Die AJS Model 26 Silver Streak von 1938 ist ein Kapitel britischer Motorradgeschichte, das sofort ins Auge fällt. In einer Zeit, in der Technik und Handwerk noch engen Dialog führten, setzte dieses Modell Maßstäbe mit seinem polierten Finish und der aufwendigen Chromierung. Die stark verchromten Schutzbleche, der Tank und die Kettenabdeckungen verleihen dem Rad eine eigenständige Aura zwischen Eleganz und Sportlichkeit. Der Begriff Silver Streak steht nicht nur für Optik, sondern für eine behutsam abgestimmte Motorcharakteristik und für eine Ausrichtung, die Wettkampf und Alltag zusammenführt. Mit einem Hubraum von 348 cm³ und einem Einzylinder-Viertakt-OHV-Motor präsentiert die Maschine eine kompakte, aber kultivierte Kraftquelle. Solche Technik erzählt von einer Epoche, in der jedes Bauteil sorgsam ausgearbeitet wurde. Das vorliegende Exemplar trägt die Rahmennummer 9955 und strahlt originale Eleganz, wirklich bis ins Detail.
Design und Erscheinung

Unter der glänzenden Hülle offenbart die AJS technische Raffinesse ihrer Zeit. Der Einzylindermotor mit 69 mm Bohrung und 93 mm Hub entfaltet seine Kraft über ein Vierganggetriebe, das für präzise Gangwechsel und eine wettbewerbsnahe Übersetzung sorgt. Die twin-port-OHV-Auslegung war damals fortschrittlich und trug zu einer Balance zwischen Durchzug und Drehfreude bei. Zündanlage und Beleuchtung stammen aus dem bewährten Lucas-Programm, während ein Amal-Vergaser für die Gemischaufbereitung sorgt. Auffällig ist der großzügige Kurbelgehäuseschutz, der gemeinsam mit dem hohen Bodenfreiheitsspiel die Maschine für harte Einsätze prädestiniert und ihren sportlichen Charakter betont. So vereinen sich Eleganz und Robustheit in einem Paket, das sowohl Straße als auch gelegentliche Wettbewerbsfahrten im Blick hatte.
Technik im Detail

Die vor rund dreizehn Jahren erfolgte umfassende Restaurierung durch Tony Trumen hat dem Motorrad neues Leben eingehaucht und es in einen Zustand versetzt, der bei Wettbewerben Anerkennung fand. Nach der Vollendung gewann das Rad den Preis „Best Bike“ in Stafford und blieb danach als Schmuckstück in einer Ausstellungsumgebung präsent, was die dezente Nutzung unterstreicht. Die einzige dokumentierte Fahrleistung datiert aus der Zeit nach der Restaurierung, ein Umstand, der die sorgfältige Pflege und die zurückhaltende Kilometerleistung seitdem betont. Das Motorrad läuft nach Angaben als gut und wurde jüngst bewegt, was die Alltagstauglichkeit des historischen Gefährts belegt. Ergänzt wird die Dokumentation durch einen aktuellen V5C-Eintrag, der Herkunft und Registrierung nachvollziehbar macht. Dass das Motorrad seit der Restaurierung vornehmlich in einem Büro ausgestellt wurde, erklärt den beeindruckenden Erhaltungszustand weiterhin und erfreut Liebhaber weltweit.
Restaurierung und Zustand

Eines der faszinierendsten Merkmale ist die twin‑port OHV‑Konzeption des Motors, die für seine Zeit bemerkenswerte Performance ermöglichte. Zwei Auslasskanäle verbesserten den Gasstrom und die Abfuhr der Verbrennungsgase, was spürbar zu einem lebendigeren Drehmomentverlauf beitrug. In Kombination mit der speziell abgestimmten Sportabstimmung und der konkurrierenden Getriebeübersetzung entstand ein Motorrad, das nicht nur optisch als „Aristokrat der Motorradwelt“ galt, sondern auch fahrdynamisch hohen Ansprüchen genügte. Solch eine Bauweise belegt das technische Selbstverständnis jener Epoche, in der Ingenieurskunst und Rennerfahrung engen Austausch pflegten. Die Silver Streak war damit eine Hommage an Geschwindigkeit, Präzision und die Freude am Fahren.
Das technische Highlight

Optisch ist die Silver Streak ein Statement: Polierte Flächen und extensive Chromteile – von Tank über Werkzeugkasten bis zur Kettenabdeckung – geben dem Motorrad eine glänzende Präsenz. Die Kombination aus chromglänzenden Schutzblechen und dem klassischen Lucas-Scheinwerfersatz verleiht dem Fahrzeug eine unverwechselbare Silhouette bei Tag und Nacht. Rahmennummer 9955 und Motornummer 5941 dokumentieren die Identität dieses Exemplars, während das Kennzeichen 463 XUX und der Status „MOT-exempt“ Sammlern zusätzliche Sicherheit in rechtlicher Hinsicht bieten. Diese klaren Kennzeichnungen, verbunden mit dem tadellosen Erscheinungsbild, machen das Modell zu einer ausgezeichneten Referenz für Liebhaber historischer Mobilität und für alle, die das Zusammenspiel von Form und Funktion schätzen.
Ästhetik und Identität

Auf der Straße vermittelt die Maschine ein direktes, unverfälschtes Fahrgefühl: Der kompakte 348‑cm³‑Einzylinder spricht sensibel an, das Vierganggetriebe erlaubt nuancierte Gangwahl und die Amal‑Vergaserabstimmung belohnt feine Handhabung. Die Lucas‑Magnetzündung sorgt für zuverlässigen Zündfunken, während der bewährte Beleuchtungssatz Komfort bei Dunkelheit liefert. Dass seit der Restaurierung nur die seither angefallenen Kilometer verzeichnet sind, unterstreicht den schonenden Umgang mit dem Motorrad und erhöht die Attraktivität für Enthusiasten. Gewinnerpreise wie der ausgezeichnete Rang in Stafford belegen die Qualität der Vollendung, doch vor allem ist es das Gesamterlebnis aus Klang, Optik und Mechanik, das die Vorstellung beflügelt, eine solche Maschine durch Landstraßen und kleine Pässe zu führen. Die Kombination aus historischer Technik und originaler Optik macht jede Ausfahrt zu einem kulturellen Erlebnis und zu einer Reise in die Ingenieursgeschichte.
Fahrgefühl und Alltagstauglichkeit
Als Einzelstück in satter Chromierung kombiniert dieses Exemplar historische Eleganz mit praktischer Robustheit. Die Silver Streak‑Oberflächen sind nicht nur Show: Die umfangreichen Verchromungen schützen Bauteile und betonen gleichzeitig die Linienführung des Motorrads. Hohe Bodenfreiheit und der verstärkte Kurbelgehäuseschutz signalisieren Bereitschaft für rauere Bedingungen, sodass der sportive Charakter nicht nur visuell existiert. Der verantwortungsvolle Restaurator hat offensichtlich Wert auf Authentizität gelegt, was sich in der Auswahl originaler Komponenten wie dem Amal‑Vergaser oder der Lucas‑Elektrik widerspiegelt. Für Kenner sind Rahmennummer und Motornummer ein Plus, denn sie erlauben nachvollziehbare Zuordnung und schaffen Vertrauen in die Provenienz des Fahrzeugs. Das Ergebnis ist ein Motorrad, das Sammlerherzen höher schlagen lässt und zugleich die Lust weckt, es bewegt zu erleben. Die Kombination aus Stil, Technik und dokumentierter Historie ist unwiderstehlich und spricht viele Generationen an.
Sammlerwert und Anziehungskraft
Dieses 1938er AJS Model 26 Silver Streak bleibt ein Stück mobilitätsgeschichtlicher Poesie: poliert, technisch durchdacht und mit einer Dokumentation, die Herkunft und Pflege belegt. Das Vorhandensein des aktuellen V5C sowie der ausgezeichnete Restaurierungszustand erlauben die Vorstellung, das Rad nicht nur zu betrachten, sondern zu erleben. Für Freunde klassischer Maschinen ist es ein Objekt der Sehnsucht, das sowohl die Historie als auch die Freude am Fahren verknüpft. Es lädt dazu ein, die Sinne zu öffnen und sich vorzustellen, wie es wäre, hinter dem glänzenden Tank Platz zu nehmen und sofort loszufahren.
Bilder: Anbieter des Fahrzeuges



