Ducati 900 Super Sport Baujahr 1975, Seitenansicht vor neutralem Hintergrund
Die legendäre Ducati 900 Super Sport aus dem Jahr 1975 in klassischer Seitenansicht, ein Meisterwerk puristischer Motorradtechnik. (Foto: Hersteller)

Ducati 900 Super Sport (1975): Imola‑Erbe in Reinform

Die 1975 Ducati 900 Super Sport strahlt die Aura einer Rennmaschine auf der Straße aus. Sie ist eine direkte Fortführung der grünen Rahmen‑Tradition nach dem 1974er 750 Super Sport und trägt das Imola‑Erbe sichtbar in ihrem Charakter. Angetrieben von einem luftgekühlten V‑Zweizylinder mit 864 cm³, zwei Ventilen und desmodromischer Ventilsteuerung, bietet sie eine Mischung aus roher Kraft und technischer Raffinesse. Die Angabe von 80 PS bei 7.500 U/min sowie eine angenäherte Höchstgeschwindigkeit von rund 217 km/h zeichnen ein klares Bild ihrer Ambitionen. Mit einem Trockengewicht von 188 kg bleibt die Maschine agil, während der 20 Liter fassende Tank längere Etappen ermöglicht. Nur 246 Exemplare entstanden 1975, was diese Ausführung zu einem seltenen Kapitel der Mobilitätsgeschichte macht. Auffällig ist zudem, dass dieses Modell als letztes Ducati mit rechtsseitigem Schalthebel geliefert wurde.

Imola‑DNA und technische Eckdaten

Klassische Ducati 900 Super Sport von 1975 in Blau und Silber, aufgenommen im Profil vor neutralem Hintergrund.
Die legendäre 1975er Ducati 900 Super Sport, deren Design und Technik die Ära der Siebziger prägten, fotografiert in voller Seitenansicht. (Foto: Hersteller)

Die Bezeichnung Imola‑Replica verweist auf Ducati Erfolge von 1972 und erklärt die Rennseele hinter diesem Straßensportler. Technisch ist der luftgekühlte V‑Zweizylinder mit 864 cm³, zwei Ventilen und desmodromischer Steuerung ein Zeugnis jener Ingenieurskunst, die Leistung und Robustheit kombinierte. Das 5‑Gang‑Getriebe ergänzt die Durchzugskraft, während die elektronische und komfortsteigernde Zusatzausstattung noch keinen Einzug gehalten hatte. Spätere Versionen wurden mit Blinkern, größeren Rücklichtern, Luftfiltern und schärferen Abgasanlagen schwerer und weniger puristisch. Die 1975er Ausführung blieb daher nahe am Renngeist. Als Topmodell hielt die 900 Super Sport ihre Stellung bis 1982, als die 900 S2 die Baureihe ablöste. Die Kombination aus Leichtbau, direktem Ansprechverhalten und klarer Linienführung erklärt bis heute die Faszination für dieses Modelljahr.

Purismus statt Komfort

Nahaufnahme des Tanks einer 1975 Ducati 900 Super Sport mit blauem Ducati-Schriftzug und Desmo-Logo.
Detailaufnahme des Tanks und der Seitenverkleidung der legendären 1975 Ducati 900 Super Sport mit charakteristischem Ducati-Schriftzug und Desmo-Logo. (Foto: Hersteller)

Der Fokus auf Purismus zeigt sich in der Abwesenheit moderner Annehmlichkeiten. Die 1975er Version priorisierte Leichtigkeit und direkte Fahrdynamik über Komfortelemente, die in späteren Modellen hinzugefügt wurden. Diese Reduktion auf das Wesentliche unterstreicht den Renngeist und macht die Maschine zu einem reinen Ausdruck von Ingenieurskunst.

Desmodromik und Rechtschaltung

Seitenansicht einer Ducati 900 Super Sport von 1975 in Blau und Silber, stehend auf einem Parkplatz vor einer hellen Wand.
Die legendäre Ducati 900 Super Sport von 1975 mit charakteristischer blauer Verkleidung und markanter Linienführung. (Foto: Hersteller)

Eines der faszinierendsten Details dieser Ducati ist die desmodromische Ventilsteuerung, die das Schließen der Ventile mechanisch erzwingt und so hohe Drehzahlen sowie präzise Steuerung ermöglicht. Diese Technik verleiht dem 900 Super Sport eine sonore, direkte Leistungsentfaltung, die sich beim Beschleunigen unverkennbar bemerkbar macht. Ergänzend fällt die historische Rechtsbedienung des Schalthebels ins Auge; 1975 war dies die letzte Ducati, die so gefertigt wurde. Solche Besonderheiten zeigen, wie sehr Form und Funktion hier verbunden sind. Die Identifikation über die Rahmennummer (075530) unterstreicht die Authentizität eines jeden Exemplars und macht die Maschine zur greifbaren Zeitkapsel. Beim Fahren imponiert das Zusammenspiel aus leichtem Chassis und dem drehfreudigen Motor. Selbst bei moderater Laufleistung bleibt das Fahrgefühl unmittelbar und erinnerungswürdig, weil die Maschine keine assistierenden Systeme versteckt, sondern ihre Charakteristik offenbart. Die Verbindung aus Technik und Rennkultur macht jeden Kilometer zu einem Erlebnis.

Fahrdynamik und Alltagstauglichkeit

Nahaufnahme des Hinterrades, Federbeins und Seitendeckels mit Aufschrift der Ducati 900 Super Sport Baujahr 1975
Das Fahrwerk und der Schriftzug am Seitendeckel der Ducati 900 Super Sport von 1975 (Foto: Hersteller)

Optisch präsentiert sich die 1975er 900 Super Sport als reduzierte, elegante Silhouette: keine überflüssigen Plastikteile, klare Linien, die den Blick auf Motor und Rahmen lenken. Mit einem Trockengewicht von 188 kg bleibt sie näher an der Rennmaschine als viele spätere Straßenvarianten. Der 20 Liter umfassende Tank erlaubt ausgedehnte Fahrten, die Leistung des 80 PS starken Motors zeigt sich dabei bei offenen Landstraßenpassagen, wo die Spitze von rund 217 km/h eine Ahnung von jener alten Geschwindigkeit vermittelt, die einst auf Rennstrecken erfochten wurde. Diese Balance aus Alltagspotenzial und Rennverwandtschaft ist eine der großen Stärken dieses Modells, das in jeder Fahrt eine kleine Geschichtsstunde der Mobilität darstellt. Die eingeschränkte Straßenzulassung in bestimmten Regionen zu jener Zeit trägt zusätzlich zum Mythos bei.

Seltenheit und historische Bedeutung

Auspuff, Hinterrad und Kette einer Ducati 900 Super Sport 1975 in Nahaufnahme.
Detailaufnahme vom Auspuff, Hinterrad und Kettenantrieb der seltenen Ducati 900 Super Sport aus dem Jahr 1975. (Foto: Hersteller)

Die geringe Auflage von 246 Exemplaren macht die 1975er 900 Super Sport zu einem besonderen Kapitel in der Ducati‑Geschichte. Solche Stückzahlen begünstigen intensive Auseinandersetzung mit Authentizität, Originalzustand und Detailtreue. Jedes Bauteil, vom Rahmen bis zur Vergaseranlage, erzählt von einer Epoche, in der leichter Wettbewerb auf der Straße umgesetzt wurde. Gerade die Kombination aus mechanischem Minimalismus und Präzision führt zu einer Intensität, die modernen Geräten oft fehlt. Wer dieses Motorrad betrachtet, begegnet nicht nur Technik, sondern auch einem historischen Dokument. Die Tatsache, dass spätere Serienmodelle mehr Komfort und Euro‑Tauglichkeit erhielten, erklärt zugleich die Kompromisse, die im Alltag eingegangen wurden, um die Maschinen universeller zu machen. Die 1975er bleibt hingegen ein konzentriertes Zeugnis jener Ambition, Rennen und Straße so nah wie möglich zusammenzubringen. Dabei erklärt die Rahmennummer 075530 die individuelle Herkunft eindeutig.

Das direktes Fahrerlebnis

Nahaufnahme des Vorderrads einer blauen Ducati 900 Super Sport von 1975 mit Bremsscheibe und Sicht auf den Motorblock.
Detailansicht des Vorderrads und der technischen Komponenten einer Ducati 900 Super Sport aus dem Jahr 1975. (Foto: Hersteller)

Im Fahrbetrieb zeigte die 900 Super Sport ein unmittelbares Feedback: Lenkung, Gasannahme und Motorcharakter kommunizieren direkt mit Fahrer und Maschine. Dieses Zusammenspiel machte deutlich, wie Mobilität einst verstanden wurde: als reines Zusammenspiel aus Mensch und Maschine. Die wenigen technischen Hilfen bedeuten keinen Komfortverlust, sondern eine klare Reduktion auf das Wesentliche. Für Erhalt und Betrieb verlangen solche Motorräder Sorgfalt und Kennerblick; Originalteile und fachgerechte Wartung sind entscheidend, damit die Emphase der Konstruktion erhalten bleibt. Gerade im Vergleich zu schwereren Nachfolgern offenbart sich der Charme dieses Modells: schlanker Rahmen, kompromisslose Abstimmung und ein Fahrgefühl, das eher an die Rennstrecke als an den urbanen Alltag erinnert. Solche Eigenschaften bestätigen den Status der 900 Super Sport als Ikone einer bestimmten Motorik‑Ära italienischer Ingenieurskunst. Ihre Präsenz ist ein lebendiger Beleg für die Leidenschaft am Motorrad.

Ikone der siebziger Jahre

Als Spitzenmodell der Marke bis 1982 prägte die 900 Super Sport das Bild von Ducati als Hersteller für puristische Hochleistungsmaschinen. In einer Phase, in der europäische Renntraditionen noch stark in Serienmodellen nachwirkten, verband dieses Motorrad Renntechnik mit Alltagstauglichkeit. Die Tatsache, dass es in einigen Märkten damals nicht straßenzugelassen war, erhöht die Aura jener frühen Serien. Ebenso markant ist das Ende der rechtsseitigen Schalthebel‑Ära, das dieses Modell dokumentiert. Heute steht es gleichermaßen für technische Kühnheit wie für ästhetische Zurückhaltung. Die Verbindung aus Renngeschichte, limitierter Stückzahl und technischer Eigenständigkeit erklärt die anhaltende Anziehungskraft. Für die Mobilitätsgeschichte ist die 1975er Ausführung ein lehrreiches Beispiel: Wie sich Renntechnik in seriennahe Fahrzeuge übersetzte und welche Konsequenzen spätere Regulierungen und Komfortansprüche mit sich brachten. In ihrer Komposition offenbart die Maschine ein Kapitel nachhaltiger Ingenieurskunst, das bis heute die Begeisterung für puristische Motorradkonzepte in Sammler‑ und Enthusiastengruppen weltweit prägt.

Fazit

Zusammengefasst manifestiert die 1975 Ducati 900 Super Sport ein Spannungsfeld zwischen Renntechnik und gebrauchstauglicher Mobilität: ein kraftvoller 864 cm³ V‑Zweizylinder, 5‑Gang‑Getriebe, 80 PS bei 7.500 U/min, rund 217 km/h Spitzengeschwindigkeit und ein Trockengewicht von 188 kg. All diese technischen Daten erklären nicht nur Leistung, sondern auch den klaren Charakter dieses Motorrads. Als besonderes Augenmerk bleibt die desmodromische Ventilsteuerung: sie ist Ausdruck einer Ingenieursphilosophie, die auf Präzision statt elektronischer Kompensation setzt. Das Ergebnis ist ein unmittelbares, schlichtes Fahrerlebnis, das heute noch Faszination auslöst. Die Rahmennummer 075530 bezeugt die Identität dieses konkreten Exemplars, seine seltene Auflage von nur 246 Stück verleiht ihm historischen Rang. Wer das Zusammenspiel aus Ästhetik, Technik und Rennheritage nachvollziehen möchte, findet in diesem Modell ein prägnantes Beispiel klassischer Mobilitätskultur. Selbst bei moderater Laufleistung bleibt die Bedeutung der Maschine ungebrochen.

Bilder: Mecum Auctions