Der Ford GT40 MkII aus dem Jahr 1966 bleibt eine der eindrücklichsten Sportwagen-Entwicklungen der Nachkriegszeit. Dieses Modell, gebaut als Factory Lightweight, steht stellvertretend für einen klaren technischen Anspruch: maximaler Performance-Gewinn durch radikale Reduktion von Gewicht und kompromisslose Renntechnik. Das hier vorgestellte Exemplar trägt die Chassis-Nummer XGT-3 und gehört zu einer extrem kleinen Gruppe – eines von nur drei werksseitig gebauten MkII „Lightweight“-Fahrzeugen. In Fachkreisen wird XGT-3 sogar als „The Most Original MkII in Existence“ bezeichnet, eine Zuschreibung, die das historische Gewicht dieses Fahrzeugs unterstreicht. Die Geschichte des GT40 beginnt 1964; zwischen 1964 und 1969 entstanden insgesamt 105 Einheiten, die bis heute als Referenz für Leichtbau, Renntechnik und Design gelten.
Aufbau und historische Einordnung

Der Name GT40 leitet sich direkt aus einer sichtbaren Eigenschaft ab: die Karosseriehöhe beträgt 40 Zoll, also rund 102 Zentimeter – ein markantes Merkmal, das sofort die Nähe zum Rennsport signalisiert. Konstruktion und Layout folgen einem klaren Prinzip: Heckmittelmotor, Hinterradantrieb und ein flaches, aerodynamisches Coupé-Design. Diese Kombination legte den Grundstein für eine konkurrenzlose Rennkarriere. Denn der GT40 ist nicht nur ein Designwunder; er ist auch ein Siegerwagen: Vier aufeinanderfolgende Gesamtsiege bei den 24 Stunden von Le Mans zwischen 1966 und 1969 sind Ausdruck dieser Dominanz. Die MkII-Variante gilt insbesondere als die kompromissloseste Rennversion, maßgeschneidert für Höchstleistung auf der Langstrecke.
Technische Daten, Maße und Performance

Die Proportionen des GT40 sind ebenso charakteristisch wie seine Technik: Radstand 2,41 Meter, Länge etwa 4,06 Meter, Breite rund 1,78 Meter und eine Höhe von circa 1,03 Meter. Diese kompakten Maße tragen wesentlich zur Agilität und zum geringen Luftwiderstand bei. In der Praxis bedeutete das für frühe Straßenvarianten des Typs beeindruckende Fahrleistungen: Der Mk I erzielte eine Beschleunigung von null auf 96,6 km/h in etwa 5,3 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von circa 264 km/h. Das flache Profil und der niedrige Schwerpunkt erlauben ein Fahrverhalten, das Rennwagen-Charakter mit Alltagstauglichkeit vereint – sofern man den Alltag in sportlich ambitionierter Perspektive betrachtet.
Das Besondere an XGT-3

XGT-3 ist Teil einer historischen Seltenheit: nur drei werksseitige Lightweight MkII wurden jemals gebaut. Diese Produktionsbegrenzung macht das Fahrzeug zu einem der rarsten Vertreter seiner Baureihe. Hinzu kommt eine umfangreiche Bilddokumentation mit 96 Fotos, die seltene Einblicke in Zustand und Details des Fahrzeugs liefert. Die Bezeichnung „The Most Original MkII in Existence“ deutet auf einen Erhaltungszustand hin, der wenig Veränderungen in Substanz und Technik vermuten lässt – ein Umstand, der für Sammler und Technikhistoriker gleichermaßen von Bedeutung ist. Originalität in dieser Klasse bedeutet nicht nur materielle Authentizität, sondern ein lebendiges Stück Motorsportgeschichte.
Leichtbau als Faszination

Die Leichtbau-Philosophie des Factory Lightweight ist ein Kernstück der Faszination: Gewichtsersparnis verbessert Beschleunigung, Verzögerung und das Einlenkverhalten gleichermaßen. Schon das Konzept, einen Rennwagen durch radikale Reduzierung von Masse schneller zu machen als durch reine Leistungssteigerung, ist automobilhistorisch bedeutend. Beim GT40 MkII zeigt sich diese Philosophie als ganzheitlicher Ansatz: Karosserie, Fahrwerk und Aggregat müssen eine Einheit bilden, um die Vorteile des geringeren Gewichts voll auszuspielen. Für Enthusiasten bleibt die Vorstellung eines extrem leichten, auf Rennstrecke abgestimmten MkII ein Paradebeispiel dafür, wie Ingenieurskunst und Performance-Poesie zusammenfinden.
Motorenpalette und Fahrgefühl

Der GT40 wurde mit einer Bandbreite an Ford-V8-Motoren angeboten, die von rund 4,2 Liter bis zu 7,0 Liter Hubraum (6 997 cm³) reichten. Besonders die Rennversionen der MkII-Generation erreichten Spitzenleistungen von bis zu 485 PS, das entspricht rund 360 kW. Die straßenzugelassenen Varianten lagen bei etwa 335 PS, also ungefähr 250 kW. Diese enorme Leistungsdichte in Verbindung mit dem niedrigen Fahrzeuggewicht ergibt ein unmittelbar spürbares Fahrgefühl: lineare Leistungsentfaltung, massive Durchzugskraft und eine akustische Präsenz, die den Charakter eines echten Rennwagens betont. Wer das Zusammenspiel aus großvolumigem V8 und schlanker Rennkarosse erlebt, begreift, warum der GT40 als Inbegriff der 1960er-Jahre-Rennmaschine gilt.
Konstruktionsmaßstab und Design

Design beim GT40 ist nicht Dekoration, sondern Funktionsprinzip. Die geringe Höhe von etwa 1,03 Meter und die flache Silhouette entscheiden über Aerodynamik, Blickrichtung und Ein- sowie Ausstieg – alles Merkmale, die Rennwagen-Intimität vermitteln. Die klare, puristische Formsprache reduziert optische Ablenkung zugunsten funktionaler Linienführung: jede Rundung hat aerodynamische Aufgabe, jede Öffnung dient Kühlung oder Strömungsführung. Das Resultat ist ein Fahrzeug, das in proportionaler Balance bleibt: kurz, breit und tief statt lang und hoch. Damit steht der GT40 für eine Ästhetik, die zugleich technisch und sinnlich ist.
Warum der GT40 bis heute fasziniert

Der Ford GT40 MkII Factory Lightweight verbindet alles, was automobilen Mythos ausmacht: extreme Seltenheit, historische Rennbedeutung und kompromisslose Technik. Ein Exemplar wie XGT-3 ist mehr als ein Auto; es ist ein greifbarer Abschnitt Motorsportgeschichte, konserviert in Metall, Mechanik und Patina. Die Kombination aus 1960er-Jahre-Ingenieurskunst, großer V8-Power und einer Formensprache, die bis heute elektrisiert, macht den GT40 zur Ikone. Für Liebhaber technischer Klarheit und sportlicher Direktheit bleibt er ein Maßstab – nicht als Musealobjekt, sondern als lebendige Erinnerung daran, wie weit Ingenieurkunst gehen kann, wenn sie einzig der Performance verpflichtet ist.
Bilder: Mecum Auctions



