
Hinter dem Namen Vauxhall Corsa GSE Vision Gran Turismo verbirgt sich kein weiteres Ausstattungspaket für den Kleinwagen-Alltag, sondern ein radikal gedachter, vollelektrischer Kompaktsportler. Das Konzeptfahrzeug demonstriert, was die künftige Stellantis-Plattform STLA Small ermöglicht, und bewegt sich damit formal in der Klasse des bekannten Corsa – 4,19 Meter Länge, 1,87 Meter Breite, 2,65 Meter Radstand. Doch die Proportionen verraten sofort, dass hier etwas anderes geplant ist: deutlich flacher, breiter, mit einem kompromisslosen Fokus auf Performance und Aerodynamik.
Der Wagen soll Vauxhalls Submarke GSE – Grand Sport Electric – greifbar machen: Hochleistung ohne Verbrenner, gepaart mit Erinnerungen an die eigene Motorsportvergangenheit und den ikonischen Corsa-Namen. Für Enthusiasten, die mit kompakten, leichten Sportlern sozialisiert wurden, ist der Ansatz klar: möglichst wenig Masse, maximale Leistung, dazu ein Design, das eher an Rennstrecke und virtuelle Rennspiele als an Parkplatzmarkierungen im Supermarkt denken lässt.
800 hp im Kleinwagen-Format
Technisch positioniert sich der Vauxhall Corsa GSE Vision Gran Turismo deutlich jenseits klassischer Hot Hatches. Zwei Elektromotoren, jeweils an einer Achse, liefern zusammen 800 hp und 800 Nm Drehmoment. Für ein Fahrzeug mit Kleinwagen-Grundriss ist das eine fast schon absurde Zahl – und genau das macht die Faszination aus. Die Fahrleistungen unterstreichen den Anspruch: 0 auf 100 km/h in 2,0 Sekunden, dazu eine Höchstgeschwindigkeit von 320 km/h. Werte, mit denen sich der virtuelle Corsa problemlos in die Liga der Hypercars katapultiert.
Die Kraft wird über ein einstufiges Getriebe auf den permanenten Allradantrieb übertragen. Für die Praxis auf schnellen Rennspiel-Runden oder einer fiktiven Rennstrecke bedeutet das: keine Schaltpausen, keine Zugkraftunterbrechungen, sondern ein kontinuierlicher, brutaler Vortrieb. Unterstützt wird das System von einem Boost-Modus, der für bis zu vier Sekunden zusätzliche 80 hp zur Verfügung stellt. Nach vier Intervallen zu je 20 Sekunden lädt sich die Funktion wieder auf; der Status wird direkt im Lenkrad angezeigt. Wer die Ideallinie kennt, kann den Boost also sehr gezielt vor Kurvenausgängen oder auf langen Geraden einsetzen.
Leichtbau und Batterie im Spannungsfeld
Bemerkenswert ist das Gewicht: 1.170 kg. Für ein Elektrofahrzeug mit 82-kWh-Batterie ist diese Zahl ein klares Statement in Richtung Leichtbau. Für sportlich orientierte Fahrerinnen und Fahrer zählt jedes Kilogramm, weil es Einfluss auf Einlenkverhalten, Bremsweg und Reifenverschleiß hat. Hier zeigt sich, dass das Konzept eher in der Tradition kompromissloser Tracktools steht als in der eines üblichen Straßenstromers.
Die Batterie mit 82 kWh Kapazität deutet auf eine hohe Dauerleistung hin. Auch wenn hier keine Reichweitenangaben im Vordergrund stehen, ist klar: In einem Umfeld, in dem Vollgasanteile hoch und Kühlanforderungen extrem sind, braucht es ausreichend Energiereserven, um Leistung ohne rasch einsetzendes Temperatur- oder Leistungs-derating bereitzustellen. Für Gamer ist die Kombination aus großer Batterie und geringem Gewicht vor allem eins: die Basis für konstante Rundenzeiten, ohne dass der virtuelle Akku nach wenigen Sprints „leer gespielt“ ist.
Design zwischen Rennstrecke und Gaming-Welt
Optisch gibt sich der Vauxhall Corsa GSE Vision Gran Turismo keine Mühe, dezent zu wirken. Die Front trägt den schlanken „Vauxhall Vizor“-Grill mit zentral platziertem, illuminiertem Griffin-Emblem. Von dort ziehen sich horizontale Leuchten in dreidimensionale Glasblöcke, flankiert von vertikalen Lichtelementen rund um das Markenlogo. Eine markante Karosseriekante läuft von der Front in die Motorhaube hinein und betont die Breite. Am Heck prägt ein kantig gestaltetes, edge-beleuchtetes Bremslicht im „Compass“-Layout das Bild, ergänzt durch großflächig platzierte VAUXHALL-Lettern und ein durchgehendes Rücklicht, das in die Heckscheibe übergeht.
Die Farbgebung verstärkt den Renncharakter: Perlmuttweiß für die Karosserie, dazu ein leuchtend gelber Aero-Bug, Spoiler und Diffusor, während Dach und vordere Aero-Radläufe in Schwarz gehalten sind. Die schwarzen Elemente bestehen aus einem Flachs-Verbundwerkstoff von Bcomp, der ähnliche Eigenschaften wie Carbon mit einem geringeren ökologischen Fußabdruck kombinieren soll. In der Praxis bedeutet das: geringes Gewicht, hohe Steifigkeit, aber weniger Belastung für die Umwelt – ein Kompromiss, der besonders für Fans elektrischer Performance-Fahrzeuge interessant ist, die Nachhaltigkeit nicht völlig zugunsten reiner Rundenzeiten ausblenden wollen.
Aerodynamik als funktionales Stilmittel
Die Aerodynamik ist die vielleicht spannendste Disziplin dieses Konzeptfahrzeugs. Aero-Schürzen an Front- und Heckstoßfängern sowie schwarze Radlaufverbreiterungen sorgen für einen sauberen Luftstrom entlang der Fahrzeugseiten und verbessern die Hochgeschwindigkeitsstabilität. Die Leichtmetallräder greifen das Dreispeichen-Erbe von Vauxhalls Rennwagen auf und sind aerodynamisch optimiert, um Turbulenzen an den Rädern zu minimieren. Vorn drehen schwarze-gelbe 21-Zoll-Räder, hinten in Weiß-Gelb gehaltene 22-Zoll-Felgen; bereift ist das Ganze mit Goodyear-Gummis, die in Kombi mit Bilstein-Pushrod-Fahrwerken an beiden Achsen für präzise Radführung sorgen sollen.
Herzstück des Aero-Konzepts sind jedoch der massive Heckdiffusor und der aktive Heckspoiler. Beide lassen sich in ihrer Stellung variieren, um entweder den Luftwiderstand zu senken oder den Abtrieb zu erhöhen. Auf Geraden fahren sie aus, um den Luftstrom sauber abzuleiten und den Drag zu reduzieren; beim Anbremsen oder in schnellen Kurven kann der Spoiler aufstellen und als Luftbremse wirken. Für Fahrerinnen und Fahrer, die gern an Bremspunkten und Kurvengeschwindigkeiten feilen, öffnet das neue Spielräume – sei es auf der virtuellen Nordschleife oder einem fiktiven Stadtkurs im Game.
Faszination „Compass“-Innenraum und Lichtwarnsystem

Im Innenraum setzt sich das „Compass“-Thema fort. Das Cockpit ist bewusst reduziert, klar und ganz auf den Fahrer fokussiert. Ein elegantes, relativ schlankes Lenkrad gibt den Blick auf ein einziges Head-up-Display frei, das alle relevanten Fahrinformationen einblendet. Analoge Überfrachtung gibt es nicht; das Ziel ist eine Konzentration auf den nächsten Bremspunkt, nicht auf verschachtelte Menüs. Der Fahrersitz ist als schwebender, leichter Sportsitz ausgeführt, in Schwarz und leuchtendem Gelb. Integrierte 6-Punkt-Gurte klemmen den Piloten fest im Fahrzeug, verbunden mit einem Überrollkäfig, der den Renncharakter auch optisch unterstreicht.
Besonders bemerkenswert ist das „painting with light“-System in Armaturenträger und Türverkleidungen. Dort integrierte Stoffe können aufleuchten und den Fahrer vor Fahrzeugen im Toten Winkel oder in unmittelbarer Nähe warnen. Das System ist bereits von einem früheren Vauxhall-Konzept bekannt und wird hier konsequent in eine virtuelle Rennumgebung übertragen. Für Menschen, die viel Zeit im Simulator verbringen, ist diese Art von visueller Peripherie-Warnung durchaus interessant: Sie ergänzt Spiegel und On-Screen-Anzeigen um ein intuitives, farblich und räumlich klar zuordenbares Signal direkt im Sichtfeld.
Motorsport-Details und digitale Verfügbarkeit
Über das gesamte Fahrzeug verteilt finden sich verkürzte, dreieckige Designelemente, inspiriert von historischen Rennwagen der Marke. Sie tauchen in den Felgen, im Dachspoiler und im Überrollkäfig auf und binden das futuristische Konzept an bekannte Motorsportcodes an. Blinker sind als schmale, flächenbündige Kantenlichter in Front- und Heckschürzen integriert, was die klare Linienführung unterstützt und die Zahl optischer Störelemente minimiert.
Der Vauxhall Corsa GSE Vision Gran Turismo soll nicht nur auf Messen und Shows stehen, sondern vor allem digital erlebt werden. Als Vision-Gran-Turismo-Fahrzeug wird er in Gran Turismo 7 für PlayStation 4 und PlayStation 5 verfügbar sein. Damit öffnet sich das Konzept einer breiten Community von Rennspiel-Fans, die Spaß daran hat, extreme Fahrzeuge bis ans Limit auszuprobieren – ohne Reifenbudget, ohne Trackday-Kosten und ohne realen Verschleiß. Gerade für jüngere Autointeressierte, die den klassischen Weg über Prospekte und Händlerhallen kaum noch kennen, ist das ein direkterer, emotionaler Zugang zu einer Marke und ihrem Technikverständnis.
Fazit: Kleinwagenbasis, Hypercar-Anspruch – Preis offen
Der Vauxhall Corsa GSE Vision Gran Turismo ist kein weiteres Elektromobil mit Alltagsfokus, sondern eine Fingerübung darin, was im Kleinwagenformat theoretisch möglich wäre: 800 hp, 2,0 Sekunden von 0 auf 100 km/h, 320 km/h Topspeed, Leichtbau bis hinunter auf 1.170 kg und eine Aerodynamik, die vom aktiven Heckspoiler bis zum Bcomp-Flachs-Dach jedes Detail auf Performance trimmt. Für Menschen, die sich für die Schnittstelle von realem Fahrzeugbau und virtuell erlebbarer Performance interessieren, ist dieses Konzept ein spannender Blick in eine mögliche Zukunft elektrisch angetriebener Kompaktsportler.
Ein klassischer Kaufpreis wird für dieses Konzeptfahrzeug nicht genannt. Es handelt sich um eine Studie beziehungsweise ein Vision-Gran-Turismo-Modell, das für den realen Verkauf nicht vorgesehen ist. Preisangaben entfallen daher.
Bilder: Hersteller



