Manche Autos verschwinden nie wirklich. Sie bleiben im kollektiven Gedächtnis, tauchen in Garagen, auf Treffen und in Erinnerungen wieder auf – und manchmal in Form einer aufregenden Studie. Genau das geschieht mit dem Škoda 1000 MBX, einem der seltensten Serienmodelle der Marke, der nun als futuristische, aber alltagstaugliche Neuinterpretation gedacht wird. Die Idee knüpft an eine Legende an, die zwischen 1966 und Anfang 1969 nur 2.517 Mal gebaut wurde – und verbindet sie mit einem Blick in die Mobilität von morgen.
Vom rarem Heckmotor-Coupé zur Design-Ikone

Der historische Škoda 1000 MBX basierte auf der viertürigen Limousine 1000 MB, ging jedoch als zweittüriges „Tudor“-Hardtop-Coupé mit rahmenlosen Scheiben und ohne B-Säule eigene Wege. Technisch war er seiner Zeit voraus: Er übernahm die von der 1000-MB-Limousine eingeführte selbsttragende Monocoque-Karosserie sowie den innovativen druckgegossenen Aluminium-Motorblock. Das kleine Aggregat mit 988 cm³ leistete 42 PS, ab 1968 ergänzte der 1100 MBX mit 1.107 cm³ Hubraum und 52 PS die Modellpalette. Mit Heckmotor und Hinterradantrieb, einem Leergewicht von rund 815 Kilogramm sowie einer Zuladung von etwa 375 Kilogramm erreichte der Wagen bis zu 127 km/h und verbrauchte im Schnitt um die 7,8 bis 8,0 Liter auf 100 Kilometer.
Gemessen an heutigen Leistungswerten mögen diese Zahlen bescheiden wirken, doch gerade diese Kombination aus Leichtbau, kompakter Technik und markantem Auftritt machte den 1000 MBX zur Rarität mit Charakter. Kein Wunder, dass die Coupé-Variante heute zu den begehrtesten Klassikern der Marke zählt. Seine geringe Stückzahl – etwa 1.403 Fahrzeuge mit 1,0-Liter-Motor und 1.114 Exemplare mit 1,1-Liter-Motor – hat den Kultstatus zusätzlich befeuert.
Die aktuelle Designstudie knüpft genau an dieser Mischung aus technischer Raffinesse und emotionaler Formensprache an. Der futuristische Škoda 1000 MBX wird als 2+2-Coupé gedacht, das sich im Handumdrehen in einen Zweisitzer verwandeln lässt: Die hinteren Sitze werden nach oben geklappt und schaffen so einen deutlich vergrößerten Laderaum. Plötzlich passen nicht nur Koffer, sondern auch ein Fahrrad ins Heck – eine Hommage an moderne Lebensstile, in denen das Auto nicht nur Fortbewegungsmittel, sondern auch Sportgerät- und Freizeit-Partner sein soll.

Besonders spannend ist die Verbindung von Alltagstauglichkeit und emotionalem Design. Die Studie will ausdrücklich kein reines Wochenend-Spielzeug sein, sondern ein praktikabler Begleiter im täglichen Verkehr. Dazu gehört auch eine adaptive Luftfederung: Die Karosserie lässt sich für eine sportlichere Optik absenken oder für schlechte Wege und bequemeres Beladen anheben. Der futuristische Škoda 1000 MBX will zeigen, dass ein Auto mit klarer Charakterlinie nicht im Widerspruch zu Praktikabilität stehen muss.
Innenraum: Glasdisplay statt Chrom, Grafik statt Konsole

Im Interieur findet sich ein faszinierendes Spiel mit Vergangenheit und Zukunft. Die historische Armaturentafel des MBX diente als Inspirationsquelle, doch der Innenraum der Studie bricht bewusst mit klassischen Konventionen. Auffällig ist das Fehlen einer Mittelkonsole – eine direkte Reminiszenz an das Original – und der Fokus auf Leichtigkeit und Offenheit des Raums. Anstelle eines traditionellen Instrumententrägers übernimmt ein gläsernes, ovales Display die Rolle des Cockpits. Die Instrumente werden in die Glasscheibe projiziert, was dem Innenraum eine fast schwebende, digitale Eleganz verleiht.

Das ovale Motiv zieht sich wie ein roter Faden durch das Fahrzeug: Es taucht nicht nur im Display, sondern auch im Lenkrad und in den markanten Kopfstützen wieder auf. Wo früher Chromleisten dominierten, arbeiten die Designer nun mit präzisen grafischen Linien und fein abgestimmter Ambientebeleuchtung. So entsteht ein Innenraum, der die minimalistische Klarheit zeitgenössischen Designs mit einem subtilen Retro-Flair verbindet. Diese Mischung macht den futuristischen Škoda 1000 MBX zu einem automobilen Statement: Ein Klassiker, der seine Wurzeln nicht verleugnet, aber konsequent Richtung Zukunft denkt.
Brutalistische Architektur als Inspirationsquelle

Auch außen setzt die Studie auf starke visuelle Aussagen. Die Designer ließen sich von brutalistischer Architektur inspirieren – jener Gestaltungssprache, die mit klaren Kanten, massiven Flächen und kompromissloser Funktionalität spielt. Entstanden ist eine Karosserie mit selbstbewussten, klaren Formen, die Kraft und Solidität ausstrahlen, ohne in plumpen Formalismus abzugleiten. Zugleich verstecken sich überall subtile Zitate des ursprünglichen 1000 MBX.
Dazu gehören zum Beispiel die leicht erhöhten Frontscheinwerfer, die sich über die Linie der Motorhaube erheben und dem Fahrzeug einen eigenen, fast charaktervollen „Blick“ verleihen. Eine markante Sicke verläuft etwa auf halber Höhe entlang der Flanke und erinnert an die prägnante Seitenlinie des historischen Modells. Besonders spannend ist die Neuinterpretation der C-Säule, die als charakteristisches Stilelement des Originals wieder aufgenommen wurde und nun die Silhouette der Studie prägt.
Ohne Heckscheibe: Mutige Lösung für mehr Raum
Einer der ungewöhnlichsten Aspekte der Neuinterpretation ist das Heck. Der futuristische Škoda 1000 MBX verzichtet komplett auf eine klassische Heckscheibe. Stattdessen übernimmt eine Rückfahrkamera die Sicht nach hinten. Dieser mutige Schritt schafft Raum für ein kompakteres, sportlicheres Heck und zusätzliche Ladekapazität. Die Silhouette wirkt dadurch kraftvoller, das Heck fast skulptural – und dennoch ergibt sich ein ganz praktischer Vorteil: mehr Stauraum bei gleichzeitig emotionalem Design.
In einer Zeit, in der SUVs und Crossover oft das Bild der Straße dominieren, zeigt diese Studie eine andere Richtung: ein flaches, sportliches Coupé, das den Mut hat, radikale Lösungen zu wählen, ohne die Alltagstauglichkeit zu opfern. Die Kombination aus variabler Rückbank, kamerabasierter Rücksicht und clever genutztem Raum bringt die Idee des klassischen Heckmotor-Coupés in die Jetztzeit – und eröffnet spannende Fragen, wie kompaktes, stilvolles Reisen in Zukunft aussehen kann.
Die Köpfe hinter dem futuristischen Škoda 1000 MBX
Ein solches Projekt lebt von starken Charakteren im Hintergrund. Verantwortlich für das Exterieur ist Antti Mikael Savio, ein finnischer Designer, der seit rund 17 Jahren im Škoda-Stammsitz Mladá Boleslav arbeitet. Nach einem Studium des Produktdesigns im finnischen Lahti und des Automobildesigns am renommierten Royal College of Art in London hat Savio an zahlreichen Projekten mitgewirkt, darunter der Vision-O-Studie sowie mehreren Felgendesigns, von denen eines sogar seinen Namen trägt. Passend zur Neuinterpretation eines Klassikers ist Savio selbst leidenschaftlicher Oldtimer-Fan und hat nach eigenen Angaben bislang 43 historische Fahrzeuge besessen.
Für den Innenraum zeichnet David Stingl verantwortlich, ein erst 24-jähriger Designer, der an der Prager Akademie der Künste, Architektur und Design studiert hat. Stingl hat bereits mit 15 Jahren mit dem Entwerfen begonnen und arbeitet seit drei Jahren im Designteam von Škoda, spezialisiert auf 3D-Modellierung. Er betrachtet Gestaltung als „greifbare Geschichte“ – ein Ansatz, der im Innenraum des futuristischen Škoda 1000 MBX deutlich spürbar wird. Die 3D-Visualisierungen der Studie entstanden in Zusammenarbeit von Stingl und Volodymyr Kogay, der die Vision in realistische Bilder übersetzte, die förmlich nach einem rollenden Prototypen verlangen.
Tradition trifft Zukunft: Warum dieser Entwurf fasziniert
Die eigentliche Magie dieser Studie liegt in der Art, wie sie automobile Tradition mit zukünftiger Mobilität verknüpft. Der historische 1000 MBX war ein Kind seiner Zeit: Heckmotor, selbsttragende Karosserie, Aluminium-Motorblock – technische Lösungen, die damals mutig und fortschrittlich wirkten. Die heutige Vision überführt diesen Geist in ein Zeitalter, in dem digitale Oberflächen, variable Innenräume und adaptive Fahrwerke den Ton angeben. Der futuristische Škoda 1000 MBX zeigt, dass die Faszination Auto nicht in der reinen Leistungszahl liegt, sondern im intelligenten Zusammenspiel von Design, Technik und Alltagstauglichkeit.
Besonders der Innenraum mit dem gläsernen Ovaldisplay steht symbolisch für diesen Ansatz. Er macht deutlich, wie sich die Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine wandeln kann: Weg vom klassischen Tacho, hin zu frei gestaltbaren, projizierten Informationen in einem Element, das zugleich Schmuckstück und Informationszentrale ist. In Verbindung mit der wandelbaren 2+2-Sitzkonfiguration und der einstellbaren Luftfederung entsteht ein Fahrzeug, das nicht nur nach vorne schaut, sondern auch Fragen stellt: Wie flexibel muss ein Coupé sein? Wie viel Platz braucht ein Auto wirklich? Und wie lässt sich Emotionalität mit pragmatischer Mobilität vereinen?
Antworten darauf gibt der futuristische Škoda 1000 MBX nicht nur durch seine Technik, sondern durch seine Haltung: Ein Coupé, das den Alltag nicht für die Weekend-Show opfert, sondern beides zusammenführt – genau das macht seinen Reiz aus.
Bilder: Hersteller



