Einer der kleinsten Sportwagen der 1960er-Jahre trägt in seiner Schlichtheit eine technische Kühnheit, die bis heute faszinieren kann. Der 1964er Honda S600 Roadster präsentiert sich als konsequente Fortführung einer Entwicklungsphilosophie, die auf Leichtbau, hohe Drehzahlreserven und präzise Technik setzte. Trotz seines kompakten Formats offenbart der Wagen eine überraschende Raffinesse in Konstruktion und Fahrdynamik. Seine Karosserie misst nur 3.302 Millimeter in der Länge, bei 1.402 Millimeter Breite und 1.201 Millimeter Höhe. Das geringe Gewicht von rund 714 Kilogramm trägt entscheidend zur Agilität bei. Der Radstand von 2.007 Millimetern unterstreicht den kompakten Aufbau, der zugleich eine präzise Lenkung erlaubt. In der Kabine begegnet dem Fahrer ein reduziertes, aber funktionales Interieur, das Instrumente konzentriert und übersichtlich anordnet. Vier runde Anzeigen zeigen Geschwindigkeit, Drehzahl, Temperatur und Kraftstoffstand. Ein hölzernes Lenkrad unterstreicht den Charakter.
Motor

Motor und Getriebe bilden das technische Herz des S600. Der Motor ist ein 606 Kubikzentimeter kleiner Vierzylinder-DOHC aus Aluminium. Mit einem Kompressionsverhältnis von 9,5:1 und vier Keihin-32-Millimeter-Seitenvergasern – einem pro Zylinder – erzielte das Werk eine Nennleistung von 57 PS bzw. 42 Kilowatt bei 8.500 Umdrehungen pro Minute. Das maximale Drehmoment liegt bei rund 51 Newtonmetern bei circa 5.500 U/min. Auffällig ist die hohe Drehzahlfestigkeit; der Drehzahlmesser ist bis 11.000 U/min skaliert, der rote Bereich beginnt bei rund 9.500 U/min – für ein Straßenfahrzeug jener Epoche bemerkenswert. Das 4-Gang-Schaltgetriebe verfügt über Synchronisation in den oberen drei Gängen. Die Kraftübertragung zur Hinterachse erfolgt auf ungewöhnliche Weise: Jedes Hinterrad wird über eine außengelenkte Kettenantriebseinheit angetrieben, die in einem Ölbad läuft; ein Differential sitzt zwischen den beiden Ketten. Dieses Konzept hebt die Ingenieurskunst hervor.
Fahrwerk

Fahrwerk und Bremsen prägen das Fahrverhalten; der S600 ist vollständig unabhängig an allen vier Rädern aufgehängt. Vorn arbeiten A-Querlenker mit längs liegenden Torsionsstabfedern, hinten sorgen schwenkende Kettengehäuse in Verbindung mit Schraubenfedern für die Federung. Das Lenksystem arbeitet mit einer Rack-and-Pinion-Übersetzung, die präzises Einlenken ermöglicht. Gebremst wird mit Trommelbremsen an allen vier Rädern; die Räder messen 13 Zoll, was für die Zeit üblich war, heutzutage jedoch als limitierend für die Verzögerungswerte interpretiert werden kann. Dennoch sorgen die geringen ungefederten Massen und die kompakte Spur für ein harmonisches Fahrverhalten. Der Wendekreis von circa 8,6 Metern (4,3 m Radius) trägt zur Alltagstauglichkeit bei. Geringe Masse und effiziente Verteilung der Massen geben dem kleinen Roadster eine lebhafte Reaktion auf Lenkimpulse und erlauben sportliches Fahren auch bei moderaten Geschwindigkeiten.
Leistung

Leistung und Fahrleistungen definieren den Charakter dieses winzigen Sportwagens. Die Werksangabe nennt eine Höchstgeschwindigkeit von rund 145 km/h, was angesichts von nur 606 cm³ Hubraum eindrucksvoll ist. Beschleunigungswerte liegen bei etwa 0–100 km/h in rund 12 Sekunden; ein gemessener 0–97 km/h-Wert von 11,5 Sekunden illustriert die Spritzigkeit. Entscheidender Faktor bleibt die hohe Drehfreude des Motors, die zusammen mit der geringen Masse ein lebendiges Beschleunigungsgefühl vermittelt. Die hohe Drehzahlentwicklung verlangt allerdings eine aufmerksame Hand am Schalthebel, um die besten Leistungsbereiche zu nutzen. Für Enthusiasten bedeutet das ein spielerisches und intensives Fahrerlebnis, das sich deutlich von der entspannten Gangart moderner Kleinwagen unterscheidet. In Kurven zeigt der S600 seine Stärken: geringes Gewicht, direkte Lenkung und konsequente Fahrwerksabstimmung ergeben zusammen ein ausgewogenes Handling.
Design

Design und Ausstrahlung beschreiben den S600 als ein Produkt einer Zeit, in der Form und Funktion verbunden waren. Chromstoßstangen, runde Scheinwerfer und kleine runde Rückleuchten prägen die kompakte Silhouette. Die Stahlblechkarosserie ist auf einem Leiterrahmen verschraubt; der Roadster besitzt ein einklappbares Stoffverdeck, während seltene, abnehmbare Kunststoff-Hardtops als Option angeboten wurden. Die Innenausstattung bleibt einfach; Vinylbezüge und schlichte Türverkleidungen spiegeln den funktionalen Anspruch wider. Instrumentierung ist zentral angeordnet und orientiert sich am puristischen Sportwagenstil. Die 13-Zoll-Stahlräder mit Reifen klassischer Abmessung komplettieren das Erscheinungsbild. Insgesamt vermittelt das Design die Idee von Leichtigkeit, Effizienz und reinem Fahrspaß. Es ist die klare Linienführung und die reduzierte Detailarbeit, die dem kleinen Honda seinen dauerhaften Reiz verleiht. Diese Schlichtheit entlarvt zugleich die Ingenieurskunst hinter der Konstruktion.
Historie

Historie und Produktion verorten den S600 in einem kurzen, aber intensiven Kapitel von Hondas Automobilgeschichte. Gebaut wurde das Modell von 1964 bis 1966; in diesem Zeitraum entstanden insgesamt rund 13.084 Exemplare. Die Stückzahlen verteilten sich ungleich: 3.912 Roadster allein im ersten Jahr; 1965 brachte 7.261 Roadster und 1.519 Coupés hervor; 1966 reduzierte die Fertigung auf 111 Roadster und 281 Coupés. Der S600 folgte dem S500 und bereitete den Boden für den späteren S800. Besonders in Europa erfuhr das Fahrzeug Aufmerksamkeit; offiziell in den USA angeboten wurde es nicht; nur wenige Exemplare gelangten dorthin über private Importe oder Soldaten der Militärbasen. Heute existieren in Nordamerika nur einige Hundert Exemplare, was die Seltenheit und das Sammlerinteresse erklärt. Ihre Bedeutung liegt weniger in Massenwirkung als in der konsequenten Technik und der Vorarbeit für spätere Sportwagen.
Ausstattung

Ausstattung und Details zeigen die praktische Seite des kleinen Roadsters: Stahlblechkarosserie auf Leiterrahmen, zweisitziger Innenraum mit Vinylpolstern sowie einfacher Türverkleidung. Als Sonderausstattung gab es seltene, abnehmbare Kunststoff-Hardtops. Ein Stoffverdeck kann bei Bedarf eingeklappt werden. Ein Heizsystem und ein 12-Volt-Bordnetz versorgten Bordelektrik und Beleuchtung. Das Cockpit zeigt eine zentrale Instrumententafel mit vier Rundinstrumenten, darunter ein Tachometer bis 180 km/h und ein Drehzahlmesser bis 11.000 U/min. 13-Zoll-Stahlräder und klassische Reifen ergänzen das Erscheinungsbild. Die einfache Ausstattung ist Ausdruck eines klaren Funktionsprinzips, das die Ingenieurskunst über aufwändige Innenelemente stellt. Solche Details verstärken das Gefühl von Authentizität und mechanischer Ehrlichkeit, die Sammler und Liebhaber gleichermaßen schätzen. Als Beispiel einer besonders begehrten Eigenschaft sei die moderate Laufleistung eines Fahrzeugs genannt: beispielsweise 85.000 Kilometer; solche Zahlen verstärken die Anziehungskraft.
Bedeutung

Bedeutung und Faszination des S600 liegen in seiner Kombination aus technischer Kühnheit und praktisch gelebter Mobilität. Kettengetriebene Hinterräder, hoher Drehzahlbereich und niedriges Gewicht malen das Bild eines kleinen Sportlers, der mit unverblümter Direktheit aufwartet. Für Historiker und Enthusiasten zeigt der S600 den frühen Anspruch Hondas, technische Lösungen eigenständig und wirksam umzusetzen. Als Vorläufer späterer Sportlegenden trägt er Züge jener Lernkurve, die Markenidentität prägte. Heute ist der S600 ein Stück Automobilgeschichte, das mit seinen kompakten Maßen, klaren Linien und lebendiger Mechanik Staunen hervorruft. Wer sich an die Elektrik oder an moderne Assistenzsysteme gewöhnt ist, findet hier eine andere Welt: unmittelbare Rückmeldung, reine Mechanik und die Freude am Fahren. Für Sammler bedeutet das zugleich Seltenheit und kulturhistorische Relevanz. Originalität und technischer Mut machen den S600 zu einem Objekt von dauerhaftem Interesse.
Fazit
Abschließend bleibt der 1964er Honda S600 Roadster ein kompaktes Zeugnis eines fortschrittlichen Ingenieurdenkens, das in seiner Schlichtheit und mechanischen Direktheit noch heute beeindruckt. Die Kombination aus Kettenantrieb, hochdrehendem Aluminiumaggregat und leichtem Aufbau macht ihn zu einem besonderen Kapitel automobilhistorischer Entwicklung. Für Liebhaber und Sammler bleibt er ein Sinnbild technischer Eleganz. Auch wenn dieses Modell noch viel Liebe benötigt.
Bilder: Cars & Bids



