Manche Automobile beeindrucken mit Zahlen. Andere mit einer Geschichte. Dieser Ferrari 488 GTB 70th Anniversary schafft beides und wirkt doch vor allem über seine Aura. Denn hinter dieser besonderen Ausführung steckt nicht nur ein Hochleistungssportwagen aus Maranello, sondern auch eine jener seltenen Konstellationen, in denen Design, Erinnerung und Mechanik auf beinahe poetische Weise zusammenfinden. Als Sondermodell zum 70-jährigen Jubiläum der Marke steht dieses Fahrzeug für einen sehr speziellen Blick auf Ferrari: nicht allein laut, schnell und extrovertiert, sondern auch elegant, kultiviert und fast schon feierlich.
Die hier gezeigte Ausführung trägt die Livery-Nummer 26 und den Beinamen „Some Like it Red“. Schon dieser Name entfaltet eine eigene Magie. Die Gestaltung nimmt Bezug auf die charakteristische Farbwelt des 1959er Ferrari 250 GT Coupé Pinin Farina; der Beiname spielt augenzwinkernd auf den Filmklassiker „Some Like It Hot“ an. Aus dieser Erzählung macht der 488 GTB keine bloße Retro-Übung, sondern eine moderne Interpretation italienischer Automobilkultur. Das macht ihn in der Welt heutiger Supersportwagen so faszinierend: Er ist nicht nur Maschine, sondern auch Erinnerungsträger.
Ferrari 488 GTB 70th Anniversary als Hommage

Zum 70. Geburtstag von Ferrari entstand 2017 eine streng limitierte Serie mit 70 unterschiedlichen historischen Lackierungen. Jede dieser Gestaltungen wurde jeweils auf die damaligen fünf Serienmodelle übertragen. Für den 488 GTB bedeutete das eine Auswahl von Charakteren, die weit über gewöhnliche Sonderfarben hinausging. Insgesamt wurden 350 Exemplare des Ferrari 488 GTB 70th Anniversary gebaut, wobei jede Livery pro Baureihe nur einmal umgesetzt wurde – ein Solitär innerhalb des jeweiligen Modells. Gerade das macht dieses Auto so reizvoll: Es ist Teil einer Serie und zugleich unverwechselbar individuell.
Bei Livery 26 steht die Farbwelt im Mittelpunkt. Das Exterieur in Rosso Mugello trifft auf ein Dach und Spiegelkappen in Argento Nürburgring; innen kombinieren sich Vinaccia und Charcoal zu einer edlen, zweifarbigen Atmosphäre. Auch ausgewählte Aluminiumteile im Innenraum sind in Argento Nürburgring gehalten. So entsteht ein Farbspiel, das nicht auf Aggression setzt, sondern auf Stil. In einer Zeit, in der viele Supersportwagen um maximale Aufmerksamkeit buhlen, ist diese Kombination fast schon eine mutige Entscheidung.
Technik, die Leistung mit Kultur verbindet

Natürlich bleibt der 488 GTB in seinem Kern ein Ferrari durch und durch. Gebaut wurde das Modell von 2015 bis 2019, vorgestellt wurde es 2015 auf dem Genfer Automobilsalon. Es war der erste Ferrari mit turboaufgeladenem V8 seit dem legendären F40 und markierte damit einen besonderen technischen Wendepunkt der Marke. Hinter den Sitzen arbeitet ein 3,9-Liter-V8-Biturbo mit rund 670 PS. Die Leistung liegt bei 661 bhp, was umgerechnet etwa 489 kW entspricht, das maximale Drehmoment bei 760 Newtonmetern. Geschaltet wird über ein 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe.
Die Werksangabe für den Sprint auf 100 km/h liegt bei rund 3,0 Sekunden. Doch bei diesem Auto ist das nur die halbe Wahrheit. Spannender ist, wie Ferrari hier moderne Aufladung mit jener Präzision kombiniert, die man von der Marke erwartet. Der Mittelmotor, das zweitürige Coupé-Layout und die kompakte, straffe Form bringen jene klassische Balance mit, die einen Sportwagen nicht nur schnell, sondern auch lebendig wirken lässt. Mobilität wird hier nicht als bloße Fortbewegung verstanden, sondern als verdichtetes Erlebnis.
Das besondere Detail: eine Farbe mit Erinnerung

Die wohl faszinierendste Eigenschaft dieses Fahrzeugs ist nicht der Motor, sondern seine gestalterische Idee. „Some Like it Red“ zeigt, wie stark Farben und Proportionen eine emotionale Wirkung entfalten können. Die historische Vorlage – die elegante Zweiton-Anmutung des 250 GT Coupé Pinin Farina – wird nicht kopiert, sondern neu interpretiert. Der 488 GTB übernimmt keine historischen Karosserieelemente, wohl aber die Atmosphäre. Genau darin liegt sein Reiz. Er trägt ein Erbe nicht als Kopie, sondern als Zitat, als stilvolle Verbeugung vor einer besonderen Geschichte.
Das lässt dieses Auto ungewöhnlich reif erscheinen. Viele Sondermodelle wirken, als wollten sie mit zusätzlichen Akzenten glänzen. Dieser Ferrari setzt auf die Kraft einer Erzählung. Das ist selten und es passt perfekt zu einem Jubiläumsmodell. So wird aus dem 488 GTB ein Fahrzeug für Menschen, die in einem Auto nicht nur Leistung, sondern auch Bedeutung sehen. Gerade im heutigen Blick auf automobile Kultur ist das bemerkenswert: Hier fährt nicht nur Technik, hier fährt auch Erinnerung.
Ausstattung, Zustand und die stille Exklusivität

Zur Ausstattung gehören unter anderem Parksensoren vorne und hinten, Scuderia-Ferrari-Schilde, ein weißer Drehzahlmesser, 20‑Zoll‑Schmiederäder „Diamond“ sowie vollelektrische Sitze; dazu kommen Details der 70th‑Anniversary‑Ausführung wie die Widmungsplakette. Begleitend liegen Fensteraufkleber (Window Sticker), Bordliteratur und das 70th‑Anniversary‑Grey‑Book bei. Das ist eine stimmige Mischung aus Sport, Komfort und Alltagstauglichkeit. Gerade der Kontrast zwischen feiner Innenraumgestaltung und kompromissloser Fahrmaschine macht den Reiz des 488 GTB aus.
Hinzu kommt ein Zustand, der die Exklusivität unterstreicht. Der Wagen wurde neu über Algar Ferrari of Philadelphia in den USA ausgeliefert (US‑Title), 2025 vom Einlieferer erworben und zeigte zum Zeitpunkt der Katalogisierung 4.500 Meilen. Diese vergleichsweise geringe Laufleistung bewahrt viel von der Frische jenes Moments, in dem der 488 GTB die Brücke zwischen dem frei saugenden 458 Italia und dem späteren F8 Tributo schlug.
Ein Sammlerstück für Liebhaber großer Ferrari-Momente
Dieser Ferrari ist für Leserinnen und Leser von autorini.de deshalb weit mehr als nur ein gebrauchter Supersportwagen, der zum Verkauf steht. Er ist ein Stück Markengeschichte, eine stilistische Ausnahmeerscheinung und ein technisches Statement aus einer wichtigen Ferrari-Epoche. Wer von besonderen Autos träumt, wird bei diesem 488 GTB unweigerlich länger verweilen. Nicht wegen greller Effekte, sondern wegen seiner seltenen Mischung aus Kraft, Stil und Hintergrund. Genau solche Fahrzeuge zeigen, warum die Faszination für Automobile auch heute nichts von ihrer Tiefe verloren hat.
Der Zuschlag lag bei 368.000 US‑Dollar (RM Sotheby’s Cavallino Palm Beach, Lot 109).
Bilder: Anbieter des Fahrzeuges
FAQ
1) Was macht den Ferrari 488 GTB „70th Anniversary“ in Livery 26 („Some Like it Red“) so besonders – und warum ist er mehr als nur eine Sonderlackierung?
Weil dieses Jubiläumsauto nicht allein mit Exklusivität, sondern mit Bedeutung arbeitet. Die Livery 26 verweist auf eine konkrete Ferrari-Erzählung, nämlich auf die Farbkombination des 1959er 250 GT Coupé Pinin Farina. Der 488 GTB übernimmt diese Geschichte nicht als Kopie, sondern als moderne Interpretation: Rosso Mugello außen mit Dach und Spiegelkappen in Argento Nürburgring, innen eine zweifarbige Kombination aus Vinaccia und Charcoal samt Aluminiumdetails in Argento Nürburgring. So wird aus dem Wagen ein Erinnerungsträger – ein Sammlerstück, das kulturelle Identität vermittelt, nicht nur Leistung.
2) Welche Rolle spielt die Technik des 488 GTB in dieser Story – und was bedeutet der Biturbo-V8 für Ferraris Charakter in dieser Ära?
Der 488 GTB ist inhaltlich eine Brücke zwischen Tradition und Moderne. Als Modell (Bauzeit 2015–2019) markiert er den Schritt zu einem turboaufgeladenen V8, ohne die typische Ferrari-Präzision aufzugeben. Der 3,9‑Liter‑V8‑Biturbo mit rund 670 PS, 760 Nm und 7‑Gang‑Doppelkupplung steht für extreme Performance, doch entscheidend ist das Zusammenspiel: Mittelmotor-Layout, straffe Form und das direkte Fahrgefühl machen den Wagen lebendig statt nur schnell. Im Kontext der Jubiläumslackierung wirkt die Technik wie ein Fundament, das die emotionale Gestaltung glaubwürdig trägt.
3) Warum sind Zustand, Herkunft und Laufleistung bei diesem Exemplar so wichtig – und worauf achten Sammler bei einem Fahrzeug wie diesem besonders?
Bei limitierten Ferrari-Sondereditionen zählt nicht nur das „Was“, sondern das „Wie“: Wie wurde das Auto gehalten, dokumentiert und bewahrt? Dieses Exemplar wurde in den USA ausgeliefert (Algar Ferrari of Philadelphia), 2025 vom Einlieferer übernommen und zeigte 4.500 Meilen – Indizien für eine sorgsame Nutzung. Für Sammler ist das relevant, weil es Authentizität und Originalität unterstreicht: bestätigte Spezifikation mit Parksensoren, Schilden, weißem Drehzahlmesser, 20‑Zoll‑Schmiederädern, vollelektrischen Sitzen sowie Widmungsplakette – dazu Window Sticker, Bordliteratur und Grey Book. Gerade weil jede Livery pro Baureihe nur einmal umgesetzt wurde, wird diese Kombination aus Geschichte, Zustand und Seltenheit zum Kern des Werts.



