht und großer Motorleistung, die ihn auch heute noch respektgebietend erscheinen lässt. Seine Aura entsteht aus Technik, Form und Renngeschichte – und daraus, dass alles an diesem Auto auf die Strecke ausgerichtet ist.
2) Wie fühlt sich die Technik dieses Fahrzeugs an – eher modern oder bewusst „analog“?
Die Technik wirkt bewusst analog und direkt, weil sie den Fahrer nicht von den Kräften des Autos trennt, sondern ihn mitten hineinsetzt. Der frei saugende V8 baut Leistung ohne elektronische Filter auf: Gasannahme, Drehmoment und Drehzahl steigen spürbar mechanisch. Dazu passt das manuelle Hewland-Getriebe, das saubere Schaltarbeit verlangt und Fehler nicht versteckt. Fahrwerk und Bremsen sind rennsportlich ausgelegt, aber nicht „komfortorientiert“. Genau diese Unmittelbarkeit macht den Reiz aus: Man steuert nicht nur ein Fahrzeug, man arbeitet mit ihm – und lernt es dabei wirklich kennen.
3) Warum sind Rennhistorie, Ersatzteilpaket und FIA-Dokumente beim Kauf so entscheidend?
Bei einem historischen Rennwagen zählt nicht allein die Optik, sondern die Frage, ob er glaubwürdig, einsetzbar und langfristig betreibbar ist. Eine dokumentierte Rennhistorie zeigt, dass das Auto nicht nur gebaut, sondern auch im Wettbewerb erprobt wurde – inklusive der Belastungen, denen es standhielt. Ein umfangreiches Ersatzteilpaket ist praktisch, weil es Ausfallzeiten reduziert und die Teilnahme an Veranstaltungen erleichtert, wo Teile schnell benötigt werden. FIA-nahe Papiere wie ein Historic Technical Passport sind wichtig, weil sie den Zugang zu bestimmten Serien und Events strukturieren und die technische Einordnung des Wagens nachvollziehbar machen.



