Originaler Skoda Felicia Fun und moderne Designstudie nebeneinander am Strand, beide Autos auffällig gelb lackiert, vor einer Kulisse mit Palmen und Hochhäusern.
Links der originale Skoda Felicia Fun der 1990er-Jahre, rechts die futuristische Designstudie im „Modern Solid“-Stil, beide in auffälligem Gelb vor tropischer Strandkulisse. (Foto: Hersteller)

Skoda Felicia Fun: Kult-Pick-up als modernes Design-Statement

Manche Autos verschwinden leise in den Archiven, andere werden zu Legenden. Der Skoda Felicia Fun gehört zur zweiten Kategorie. Zwischen 1997 und 2000 gebaut, war der grellgelbe Pick-up nie ein Volumenmodell, sondern ein Insider-Tipp. Nun kehrt er zurück – nicht als Serienwagen, sondern als neu interpretierte Designstudie im „Modern Solid“-Stil von Skoda. Das Ergebnis zeigt, wie Emotion und Erinnerung das Thema Mobilität prägen können, in einer Zeit, in der Datenblätter und Reichweiten oft im Vordergrund stehen.

Ein Kultauto als Spielwiese für moderne Formensprache

Gelbe Skoda Felicia Fun Designstudie mit modernen LED-Elementen vor violettem Hintergrund.
Die moderne Neuinterpretation des Skoda Felicia Fun präsentiert im auffälligen Gelb mit pinken und schwarzen Akzenten, inspiriert vom legendären Ursprungsmodell der 90er Jahre. (Foto: Hersteller)

Der neu gedachte Felicia Fun entsteht im Rahmen der Reihe „Icons Get a Makeover“, in der Skoda legendäre Modelle der eigenen Geschichte gestalterisch neu auflädt. Diese Studien sind keine Vorboten kommender Serienfahrzeuge, sondern freie Designübungen: Hommagen an Meilensteine der Markenhistorie. Beim Felicia Fun fiel die Wahl auf das verspielte Modell der späten 90er Jahre – ein Auto, das nie so recht wusste, ob es Arbeitsgerät, Lifestyle-Pick-up oder fahrende Strandbar sein wollte und gerade deshalb fasziniert.

Gestaltet wurde die moderne Interpretation von Julien Petitseigneur, einem französischen Interieurdesigner bei Skoda Auto. Für ihn war der originale Felicia Fun „pure fun“ und alles andere als ernsthaft. Genau dieses Augenzwinkern sollte in die Gegenwart transportiert werden – mit den klaren, robusten Formen der aktuellen Designphilosophie. „Modern Solid“ bedeutet bei Skoda: kraftvolle Proportionen, klare Flächen, reduzierte Linien, technisch anmutende Details. Dem 90er-Jahre-Pick-up dieses Vokabular überzustreifen, ist eine Herausforderung – und zugleich eine Einladung, Grenzen auszuloten.

Rückblick: Der originale Skoda Felicia Fun als Rarität

Original Skoda Felicia Fun in Gelb mit einem Mann stehend daneben im Ausstellungsraum.
Der seltene Skoda Felicia Fun, präsentiert im Museum. (Foto: Hersteller)

Um zu verstehen, warum diese Studie emotional aufgeladen ist, lohnt ein Blick zurück. Der Felicia Fun entstand auf Basis des klassischen Felicia-Pick-ups, der Teil einer ganzen Felicia-Familie war. Die Modellreihe startete 1994 als Schräghecklimousine und löste den Favorit ab. Bis 2001 liefen über 1,4 Millionen Felicia vom Band – als Hatchback, Kombi, Pickup und Van. Der Kombi debütierte 1995, der Pick-up und der VanPlus folgten im selben Jahr.

Auf dieser Basis entstand die Freizeitversion Felicia Fun. Weltpremiere: März 1995, Produktionszeitraum: 1997 bis 2000. Mit nur 4.216 gebauten Exemplaren zählt der Fun zu den seltensten modernen Skoda-Modellen – und ist damit ein begehrtes Sammlerstück. Sein Konzept war einfach: Hinter den Vordersitzen saß eine verschiebbare Rückwand. Fuhr man sie nach hinten, öffnete sich Platz für zwei zusätzliche Sitze im Freien, die mit einem Stoffdach überdeckt werden konnten. Ein rollendes Cabrio-Sofa auf der Pritsche, begleitet von einem Heckspoiler.

Grelles Gelb, bunte Details – und ein Stück Autokultur

Der originale Felicia Fun trat laut auf. Die Karosserie war grundsätzlich gelb lackiert, dazu konnten Anbauteile – Stoßfänger, Kotflügelverbreiterungen, Seitenschweller, Spoiler und weitere Details – in Gelb, Grün oder Orange bestellt werden. Diese Farbkombinationen, kombiniert mit der offenen Bestuhlung, verliehen dem Wagen eine Aura zwischen Strandausflug und Freizeitpark. Es war die Zeit, in der Autos unironisch bunt sein durften.

Hinzu kam, dass die Felicia-Baureihe für Skoda technologisch ein Sprung war: ABS, Airbags, Servolenkung, Klimaanlage – all das zog mit diesem Modell in die Marke ein. Parallel mischten Felicia Kit Car-Varianten im Rallyesport mit. Der Fun stand als schriller Cousin am Rand dieser Erfolgsgeschichte – und genau das macht ihn interessant für eine Neuinterpretation.

Der neue Felicia Fun: Modern Solid trifft 90er-Jahre-Strandgefühl

Rückansicht der Skoda Felicia Fun Designstudie in Gelb mit pinken Akzenten vor violettem Hintergrund.
Die neue Skoda Felicia Fun Designstudie verbindet grelles Gelb und pinke Akzente mit moderner Formsprache. (Foto: Hersteller)

Die aktuelle Designstudie nimmt dieses Erbe auf, ohne in Retro-Folklore zu verfallen. Die Front ist von Skodas Elektro-Studien geprägt, insbesondere vom Vision 7S. Statt klassischem Kühlergrill dominiert ein Tech-Deck Face, eingerahmt von schmalen, T-förmigen LED-Scheinwerfern. Diese Lichtsignatur verleiht dem Fahrzeug einen klaren Ausdruck – ein Kontrast zur unbekümmerten Aura des Originals.

Am Heck nimmt die Studie das T-Motiv auf: Rückleuchten ziehen sich über die gesamte Breite und sind über eine LED-Lichtleiste verbunden, die an 90er-Elemente erinnert. Dieses Zusammenspiel aus moderner Lichttechnik und Retro-Anspielungen schafft Spannung.

Pink, Gelb und Schwarz: Farbspiel mit klarer Botschaft

Farblich bleibt der Felicia Fun seiner Tradition treu: Die Karosserie ist in einem auffälligen Gelb gehalten. Neu sind pinkfarbene Akzente – im Logo, in der Scheibentönung, in den Felgendetails und in den Stoßfängerelementen. Zusammen erzeugen sie eine Atmosphäre, die an Strandpromenaden und Neonlichter denken lässt. Es ist ein Bruch mit der üblichen Grau-in-Grau-Mobilität.

Die Karosserie wirkt breiter und satter. Große Räder mit aerodynamischen Abdeckungen stehen weit in den Ecken, die Statur erscheint robust. Stoßfänger, Radläufe, Seitenschweller, der Heckspoiler und die vorderen Säulen sind in Kontrastschwarz gehalten – ein technischer Rahmen für die gelbe Grundform. Die Designer wollten dem Wagen stärkere Proportionen und härtere Details geben, passend zur neuen Gestaltungssprache von Skoda.

Innenraum wie eine lebendig gewordene Spielekonsole

Entwurf des Innenraums der Skoda Felicia Fun Designstudie mit modernem Display und gelben Sitzen
Skizze des neu interpretierten Innenraums des Skoda Felicia Fun mit auffälligen gelben und pinken Akzenten (Foto: Hersteller)

Besonders faszinierend ist der Innenraum. Statt eines klassischen Displays setzt der Entwurf auf ein durchgehendes Armaturendisplay über die gesamte Breite – gestaltet als Reminiszenz an einen alten Röhrenmonitor. Auf ihm laufen retro-inspirierte Grafiken, die den spielerischen Charakter unterstreichen.

Damit wird der Wagen zu einer Brücke zwischen analogen 90er-Jahren und digitaler Gegenwart. Der Innenraum zeigt, wie Displaydesign erzählerisch sein kann, wenn es nicht nur Informationsfläche ist. Mobilität wird hier als Erlebnis inszeniert – anders als in vielen nüchternen Elektrofahrzeugen.

AI als Skizzenblock: Wie der neue Felicia Fun entstand

Der Entstehungsprozess ist spannend. Designer Julien Petitseigneur nutzte KI-Tools, um mit Designprompts zu experimentieren. So entstanden grobe Konzeptskizzen, die die Stimmung einfingen. Diese wurden anschließend von Hand überarbeitet, um Proportionen, Linien und Details zu verfeinern.

Das Projekt entstand in rund zwei Wochen, mit abendlicher Arbeit nach dem regulären Job. Das zeigt, wie Leidenschaft kreative Prozesse antreiben kann – und wie KI als Katalysator dient, ohne das menschliche Gespür zu ersetzen.

Designer zwischen Historie und Zukunft: Julien Petitseigneur

Julien Petitseigneur zeichnet bei Skoda für Innenräume verantwortlich und skizziert seit seiner Kindheit Autos. Sein Studium führte ihn zu Skoda, wo er an der „kristallinen“ Formensprache mitwirkte. Aktuell arbeitet er am Vision O-Konzept. Der Felicia Fun ist ein persönlicher Exkurs, in dem Leidenschaft für Autokultur, neue Technologien und Markenvergangenheit zusammenkommen.

Warum der neue Felicia Fun mehr ist als eine bunte Skizze

Auch wenn die Studie keinen Ausblick auf ein Serienmodell darstellt, sagt sie viel über den Umgang mit Mobilität aus. Sie erinnert daran, dass Autos emotionale Objekte sind, die Erinnerungen und Lebensstile transportieren. Der Felicia Fun verbindet die Verspieltheit eines 90er-Jahre-Pick-ups mit der Klarheit einer modernen Designphilosophie.

Besonders ist die Verknüpfung von Vergangenheit und Zukunft: Tech-Deck-Front mit LEDs, verbunden mit einem 90er-Lichtband; gelbe Karosserie mit pinken Akzenten; ein Innenraumdisplay, das nach morgen und gestern aussieht. In einer Welt ähnlicher Fahrzeuge steht er für Mut zur Farbe, zum Augenzwinkern und zur Geschichte.

Bilder: Hersteller