Der 1970 Plymouth Superbird ist eine jener automobilen Erscheinungen, die beim ersten Blick sofort Fragen und Bewunderung wecken: Warum dieser lange, spitze Bug? Warum jener hohe Heckflügel? Antworten stecken in der Kombination aus Renngeschichte, technischer Konsequenz und dem Mut zu radikalem Design. Der Name 1970 Plymouth Superbird steht für einen Punkt, an dem Motorsportregeln und Serienfahrzeuge unmittelbar aufeinandertrafen — eine Verbindung, die heute noch die Leidenschaft für klassische Muscle Cars nährt. Dieses Exemplar trägt einen 7,2‑Liter‑V8 unter der Haube und zeigt bei lediglich 5.450 Meilen Laufleistung, wie faszinierend das Zusammenspiel von Originalität, Mechanik und Zustand sein kann: geringe Laufleistung als Beleg für erhaltene Substanz und spürbare Authentizität.
Historischer Hintergrund und Zweck

Der Superbird entstand als Homologationsmodell für NASCAR-Rennen: Plymouth adaptierte die Road Runner‑Plattform und versah sie mit einer markanten aerodynamischen Front und einem hohen Heckflügel. Solche Eingriffe waren keine bloße Designspielerei, sondern praktische Maßnahmen zur Reduzierung von Luftwiderstand und zur Erhöhung der Stabilität bei hohen Geschwindigkeiten auf den Ovalen. Gebaut nur für das Modelljahr 1970, wurden die sogenannten „Aero Warrior“ schnell zu Ikonen, weil Regeländerungen bereits 1971 derart gestaltete Rennfahrzeuge vom Vorteil befreiten. Das macht den Superbird zu einem kurzlebigen, aber legendären Kapitel amerikanischer Motorsportgeschichte — ein Auto, das genau in jenem Moment entstand, als Technik, Marketing und Rennsport sich überlappten.
Stückzahl und Seltenheit

Von der Serienfertigung des Superbird entstanden 1.935 Exemplare für das Modelljahr 1970 — eine vergleichsweise kleine Zahl, die die heute hohe Aufmerksamkeit erklärt. Die Verteilung der Motorisierungen erhöht diese Seltenheit zusätzlich: 1.084 Fahrzeuge verließen die Werke mit dem 7,2‑Liter‑440‑V8 in der 4‑Ventil‑/4‑Barrel‑Ausführung, 716 erhielten die stärkere 440‑„Six‑Pack“‑Konfiguration, und lediglich 135 Exemplare wurden mit dem legendären 7,0‑Liter‑426‑Hemi ausgeliefert. Diese Stückzahlen prägen den Marktwert und die Faszination: je seltener die Motorisierung, desto ausgeprägter die Sammlersehnsucht.
Motoren, Leistung und Getriebe

Technisch bot der Superbird eine Auswahl, die deutlich macht, wie sehr Performance im Vordergrund stand. Als Basismotorisierung fungierte der 440‑cu‑in‑V8, also 7,2 l Hubraum, mit einer Leistung von etwa 375 hp — das entspricht rund 280 kW. Die „Six‑Pack“‑Variante steigerte die Leistung auf ungefähr 390 hp (~291 kW), während der 426 Hemi mit ca. 425 hp (~318 kW) die Spitze bildete. Übertragen wurde die Kraft wahlweise über ein 4‑Gang‑A‑833‑Schaltgetriebe oder die robuste 3‑Gang‑Automatik TorqueFlite 727. Diese Auswahl spiegelte die Bandbreite von straßentauglicher Brutalität bis hin zur ernstzunehmenden Rennaggressivität wider und machte den Superbird gleichzeitig alltagstauglich und rennsportnah.
Die Aerodynamik als faszinierendes Detail

Am eindrucksvollsten am Superbird bleibt die aerodynamische Gestaltung — der spitze Bug und der überdimensionierte Heckflügel sind mehr als visuelle Statements. Sie sind das Ergebnis gezielter aerodynamischer Optimierung: längere, verjüngte Frontpartien vermindern Verwirbelungen, während der hohe Flügel bei Rennverkehr die notwendige Abtriebskraft erzeugt, um das Fahrzeug bei hohen Geschwindigkeiten zu stabilisieren. Diese Lösung wirkte so ungewöhnlich, weil sie in der Serienfertigung überzeichnet wurde; sie machte aus einem Road Runner‑Abkömmling ein funktionales Rennmittel. Gerade dieses Spannungsverhältnis zwischen Form und Funktion verleiht dem Superbird seine bleibende Aura — ein Auto, das man nicht nur betrachtet, sondern in seinem Ursprung versteht.
Dieses Exemplar: Technik und Zustand





Das hier vorgestellte Fahrzeug trägt den seriellen Kenncode RM23V0A162374 und ist mit dem 7,2‑Liter‑440‑V8 sowie einer 3‑Gang‑TorqueFlite‑Automatik ausgestattet. Diese Kombination verbindet den kernigen Klang und die Durchzugskraft des großen Achtzylinders mit der sanfteren Bedienung einer klassischen Automatik — typisch für zeitgenössische amerikanische Performance‑Straßenwagen. Mit 5.450 Meilen auf dem Tacho präsentiert sich das Auto in einem Zustand, der die Wahrung der Substanz plausibel erscheinen lässt: eine Laufleistung, die bei einem halben Jahrhundert Alter außergewöhnlich gering ist und damit das Potenzial für eine weitgehend originale Erhaltung erhöht. Solche Details sind für Liebhaber von Authentizität oft ausschlaggebend.
Design, Wirkung und Mobilitätsmythos
Die Ästhetik des Superbird operiert mit einem klaren visuellen Vokabular: Kraft, Geschwindigkeit und Zweckmäßigkeit. Die überzeichneten Proportionen erzeugen eine starke Präsenz, die sowohl auf der Straße als auch im Blickfeld von Motorsporthistorikern haften bleibt. Als Teil der „Aero Warrior“-Familie nimmt der Superbird eine Sonderrolle ein — er ist weniger ein dezentes Mobilitätsmittel als ein Statement zur technischen Evolution von Serienfahrzeugen unter Rennsportbedingungen. Diese Geschichte macht den Superbird zu einem Symbol für eine Epoche der amerikanischen Mobilität, in der Wettbewerbsfähigkeit und Showmanship miteinander verschmolzen.
Fazit: Ein lebendiges Stück Motorsportkultur
Der 1970 Plymouth Superbird verbindet Renngeschichte, technische Radikalität und ein Design, das sofort seine Herkunft verrät. Produktionszahlen, Motoroptionen und die markanten aerodynamischen Maßnahmen erklären, warum dieses Fahrzeug bis heute fasziniert: Es ist nicht nur ein Auto, sondern ein funktionaler Ausdruck einer Zeit, als Serienwagen direkt aus dem Rennsport inspiriert wurden. Die Kombination aus 7,2‑Liter‑V8, klassischer TorqueFlite‑Automatik und niedriger Laufleistung von 5.450 Meilen macht dieses Exemplar zu einem besonders eindrucksvollen Vertreter seiner Art und zu einem greifbaren Zeugnis automobilen Ehrgeizes. Dieses tolle Exemplar wird derzeit versteigert.
Bilder: Mecum Auctions



