Der Cooper T59 Formula Junior gehört zu den prägendsten Rennwagen des Jahres 1962 – ein leichter, konzentrierter Purist, geboren für Kurvengeschwindigkeit. Als Mk3 der Cooper-Formel-Junior-Reihe markierte er einen Wendepunkt: Er war das erste Cooper-Formel-Junior-Modell mit serienmäßigen Scheibenbremsen, ausgestattet mit Mini‑Cooper‑Sätteln. Seine Proportionen erzählen die gleiche Geschichte von kompromissloser Effizienz: 2,26 Meter Radstand, 1,30 Meter Spur vorn und 1,27 Meter hinten. Der T59 ging in seinem Debütjahr in elf Länder und schrieb eine beachtliche Bilanz – über 30 Rennsiege des Modells, der erste durch Richard Attwood in Silverstone. Noch heute sind 32 Fahrzeuge bekannt, die überlebt haben. Ein Exemplar sticht dabei besonders hervor: Chassis FJ/24/62, in klassischem British Racing Green, äußerlich unaufgeregt, technisch subtil veredelt – und reich an Geschichte.
Ein Formel-Junior-Meilenstein von 1962

Im Heck arbeitet der BMC‑XSP‑Vierzylinder mit 1,1 Liter Hubraum (1.095 cm³), Bohrung 67,6 Millimeter, Hub 76,2 Millimeter – ein kompakter, drehfreudiger Spezialist, der im leichten Gitterrohrrahmen zum Leben erwacht. Ursprünglich war der T59 mit einem Citroën‑ERSA‑Fünfganggetriebe ausgerüstet, inklusive drei schnell wechselbarer Endantriebs‑Übersetzungen: ein feines Werkzeug, um den Motor stets im Schubfenster zu halten. Die 13‑Zoll‑Magnesiumräder tragen vorn 23,5‑Zentimeter‑Scheiben, hinten 22,9 Zentimeter – Hardware, die das präzise, leichtfüßige Wesen des Autos erklärt. Dass das hier porträtierte Fahrzeug seinen originalen BMC‑XSP‑Motor (Nummer BMC‑XSP‑1854‑20) noch trägt, macht es für Kenner besonders begehrenswert. Und eine kleine Anekdote verleiht Charme: Eigentlich war ein hellgrüner Streifen gewünscht; aus Zeitgründen debütierte der Wagen jedoch in schlichter, dunkler Lackierung – ein Understatement, das perfekt passt.
Fahrdynamik: Scheibenbremsen und Magnesiumräder

Wer den T59 verstehen will, schaut auf seine Bremsen. In einer Klasse, in der Trommeln lange Standard waren, setzten die serienmäßigen Scheiben ein Zeichen. Das späte Bremsen, der kurze Pedalweg, die Stabilität am Limit – genau diese Qualitäten machten den T59 auf engen Kursen so stark. Die leichten Magnesiumräder reduzieren die ungefederten Massen, die kompakte Spur und der moderate Radstand lassen den Wagen förmlich in die Kurven kippen und ebenso geschmeidig wieder heraus beschleunigen. Das Fünfganggetriebe mit Wechsel‑Drop‑Gears ist die technische Pointe: Mit wenigen Handgriffen ließ sich die Gesamtübersetzung an Strecke und Layout anpassen, wodurch das kleine 1,1‑Liter‑Aggregat stets im richtigen Fenster arbeitete. Diese Kombination erklärt, warum das Modell weltweit gefragt war – und warum seine DNA heute noch in historischen Rennen beeindruckt.
Dietrich-Ära: Nordamerika und Puerto Rico

FJ/24/62 wurde 1962 von der US‑Rennfahrerin Suzy Dietrich bestellt – empfohlen von niemand Geringerem als Peter Revson und Tim Mayer. Im August 1962 traf der Wagen in den USA ein, und die Dietrichs schickten ihn auf eine weite Reise durch die nordamerikanische Szene bis nach Puerto Rico. Chuck Dietrich holte Siege am Marlboro Raceway und in Cumberland; Einsätze führten das Auto zudem auf renommierte Strecken wie Mosport Park. Suzy Dietrich war als einzige Frau beim ersten Grand Prix von Puerto Rico am Start – ein markantes Kapitel Motorsportgeschichte. 1963 erhielt das Auto ein seltenes Cooper‑Sechsganggetriebe, das bis heute verbaut ist und dem T59 einen zusätzlichen technischen Reiz verleiht. Im September 1963 starteten die Dietrichs in Elkhart Lake, Chuck im Cooper, Suzy im Elva 300. Anfang 1964 endete die Dietrich‑Phase; neuer Besitzer wurde Reed Rollo, der unter anderem in Mid‑Ohio siegte.
Restauration und Originalität, sorgsam bewahrt

Nach mehreren Besitzwechseln in den USA gelangte FJ/24/62 1981 nach Australien, wo eine umfangreiche Restaurierung begann. Bis 2006 wurde der T59 dort vollständig neu aufgebaut und kehrte anschließend in die USA zurück – bevor er 2012 wieder nach Großbritannien kam. Seit 2013 steht das Auto in den Händen des aktuellen Besitzers und wird von einem renommierten Spezialisten gewartet. Zu den jüngsten Arbeiten zählen eine Überholung bis auf das blanke Chassis, ein unauffälliger Überrollbügel für heutige Sicherheitsanforderungen sowie ein Motorenaufbau durch Stuart Rolt. Bemerkenswert ist die Fülle an Originalteilen: Motor, das in der Dietrich‑Zeit montierte Cooper‑Sechsganggetriebe, das Chassis‑Schild und sogar das Lenkrad sind noch an Bord. Diese Integrität macht FJ/24/62 zu einem Zeitzeugen, der technisch wie historisch überzeugt.
Heute: Startklar für Goodwood und historische Rennen

Der Cooper T59 Formula Junior ist mehr als ein schönes Artefakt. Dieses Exemplar ist startklar für die großen Bühnen des historischen Motorsports – etwa das Goodwood Members’ Meeting oder die Revival‑Woche – sowie für Formel‑Junior‑Rennen in Europa und Nordamerika. Angeboten wird FJ/24/62 derzeit in Northamptonshire in klassischem British Racing Green; ein Gebrauchtfahrzeug aus fachkundiger Hand, das die Essenz der frühen Sechziger spürbar macht. Die Geschichte beginnt mit einer ambitionierten Rennfahrerin, führt über Siege in Mosport und Mid‑Ohio und mündet in eine respektvolle Restaurierung, die Technik und Authentizität behutsam vereint. Es ist die Art Auto, von der Enthusiasten träumen: leicht, direkt, mit einem Herz aus 1,1 Litern, das lieber singt als schreit – und mit der Art von Herkunft, die auf jeder Startaufstellung Geschichten erzählt.
FAQ
1) Warum gilt der Cooper T59 als Meilenstein innerhalb der Formel-Junior-Klasse?
Der T59 markiert 1962 einen klaren Entwicklungsschritt, weil er als erstes Cooper-Formel-Junior-Modell serienmäßig mit Scheibenbremsen ausgeliefert wurde – in einer Zeit, in der Trommelbremsen in vielen Klassen noch üblich waren. Dazu kommt ein konsequent auf Agilität ausgelegtes Gesamtpaket: kompakte Abmessungen, ein leichter Gitterrohrrahmen und geringe ungefederten Massen durch Magnesiumräder. In Kombination mit dem drehfreudigen 1,1‑Liter‑BMC‑XSP-Motor entstand ein Auto, das besonders auf kurvigen Strecken durch spätes Bremsen, Stabilität und schnellen Richtungswechsel überzeugte.
2) Was macht das Chassis FJ/24/62 für Sammler und historische Rennveranstaltungen so interessant?
FJ/24/62 verbindet zwei Dinge, die selten gemeinsam auftreten: eine nachvollziehbare, ereignisreiche Historie und eine hohe technische Integrität. Das Auto wurde 1962 von Suzy Dietrich bestellt, war in Nordamerika und Puerto Rico aktiv und ist mit Rennnamen wie Peter Revson und Tim Mayer verknüpft. Gleichzeitig sind zentrale Originalteile noch vorhanden, darunter der originale BMC‑XSP‑Motor mit der genannten Motornummer sowie das Chassis-Schild und sogar das Lenkrad. Hinzu kommt das seltene Cooper‑Sechsganggetriebe (seit 1963), das den Wagen technisch aufwertet und historisch korrekt einordnet.
3) Welche Technik-Details erklären, warum der T59 sich so präzise und „leichtfüßig“ fahren lässt?
Mehrere Bausteine greifen ineinander: Erstens die Scheibenbremsen mit kurzem Pedalweg, die spätes, kontrolliertes Bremsen ermöglichen und den Wagen am Limit stabil halten. Zweitens reduzieren die leichten 13‑Zoll‑Magnesiumräder die ungefederten Massen, was das Einlenken und das Ansprechen des Fahrwerks verbessert. Drittens helfen Radstand und Spurweiten, dass der T59 willig rotiert, ohne nervös zu wirken. Und viertens macht das (ursprüngliche) Fünfganggetriebe mit wechselbaren Übersetzungen – bzw. beim FJ/24/62 das spätere Sechsgang – es leichter, den Motor im idealen Drehzahlfenster zu halten.
Bilder: Anbieter des Fahrzeuges



