Frontansicht eines violetten Abarth 600e Scorpionissima auf einer Rennstrecke in Kurvenfahrt.
Das neue Spitzenmodell Abarth 600e Scorpionissima fährt dynamisch durch eine Rennkurve. (Foto: Hersteller)

Abarth 600e: Elektrischer Giftzwerg mit Rennstrecken-Genen

Der neue Abarth 600e ist nicht nur ein Elektro-SUV mit leicht sportlicher Optik, sondern eine klare Ansage: Hier steht ein elektrischer Hot Hatch mit echten Rennstrecken-Genen. Auf der neuen Perfo eCMP-Plattform, entwickelt zusammen mit den Motorsport-Ingenieuren des Konzerns, bringt der kompakte Stromer bis zu 280 PS (207 kW) auf die Vorderachse – so viel Leistung hatte noch kein Abarth zuvor. Gleichzeitig verspricht das Konzept alltagstauglichen Fahrspaß, vom Stadtverkehr bis zur Landstraßenhatz.

Das stärkste Abarth-Serienmodell aller Zeiten

Nahaufnahme des Abarth Skorpion-Logos auf einer sportlichen Felge des 600e
Detailansicht des Skorpion-Logos auf einer Felge des Abarth 600e (Foto: Hersteller)

Im Zentrum des Konzepts steht der Elektroantrieb. In der Topversion Scorpionissima leistet der Motor 280 PS und 345 Nm Drehmoment, elektronisch abgeregelt auf 200 km/h Höchstgeschwindigkeit. Der Sprint von 0 auf 100 km/h gelingt in 5,85 Sekunden. Darunter positioniert ist der Abarth 600e Turismo mit 240 PS (175 kW), der in rund 6,24 Sekunden auf 100 km/h beschleunigt. Beide Varianten greifen auf dieselbe technische Basis zurück, unterscheiden sich aber in Ausstattung und Fokus.

Trotz der klaren Performance-Ausrichtung bleibt die Alltagstauglichkeit nicht auf der Strecke. Die elektrische Reichweite liegt je nach Bereifung bei bis zu 334 km nach WLTP, womit sich der 600e nicht nur für die schnelle Feierabendrunde, sondern auch für den täglichen Arbeitsweg oder Wochenendtrips empfiehlt. Unterstützt wird das von einer auf hohe Dauerleistung ausgelegten Kühlung mit großvolumiger Kühlmittelpumpe und spezieller Kalibrierung, die Leistungsverluste des Akkus bei wiederholten Vollgasfahrten begrenzen soll.

Drei Fahrmodi für Straße, Stadt und Rennstrecke

Typisch Abarth geht es nicht nur um Zahlen, sondern um Charakter. Der 600e bietet drei klar differenzierte Fahrmodi: Turismo, Scorpion Street und Scorpion Track. Im Modus Turismo wird die Leistung auf 110 kW im Turismo beziehungsweise 140 kW in der Scorpionissima-Version begrenzt, das Drehmoment liegt bei 300 Nm, die Höchstgeschwindigkeit bei 150 km/h. Hier steht eine gleichmäßige, gut dosierbare Leistungsabgabe im Vordergrund – ideal für den Stadtverkehr, nasse Straßen oder längere Strecken.

Im Scorpion Street Modus zieht der 600e die Zügel spürbar an: 150 kW (Turismo) beziehungsweise 170 kW (Scorpionissima) und das volle Drehmoment von 345 Nm stehen zur Verfügung, die Höchstgeschwindigkeit steigt auf 180 km/h. Dieser Modus ist der Sweetspot für Landstraßen und dynamische Alltagsfahrten, bei denen Spaß und Reserven wichtiger sind als maximale Effizienz. Wer es wirklich wissen will, wählt Scorpion Track: Dann stehen 175 kW (240 PS) im Turismo und 207 kW (280 PS) in der Scorpionissima bereit, jeweils mit 345 Nm und der vollen Vmax von 200 km/h.

Perfo eCMP, Torsen-Sperre und Michelin Pilot Sport EV

Der vielleicht spannendste Aspekt des Abarth 600e ist das Zusammenspiel von Antrieb, Fahrwerk und mechanischer Traktion. Die Perfo eCMP-Plattform wurde gemeinsam mit den Motorsport-Spezialisten entwickelt und auf hohe Steifigkeit sowie präzises Einlenkverhalten ausgelegt. Für spürbar mehr Agilität sorgen die verbreiterte Spur – vorne um 30 mm, hinten um 25 mm – und ein steifer abgestimmtes Fahrwerk mit verstärktem Chassis und hinterem Stabilisator. Ziel ist ein neutrales Fahrverhalten mit hoher Kurvengeschwindigkeit, ohne dass der Wagen sich nervös oder nervig anfühlt.

Herzstück für ambitionierte Fahrer ist das mechanische JTEKT-Torsen-Sperrdifferenzial. Anders als rein elektronische Traktionshilfen verteilt diese Lösung das Drehmoment aktiv zwischen den Vorderrädern. Mit einem Sperrgrad von 36 Prozent beim Beschleunigen und 34 Prozent beim Bremsen hilft das System, Antriebseinflüsse in der Lenkung zu reduzieren und die Kraft auch aus engen Kurven sauber auf den Asphalt zu bringen. Gerade bei einem 280-PS-Fronttriebler ist das ein entscheidender Baustein, um die Leistung in Vortrieb statt in Reifengequalme umzusetzen.

Bremsen und Reifen im Rennstrecken-Trimm

Passend dazu setzt Abarth bei den Komponenten auf Rennsport-erprobte Partner. Die Bremsanlage stammt von Alcon und besteht aus 380-mm-Scheiben mit Vierkolben-Monoblock-Sätteln – ein Format, das man so eher aus deutlich stärkeren Fahrzeugklassen kennt. Die Konstruktion ist auf hohe Standfestigkeit und gute Wärmeabfuhr ausgelegt, um auch bei wiederholten Vollbremsungen auf Trackdays nicht nachzulassen.

Die Verbindung zur Straße übernehmen speziell abgestimmte Michelin Pilot Sport EV Reifen, die mit Mischung und Aufbau auf die 280-PS-Leistung des 600e ausgelegt sind. Ziel ist ein hohes Gripniveau bei Trockenheit wie Nässe, ohne die Reichweite über Gebühr zu schmälern. In Kombination mit den 20 Zoll großen, diamantgedrehten Fünfspeichen-Felgen ergibt sich eine Optik, die den technischen Anspruch klar zur Schau stellt: Die weit geöffneten Speichen legen die lackierten Bremssättel frei und erinnern an den Stachel des Skorpions – passend zum Markenlogo.

Design zwischen Retro-Anklang und Gaming-Optik

Optisch bleibt der 600e seiner Marke treu, bricht aber bewusst mit reiner Retro-Nostalgie. Die Front zitiert mit ihrer markanten „Kassettone“-Anmutung den historischen Abarth 850 TC, während die sogenannte Sharknose-Frontschürze mit 3D-Logo, tiefergelegter Karosserie und geänderter Aerodynamik klar in die Gegenwart zeigt. Prägnante, schräge Linien in den Lufteinlässen und am Heckdiffusor bringen eine fast digitale, gamingartige Note ins Design.

Ein großer, kantiger Heckspoiler und aerodynamisch optimierte Diffusorelemente wurden im Windkanal entwickelt, um zusätzlichen Abtrieb und Stabilität bei höheren Geschwindigkeiten zu erzeugen. Schwarze Spiegelkappen und Türgriffe unterstreichen die aggressive Linienführung. Für die Lackierung stehen beim 600e Turismo die Farben Acid Green, Antidote White, Shock Orange und Venom Black zur Wahl, während die limitierte Scorpionissima-Edition ausschließlich in Acid Green und dem exklusiven Hypnotic Purple erhältlich ist. Letztere ergänzt ein glänzend schwarzes Bodykit mit eigenständigen Seitendekoren und farblich abgestimmten vorderen Bremssätteln.

Düsterer Innenraum mit Sabelt-Sitzen und Alcantara

Im Innenraum setzt sich der sportliche Anspruch konsequent fort. Das Cockpit ist komplett in dunklen Tönen gehalten – vom Dachhimmel über die Säulen bis zu den Verkleidungen. Kontrastnähte und zahlreiche Skorpion-Logos lockern die Atmosphäre auf, ohne die klare Ausrichtung auf Fahrdynamik zu verwässern. Das Sportlenkrad trägt einen Lederkranz mit Alcantara-Einsätzen oben und unten, was nicht nur gut aussieht, sondern auch die Griffigkeit bei ambitionierter Gangart verbessert.

Die Sabelt-Sportsitze unterscheiden sich je nach Version: Im Turismo kommen integrierte Kopfstützen mit gestreiftem Stoffbezug zum Einsatz, die einen Kompromiss aus Komfort und Seitenhalt bieten. Die Scorpionissima-Version geht einen Schritt weiter: Alcantara-Bezug, perforierte Flächen, stark ausgeprägte Seitenwangen, integrierte Durchführungen für Gurtsysteme, vierfach abgestufte Schaumdichten und Sitzheizung sorgen für das passende Rennfeeling. Hinzu kommen Details wie das Scorpionflage-Muster auf Oberflächen und Paspeln, Aluminium-Pedale und -Fußstützen, ein Einstiegsleisten-Einsatz mit Abarth-Gravur sowie spezielle Fußmatten mit Scorpionissima-Signatur.

Infotainment, ChatGPT-Assistent und Soundgenerator

Technisch ist der 600e deutlich moderner, als sein Giftzwerg-Image zunächst vermuten lässt. Vor dem Fahrer sitzt ein 7-Zoll-Farbdisplay mit spezifischen Abarth-Grafiken, in der Mitte ein 10,25-Zoll-Touchscreen. Zur Ausstattung zählen ein umfangreiches Infotainmentsystem, drahtlose Smartphone-Integration per Apple CarPlay und Android Auto (Wireless-Adapter), Sprachsteuerung sowie USB-A- und USB-C-Anschlüsse. Im Turismo kommt ein Radiosystem mit sechs Lautsprechern zum Einsatz; die Scorpionissima-Version ergänzt eine integrierte Navigation und eine induktive Ladeschale für Smartphones.

Für Technikfans besonders interessant: Erstmals kommt ein auf ChatGPT basierender Sprachassistent zum Einsatz. Über natürliche Sprache lassen sich Informationen abrufen oder Tipps rund um die Fahrt einholen, ohne in Untermenüs tauchen zu müssen. Performance-orientierte Fahrer freuen sich zudem über spezielle Anzeigen für Drehmomentverteilung, technische Parameter und eine Rennseite mit Zeitnahme und G-Kräften. Exklusiv der Scorpionissima vorbehalten ist ein Soundgenerator, der den synthetischen „Abgas“-Klang an den Fahrzustand anpasst, bei höherer Drehzahl an Schärfe gewinnt und bei konstantem Tempo abklingt. Ab etwa 80 km/h tritt der Sound in den Hintergrund, um lange Fahrten weniger anstrengend zu machen.

Sicherheitsausstattung und Fahrerassistenz auf aktuellem Niveau

Damit die Performance beherrschbar bleibt, ist der Abarth 600e mit einer umfassenden Sicherheitsausstattung unterwegs. Sechs Airbags, ein automatisches Notrufsystem, Müdigkeitserkennung und autonome Notbremsung gehören ebenso zum Paket wie Spurverlassenswarnung und Spurhalteassistent. Adaptive Geschwindigkeitsregelanlage und elektrische Parkbremse sind in beiden Varianten an Bord, ebenso ISOFIX-Halterungen vorne (Beifahrersitz) und hinten für Kindersitze.

Die limitierte Scorpionissima-Version legt noch einmal nach und bietet Fahrerassistenzsysteme auf Level-2-Niveau mit Spurzentrierung und Stauassistent, 360-Grad-Parksensoren samt Rückfahrkamera, urbanen Totwinkelwarner, elektrisch anklappbare Außenspiegel, Verkehrszeichenerkennung und automatische Fernlichtsteuerung. Komfortfeatures wie eine sensorgesteuerte, elektrische Heckklappe, ein variables Ladeboden-System (Cargo Flex) sowie Regensensor, Lichtsensor und schlüsselloses Startsystem machen den Alltag im kompakten Sportler deutlich entspannter.

Limitierte Scorpionissima und Marktstart in Europa

Die Scorpionissima-Edition des Abarth 600e ist auf 1.949 Exemplare limitiert – eine Referenz an das Gründungsjahr der Marke. Neben der stärkeren Motorisierung, den erweiterten Assistenzsystemen und den markanten Design-Details ist diese Version damit klar auf Sammler und Enthusiasten zugeschnitten, die einen elektrischen Hot Hatch mit Alleinstellungsmerkmal suchen. Parallel dazu steht der etwas zivilere, aber keineswegs zahme 600e Turismo als sportliche Alltagsvariante bereit.

Bestellungen für beide Modelle werden in den wichtigsten europäischen Märkten seit Ende Oktober 2024 entgegengenommen. Damit ist der Weg frei für eine neue Generation kompakter Elektro-Sportler, die Rennstrecken-Temperament mit urbaner Alltagstauglichkeit verbindet – und zeigt, dass elektrischer Fahrspaß weit mehr sein kann als nur lautlose Effizienz.

Bilder: Hersteller