Was zunächst nach einer weiteren Superb-Variante klingt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als eines der ungewöhnlichsten Projekte, die derzeit aus der Automobilwelt kommen. 28 Auszubildende der Škoda Akademie in Mladá Boleslav haben aus einem Superb Combi ein Einzelstück gebaut, das Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Marke in einem Fahrzeug bündelt – und zugleich als hochfunktionelles Begleitfahrzeug für Profi-Radrennen dient.
Studenten bauen Superb zum Rennrad-Begleiter um

Der Škoda L&K 130 ist bereits das zehnte sogenannte Škoda Student Car und dennoch ein Novum: Er ist das erste Projekt auf Basis des Superb und zugleich das erste mit Plug-in-Hybridantrieb. Mehr als 2.000 Arbeitsstunden haben die angehenden Technikerinnen und Techniker in Planung, Entwicklung und Bau gesteckt – und damit eindrucksvoll demonstriert, wie praxisnah moderne Berufsausbildung im Automobilbereich heute aussehen kann.
Ausgangspunkt war ein Superb Combi, der von einer Familien-Langstreckenlimousine zum Support-Fahrzeug für den Profiradsport umgebaut wurde. Die Karosserie wurde dafür so umgestaltet, dass aus dem Kombi ein Pick-up-ähnliches Konzept mit ausziehbarer Ladefläche entstand. Ziel: möglichst viele Rennräder sicher und schnell transportieren zu können – ohne Kompromisse bei Sicherheit oder Aerodynamik.
Die Umbauten sind tiefgreifend. Das Dach wurde hinter der C-Säule abgetrennt, die verbleibende Fahrgastzelle strukturell verstärkt. B- und C-Säulen wurden modifiziert, die Dachreling gekürzt und eine neue Rückwand mit Fenster direkt hinter der zweiten Sitzreihe eingezogen. Wo früher der Kofferraum lag, befindet sich nun eine neu konstruierte, tief angesetzte Ladefläche. Damit ist die Basis für das zentrale Highlight geschaffen.
Die ausziehbare Fahrradbühne – ein technisches Highlight

Herzstück des Škoda L&K 130 ist die ausziehbare Heckplattform. Auf Knopfdruck verlängert sich das Fahrzeug: Ladefläche und neue Heckklappe fahren über ein Zahnstangen-Mechaniksystem nach hinten aus. Auf dieser Plattform sitzen zwei serienmäßige Škoda-Fahrradträger, vorbereitet für Rennräder. Zum Beladen wird die Bühne ausgefahren, die Bikes werden auf angenehmer Arbeitshöhe fixiert – ein Vorteil im hektischen Umfeld eines Profi-Rennens.
Ist alles verstaut, fährt die Plattform wieder ein. Dann stellen sich die Träger mitsamt Rädern um etwa 35 Grad schräg nach oben. So bleibt die Gesamtlänge des Fahrzeugs identisch mit der des ursprünglichen Superb Combi. Das macht das Fahrzeug handlich in engen Ortschaften oder Kehren, bei maximaler Transportkapazität.
Hinzu kommt ein Dachträger für ein drittes Rad. Damit wird der L&K 130 zur rollenden Notfall-Garage: drei komplette Rennmaschinen an Bord, dazu Werkzeug, Verpflegung und Funktechnik – in einem Fahrzeug, das optisch mehr als ein reiner Werkstatthilfswagen ist.
Sichere Schiebetür und Cleverness bis ins Detail

Besondere Aufmerksamkeit verdient die rechte Fondtür. Sie wurde von den Auszubildenden neu gestaltet: Anstelle der konventionellen Schwenkbewegung bekam sie einen Hebelmechanismus, der die Tür entlang einer Führungsschiene parallel zur Fahrzeugseite gleiten lässt. Im offenen Zustand ragt die Tür nicht in den Straßenraum hinein – ein Sicherheitsplus im Peloton, wenn Fahrer das Begleitfahrzeug passieren.
Der Laderaum ist bewusst niedrig gehalten, was das Hantieren mit den Rädern erleichtert und Zeit spart, wenn ein Bike gewechselt werden muss. Die Konstruktion zeigt, wie nah die Auszubildenden am realen Einsatzszenario gearbeitet haben.
Antriebseitig bleibt der Škoda L&K 130 dem Spenderfahrzeug treu. Der Plug-in-Hybrid nutzt einen 1,5-Liter-TSI-Benziner mit 110 kW (150 PS), der zusammen mit einem Elektromotor eine Systemleistung von 150 kW (204 PS) bereitstellt. Die Hochvoltbatterie hat eine Bruttokapazität von 25,7 kWh. Im reinen Elektrobetrieb kann das Fahrzeug lokal emissionsfrei fahren – nützlich in ruhigen oder engen Bereichen.
Design als Hommage: Laurin & Klement und 130 Jahre Geschichte

Der Name Škoda L&K 130 ist Programm. „L&K“ erinnert an die Gründer Václav Laurin und Václav Klement, „130“ steht für 130 Jahre Unternehmensgeschichte. Optisch zieht sich diese Reminiszenz durch das Fahrzeug. Außen dominieren Schwarz, Gold und Rot – jene Farbkombination, die bereits die frühen Laurin-&-Klement-Fahrzeuge prägte. Das historische L&K-Logo findet sich auf der Motorhaube, auf Radkappen und im Lenkrad.
Ein Detail ist der beleuchtete Kühlergrill, dessen Maske mittels LED-Technik jede Farbe im RGB-Spektrum darstellen kann. Das endgültige Erscheinungsbild entstand aus Dutzenden Skizzen, die die Auszubildenden zu ihrer Vision formten.
Im Innenraum setzt sich die Hommage fort. Sitze, Türverkleidungen und Armaturentafel sind in den Laurin-&-Klement-Farben Rot, Weiß, Gold und Schwarz gestaltet. Viele Materialien sind recyclingfähig, was dem Projekt eine nachhaltige Note verleiht. Auf den Sportsitzen prangt ein gesticktes „130 Jahre“-Emblem.
Innenraum als mobile Einsatzzentrale für Radsport

Der Škoda L&K 130 ist nicht nur Transporter, sondern rollende Kommandozentrale. Auf der Beifahrerseite sitzt ein zusätzlicher Bildschirm für Renndaten. Dank Internetverbindung sind Streckeninformationen und Zeiten stets aktuell. Eine Funkanlage sorgt für die Kommunikation mit dem Team.
Im Fond wurde der linke hintere Sitz durch eine Kühlbox ersetzt, die Wasserflaschen kühl hält. Der rechte hintere Sitz dient dem Servicetechniker; an der Rückenlehne des Beifahrers ist ein Display montiert. Praktische Details wie ein Netz unter dem Dachhimmel für Kleinteile und 3D-gedruckte Komponenten runden den Innenraum ab.
Škoda L&K 130: Brücke zwischen Werkstatt, Rennstrecke und Geschichte
Der Škoda L&K 130 verbindet Traditionsbewusstsein mit Zukunftsorientierung. Die Marke, die 1895 mit Fahrrädern begann, ist eng mit dem Radsport verbunden. Als Partner der Tour de France soll dieses Einzelstück 2025 seinen Auftritt haben.
Das Student-Car-Programm läuft seit 2013/14 und bringt regelmäßig Einzelstücke hervor. Der L&K 130 knüpft daran an mit Fokus auf Hybridtechnik, Radsport und Heritage.
Im Ergebnis ist der Škoda L&K 130 ein Statement, wie vielseitig ein Superb sein kann. Ein Pick-up, der Rennräder transportiert, ein Jubiläumsträger und ein Labor für Ideen wie die sichere Schiebetür oder die ausziehbare Fahrradbühne. Ein Preis ist nicht vorgesehen – sein Wert liegt in der Inspiration für zukünftige Konzepte.
Bilder: Hersteller



