Zwei Mercedes-Benz eActros Elektro-Lkw der neuesten Generation in einer modernen Halle, nebeneinander aufgestellt.
Die vollelektrischen Mercedes-Benz eActros 400 und eActros 600 präsentieren sich als innovative Lkw-Modelle für den regionalen und internationalen Güterverkehr. (Foto: Hersteller)

Mercedes eActros: Elektro-Langstrecke mit 500 Kilometern

Die Elektrifizierung des Schwerlastverkehrs galt lange als ferne Vision. Nun schiebt der Mercedes eActros diese Grenze spürbar nach vorn – und zwar nicht nur als Städtesprinter, sondern als echter Kilometerfresser für die Langstrecke. Voll elektrisch, mit bis zu 500 Kilometern Reichweite ohne Zwischenladen und ausgestattet mit einem Antriebsstrang, der eher an eine Startbahn als an eine Laderampe erinnert, zeigt dieser Lkw, wie sich die Welt des Transports in rasantem Tempo verändert.

Elektrischer Schwerlaster für Regional- und Fernverkehr

Reihe verschiedener Mercedes eActros Elektro-Lkw auf einem großen, modernen Gelände
Mehrere Mercedes eActros Modelle präsentieren sich auf einem modernen Betriebshof als Symbol für die elektrische Zukunft des Schwerlastverkehrs. (Foto: Hersteller)

Der eActros ist bewusst nicht als Experiment für urbane Nischen entwickelt, sondern als vollwertige Alternative für den regionalen Verteilerverkehr und den internationalen Fernverkehr. Entscheidend dafür sind seine Batterie- und Kabinen-Varianten, die ihn flexibel machen. Je nach Einsatzprofil lässt sich der Truck mit zwei oder drei Batteriepaketen konfigurieren. Wer mehr Nutzlast benötigt, greift zur Ausführung mit zwei Batterien, wer maximale Reichweite anstrebt, wählt drei Pakete – und damit den Weg in Richtung 500 Kilometer Distanz mit einer Ladung.

Gleichzeitig stehen zwei Fahrerhaus-Varianten zur Wahl: ClassicSpace/StreamSpace für einen leichteren, kompakteren Aufbau oder die ProCabin, die als aerodynamisch optimierte Langstreckenkabine ausgelegt ist. So entsteht ein elektrischer Lkw, der für eine Bandbreite an Transportaufgaben gerüstet ist – vom regionalen Verteilerverkehr bis zum internationalen Linienverkehr.

eActros 400 und eActros 600: Zwei Welten, ein Ziel

Mercedes eActros, elektrischer Lkw, Frontaufnahme in moderner Umgebung
Frontansicht des vollelektrischen Mercedes eActros in einer Halle (Foto: Hersteller)

Unter dem Namen eActros treten im Kern zwei technische Welten an. Der eActros 400 positioniert sich als regionaler Allrounder. In der ProCabin-Konfiguration bringt er zwei Batteriepakete mit zusammen rund 414 Kilowattstunden Energie an Bord. In Verbindung mit dem aerodynamischen Fahrerhaus ist er damit mehr als nur ein Citytruck. Besonders interessant ist jedoch die Variante mit Classic- oder StreamSpace-Kabine: Hier sorgt das geringere Eigengewicht dafür, dass eine Nutzlast von etwa 25 Tonnen möglich wird.

Noch konsequenter in Richtung Fernverkehr zielt der eActros 600. Er nutzt drei Hochleistungs-Batteriepakete auf LFP-Basis, die gemeinsam rund 621 Kilowattstunden Energie speichern. In der Praxis bedeutet das: bis zu 500 Kilometer Reichweite mit einer Ladung – eine Distanz, die viele typische Tagesetappen im europäischen Fernverkehr abdeckt.

Faszinierender Drehmoment-Schub: die eAchse

Das Herz des eActros schlägt nicht in Form eines klassischen Motors vor dem Fahrerhaus, sondern im Heck, in Gestalt einer hoch integrierten eAchse. Sie bringt es auf eine Dauerleistung von 400 Kilowatt und kann kurzfristig bis zu 600 Kilowatt Spitzenleistung abrufen.

Aus fahrdynamischer Sicht bedeutet das: spontanes Ansprechverhalten, massiver Schub aus dem Stand und ein souveräner Durchzug auch bei voller Beladung und ansteigenden Autobahnspuren. Unterstützt wird das Ganze von einem vorausschauend arbeitenden Antriebsmanagement, das Topografie, Tempolimits und Streckenverlauf einbezieht. So wird nicht nur effizient beschleunigt, sondern auch rekuperiert, um Energie zurückzugewinnen und die Batteriereichweite zu strecken.

Highlight Reichweite: 500 Kilometer am Stück

Die Langstreckenreichweite des eActros beträgt bis zu 500 Kilometer ohne Zwischenladen, abhängig von Batteriekapazität, Kabinenform und Einsatzprofil. In der Realität bedeutet das: Eine typische Fernverkehrsetappe von rund 400 bis 450 Kilometern lässt sich mit einer Ladung bewältigen, um dann während der gesetzlich vorgeschriebenen Fahrerpause Energie nachzuladen.

Besonders relevant ist der Blick in die nahe Zukunft: Mit dem geplanten Megawatt-Laden soll der eActros in der Lage sein, den Ladezustand von 20 auf 80 Prozent in etwa 30 Minuten zu erhöhen. Die meist ohnehin fest eingeplanten Pausen würden zu Energie-Stopps, bei denen jede halbe Stunde zum Reichweiten-Booster wird. In Kombination mit der bestehenden CCS2-Ladefähigkeit von bis zu 400 Kilowatt Gleichstrom an Schnellladesäulen entsteht ein Ladeprofil, das sich nahtlos in den Speditionsalltag integrieren lässt.

LFP-Batterien: Robust, kobalt- und nickelfrei

Technisch bemerkenswert ist die Entscheidung für Lithium-Eisenphosphat-Batterien (LFP). Sie kommen ohne Nickel und Kobalt aus, was ökologische und geostrategische Vorteile bringt. LFP-Zellen gelten als robust und zyklenfest – eine Eigenschaft, die im harten Speditionsalltag entscheidend ist.

Die hohe Ladeleistung, die diese Batterietechnologie zulässt, passt zur Philosophie des eActros als Fernverkehrsfahrzeug. Statt langer Standzeiten dominieren kurze, planbare Ladestopps mit hoher Ladeleistung.

ProCabin: Aerodynamik trifft Komfort

Während unter dem Rahmen die Kilowatt arbeiten, zeigt der eActros im Fahrerhaus eine andere Facette der neuen Transportwelt. Die ProCabin setzt auf eine aerodynamisch optimierte Form mit verlängerter Front und verbessertem Unterboden. Beides reduziert den Luftwiderstand, was auf der Autobahn direkt in mehr Reichweite umgemünzt wird.

Gleichzeitig setzt die Kabine optische Akzente: Optionale Matrix-LED-Scheinwerfer sorgen für ein markantes Lichtbild und hervorragende Ausleuchtung, Dark-Chrome-Elemente geben dem Truck einen modernen Auftritt. Innen herrscht eine Atmosphäre, die eher an ein rollendes Büro als an eine traditionelle Fahrerkabine erinnert. Das Multimedia Cockpit Interactive 2 bringt ein voll digitalisiertes Bedienkonzept mit Touchscreen, Sprachsteuerung, e-spezifischer Navigation, Over-the-Air-Updates sowie kabelloser Einbindung von Smartphone-Systemen wie CarPlay und Android Auto.

Leiser Arbeitsplatz, digitale Schaltzentrale

Der elektrische Antrieb sorgt zudem für eine neue Ruhe an Bord. Wo früher der große Diesel über Stunden hinweg seine Vibrationen und sein Dröhnen in die Kabine trug, herrscht nun fast lautloser Vortrieb. Für Fahrer bedeutet das weniger Ermüdung, eine entspanntere Geräuschkulisse und eine insgesamt höhere Aufenthaltsqualität – gerade auf Langstrecken ein nicht zu unterschätzender Faktor. Ambientebeleuchtung, viel Stauraum und auf Wunsch Extras wie ein Kühlfach oder Sitzheizung runden diesen Arbeitsplatz auf Rädern ab.

Die Kombination aus stiller Kraft und digitaler Vernetzung macht den eActros zu einer Art Schaltzentrale im Güterverkehr. Navigation, Routenplanung, Ladeplanung und Fahrzeugzustand verschmelzen im Cockpit zu einer transparenten Informationslandschaft, die hilft, die elektrische Reichweite bestmöglich zu nutzen und Standzeiten zu vermeiden.

Sicherheit, Umweltbilanz und Service im Blick

Wie bei modernen Lkw dieser Klasse üblich, ist der eActros mit umfangreichen Assistenzsystemen ausgestattet. Digitale Spiegel mittels MirrorCam verbessern die Rundumsicht und reduzieren tote Winkel. Hinzu kommen die bekannten Sicherheitssysteme der Marke, die helfen, Unfälle zu vermeiden und den Fahrer zu entlasten.

Mindestens ebenso eindrucksvoll ist die Umweltbilanz. Über den Lebenszyklus hinweg lassen sich die CO₂-Äquivalente im Vergleich zu einem typischen Diesel-Pendant um bis zu 80 Prozent senken – vorausgesetzt, es wird mit einem erneuerbaren Strommix geladen. Bereits nach etwa 100.000 gefahrenen Kilometern (mit Grünstrom) ist die CO₂-Bilanz des eActros im Vorteil, bei Nutzung des durchschnittlichen europäischen Strommixes verschiebt sich dieser Break-even-Punkt auf etwa 195.000 Kilometer. Bei einer typischen Laufleistung von rund 1,2 Millionen Kilometern über das Fahrzeugleben hinweg bedeutet das weniger Emissionen und einen kleineren ökologischen Fußabdruck im Schwerlastsegment.

Ganzheitliches Konzept für den elektrischen Fuhrpark

Dass der eActros mehr ist als ein einzelnes Fahrzeug, zeigt der Blick auf die begleitenden Dienste. Mit TruckCharge wird ein umfassendes Angebot rund um Ladeinfrastruktur, Beratung, Installation und Betrieb geschnürt. Ziel ist es, den elektrischen Lkw nahtlos in bestehende Flottenprozesse zu integrieren, inklusive passender Finanzierungs- und Leasinglösungen. Ergänzt wird das Ganze durch ein dichtes Servicenetz und einen 24/7-Pannendienst, der dafür sorgen soll, dass die elektrische Flotte ebenso verlässlich rollt wie die konventionelle.

Er steht sinnbildlich für einen Moment, in dem sich der Güterverkehr neu erfindet: weg vom reinen Verbrenner, hin zu einer Ära, in der Kilowattstunden statt Liter gezählt werden – und in der Reichweitenangst plötzlich durch die Faszination ersetzt wird, wie weit ein schwerer Lkw heute schon rein elektrisch fahren kann.

Bilder: Mercedes