Wer Vans nur als praktische Transporter für den Alltag sieht, dürfte bei diesem Fahrzeug irritiert blinzeln: Der auf einem Mercedes-Benz Sprinter 170 High Roof aus dem Baujahr 2024 basierende Ausbau „Güero“ zielt klar auf Menschen, die Offroad-Reisen, Autarkie und Technik auf hohem Niveau suchen. Statt Camping von der Stange gibt es hier ein konsequent durchdachtes Gesamtpaket aus Fahrwerksumbau, Outdoor-Hardware und Wohnkomfort – näher an einem rollenden Expeditionsloft als an einem klassischen Reisemobil.
Fahrwerk, Offroad-Umbau und Reichweite im Blick

Entscheidend für einen solchen Sprinter ist das Fahrwerk. Der Güero setzt auf ein umfangreiches Offroad-Setup mit Agile Offroad RIP-Kit, Bilstein-Federbeinen mit Coilover, Fox-Dämpfern vorne und hinten sowie verstärkten Blattfedern. Hinzu kommen Doppel-Scher-Befestigungen und ein No-Rub-Kit, damit die Offroad-Bereifung ohne Schleifen arbeiten kann. Ein verstärkter Differentialdeckel und ein Heckträger für das Reserverad runden den robusten Ansatz ab. Für schwierige Situationen ist vorn ein Catuned-Offroad-Stahlstoßfänger mit Schäkelaufnahmen und einer Warn-Winde verbaut. Ebenfalls an Bord: ein Onboard-Luftsystem, praktisch zum Anpassen des Reifendrucks im Gelände. Mit einem vergrößerten Dieseltank von etwa 178 Litern wächst zudem die Reichweite deutlich – ein wichtiges Argument für weite Strecken in dünn besiedelten Regionen. Außen prägen ein massiver Dachträger mit Leiter, diverse Zusatzträger und eine Fiamma F45S Markise die Silhouette. Ein B2-Träger und eine Expeditionsbox am Heck, dazu Roam Adventure Boxen und MaxTrax-Bergeboards mit Magnethalterung zeigen, dass der Van für schwieriges Terrain und lange Touren ohne Infrastruktur gedacht ist. Drei Solarmodule mit jeweils 90 Watt liefern zusätzlichen Strom, während eine Starlink-Installation für Satelliteninternet sorgt – ein Hinweis darauf, dass hier auch abseits der Zivilisation gearbeitet oder kommuniziert werden soll.






Licht, Schutz und Wasserreserven für lange Touren

Ein auffälliges Detail ist das komplexe Beleuchtungspaket. Mehrere LP9 PRO- und LP6 PRO-Zusatzscheinwerfer in unterschiedlichen Lichtfarben, zwei SAE-zertifizierte Nebelscheinwerfer, acht Amber-Rocklights sowie Patio-Lights an beiden Seiten machen aus dem Van eine mobile Lichtinsel. Für Nachteinsätze im Gelände, Rangieren im Dunkeln oder das Ausleuchten des Lagerplatzes ist dieses Setup weit mehr als Spielerei. Ergänzt wird das Ganze durch Schutzlösungen wie Terrawagen-Kotflügelpanzerung und Frontspoiler, Laderaum-Beschichtung an unteren Karosseriebereichen und Stufen von Aluminess. Beim Thema Wasser setzt Güero auf große Tanks: Rund 140 Liter Frischwasser und etwa 75 Liter Grauwasser – beide mit Heizmatten gegen Frost geschützt – eignen sich für längere Aufenthalte abseits von Campingplätzen. Ein City-Wasseranschluss erleichtert das Befüllen bei Infrastruktur, während ein Landstromanschluss mit 30 Ampere den Anschluss an das Netz erlaubt.
Wohnbereich mit durchdachtem Grundriss und Dusche im Boden

Im Innenraum präsentiert sich der Sprinter als moderner, wohnlicher Van-Ausbau. Vorn kommen hochwertige Scheel-Mann-Sitze mit Verstellmöglichkeiten und Drehkonsolen zum Einsatz, dazu robuste Fußmatten im Fahrerhaus. Wandverkleidungen sind gepolstert, die Decke ist als Bambus-Lamellendecke ausgeführt, der Boden mit widerstandsfähigem LONSEAL-Belag ausgelegt. Eine Zweiersitzbank mit Stauraum schafft zusätzliche Sitz- und Transportmöglichkeiten. Besonders interessant ist die in den Boden integrierte Edelstahldusche – eine Lösung, die Platz spart und zeigt, dass Alltagstauglichkeit und Offroad-Ansprüche kombiniert wurden. Eine klappbare Arbeitsplattenverlängerung, ein abnehmbarer Schwenktisch, ein ausklappbarer Außentisch mit Barfunktion sowie reichlich Oberschränke ergeben einen flexiblen Wohnraum. Integrierte Lichtzonen erlauben unterschiedliche Stimmungen von Arbeitslicht bis Ambientebeleuchtung.

Klima, Dämmung und Geräuschkomfort
Für das Innenraumklima sind gleich mehrere Systeme zuständig. Ein MaxxAir 7500K Dachlüfter unterstützt den Luftaustausch, ein 12-Volt-Dieselheizgerät mit Höhenkit sorgt auch in kalten Regionen und in größeren Höhen für Wärme. Ergänzt wird dies durch eine 12-Volt-Klimaanlage vom Typ Nomadic X3, die unabhängig vom Motor arbeitet – ein Pluspunkt für heiße Regionen oder Arbeiten im Fahrzeug. Akustischer und thermischer Komfort wird durch eine Kombination aus schallhemmender Sprühbeschichtung, keramischer Wärmedämm-Sprühschicht und Thinsulate-Isolierung erreicht. In Summe entsteht ein Innenraum, der sowohl auf langen Etappen als auch bei Extremtemperaturen deutlich angenehmer wirkt als ein einfacher Kastenwagen. Fenster mit Belüftung, Moskitonetze, isolierte Verdunkelungen und Flare-Erweiterungen mit Fenstern an der Seite erweitern den Nutzraum und schaffen mehr Bewegungsfreiheit im Bettbereich.
Küche und Sanitär: Alltagsnutzen im Expeditions-Konzept

Der Küchenblock ist auf autarkes Reisen ausgelegt. Eine Arbeitsfläche aus Corian, ein Edelstahlspülbecken mit separatem Trinkwasserhahn und ein zweistufiges Filtersystem für das Trinkwasser bilden die Basis. Gekocht wird über ein zweiflammiges Induktionskochfeld, was im Zusammenspiel mit dem großen Batteriesystem ohne Gas auskommt. Ein Schubladen-Kühlschrank mit etwa 160 Litern Volumen dient gleichzeitig als Kühlschrank und Gefrierschrank. Zahlreiche Staufächer, teils aus Bambus, nehmen Vorräte und Kochgeschirr auf. Für das stille Örtchen ist ein Stauraum für eine Trockentoilette (DryFlush) vorgesehen, was gut zu einem Fahrzeug passt, das auf Flexibilität und Geruchskontrolle setzt. Die Außendusche hinten ergänzt die im Boden integrierte Innendusche, besonders praktisch nach einem Offroad-Tag oder Wassersport.
Schlafabteil und Heckgarage mit Nutzwert
Im Heck findet sich ein festes Bett mit einer rund 15 Zentimeter starken Matratze, das über integrierte Schränke und Technikfächer verfügt. Unter dem Bett entsteht eine voll nutzbare Garage, in der ein ausziehbares Schwerlast-Tableau mit einer Tragkraft von etwa 227 Kilogramm montiert ist. Hier lassen sich Bikes, Ausrüstung oder schwere Boxen bequem herausziehen. Unterbettbeleuchtung erleichtert das Handling im Dunkeln. Für warmes Wasser sorgt ein etwa 15 Liter fassender Boiler, gespeist von einer 12-Volt-Pumpe und überwacht durch eine Füllstandsanzeige. Ein kombiniertes Kohlenstoff- und UV-Filtersystem reinigt das Wasser zusätzlich, was die Zielgruppe der Langzeitreisenden und Overlander anspricht.
Stromversorgung als Schlüsselmerkmal des Güero
Das Energiesystem des Mercedes Sprinter 170 Güero ist umfassend. Mit einem Lithium-Gesamtpaket von rund 1320 Amperestunden bei 12 Volt – verteilt auf vier Victron-Batterien – bewegt sich der Van auf einem Niveau, das eher an kleine Tiny Houses erinnert als an klassische Camper. Ein Multiplus-Wechselrichter/Ladegerät mit 3000 Watt ermöglicht den Betrieb zahlreicher 120-Volt-Verbraucher wie Induktionskochfeld, Klimaanlage oder Mikrowelle. Gesteuert wird das Ganze von einem Cerbo-GX-Systemcontroller und einem Touch-Display, über das sich Ladevorgänge, Solareinspeisung und Verbraucher überwachen lassen. Ein MPPT-Solarregler bindet die Dachmodule ein, während ein zweiter Hochleistungs-Lichtmaschinenkreis mit etwa 280 Ampere den Akku während der Fahrt nachlädt. Mehrere 12-Volt- und USB-Steckdosen sowie 120-Volt-Steckdosen im Innenraum ermöglichen den Betrieb und das Laden verschiedenster Geräte. Ein achtfaches Schaltpanel bündelt die Bedienung vieler Verbraucher, vom Licht bis zu Zusatzsystemen. Damit wird der Güero zu einem energieautarken Arbeits- und Lebensraum – ein Aspekt, der ihn vor allem für digitale Nomaden und Langzeitreisende interessant macht.
Infotainment, Vernetzung und Alltagstauglichkeit
Beim Thema Entertainment setzt der Ausbau auf ein JBL-Soundsystem mit vier Lautsprechern, Verstärker und Bluetooth-fähigem Hauptgerät. Ein 4K-Smart-TV nutzt die Internetverbindung via Starlink, was Streaming und Arbeiten im Fahrzeug unabhängig vom Mobilfunknetz erlaubt. Ein Überwachungssystem mit Heckkamera (3-in-1) erleichtert Rangieren und erhöht die Sicherheit. Fahrer und Beifahrer profitieren zusätzlich von einem verbesserten Signalhorn und ergonomischen Sitzen. Durchdachte Ablagen wie ein Dachhimmelregal, eine Stufen-Stauraum-Nische an der Schiebetür und zahlreiche Oberschränke zeigen, dass hier viel Wert auf Alltagstauglichkeit gelegt wurde. Gleichzeitig bleibt das Konzept klar auf einen Liebhaber zugeschnitten, der mit einem technisch aufwendigen Van wirklich hinaus ins Gelände will – nicht nur bis zur Stadtgrenze.
Preis: Der Mercedes Sprinter 170 Güero bewegt sich aufgrund seines umfangreichen Ausbaus, der großen Energie- und Wasserkapazitäten sowie der hochwertigen Offroad-Komponenten klar im oberen Segment der Expeditions-Vans. Konkrete Beträge hängen von Markt, Ausstattungspaketen und möglicher Auktion ab.
Bilder: Hersteller



