Seitenansicht des Herreshoff Model 30 Runabout von 1913 mit grünem Lack, Holzspeichenrädern, Stoffverdeck und roter Innenausstattung.
Der seltene Herreshoff Model 30 Runabout von 1913 zeigt sich in klassischer Optik mit grünem Lack, roter Lederausstattung und Stoffverdeck. (Foto: rmsothebys.com)

Herreshoff Model 30 Runabout von 1913 – Traum auf Rädern

Manche Automobile sind mehr als historische Fahrzeuge. Sie sind ein Fenster in eine Epoche, in der Mobilität noch nach Abenteuer roch, in der Technik sichtbar arbeitete und in der jede Ausfahrt ein kleines Ereignis war. Genau so ein Automobil ist der Herreshoff Model 30 Runabout aus dem Jahr 1913. Dieses seltene Fahrzeug stammt aus dem letzten Produktionsjahr der Marke und gehört zu den ganz wenigen überlebenden Herreshoff-Automobilen überhaupt. Schon diese Tatsache verleiht ihm eine Aura, die weit über Zahlen und Daten hinausreicht.

Herreshoff war nur wenige Jahre aktiv. Die Automobile der Marke wurden nur vier Jahre lang gebaut, bis 1913. Gerade deshalb ist ein erhaltenes Exemplar heute eine echte Ausnahmeerscheinung. Es soll nur noch rund ein halbes Dutzend Fahrzeuge dieser Marke geben. Wer sich für die Frühzeit des Automobils begeistert, erkennt sofort, wie außergewöhnlich ein solcher Fund ist. Dieser offene Runabout verkörpert jenen Moment der Automobilgeschichte, in dem sich Pioniergeist, Handwerk und Eleganz zu etwas ganz Eigenem verbanden.

Die kurze, glänzende Geschichte von Herreshoff

Herreshoff Model 30 Runabout Baujahr 1913, tiefgrüne Karosserie, rote Lederausstattung, aufgenommen unter freiem Himmel.
Seltenes Beispiel eines Herreshoff Model 30 Runabout aus dem letzten Produktionsjahr 1913. (Foto: rmsothebys.com)

Hinter dem Namen stand Charles F. Herreshoff, der aus einer Familie kam, die in der Welt der Yachten längst klangvollen Ruhm besaß. Er war der Neffe von J.B. Herreshoff und Nathaniel Herreshoff, deren Yachten den America’s Cup von 1893 bis 1920 Jahr für Jahr gewannen. Charles F. Herreshoff selbst zog von Rhode Island nach Detroit, um dort einen leistungsstarken Motor zu entwickeln. 1909 stellte er schließlich sein eigenes Automobil vor. Der selbstbewusste Leitspruch lautete: „A Car Worthy of the Name“. In diesem Satz lag bereits der Anspruch, nicht irgendeinen Wagen zu bauen, sondern ein technisch anspruchsvolles Automobil.

Der Herreshoff Model 30 Runabout ist damit ein Zeugnis einer fast verschwundenen Marke. Gerade in einer Zeit, in der sich die amerikanische Automobilindustrie rasant entwickelte, brauchte es Mut und Können, um einen eigenen Weg zu gehen. Dass dieser Wagen aus dem Jahr 1913 stammt, macht ihn bedeutend: Er steht am Endpunkt der gesamten Herreshoff-Produktion.

30 PS und ein feines Gespür für Technik

Heckansicht des historischen Herreshoff Model 30 Runabout von 1913 mit grünem Lack, Holzapplikationen und beigem Verdeck.
Der seltene Herreshoff Model 30 Runabout (1913) – Rückansicht mit grünem Aufbau, Holzdetails und klassischem Stoffverdeck. (Foto: rmsothebys.com)

Technisch betrachtet ist der Model 30 ein Vertreter seiner Zeit. Unter der Haube arbeitet ein Vierzylindermotor, dessen Zylinder in einem einzigen Block gegossen wurden. Auch der vollständig gekapselte Ventiltrieb war ein bemerkenswertes Detail. Solche Lösungen zeigen, wie ernst Herreshoff die technische Weiterentwicklung nahm. Die Leistung liegt bei 30 PS, also rund 22,4 kW. Für ein Automobil dieser Epoche war das ein beachtlicher Wert und mehr als genug, um den Wagen mit Charakter und Souveränität auf die Straße zu bringen.

Der Herreshoff Model 30 Runabout von 1913 mit grünem Lack, Holzspeichenrädern und offenem Verdeck, fotografiert von hinten.
Historischer Herreshoff Model 30 Runabout von 1913 mit grünem Lack und beigem Stoffverdeck auf einer Straße. (Foto: rmsothebys.com)

Die Maße von Bohrung und Hub betragen 85,7 mal 114,3 Millimeter. Dazu kommt ein Dreigang-Getriebe in Schieberadbauweise. Besonders spannend ist jedoch ein anderes Merkmal: der Linkslenker. Herreshoff führte diese Auslegung bereits 1911 ein, zu einer Zeit also, als das noch keineswegs selbstverständlich war. Genau darin liegt eine der faszinierendsten Eigenschaften dieses Wagens. Der Linkslenker macht deutlich, wie modern die Marke dachte. Was heute banal wirkt, war damals ein Zeichen für Vorausblick und den Mut, bekannte Konventionen zu verlassen. Dieser Herreshoff erzählt also nicht nur von Herkunft, sondern auch von Fortschritt.

Ein Auftritt wie aus einer anderen Welt

Rotes Lederinterieur und Holzlenkrad eines Herreshoff Model 30 Runabout von 1913
Detailaufnahme der roten Ledersitzbank und des Armaturenbereichs im historischen Herreshoff Model 30 Runabout (Foto: rmsothebys.com)

Auch in seinem Erscheinungsbild trifft der Wagen genau ins Herz aller Liebhaber früher Automobile. Er zeigt sich in einer älteren Restaurierung mit tiefgrüner Karosserie und roter Lederausstattung. Diese Kombination besitzt jene warme, klassische Ausstrahlung, die Brass-Era-Fahrzeuge so unverwechselbar macht. Dazu passen die Gas-Hauptscheinwerfer, elektrische Seitenleuchten, ein Boyce MotoMeter und ein schwarzes Stoffverdeck zum Falten. Jedes einzelne Detail erinnert daran, dass Automobilität einst sichtbar mechanisch, fein gearbeitet und voller Charme war.

Motorraum des Herreshoff Model 30 Runabout von 1913 mit Vierzylindermotor und historischen Komponenten.
Der seltene Vierzylindermotor des Herreshoff Model 30 Runabout, Baujahr 1913, mit sichtbaren technischen Details. (Foto: rmsothebys.com)

Gerade dieser Runabout lebt nicht von Übertreibung, sondern von Haltung. Er wirkt leicht, offen und elegant. Man sieht ihm an, dass Autofahren vor mehr als hundert Jahren nicht bloß Fortbewegung war, sondern ein gesellschaftliches und technisches Erlebnis. Der Blick auf das Armaturenbrett, die Präsenz der Leuchten, das feine Leder und die klassische Linienführung schaffen ein Bild, das eher an stilvolle Landstraßenfahrten als an bloße Zweckmobilität denken lässt. Ein solcher Wagen ist eine Erinnerung daran, wie emotional die Geschichte des Automobils begonnen hat.

Rote Ledersitzbank eines historischen Herreshoff Model 30 Runabout, Baujahr 1913, im Detail
Originale rote Lederausstattung im Herreshoff Model 30 Runabout, Baujahr 1913 (Foto: rmsothebys.com)
Voltmeter und Vintage-Armaturen im Herreshoff Model 30 Runabout von 1913
Historische Voltmeter- und Amaturenansicht im Herreshoff Model 30 Runabout (Foto: rmsothebys.com)
Detailaufnahme des Innenraums mit Lenkrad und roter Lederbank im Herreshoff Model 30 Runabout von 1913.
Lenkrad und rote Lederausstattung des seltenen Herreshoff Model 30 Runabout mit klassischem Armaturenbrett von 1913. (Foto: rmsothebys.com)
Nahaufnahme der Lenksäule und Instrumente eines Herreshoff Model 30 Runabout von 1913
Innenraum-Detail des Herreshoff Model 30 Runabout mit Blick auf die Lenksäule und Armaturen, Baujahr 1913. (Foto: rmsothebys.com)

Dr. Barbara Atwood und die Kraft des Sammelns

Besonders schön wird die Geschichte dieses Herreshoff durch seine Herkunft. Das Fahrzeug befand sich einst in der Sammlung von Dr. Barbara Atwood aus Rockford im US-Bundesstaat Illinois. Dr. Barbara Atwood war in den 1980er-Jahren im Antique Automobile Club of America und im Classic Car Club of America aktiv. Dass ein so seltenes Fahrzeug von Dr. Barbara Atwood bewahrt wurde, verleiht ihm zusätzliche Tiefe. Es ist immer wieder erstaunlich, wenn Menschen wie sie die Geduld, Leidenschaft und Sorgfalt aufbringen, automobile Kostbarkeiten über Jahrzehnte zu erhalten.

Ein Abzeichen auf dem Armaturenbrett von einer Automobilveranstaltung aus Minnesota im Jahr 1974 deutet darauf hin, dass der Wagen schon damals im Mittleren Westen der USA geschätzt wurde. Außerdem gilt dieses Auto als eines der wenigen Brass-Era-Fahrzeuge in der Sammlung von Dr. Barbara Atwood. Genau das macht seine Geschichte so reizvoll: Hier wurde nicht einfach ein altes Fahrzeug aufbewahrt, sondern ein außergewöhnliches Stück Mobilitätskultur.

Warum dieser Herreshoff so verführerisch ist

Der Herreshoff Model 30 Runabout ist heute in Phoenix im US-Bundesstaat Arizona beheimatet und trägt die Fahrgestellnummer 13752. Er ist ein gebrauchtes historisches Fahrzeug, das bei RM Sotheby’s in Arizona 2026 (Lot 112) für 44.800 US-Dollar verkauft wurde. Doch viel spannender als der Markt ist die Vorstellung, wie es wäre, ein solches Automobil in behutsamen Händen weiter durch die Zeit zu tragen. Nicht als Spekulationsobjekt, sondern als fahrbare Verbindung zu den Anfängen des Motorwagens. Gerade weil nur so wenige Herreshoff existieren, liegt in diesem Wagen eine beinahe poetische Seltenheit.

Er vereint die kurze Geschichte einer mutigen Marke, eine technisch interessante Konstruktion, eine charmante ältere Restaurierung und die besondere Herkunft aus einer namhaften Sammlung. Für Leserinnen und Leser von autorini.de ist er damit weit mehr als ein Veteran: Er ist ein Beispiel dafür, warum das Auto bis heute fasziniert. Es geht um Bewegung, um Ingenieurskunst, um Stil und um Geschichten, die auf vier Rädern weiterleben. Der erzielte Verkaufspreis betrug 44.800 US-Dollar.

Bilder: Anbieter des Fahrzeuges

FAQ

1) Warum gilt der Herreshoff Model 30 Runabout von 1913 als so außergewöhnlich selten?

Die Besonderheit beginnt bei der Marke selbst: Herreshoff baute Automobile nur in einem sehr kurzen Zeitraum und lediglich über vier Jahre bis 1913. Dadurch existieren heute grundsätzlich viel weniger Fahrzeuge als bei Herstellern, die Jahrzehnte lang produzierten. Der Runabout von 1913 stammt zudem aus dem letzten Produktionsjahr und steht damit symbolisch für das „Finale“ der ganzen Marke. Im Text wird erwähnt, dass nur noch etwa ein halbes Dutzend Herreshoff-Fahrzeuge überlebt haben soll. Genau diese Kombination aus kurzer Bauzeit, geringer Stückzahl und spätem Baujahr macht das Auto für Sammler historisch und emotional so begehrenswert.

2) Welche technischen Merkmale zeigen, dass Herreshoff seiner Zeit voraus war?

Der Artikel beschreibt mehrere Details, die für die Epoche bemerkenswert waren. Dazu gehören der Vierzylindermotor mit in einem Block gegossenen Zylindern sowie ein vollständig gekapselter Ventiltrieb, was auf den Anspruch hinweist, Technik nicht nur funktionsfähig, sondern auch modern und robust zu konstruieren. Mit 30 PS (rund 22,4 kW) hatte der Wagen für damalige Verhältnisse eine respektable Leistung. Besonders hervor sticht aber der Linkslenker: Herreshoff führte ihn bereits 1911 ein, als das noch nicht selbstverständlich war. Dieses Merkmal zeigt Mut zur Veränderung und ein deutliches Gespür für kommende Standards.

3) Was erzählt die Provenienz (Vorbesitzer-Geschichte) über den kulturellen Wert des Fahrzeugs?

Bei historischen Fahrzeugen zählt nicht nur Technik, sondern auch die Geschichte der Menschen, die sie bewahrt haben. Der Herreshoff war Teil der Sammlung von Dr. Barbara Atwood aus Rockford (Illinois), die in den 1980er-Jahren in wichtigen US-Oldtimerclubs aktiv war. Das deutet auf ein Umfeld hin, in dem fachkundige Pflege, Dokumentation und Wertschätzung eine große Rolle spielen. Ein Abzeichen von einer Veranstaltung in Minnesota aus dem Jahr 1974 ist ein weiterer Hinweis darauf, dass der Wagen schon lange als etwas Besonderes galt. Diese Provenienz macht ihn zu einem Stück lebendiger Automobilkultur – nicht nur zu einem alten Auto.