Restaurierter Mercedes-Benz 170 V Cabriolet von 1939 im Freien, klassische zweifarbige Lackierung, aufgenommen bei Tageslicht.
(Foto: bilwebauctions.se)

Mercedes-Benz 170 V – Vorkriegs-Cabrio mit Seele

Lange Motorhaube, aufrechte Front, klassische Proportionen – der Mercedes-Benz 170 V Cabriolet von 1939 wirkt sofort wie ein Auto aus einer anderen Epoche. Dieses Exemplar ist restauriert, fahrbereit und seit den 1970er-Jahren in einer Hand. Genau diese durchgehende Familiengeschichte gibt ihm Gewicht. Es ist nicht nur ein schönes Vorkriegs-Cabrio, sondern ein Stück echter Historie auf Rädern.

Solche Wagen kommen selten unter den Hammer. Gut erhaltene, nachvollziehbar dokumentierte und tatsächlich nutzbare Vorkriegs-Cabrios sind rar. Wer sich mit klassischen Mercedes auskennt, weiß sofort: Der 170 V war kein Randmodell, sondern ein zentraler Baustein der Marke in einer entscheidenden Zeit.

Der Mercedes-Benz 170 V als Auto seiner Zeit

Restauriertes Mercedes-Benz 170 V Cabriolet Baujahr 1939 in zweifarbigem Lack, Seitenansicht, im Freien geparkt
Restauriertes Mercedes-Benz 170 V Cabriolet von 1939 mit langer Familiengeschichte, aufgenommen im Grünen (Foto: bilwebauctions.se)

Als W136 1936 vorgestellt wurde, war er für Mercedes ein wichtiger Schritt. Er löste den 170 W15 ab und wurde schnell zum Volumenmodell. Das „V“ steht für „Vorn“ – Frontmotor. Parallel gab es den 170 H mit Heckmotor. Mercedes hat damals bewusst unterschieden und klar positioniert.

Gebaut wurde die Baureihe von 1936 bis 1942 und nach dem Krieg von 1947 bis 1955. Bis 1942 liefen bereits über 75.000 Exemplare vom Band. Das zeigt, wie wichtig der 170 V war: ein solides, alltagstaugliches Auto mit gehobenem Anspruch, kein exotischer Spielerei.

Offen fahren in einer anderen Epoche

Innerhalb der Baureihe hatten die Cabriolets immer einen besonderen Status. Es gab das Cabriolet A als Zweisitzer und das Cabriolet B als Viersitzer. Genau dieser offene Aufbau macht den Reiz aus. Er kombiniert die robuste Technik eines Tourenwagens mit der Leichtigkeit stilvollen Reisens. Bei einem Auto von 1939 ist das keine bloße Karosserievariante – es ist Haltung.

Technik, die nicht auf Effekte setzte

Frontalansicht eines restaurierten Mercedes-Benz 170 V Cabriolet von 1939 mit geöffnetem Verdeck, aufgenommen im Grünen.
Restauriertes Mercedes-Benz 170 V Cabriolet von 1939 bei Bilweb Auctions, fotografiert im Park. (Foto: bilwebauctions.se)

Unter der Haube sitzt der 1,7-Liter-Reihenvierzylinder M136. 28 kW, 38 PS. Heute klingt das lächerlich wenig, passt aber exakt zum Charakter. Der Wagen will nicht drängen. Er lädt zum bewussten Fahren ein. Zusammen mit dem manuellen Vierganggetriebe ergibt sich genau das, was Vorkriegs-Liebhaber suchen: aktives Schalten, vorausschauendes Arbeiten mit der Maschine, mechanische Ehrlichkeit.

Rund 10 Liter auf 100 Kilometer waren damals vernünftig. Der 170 V war nie ein überzüchtetes Luxusspielzeug, sondern ein gut durchdachtes, langlebiges Auto für Menschen, die Wert auf Qualität legten. Genau das macht ihn heute noch sympathisch.

Die faszinierende Stärke des Einfachen

Hier liegt die eigentliche Qualität: in der Reduktion. Während viele Klassiker mit Hubraum und Größe protzen, gewinnt der 170 V durch ausgewogene Balance. Frontmotor, überschaubare Leistung, solides Fahrwerk, klare Form. Das Ergebnis ist ein Auto, das nicht schreien muss, um Respekt zu bekommen. Wer sich länger mit historischen Fahrzeugen beschäftigt hat, erkennt darin echte Größe.

Warum gerade dieses Exemplar so besonders ist

Rückseite eines dunkelblauen Mercedes-Benz 170 V Cabriolet von 1939 mit Reserverad und geschlossenem Verdeck im Grünen.
Originales, restauriertes Mercedes-Benz 170 V Cabriolet von 1939 – historische Familiengeschichte und gepflegter Zustand. (Foto: bilwebauctions.se)

Ein restaurierter und fahrbereiter Vorkriegs-Mercedes ist schon selten. Kommt dann noch lückenloser Einzelbesitz seit den 1970er-Jahren hinzu, wird daraus eine echte Geschichte. Das Auto wurde nicht nur abgestellt – es wurde offenbar geschätzt und gepflegt. Bei Klassikern ist genau diese Kombination aus Patina, Pflege und nachvollziehbarer Historie entscheidend.

Das Fahrzeug steht in Emmaboda, Schweden. Die Auktion fand am 22. April 2026 statt und ist abgeschlossen. Bei einem 170 V Cabriolet von 1939 wird das einige Sammler und Kenner aufhorchen lassen. Solche Wagen stehen nicht nur für Mercedes, sondern für eine ganze Epoche europäischen Automobilbaus.

Ein Klassiker mit stiller Autorität

Der W136 strahlt genau jene ruhige Selbstverständlichkeit aus, die nur wirklich gute Automobile haben. Er muss nichts beweisen. Form, Technik und Geschichte reichen völlig aus. Für Liebhaber offener Klassiker ist dieses Cabriolet deshalb weit mehr als nur ein Sammlerobjekt. Es ist ein fahrbares Zeitdokument.

Ein Schätzwert wurde nicht angegeben; das Höchstgebot lag bei 350.000 schwedischen Kronen (Reservationspreis nicht erreicht).

Bilder: Bilweb Auctions

FAQ

Originaler Semaphor-Blinker an einem Mercedes-Benz 170 V Cabriolet von 1939, Nahaufnahme.
Detailansicht eines originalen Ausklapp-Semaphor-Blinkers am Mercedes-Benz 170 V Cabriolet, Baujahr 1939. (Foto: bilwebauctions.se)

1) Warum ist ein Mercedes-Benz 170 V Cabriolet von 1939 für Sammler mehr als nur „ein alter Mercedes“?

Weil es eine ganze Epoche verkörpert. Der 170 V stand für Solidität und Alltagstauglichkeit mit Niveau. Als Cabriolet wird daraus zusätzlich ein kulturelles Statement – offen fahren mit Zurückhaltung und Stil. Wenn dann noch fachgerechte Restaurierung, Fahrbereitschaft und durchgehender Familienbesitz seit den 1970ern dazukommen, entsteht ein wirklich glaubwürdiges Zeitdokument. Genau diese Mischung aus Historie, Nutzbarkeit und Charakter ist für ernsthafte Sammler entscheidend.

2) Was macht die Technik des 170 V heute noch interessant, obwohl Leistung und Verbrauch nicht „modern“ wirken?

Die pure Einfachheit und das ehrliche Fahrerlebnis. Der 1,7-Liter-Vierzylinder mit 38 PS ist nicht für schnelle Überholmanöver gemacht, sondern für ruhiges, kontrolliertes Reisen. Mit dem manuellen Vierganggetriebe bedeutet das: Du schaltest aktiv, fährst vorausschauend und arbeitest wirklich mit der Maschine. Viele Liebhaber schätzen genau diesen Kontrast zu heutigen, stark elektronisch unterstützten Autos. Selbst der Verbrauch von rund 10 l/100 km wirkt im Kontext eher wie Beleg für ein damals stimmiges Gesamtkonzept.

3) Worauf sollte man bei einer Auktion eines restaurierten Vorkriegs-Cabrios besonders achten?

Ob Geschichte und technischer Zustand zusammenpassen. Eine Restaurierung kann hervorragend sein – sie kann aber auch Fragen aufwerfen. Wurde sauber und originalgetreu gearbeitet? Ist die Historie lückenlos belegbar? Bleibt der Charakter erhalten? Wichtig sind klare Belege zur Besitzkette, Wartungsunterlagen und die tatsächliche Fahrbereitschaft. Bei diesem Exemplar stärkt der lange Familienbesitz seit den 1970ern die Glaubwürdigkeit erheblich. Außerdem sollten Schätzwert, aktuelles Gebot, Standort und mögliche Folgekosten (Transport, Zulassung, Steuern) realistisch einkalkuliert werden.