Wilkinson TAC Motorrad, Baujahr 1909, mit grünem Rahmen, Vierzylindermotor und ungewöhnlich langem, gepolstertem Sitz
Seitenansicht einer seltenen Wilkinson TAC mit Vierzylindermotor aus der Edwardianischen Ära (Fotos: Anbieter, siehe unten)

Wilkinson TAC: Edwardianische Eleganz auf zwei Rädern

Die Wilkinson TAC mit ihrem 679-ccm-Vierzylindermotor wirkt heute wie ein verblüffendes Stück Zukunft, das aus der Ära vor dem Ersten Weltkrieg herüberstrahlt. Dieses ungewöhnliche Gefährt kombiniert Motorradbaukunst mit automobiler Großzügigkeit: ein langgezogenes, gepolstertes Sitzbänkchen, fußbretterähnliche Bedienungselemente und sogar die Möglichkeit, statt einer Lenkstange ein Lenkrad zu wählen. Die Maschine entstand in einer Zeit, als Wilkinsons Werkstatt in London vom traditionellen Rasier- und Schwerterzeuger zur Herstellungsstätte für luxuriöse Tourenmaschinen wurde. Die TAC debütierte 1909 und präsentierte sich damals als Repräsentant technischer Verfeinerung: ein luftgekühlter Reihen-Vierzylinder, eine dreistufige Getriebelösung und die damals ungewöhnliche Kardanwelle als Endantrieb, verbunden in einem schlanken, rohrrahmigen Fahrgestell.

Ein ungewöhnlicher Motor für ein Motorrad

Historisches Wilkinson TAC Motorrad mit Reihen-Vierzylindermotor, langem Sitz und grünem Kotflügel, seitliche Ansicht
Seltenes historisches Wilkinson TAC Vierzylinder-Motorrad mit typischem Rohrrahmen und luxuriöser Sitzbank (Fotos: Anbieter, siehe unten)
Der 679-ccm-Motor ist das Herzstück der Faszination: vier Zylinder in Reihe auf einem Motorrad sind selbst heute noch ein Statement. In der Edwardianischen Zeit bedeutete ein solcher Reihenmotor Laufruhe, kultiviertes Drehmoment und eine gehobene Reisefähigkeit, die über das hinausging, was normale Ein- oder Zweizylinder boten. Zusammen mit der luftgekühlten Bauweise machte dies die TAC zu einer Tourenmaschine, die lange Strecken bewältigte. Der Einsatz einer dreistufigen Schaltung und der Kardantrieb boten mehr Komfort und weniger Wartungsaufwand – Aspekte, die Mobilität als stilvolle Reiseerfahrung verstanden.

Innovationen, die den Unterschied machten

Historisches Wilkinson TAC Motorrad mit typischer langer Sitzbank, grünem Kotflügel und sichtbarem Vierzylindermotor
Seltene Wilkinson TAC mit charakteristischem Vierzylindermotor und automobiler Sitzbank, Baujahr 1909-1914 (Fotos: Anbieter, siehe unten)
Aus heutiger Perspektive stechen besonders die car‑artigen Details ins Auge: eine große, weich gepolsterte Sitzschale, Bedienelemente in Fußbretterform und der hinter dem Fahrer platzierte Kraftstofftank. Diese Kombination verwischt die Grenzen zwischen Motorrad und Automobil und zeigt, wie Hersteller damals experimentierten, um den Komfort zu erhöhen. Besonders eindrucksvoll ist die Option eines Lenkrads – eine Lösung, die die Wilkinsons als Alternative zur üblichen Lenkstange anbot und damit das Bild eines Tourenfahrzeugs auf zwei Rädern verstärkte. Solche Merkmale veranschaulichen, wie Mobilitätsideen zwischen den Gattungen verschoben wurden.

Fahrwerk und Fahrkultur

Rahmen und Federung prägen das Fahrverhalten: Ein rohrförmiger Rahmen bildet die Basis, während hinten Viertell‑Elliptik‑Blattfedern und vorn eine führende Gabel (zunächst Chater‑Lea, später Wilkinson‑Design) arbeiten. Diese hinteren Blattfedern waren für die Zeit eine sinnvolle Lösung, die genug Nachgiebigkeit für lange Reisen bot. Die 26-Zoll-Räder sorgen für Laufruhe und zusammen mit dem längs ausgelegten Sitz ein entspanntes Reisegefühl. Solche technischen Entscheidungen waren Ausdruck eines Ansatzes, Mobilität als Erlebnis zu sehen.

Wilkinsons kurze, aber prägende Geschichte

Wilkinson Sword, ursprünglich bekannt als Hersteller von Schwertern und Rasiermessern, wandte sich ab 1903 und erneut ab 1908 dem Motorradbau zu. Die TAC erschien 1909 als Tourenfahrzeug für Kundinnen und Kunden mit Anspruch. 1912 folgte eine Weiterentwicklung hin zur TMC mit größerem, wassergekühltem 848-ccm-Motor. 1914 endete die Epoche, als die Motorradabteilung an die Ogston Motor Co verkauft wurde; die Serienproduktion der Vierzylinder wurde damit eingestellt. Insgesamt entstanden nur rund 250 Exemplare dieser Motorräder, was ihre Seltenheit und den Sammlerwert erklärt.

Seltenheit und kultureller Wert

Dass heute nur sehr wenige Exemplare erhalten sind, macht die Wilkinson TAC zu einem Mythos der Mobilitätsgeschichte. Von den ursprünglich gefertigten Vierzylindern ist nur eine Handvoll erhalten; insbesondere TAC‑Maschinen sind äußerst selten überliefert. Diese begrenzte Überlieferung macht jedes erhaltene Exemplar zu einem Dokument der Ingenieurskunst und der ästhetischen Vorstellungswelt jener Jahre. Für Liebhaber historischer Mobilität steht hier ein lebendiger Beleg für die frühen Versuche, Komfort, Leistung und Stil auf zwei Rädern zu vereinen.

Technik trifft Leidenschaft

Die Kombination aus Reihen‑Vierzylinder, dreistufigem Getriebe und Kardanwelle signalisiert einen Anspruch an Laufruhe, Robustheit und Alltagstauglichkeit auf Langstrecken. Diese Aggregateauslegung verlangt nach präziser Fertigung und sorgfältiger Wartung, bietet aber im Gegenzug eine Fahrkultur, in der der Motor zum Herzstück eines Reiseerlebnisses wird. Wer solche Maschinen betrachtet, versteht die frühen Schritte zu einer Mobilität, die funktional, sinnlich und repräsentativ war.

Eine Maschine, die zum Träumen einlädt

Allein die Vorstellung, auf dieser Tourenmaschine Platz zu nehmen, regt die Fantasie an: die Polsterung, die im Rücken Halt gibt, die Fußbretter, die nahezu automobiler Bedienung gleichen, und jener sachte, gleichmäßige Klang eines Reihen‑Vierzylinders, der Kilometer für Kilometer eine ruhige Reise begleitet. In Zeiten moderner Mobilität erinnert die Wilkinson TAC daran, dass Technik und Stil schon immer zusammengehören. Als Beispiel für geringen Gebrauchswert mag ein Fahrzeug mit geringer Laufleistung besonders reizvoll sein; in einer Sammlung würde die TAC nicht nur wegen ihres Alters, sondern wegen ihres Konzepts glänzen. Zum Schluss ein Blick auf die wirtschaftliche Einschätzung: Das geschätzte Preisband liegt bei etwa £20.000–£40.000.

Bilder: Anbieter des Fahrzeuges