Der neue Peugeot E-208 GTi ist das erste zu 100 Prozent elektrische GTi-Modell der Marke und richtet sich an Fahrerinnen und Fahrer, die ein kompaktes, alltagstaugliches Elektroauto mit echter Hot-Hatch-Schärfe suchen.
Anstatt nur ein Ausstattungspaket auf den bekannten E-208 zu schnallen, hat Peugeot tief in die Technik eingegriffen: Die Karosserie wurde um 30 Millimeter tiefergelegt, die Spur vorne um 56 Millimeter und hinten um 27 Millimeter verbreitert. Dazu kommt ein eigens abgestimmtes Fahrwerk von Peugeot Sport, Michelin Pilot Sport Cup 2 in 215/40 R18 und ein elektrischer Antrieb mit 280 PS (rund 206 kW) und 345 Nm. Die Kombination zielt klar auf Enthusiasten, die auch im Elektrozeitalter präzises Einlenken und Traktion beim Herausbeschleunigen aus Kurven schätzen.
Le-Mans-Debüt: Rückkehr der drei Buchstaben GTi
Seinen ersten öffentlichen Auftritt hatte der E-208 GTi am 13. Juni 2025 in Le Mans. Im Rahmen einer Weltpremiere drehte er eine symbolische Einführungsrunde, begleitet von dreißig Peugeot 205 GTi, die von ihren Besitzern pilotiert wurden. Einen Tag später, am 14. Juni 2025 um 12:30 Uhr, ging es dann auf die komplette 13,626 Kilometer des 24-Stunden-Kurses – an Bord John Elkann, CEO von Stellantis, und Alain Favey, CEO von Peugeot.
Dieser Rahmen ist nicht zufällig gewählt: 40 Jahre nach der Vorstellung des 205 GTi im Jahr 1984 (zunächst als 1,6-Liter, spätere 1,9-Liter-Version ab 1986) inszeniert Peugeot mit dem E-208 GTi den Brückenschlag zwischen Verbrenner-Ikone und elektrischem Hot Hatch. Unter den 205 GTi beim Le-Mans-Paradekorso befand sich sogar das allererste Exemplar aus dem Jahr 1984, verliehen von Aventure Peugeot. Am Steuer: Jean-Philippe Imparato, COO Stellantis Enlarged Europe, und Jean-Marc Finot, Senior Vice President Stellantis Motorsport – jener Ingenieur, der bereits am ursprünglichen 205 GTi mitgearbeitet hat und nun auch die Entwicklung des E-208 GTi durch Peugeot Sport überwachte.
GTi-Historie und Positionierung im Jahr 2025
Seit 1984 hat Peugeot den GTi-Schriftzug auf mehrere kompakte Sportmodelle verteilt: 205 GTi, 206 GTi, 207 GTi, 208 GTi, 306 GTi – stets stand das Kürzel für besonders fahraktive Varianten mit deutlichem Motor- und Chassis-Upgrade. Parallel feierte die Marke im Motorsport, vor allem im Rallyesport, große Erfolge, was der GTi-Legende zusätzlichen Schub gab.
Der E-208 GTi führt diese Linie nun ins Elektrozeitalter. Der Anspruch bleibt, das sportlichste Gesicht der Baureihe zu verkörpern, aber ohne Abstriche bei Alltagstauglichkeit und Komfort. Genau hier setzt Peugeot an: Der Wagen soll nicht als radikal entkernter Clubsportler, sondern als modernes Performance-Alltagsauto wahrgenommen werden – inklusive Assistenzsystemen, Komfortausstattung und digitaler Vernetzung.
Design: Tiefer, breiter, roter – optische Hommage an den 205 GTi
Optisch gibt sich der E-208 GTi deutlich eigenständiger als der Serien-E-208. Die um 30 Millimeter tiefergelegte Karosserie und die verbreiterten Spuren verleihen dem Auto einen gedrungeneren, satter auf der Straße liegenden Auftritt. Die Radläufe wurden entsprechend verbreitert und mit einer markanten roten Zierlinie betont, die den Bezug zum historischen 205 GTi herstellt. Unterhalb der Kotflügel sind die Bleche stärker ausgestellt, um Platz für die breitere Spur zu schaffen.
Ein Frontspoiler am unteren Ende der Schürze optimiert nicht nur die Aerodynamik, sondern schärft auch die Optik. Am Heck sitzt ein eigener Diffusor im Hochglanz-Schwarz mit integrierter, kleiner LED-Nebelschlussleuchte – ein Detail, das vom Motorsport inspiriert wirkt. Die 18-Zoll-Leichtmetallfelgen tragen den Schriftzug „Peugeot GTi“ und sind in einem perforierten Design ausgeführt, das bewusst an die gelochten Räder des 205 GTi anknüpft. Die Öffnungen dienen dabei auch der Kühlung der Bremsanlage. Ergänzt wird das Auftrittspaket durch eine exklusive, leuchtend rote Außenfarbe, die den ikonischen Rotton des 205 GTi zitiert.
Innenraum: Rote Signatur und GTi-Details
Im Interieur bleibt Peugeot konsequent bei der GTi-Signaturfarbe Rot. Teppiche, Fußmatten und Sicherheitsgurte sind in einem kräftigen Rotton gehalten, der klar an den Klassiker erinnert. Die vorderen Sitze sind spezifisch für den E-208 GTi gestaltet: integrierte Kopfstützen, eine rote Zierlinie über Sitzfläche und Rückenlehne und ein rotes Mesh-Muster auf den rechten Sitzwangen verleihen dem Innenraum eine klare Sportoptik.
Das kompakte Lenkrad ist mit perforiertem roten Leder und Alcantara bezogen, in der Mitte prangt ein rotes Peugeot-Emblem. Digitale Instrumente und zentraler Touchscreen arbeiten mit roten Grafikthemen, die Ambientebeleuchtung leuchtet im Standardmodus ebenfalls rot, lässt sich aber in sieben weiteren Farben anpassen. Auffällig ist zudem eine immersive Soundkulisse, die mit Fahrmodus und Fahrzustand mitgeht: Der Fahrer kann ein künstlich erzeugtes Klangbild zuschalten oder deaktivieren. Es soll die fehlende Verbrennersound-Kulisse ersetzen, ohne den Elektrocharakter völlig zu übertünchen.
Elektro-Antrieb: 280 PS, 345 Nm und Sperrdifferenzial
Angetrieben wird der E-208 GTi von einem einzelnen Elektromotor der Baureihe M4+. Er leistet 280 PS (etwa 206 kW) und stellt ein Drehmoment von 345 Nm bereit. Damit beschleunigt der Hot Hatch in 5,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit wird bei 180 km/h elektronisch begrenzt. Entscheidend für sportlich orientierte Fahrer ist jedoch nicht nur der reine Leistungswert, sondern die Art, wie sie auf die Straße gebracht wird.
Hier sticht ein zentrales Technikdetail hervor, das den E-208 GTi von vielen anderen Frontantriebs-Stromern unterscheidet: In das Getriebe des Elektromotors ist ein Sperrdifferenzial integriert. Es optimiert die Traktion an der Vorderachse beim Herausbeschleunigen und reduziert das Durchdrehen des kurveninneren Rads. Zusammen mit dem breiten Reifenformat und der verbreiterten Spur soll der Wagen aus engen Kehren vehement nach vorne schieben, ohne in Traktionsnöte zu geraten. Peugeot spricht von einem klassenbesten Leistungsgewicht von 5,7 kg pro PS, was etwa 175 PS pro Tonne entspricht – rund 33 PS pro Tonne mehr als der 205 GTi 1.9 damals bot.
Fahrwerk und Bremsen: Peugeot Sport greift tief ins Regal
Das Fahrwerk des E-208 GTi wurde von Peugeot Sport entwickelt und unterscheidet sich deutlich vom Serienmodell. Neben der Tieferlegung und den verbreiterten Spuren kommen spezifische Federn und Stoßdämpfer mit hydraulischen Endanschlägen zum Einsatz. Ziel ist ein Spagat aus Alltagskomfort und der für einen GTi erwarteten Direktheit. Die Hinterachse erhält einen verstärkten Stabilisator, um die Balance zwischen Einlenkverhalten und Stabilität auf der Geraden zu wahren.
Die Michelin Pilot Sport Cup 2 in der Dimension 215/40 R18 sind ein klares Bekenntnis zur Performance-Orientierung. Reifen dieses Typs kommen üblicherweise bei Trackday-orientierten Sportwagen zum Einsatz und versprechen hohes Gripniveau, insbesondere im Sportmodus, bei dem die elektronische Stabilitätskontrolle in einen speziellen Modus mit reduzierten Eingriffen schaltet. Für eine alltagstaugliche Bremsperformance spendiert Peugeot dem E-208 GTi vorn 355-Millimeter-Scheiben mit festen Vierkolben-Sätteln. Die rot lackierten Sättel wurden unter Aufsicht der Ingenieure von Peugeot Sport ausgelegt. Hinten kommt die Standardbremse des E-208 zum Einsatz, die aber im Alltag üblicherweise ohnehin durch die Rekuperation entlastet wird.
Akku, Reichweite und Laden: Alltag trotz Hot-Hatch-Anspruch
Die Energie liefert ein Hochvoltspeicher mit einer Bruttokapazität von 54 kWh. Der Akku stammt vom Zulieferer CATL, wird aber mit einem eigenen Thermomanagement und einer spezifischen Kühlung für Dauerbelastung im E-208 GTi genutzt. Trotz der klaren Performance-Ausrichtung gibt Peugeot für den WLTP-Mix eine Reichweite von rund 350 Kilometern an – genug für den täglichen Pendelbetrieb und Wochenendausfahrten über Land.
Beim Laden zeigt sich der GTi pragmatisch: An einem 7,4-kW-Wechselstromanschluss lässt sich die Batterie in etwa 4 Stunden und 40 Minuten von 0 auf 100 Prozent füllen. Eine einstellbare 80-Prozent-Ladebegrenzung unterstützt einen schonenden Alltagsbetrieb. An einer 100-kW-Gleichstrom-Schnellladesäule soll der Bereich von 20 auf 80 Prozent in unter 30 Minuten erledigt sein. Zusätzlich bietet das Fahrzeug eine Vehicle-to-Load-Funktion (V2L), mit der sich externe Verbraucher – etwa ein E-Bike oder Campinglicht – über einen Adapter aus der Traktionsbatterie speisen lassen.
Infotainment, Konnektivität und Fertigung
Im Cockpit arbeitet das System Peugeot i-Connect Advanced mit 3D-Online-Navigation auf TomTom-Basis und natürlicher Sprachsteuerung per „OK Peugeot“. Smartphones lassen sich kabellos via Apple CarPlay und Android Auto einbinden. Ein Trip-Planer berücksichtigt Ladestopps und hilft, die Reichweite auf längeren Strecken optimal zu nutzen. Dazu kommen Details wie eine umklappbare vordere Mittelarmlehne, robuste, dicke Fußmatten und hochwertige Materialien im Innenraum – Alcantara findet sich am Lenkrad und an Teilen der Mittelkonsole, die Sitze und das Armaturenbrett sind mit strapazierfähigen Stoffen und Oberflächen bezogen.
Der Elektromotor wird in Trémery im Osten Frankreichs von Emotors gefertigt, einem Joint Venture von Stellantis und Nidec Leroy-Somer. Auch bei den Reifen setzt Peugeot auf einen französischen Partner: Michelin. Damit unterstreicht der Hersteller, dass der E-208 GTi nicht nur namentlich, sondern auch in seiner Wertschöpfung eng mit der heimischen Ingenieurstradition verbunden ist.
Faszinierendes Detail und Preis-Einordnung
Als besonders faszinierendes Merkmal ragt das ins Getriebe integrierte Sperrdifferenzial heraus. Im Elektrosegment ist diese Lösung noch die Ausnahme. Sie zielt direkt auf jene Fahrer, die Kurvengeschwindigkeiten und Traktion höher gewichten als reine Beschleunigungswerte auf dem Papier. In Verbindung mit der präzisen Abstimmung von Peugeot Sport, den Michelin-Cup-Reifen und der breiteren Spur dürfte der E-208 GTi aus engen Kurven heraus ein sehr mechanisches, direktes Fahrgefühl vermitteln – eine Eigenschaft, die viele an den klassischen GTi-Modellen so schätzen.
Bilder: Hersteller



